Benito Mussolini: Vom Sozialisten zum Diktator

Benito Mussolini war ein italienischer Politiker, der sein Land von 1922 bis 1943 als faschistischer Diktator regierte und damit das erste faschistische Regime Europas errichtete. Vom jungen Sozialisten und streitbaren Journalisten wurde er zum "Duce", der Presse, Parlament und Justiz gleichschaltete und die Italiener in den Krieg trieb. An der Seite Adolf Hitlers stürzte er sein Land in eine Katastrophe. Am 28. April 1945 wurde er von Partisanen erschossen und sein Leichnam auf der Piazzale Loreto in Mailand öffentlich zur Schau gestellt.
- Mussolini begann seine politische Laufbahn in der Sozialistischen Partei Italiens und leitete zeitweise deren Parteizeitung "Avanti!".
- Im Jahr 1919 gründete er in Mailand die "Fasci di Combattimento", aus denen die faschistische Bewegung hervorging.
- Mit dem Marsch auf Rom im Oktober 1922 wurde er zum Ministerpräsidenten ernannt und errichtete in den Folgejahren eine Einparteien-Diktatur.
- Ab 1936 näherte er Italien dem nationalsozialistischen Deutschland an und schloss 1939 den "Stahlpakt" mit Hitler.
- Nach dem Sturz 1943 stand er an der Spitze der deutschen Protektoratsregierung von Salò und wurde am 28. April 1945 von Partisanen erschossen.
Das Wichtigste in Kürze
Benito Mussolini wurde 1883 in der Romagna geboren, war zunächst Sozialist und gründete 1919 die faschistischen Kampfbünde. Im Oktober 1922 kam er mit dem Marsch auf Rom an die Macht und baute bis 1925 eine Diktatur auf. 1943 gestürzt, regierte er im deutschen Protektorat der Republik von Salò weiter und wurde 1945 von Partisanen getötet.
Benito Mussolini: Vom Sozialisten zum Diktator
Stellen Sie sich einen kleinen Jungen in der Romagna vor, irgendwo zwischen Feldern und ärmlichen Häusern. Sein Vater ist Schmied, glühender Sozialist und überzeugter Gegner der Kirche. Seine Mutter ist Lehrerin und tief gläubige Katholikin. In diesem Haus treffen zwei Welten aufeinander, und mittendrin wächst ein Kind heran, das später ganz Italien beherrschen sollte. Die Rede ist von Benito Mussolini.
Er wurde am 29. Juli 1883 in der Gemeinde Dovia bei Predappio geboren. Seinen Vornamen verdankte er nicht dem Zufall: Der Vater benannte ihn nach dem mexikanischen Revolutionär Benito Juárez, dazu kamen die Namen des Anarchisten Amilcare Cipriani und des Sozialisten Andrea Costa. So trug der Junge gleich drei politische Bekenntnisse im Namen, Benito Amilcare Andrea. Der Vater las ihm früh die Schriften von Bakunin bis Eugène Sue vor. Wer in einem solchen Klima aufwächst, entwickelt selten ein ruhiges Wesen.
Mussolini wurde ein hitziger, streitlustiger Mensch, der Gewalt nicht fürchtete, sondern suchte. Mit achtzehn Jahren begann er als Lehrer zu arbeiten, hielt sich aber bald in der Schweiz auf. Dort begegnete er der italienischen Sozialistin Angelica Balabanoff, die seinen politischen Werdegang spürbar prägte. Sein Schweizer Abenteuer endete jäh: Wegen eines gefälschten Passes und umstürzlerischer Aktivitäten wurde er verhaftet und ausgewiesen.
Zurück in Italien erschienen seine Artikel nach und nach in der sozialistischen Presse. Er bekannte sich zur Linie von Arturo Labriolas Zeitung Avanguardia Socialista und nannte sich selbst einen Revolutionär. 1910 wurde er Generalsekretär der Sozialistischen Föderation von Forlì und leitete die Zeitung La Lotta di Classe. In seinen Texten griff er die Kirche und die Staatsführung offen an.
Als Italien 1911 in den Krieg gegen das Osmanische Reich um Libyen zog, stellte sich Mussolini entschieden dagegen. Er rief zum Generalstreik auf und wurde zu einer Haftstrafe verurteilt. Diese Haft machte ihn, so seltsam es klingt, landesweit bekannt. Als unversöhnlicher Kopf wurde er Chefredakteur des Avanti!, des Parteiblatts der Sozialisten.
Zwischen Kriegsgegnerschaft und neuem Kurs
Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs begrüßte Mussolini den Konflikt zunächst mit dem Slogan, es brauche weder einen Mann noch einen einzigen Groschen dafür. Wer ihn kannte, hielt ihn für einen Gegner des Krieges. Doch seine Haltung kippte. In einem Artikel lobte er unerwartet den Antimilitaristen Gustave Hervé, der sich freiwillig gemeldet hatte. Obwohl er noch Parteimitglied war, wurde er von der Leitung des Avanti! entfernt. Kurz darauf gründete er die Zeitung Il Popolo d'Italia und schrieb dort, um den Krieg zu verhindern, müsse man den Staat durch Revolution stürzen. Damit war sein Weg in der Sozialistischen Partei beendet, 1914 wurde er ausgeschlossen.
Der Weg zur Macht
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs schien Mussolini politisch vergessen. Die Kriegsbefürworter sahen sich heftiger Kritik ausgesetzt, während die kriegsgegnerischen Sozialisten 1919 als stärkste Kraft aus den Wahlen hervorgingen. Gegen sie formierte sich Widerstand, und Mussolini stand an vorderster Front. Am 23. März 1919 gründete er in Mailand die Fasci di Combattimento. An der Versammlung auf der Piazza San Sepolcro nahmen vor allem ehemalige Soldaten teil, die genaue Zahl der Anwesenden wird in den Quellen unterschiedlich angegeben. Diese Bewegung war, ganz nach Mussolinis Naturell, voller Widersprüche. Von Anfang an vertrat er keine feste Lehre, sondern richtete sich nach den Ereignissen des Tages.
Sein erstes handfestes Zeichen setzte er, als er die sozialistische Redaktion des Avanti! verwüsten ließ. Damals war der Faschismus in Italien noch schwach. Doch als Fabrikbesetzungen um sich griffen, floss plötzlich Geld aus Kreisen des Kapitals an Mussolini. Bei den Wahlen von 1919 scheiterten die Faschisten deutlich, auch Mussolini selbst wurde nicht gewählt. Der Überlieferung nach stellten sie damals zwei Kandidaten auf, die genaue Zahl ist jedoch nicht einheitlich belegt.
1920 beschloss die Regierung unter Giovanni Giolitti, Mussolini im Kampf gegen die Arbeiterproteste zu stützen, so zumindest eine verbreitete, in der Forschung aber umstrittene Darstellung. Bei den vorgezogenen Wahlen von 1921 zog Mussolini ins Parlament ein, als einer von rund fünfunddreißig faschistischen Abgeordneten. In diesen Jahren erschütterten gewaltsame Auseinandersetzungen das ganze Land. Mussolini hatte inzwischen seine republikanischen Überzeugungen abgelegt und stellte sich hinter die Monarchie. 1921 beschloss ein faschistischer Kongress in Rom die Umwandlung in eine Partei.
Am 26. Oktober 1922 verkündete Mussolini eine faschistische Mobilmachung in ganz Italien. Öffentliche Einrichtungen, Verwaltungen und Postämter wurden besetzt. Um die inneren Unruhen zu beenden, ernannte König Viktor Emanuel III. ihn zum Ministerpräsidenten. Die faschismusfreundlichen Armeeeinheiten kehrten in ihre Kasernen zurück. Nach einer Übergangszeit von drei Jahren festigte Mussolini seine totalitäre Herrschaft endgültig, ausgelöst auch durch die Ermordung des sozialistischen Politikers Giacomo Matteotti im Jahr 1924.
Außenpolitik, Titel und Alltag der Diktatur
Nach außen trat Mussolini aggressiv auf. Bereits 1924 annektierte Italien die Stadt Fiume, später stellte er Albanien unter italienischen Schutz und unterzeichnete 1929 die Lateranverträge mit dem Vatikan. All dies stärkte den Faschismus im Inneren erheblich. Mussolini selbst führte den Titel Duce, was so viel wie Führer oder Anführer bedeutet.
Seine Gedanken wurden zunehmend düster. Frieden hielt er für schädlich für die Völker, den Krieg für etwas Edles, und den Faschismus betrachtete er als ein Produkt des Krieges. 1931 mussten italienische Hochschullehrer einen Treueeid auf ihn leisten. Der Faschismus durchdrang nun das ganze Land. 1933 begann eine vorsichtige Annäherung zwischen Italien und Deutschland.
1938 traf Mussolini in Rom mit dem deutschen Reichskanzler Adolf Hitler zusammen. Danach wandte sich der italienische Faschismus auch dem Rassismus zu. Im Mai 1939 wurde der Stahlpakt zwischen Italien und Deutschland unterzeichnet, wobei das genaue Datum in den Quellen unterschiedlich mit dem 21. oder 22. Mai angegeben wird. Der Zweite Weltkrieg stand vor der Tür.
Mussolini trat auf deutscher Seite in den Krieg ein und besetzte Albanien, erlitt jedoch gegen Griechenland eine schwere Niederlage. Diese Niederlage beeinflusste den Kriegsverlauf unmittelbar, denn die deutsche Armee musste die Besetzung Griechenlands selbst übernehmen und verlor dadurch wertvolle Zeit.
Sturz, Befreiung und Ende
Am 9. Juli 1943 landeten amerikanische, britische und kanadische Truppen auf Sizilien. Der Große Faschistische Rat sprach Mussolini das Vertrauen ab, und der König ordnete seine Verhaftung an. Der neue Ministerpräsident, Marschall Pietro Badoglio, schloss einen Waffenstillstand mit den Alliierten. Daraufhin besetzte Deutschland Italien ab September 1943.
Am 12. September 1943 wurde Mussolini von deutschen Fallschirmjägern aus seiner Haft in den Apenninen befreit. Am 23. September 1943 rief er die Italienische Sozialrepublik aus. Die italienische Regierung erklärte Deutschland am 13. Oktober 1943 den Krieg.
Das Chaos dauerte weniger als zwei Jahre, dann war der Krieg für Deutschland verloren. Am 28. April 1945 wurde Mussolini von Partisanen gefasst und zusammen mit seiner Geliebten Clara Petacci erschossen. Aus Furcht, Anhänger könnten die beiden befreien, hatten die Partisanen sie in der Nacht zu einem Bauernhof der Familie De Maria in der Nähe gebracht. Der sozialistische Politiker Sandro Pertini befürwortete die Hinrichtung Mussolinis. Die Leichen wurden öffentlich zur Schau gestellt. Damit endete die faschistische Herrschaft in Italien.
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