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Das letzte Abendmahl in Jerusalem: Verrat und Eucharistie

Das letzte Abendmahl fand nach übereinstimmender Darstellung der Evangelien am Vorabend der Kreuzigung Jesu in Jerusalem statt, in einem festlich hergerichteten Obergemach, wo er mit seinen Jüngern das Passahmahl feierte. In dieser Nacht verdichtete sich alles: Hingabe und Verrat, ein gemeinsames Brot und ein angekündigter Bruch. Jesus deutete Brot und Wein als seinen Leib und sein Blut und stiftete damit jenes Ritual, das die Christenheit bis heute als Eucharistie begeht. Zugleich saß mit Judas Iskariot der Mann am Tisch, der ihn wenig später ausliefern sollte. Kaum eine Szene der Bibel hat Kunst, Liturgie und Theologie so tief geprägt wie dieses Mahl.

Wichtige Fakten
  • Nach den synoptischen Evangelien war das Mahl ein Passahmahl, das Jesus am Abend vor seinem Tod in Jerusalem feierte.
  • Jesus deutete Brot und Wein als seinen Leib und sein Blut und begründete damit die Feier der Eucharistie.
  • Er kündigte den Verrat eines seiner Tischgenossen an, woraufhin Judas Iskariot als der Verräter benannt wurde.
  • Das Johannesevangelium datiert das Geschehen anders und verlegt die Kreuzigung auf den Rüsttag vor dem Passahfest.
  • Der Apostel Paulus überliefert in seinem ersten Korintherbrief die älteste bekannte schriftliche Fassung der Einsetzungsworte.

Das Wichtigste in Kürze

Das letzte Abendmahl war nach biblischer Überlieferung ein Passahmahl Jesu mit seinen Jüngern in Jerusalem, gefeiert am Abend vor seiner Verhaftung und Kreuzigung, die in die Jahre 30 bis 33 n. Chr. datiert wird. Während des Mahls deutete Jesus Brot und Wein als Zeichen seines Leibes und Blutes und kündigte an, dass einer der Anwesenden ihn verraten werde.

Das letzte Abendmahl in Jerusalem: Verrat und Eucharistie

Stellen Sie sich einen großen, mit Teppichen ausgelegten Raum im Obergeschoss eines Jerusalemer Hauses vor. Draußen liegt die Nacht über der Stadt, drinnen sitzen dreizehn Männer um einen Tisch, und einer von ihnen weiß, dass es das letzte Mal ist, dass er mit den anderen das Brot teilt. Was in diesen Stunden geschieht, gehört zu den bekanntesten Szenen der Weltgeschichte: das letzte Abendmahl, jene Mahlgemeinschaft Jesu mit seinen Jüngern, die die christliche Kirche bis heute in der Eucharistie feiert. Zugleich ist es eine Szene voller Spannung, denn in dieselbe Nacht fällt der Verrat des Judas.

Wer sich dem Geschehen nähern will, muss zunächst wissen, worauf unser Wissen beruht. Die vier Evangelien nach Markus, Matthäus, Lukas und Johannes wurden zwischen etwa 70 und 125 n. Chr. verfasst, also Jahrzehnte nach den Ereignissen selbst. Sie sind keine Protokolle, sondern Glaubenszeugnisse, die aus mündlicher Überlieferung schöpfen. Wer das im Kopf behält, liest die folgenden Szenen mit anderen Augen.

Ein Jude auf dem Weg zum Fest

Jesus stammte aus Galiläa im Norden Israels und wuchs in Nazareth auf. Nach den Evangelien wurde er in Bethlehem in Judäa geboren. Als Jude war er nach der Tora verpflichtet, dreimal im Jahr nach Jerusalem zu pilgern: zum Passah im März oder April, zum Schawuot fünfzig Tage danach und zum Sukkot im September oder Oktober. Jerusalem war also kein fremder Ort für ihn, sondern das Ziel regelmäßiger Wallfahrten.

Der Einzug in die Stadt, bei dem die Menge Palmzweige trug, wird in der Forschung mit dem Sukkot-Fest im Herbst in Verbindung gebracht. Daraus ergibt sich ein Hinweis darauf, dass die Erzählung Ereignisse aus verschiedenen Zeiten zu einem einzigen Handlungsbogen verdichtet. Während seines Aufenthalts geriet Jesus mehrfach mit den religiösen Autoritäten aneinander. Am deutlichsten wurde er im Tempel: Er stieß die Tische der Geldwechsler um und vertrieb die Händler, die im Vorhof ihre Tiere verkauften. Sein Vorwurf lautete, der heilige Ort werde durch Geschäfte entweiht.

Auch in den Streit um die Steuer wurde er verwickelt. Als man ihn fragte, ob man dem Kaiser Steuern zahlen dürfe, antwortete er mit dem berühmten Satz, man solle dem Kaiser geben, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Vor dem römischen Gericht wurde ihm später dennoch vorgeworfen, er habe die Steuerzahlung verweigert.

Die Vorbereitung des Mahls

Weil nicht alle Pilger in der Stadt übernachten konnten, hielten sich Jesus und seine Jünger am Ölberg auf, wo galiläische Wallfahrer traditionell lagerten. Als der Tag der Passahvorbereitung kam, fragten die Jünger ihren Meister, wo sie das Festmahl vorbereiten sollten. Im Markusevangelium heißt es, Jesus habe zwei von ihnen nach Jerusalem geschickt und sie angewiesen, einem Mann zu folgen, der einen Wasserkrug trägt. In dem Haus, in das er sie führe, werde der Hausherr ihnen einen großen, bereits hergerichteten Obersaal zeigen.

Nach jüdischem Recht musste das Passahlamm innerhalb der Grenzen Jerusalems gegessen werden. Deshalb wurden in den Häusern der Stadt Zimmer für die Pilger reserviert. Die Vorbereitung begann mit der Entfernung allen Sauerteigs, ein Reinigungsvorgang, der Urhatz genannt wurde. Danach kaufte man das Lamm, brachte es in den Tempel, ließ es dort von Gelehrten schlachten und nahm es zum Braten mit nach Hause. Markus beschreibt den Raum als groß, mit Polstern ausgelegt und zum Fest bereit. Gegessen wurde nach griechischer Sitte im Liegen, wie es damals unter Juden üblich geworden war. Ob die Speisen auf einer gemeinsamen Platte standen oder jeder sein eigenes Gefäß hatte, lässt sich nicht mehr klären; vermutlich wurden sie von Hand zu Hand weitergereicht.

Der Überlieferung nach folgte das Passahmahl einer festen Ordnung namens Seder. Der Vorsitzende sprach vier Segenssprüche, jeder von einem Becher Wein begleitet. Auf dem Tisch lagen stets drei ungesäuerte Brote, die Matzot, die gebrochen und in kleinen Stücken verteilt wurden. Bittere Kräuter wurden in eine süße Sauce getaucht, um an das Leid der Hebräer in Ägypten zu erinnern. Der zweite Teil des Mahls war dem Lamm gewidmet. Den Abschluss bildeten ein Dankgebet vor Mitternacht, das Lesen eines Psalms und Worte, die an Gottes Erbarmen erinnerten.

An dieser Stelle ist Vorsicht geboten: Die feste Ordnung des klassischen Seder mit vier Bechern und drei Matzot ist erst in nachbiblischer Zeit belegt. Ob sie bereits im ersten Jahrhundert in dieser Form bestand, lässt sich nicht sicher sagen.

War das letzte Abendmahl ein Passahmahl?

Die Evangelien berichten nur wenig darüber, wie Jesus das Mahl tatsächlich gestaltete. Ob es in allen Punkten den Regeln des Passahfestes entsprach, bleibt daher offen. Die synoptischen Evangelien stellen das Mahl als Passahmahl dar, Johannes datiert es jedoch vor das Passah, weshalb die Deutung umstritten ist. Einige Züge passen zum Fest: Jesus sitzt als Vorsitzender im Zentrum, und seine Segensworte über Brot und Wein fügen sich in jüdische Tradition. Die Evangelien erwähnen den Segen ausdrücklich „beim Essen“, also mitten im Mahl, weder davor noch danach. Das entspricht dem dritten Segen des Passahmahls, der vor dem Verzehr des Lammes gesprochen wurde. Lukas nennt zusätzlich einen zweiten Weinsegen „nach dem Essen“, wie er den Abschluss des Festmahls bildete.

Andererseits fehlt in den Erzählungen jeder direkte Hinweis darauf, dass das Lamm oder die bitteren Kräuter gegessen wurden. Manche Forscher vermuten deshalb, Jesus habe dieses Mahl ein oder zwei Tage vor dem eigentlichen Passah gefeiert.

Ein neuer Bund

Der tiefste Bruch mit der jüdischen Tradition liegt in den Worten, die Jesus bei diesem Mahl spricht. Beim Passah zeigte der Vorsitzende traditionell das ungesäuerte Brot und sagte, dies sei das Brot des Elends, das die Väter in Ägypten gegessen hätten. Jesus dagegen reichte Brot und Wein seinen Jüngern mit den Worten, dies sei sein Leib und sein Blut. Damit erneuerte er den Bund, den Gott einst mit seinem Volk geschlossen hatte. Im Buch Exodus heißt es, Mose habe das Blut genommen und über das Volk gesprengt mit den Worten, dies sei das Blut des Bundes.

Was Jesus in jener Nacht genau sagte, lässt sich nicht mit letzter Sicherheit rekonstruieren. Die Berichte entstanden Jahrzehnte nach der Passion und stützen sich auf mündliche Überlieferung. Dennoch zeigen sie, welche Wirkung sein letzter Segen auf die ersten christlichen Gemeinden hatte. Für sie wurde die Eucharistie, das Mahl des Herrn, zu einer gemeinsamen Feier, in der sie das Opfer Jesu vergegenwärtigten. Die Apostelgeschichte berichtet, die ersten Christen hätten sich dem Brechen des Brotes und dem Gottesdienst gewidmet.

Die früheste schriftliche Spur dieses Verständnisses stammt von Paulus. In seinem ersten Brief an die Korinther, geschrieben zwischen 54 und 58 n. Chr., überliefert er die Einsetzungsworte: Jesus habe in der Nacht seiner Auslieferung das Brot genommen, gedankt, es gebrochen und gesagt, dies sei sein Leib, der für die Seinen hingegeben werde; ebenso habe er nach dem Mahl den Kelch erhoben und von einem neuen Bund gesprochen, der durch sein Blut besiegelt ist. Paulus verstand dieses Mahl als Auftrag: Sooft die Gemeinde davon esse und trinke, verkünde sie den Tod des Herrn. Er war überzeugt, diese Einsicht sei ihm von Gott offenbart worden. Während die meisten Historiker früher eine bereits bestehende Tradition der Gemeinden annahmen, sehen jüngere Forscher darin stärker das persönliche Denken des Paulus. Wie auch immer man urteilt: Dieses Verständnis prägte die später verfassten Evangelien und wurde zu einem Grundpfeiler der christlichen Kirche.

Der Blick des Johannes

Das Johannesevangelium, das wahrscheinlich um das Jahr 100 n. Chr. in Ephesus entstand, geht einen eigenen Weg. Es verlegt das letzte Abendmahl vor das Passahfest, auf einen Dienstag oder Mittwoch. Diese genaue Datierung ist eine Rekonstruktion und nicht eindeutig belegt. In dieser Darstellung segnet Jesus weder Brot noch Wein. Stattdessen wäscht er seinen Jüngern die Füße, eine Handlung, die seinen nahen Tod symbolisiert. Am nächsten Tag, so erzählt Johannes weiter, wollten die Ankläger nicht in das Haus des Pilatus eintreten, um sich nicht zu verunreinigen, weil sie noch das Passahmahl vor sich hatten. Man nimmt an, diese Darstellung ziele darauf ab, Jesu Tod mit den Opfern im Tempel zusammenfallen zu lassen und ihn als Lamm Gottes zu präsentieren. Zwischen dieser Schilderung und den übrigen Evangelien bleibt ein unauflösbarer Unterschied.

Judas und der Verrat

Eine der eindringlichsten Szenen des Mahls dreht sich um den Verrat des Judas. Ob er während des Verrats tatsächlich am Tisch saß, ist nicht gesichert. Die synoptischen Evangelien, also Markus, Matthäus und Lukas, berichten, Jesus habe während des Essens gesagt, einer von ihnen werde ihn ausliefern. Bei Markus und Lukas fällt der Name Judas nicht, seine Anwesenheit wird vorausgesetzt. Matthäus dagegen schildert einen offenen Wortwechsel: Als Jesus den Verräter ankündigt, fragt Judas, ob er es sei, und Jesus antwortet, er habe es gesagt. Kein Text jedoch berichtet, Judas habe das Mahl verlassen, um die Soldaten zu holen. Das tut allein Johannes, der erzählt, Judas sei nach dem Bissen sogleich hinausgegangen. Manche Ausleger halten es für möglich, dass Judas beim Mahl gar nicht dabei war und gerade seine Abwesenheit den Verdacht bestätigte.

Das Gemälde des Juan de Juanes

Wie spätere Generationen diese Szene sahen, zeigt ein Werk des valencianischen Malers Juan de Juanes, das der Überlieferung nach zwischen 1555 und 1562 entstand. Eine genaue Datierung lässt sich nicht sicher bestätigen, denn Juan de Juanes schuf mehrere Abendmahlsdarstellungen im 16. Jahrhundert. Auf dem Bild segnet Jesus gerade Brot und Wein.

Der Tisch ist flach und symmetrisch angeordnet, eine Kompositionsform, die in der westlichen Kunst seit dem 12. Jahrhundert verbreitet war. Diese Form lässt die Figuren gleichmäßig Platz nehmen und rückt Jesus in die Mitte, um seine Heiligkeit zu betonen. In seinen Händen hält er die Hostie, die heilige Speise, mit der er die Eucharistie stiftet. Rechts von ihm sitzt Petrus, vor dem Tisch stehen Krug und Becken, die auf die Fußwaschung verweisen, Zeichen von Dienst und Demut. Links von Jesus neigt sich Johannes, der geliebte Jünger, ihm zu. Alle Jünger außer Judas tragen einen Heiligenschein mit ihrem Namen. Judas dagegen befindet sich am linken Bildrand, in gelber Kleidung, die traditionell als Symbol für Verrat und Böses gedeutet wird. In der Hand hält er den Beutel mit dem Geld, das er für seinen Verrat erhielt. Der Kelch in der Mitte wird mit dem Heiligen Gral in der Kathedrale von Valencia identifiziert, doch die Verbindung zum Gemälde ist nicht gesichert. Auf dem Tisch liegen fünf Brote, eine Anspielung auf die Speisung der Fünftausend. Die Hostie selbst ist ein dünnes, rundes, ungesäuertes Brot, dessen runde Form sich seit dem Mittelalter durchgesetzt hat.

Und dann sind da die Worte, die Markus überliefert: Während sie aßen, nahm Jesus das Brot, segnete es, brach es und gab es seinen Jüngern mit den Worten, nehmt, dies ist mein Leib. Danach nahm er einen Kelch, dankte, reichte ihn ihnen, und alle tranken daraus. Und er sprach zu ihnen, dies sei sein Blut des Bundes, das für viele vergossen werde.

Hinweis der Redaktion: Angaben zu Datierung, Ablauf und Deutung beruhen auf unterschiedlichen Überlieferungen und werden dort, wo sie nicht gesichert sind, ausdrücklich als unsicher gekennzeichnet.

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