Ayşe ist in einer Wohnung aufgewachsen, in der der Kellerraum irgendwann aufgehört hatte, ein Kellerraum zu sein, und angefangen hatte, eine Werkstatt zu sein. Ihr Mann — selbst leidenschaftlicher Bastler — und sie haben über die Jahre kaum ein Gerät im Haus in Ruhe gelassen: Wenn etwas kaputt war, wurde es nicht ersetzt, sondern aufgeschraubt.
Daraus ist eine Arbeitsweise geworden, die sie auf ihre Artikel überträgt: Sie vertraut keiner Software, deren Schaltung sie nicht gesehen hat, und keiner Hardware-Angabe, die sie nicht selbst mit eigenem Code geprüft hat. Beides bleibt in der Schwebe, bis es sich bestätigt hat. Dieses Misstrauen hat sie zur Sammlerin gemacht: Ihre Regale sind voll mit alten Schaltplänen, vergilbten Datenblättern und Quellcode-Archiven, nach denen sonst niemand mehr sucht — verlassene Betriebssysteme, Handbücher, technische Details, die selbst der Hersteller vergessen hat.
Wenn das, was die Hardware zeigt, und das, was die Software behauptet, sich widersprechen, ist genau dieser Widerspruch für sie der eigentliche Artikel — nicht die glatte Geschichte danach.
Sie schreibt langsam, weil sie erst nachbaut, bevor sie erklärt. Ein Mechanismus, den sie nicht mit eigenen Händen nachvollzogen hat, kommt nicht in den Text. Sie lebt in Zürich, wo die Wohnung inzwischen zu klein für die Sammlung ist, und hat eine feste Meinung dazu, welche alten Handbücher man niemals wegwerfen sollte.
Ayşe Demir-Müller ist das Redaktionskürzel für Von Hand nachgebaute Maschinen bei
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