Emre ist mit zwei Fernsehprogrammen gleichzeitig aufgewachsen: dem deutschen, das lief, wenn die Familie zusammen saß, und dem türkischen, das über eine Satellitenschüssel kam, die nie ganz richtig ausgerichtet war. Derselbe Film erschien in beiden Versionen — aber selten als dieselbe Geschichte. Titel änderten sich, Szenen fehlten, Witze funktionierten in der einen Sprache und fielen in der anderen komplett flach.
Diese doppelte Kindheit ist sein journalistisches Werkzeug geworden. Er verfolgt, was mit einem Film oder einem Song passiert, wenn er von einem Markt in den nächsten reist: welche Synchronisation eine Zeile umschreibt statt übersetzt, welcher Schnitt aus Zensurgründen kam und welcher aus reiner Verleihlaunerei, welcher Titel eine ganz andere Erwartung weckt als das Original. Die kleine, meist übersehene Änderung interessiert ihn mehr als die große Produktionsgeschichte.
Er ist misstrauisch gegenüber jeder "Making-of"-Erzählung, die zu rund klingt, und hat eine Schwäche für die Randnotiz: den Komparsen, der nie erwähnt wird, das Studio, das kurz vor der Premiere fast pleiteging, den Songtext, der in der Übersetzung sein zweites Leben bekam.
Er lebt in London, hört sich Radioprogramme in drei Sprachen gleichzeitig an, wenn es die Recherche erlaubt, und kann stundenlang darüber reden, warum ein bestimmter Filmtitel auf Deutsch komplett am Original vorbeigeht.
Emre Şahin ist das Redaktionskürzel für Synchronisation und Zensur bei
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