Zeynep ist zwischen zwei Ländern aufgewachsen, buchstäblich: jeden Sommer die gleiche Strecke, im Koffer immer Bücher in beiden Sprachen. Irgendwann fing sie an, dasselbe Buch zweimal zu lesen — einmal auf Türkisch, einmal auf Deutsch — nicht aus Fleiß, sondern weil ihr aufgefallen war, dass es nie ganz dasselbe Buch war.
Diese Beobachtung ist zu ihrer Methode geworden. Sie schreibt über das, was zwischen zwei Fassungen eines Werks verschwindet oder entsteht: ein Wortspiel, das sich nicht überträgt, eine kulturelle Anspielung, die eine Fußnote braucht, ein Rhythmus, der in der anderen Sprache plötzlich holpert oder, seltener, besser klingt. Sie ist überzeugt, dass eine Übersetzung kein Verlust allein ist — manchmal gewinnt ein Satz etwas, das das Original nie hatte.
Ihr Mann sammelt seit Jahren Bücher, mit einer Ausdauer, die sie selbst nie hätte aufbringen können, und die beiden haben ein festes Ritual: Auf jeder Reise wird dasselbe Buch in zwei Sprachen gekauft, egal wie voll der Koffer schon ist. Ein Teil ihrer Artikel entsteht direkt aus diesen Regalen.
Sie ist langsam mit Kunstkritik, die zu sicher klingt, und hat eine Liste von Werken, die im deutschsprachigen Raum systematisch anders gelesen werden als im türkischsprachigen. Sie lebt in Paris, arbeitet oft in überfüllten, mittelmäßig beleuchteten Antiquariaten und hat eine feste Meinung dazu, wann ein Nachwort ein Buch rettet und wann es ihm im Weg steht.
Zeynep Arslan-Wagner ist das Redaktionskürzel für Was in der Übersetzung verloren geht bei
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