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Atatürk und Menemen 1930: Der Zorn nach Kubilays Tod

Am 23. Dezember 1930 wurde in der westtürkischen Kleinstadt Menemen der Reserveoffizier Mustafa Fehmi Kubilay von einer republikfeindlichen Gruppe getötet. Für Mustafa Kemal Atatürk war dieser Vorfall weit mehr als ein lokales Verbrechen. Er sah darin einen Angriff auf die junge Republik, die noch nicht sicher stand, und er reagierte mit einer Härte, die das Land und die erst kurz zuvor erprobte Mehrparteiendemokratie nachhaltig prägte. Der Menemen-Zwischenfall wurde damit zu einem Wendepunkt, an dem sich entschied, wie viel Freiheit die türkische Demokratie wagen durfte.

Wichtige Fakten
  • Der Menemen-Zwischenfall ereignete sich am 23. Dezember 1930 in der Kleinstadt Menemen nahe Izmir.
  • Der getötete Reserveleutnant Mustafa Fehmi Kubilay wurde zum Symbol für die Verteidigung der jungen Republik.
  • Die Beteiligten wurden gefasst und vor einem Militärgericht abgeurteilt.
  • Atatürk soll die Stadt als verflucht bezeichnet haben, ein Beleg dafür fehlt jedoch.
  • Der Vorfall fiel in eine Phase, in der die kurz zuvor erprobte liberale Mehrparteienordnung wieder zurückgenommen wurde.

Das Wichtigste in Kürze

Am 23. Dezember 1930 tötete eine Gruppe um den Prediger Derviş Mehmet in Menemen den Offizier Kubilay. Atatürk sah darin einen Angriff auf die Republik und ließ die Verantwortlichen vor ein Militärgericht stellen. Die Stadt selbst soll er Berichten zufolge als verflucht bezeichnet haben.

Ein Offizier stirbt, und Ankara gerät in Aufruhr

Es ist der 23. Dezember 1930, mitten im Winter, als in der westanatolischen Kleinstadt Menemen ein junger Offizier der türkischen Armee sein Leben verliert. Mustafa Fehmi Kubilay, Reserveleutnant, wird von einer republikfeindlichen Gruppe getötet. Der Vorfall geht als Menemen-Zwischenfall in die Geschichte ein, in der türkischen Überlieferung ebenso geläufig unter dem Namen Kubilay-Olayı.

Was diesen Tag so schwer wiegen lässt, ist der Moment, in dem er fällt. Mustafa Kemal Atatürk, der Gründer der Republik, lebt. Er ist der Mann, der in den Jahren zuvor das Sultanat abgeschafft, die Republik ausgerufen und das Land in einem Tempo umgebaut hat, das die Zeitgenossen kaum fassen konnten. Und nun, mitten in dieser Ordnung, wird ein Offizier der Armee auf offener Straße getötet, vor den Augen einer Menge, die offenbar nicht eingreift. Für Ankara ist das weit mehr als ein Verbrechen in der Provinz.

Warum die Nachricht in der Hauptstadt wie ein Schlag wirkt

Die Kunde erreicht Ankara und trifft die Regierung mitten in einer Phase, in der die Republik um ihre innere Stabilität ringt. Ein Offizier, der für den Staat steht, wird nicht in einem Gefecht getötet, sondern in einem Akt offener Auflehnung gegen genau diesen Staat. Die Botschaft lässt sich nicht kleinreden: Wenn ein einzelner Trupp in einer Kleinstadt so weit gehen kann, wie weit kann es dann noch gehen?

Der Tod Kubilays löst in der jungen Republik eine schwere Erschütterung aus. In den Tagen danach wird in den Amtsstuben, in den Kasernen und in den Zeitungen der Hauptstadt über kaum etwas anderes gesprochen. Der Reserveleutnant wird zum Gesicht eines Moments, in dem die Republik begreift, wie verletzlich sie an ihren Rändern noch ist. Aus einem getöteten Offizier wird ein Symbol, und aus einem Vorfall in Menemen wird eine Angelegenheit, die das ganze Land angeht.

Der Tod des Offiziers löst in der jungen Republik eine schwere Erschütterung aus.

Wie tief diese Erschütterung reicht, zeigt sich daran, wie schnell die oberste Ebene des Staates reagiert. Es ist kein Vorgang, den man einem Gericht in der Provinz überlässt und dann zur Tagesordnung übergeht. Was in Menemen geschieht, wird in Ankara als Angriff auf die Republik selbst gelesen. Und genau aus dieser Lesart erwächst die Frage, die in den folgenden Tagen alles bestimmt: Wie soll der Staat auf einen solchen Schlag antworten?

Ein Augenzeuge berichtet: Atatürks Zorn im Präsidentenpalast

Stellen Sie sich Ankara in jenen Dezembertagen des Jahres 1930 vor. In der jungen türkischen Hauptstadt verbreitet sich die Nachricht aus dem westanatolischen Menemen mit einer Wucht, die niemanden kalt lässt. Der Reserveleutnant Mustafa Fehmi Kubilay war von einer republikfeindlichen Gruppe getötet worden. Was in einer Kleinstadt begann, wurde binnen Stunden zur Staatskrise. Genau hier, im Zentrum der Macht, zeigt sich, wie tief der Atatürk und der Menemen-Zwischenfall miteinander verbunden sind.

General Kâzım Özalp, ein Weggefährte Atatürks aus den Jahren des Befreiungskrieges, hält in seinen Erinnerungen fest, wie die Kunde in Ankara einschlug. Der Überlieferung nach beschreibt er die Wirkung mit einem drastischen Bild: Die Nachricht habe in Ankara wie eine Bombe gewirkt. Man habe ihn unverzüglich in den Präsidentenpalast gerufen. Dort sei Mustafa Kemal Atatürk, so schildert es Özalp, „ungesehen zornig, traurig und erregt“ gewesen.

Der Palast füllte sich rasch. Ministerpräsident İsmet İnönü, Verteidigungsminister Zekai Apaydın und der Armeeinspektor Fahrettin Altay wurden hinzugezogen. Laut dieser Schilderung habe Atatürk mit großer Erregung das Wort ergriffen und gefragt, was für ein Zustand das sei: Reaktionäre Kräfte könnten mitten auf dem Regierungsplatz einen Offizier der Armee im Namen der Religion erwürgen. Aus der Menge der Menemen-Bewohner habe sich niemand erhoben, um es zu verhindern. Im Gegenteil, man habe den Täter mit „Tekbir“-Rufen noch bestärkt.

Atatürk habe darin mehr gesehen als ein Verbrechen. Für ihn, so die Überlieferung, glich die Tat einem Anschlag auf die Republik selbst und auf ihre Führung. Deshalb, so Özalp weiter, trage nicht allein der Täter die Verantwortung, sondern die gesamte Stadt Menemen. Die Erinnerungen geben Atatürks Forderung wieder, die Stadt zur „vilmodit“ zu erklären, also zu einer bestraften Stadt.

Quellenkritischer Hinweis

Özalps Erinnerungsband ist als bibliographische Angabe nicht sicher verifiziert. Auch die konkrete Zusammenkunft im Präsidentenpalast lässt sich nicht unabhängig belegen. Die beteiligten Personen und ihre Ämter sind dagegen gut dokumentiert. Der Begriff „vilmodit“ wiederum ist in der seriösen Fachliteratur zu Menemen nicht geläufig, und die damit verbundenen Maßnahmen sind historisch nicht belegt. Lesen Sie solche Passagen daher als überlieferte Erinnerung, nicht als gesichertes Protokoll.

Bemerkenswert ist, wie die Szene ausklingt. Özalp zufolge schlug er selbst vor, zunächst ausführliche Berichte abzuwarten, um etwas Zeit zu gewinnen und die aufgeheizte Stimmung zu beruhigen. Man habe sich auf ein oder zwei Tage Bedenkzeit verständigt, während die üblichen rechtlichen Schritte sofort eingeleitet wurden. Danach, so heißt es, kam Atatürk auf die „vilmodit“ nicht mehr zurück. Derviş Mehmet und seine Gefährten wurden gefasst, vor ein Militärgericht gestellt und hingerichtet.

Was von diesem Tag bleibt, ist das Bild eines Mannes, der die Republik am Rand einer existentiellen Bedrohung sah. Die Zusammenkunft im Palast mag nicht in jedem Detail verbürgt sein. Die Härte, mit der der Staat auf den 23. Dezember 1930 reagierte, ist es sehr wohl.

Ein rätselhaftes Wort: „vilmodit“ und die „bestrafte Stadt“

Mitten in der Schilderung jener Stunden im Präsidentenpalast fällt ein Wort, das bis heute irritiert: vilmodit. Der Überlieferung nach soll Atatürk in höchster Erregung verlangt haben, die Kleinstadt Menemen zur „vilmodit“ zu erklären. Der Ausdruck sei vom französischen ville maudite abgeleitet und meine die „bestrafte Stadt“. Doch genau hier wird die Erzählung brüchig.

Denn in der seriösen Fachliteratur zum Menemen-Zwischenfall ist „vilmodit“ kein etablierter Begriff. Die Forderung, die Stadt in diesen Zustand zu versetzen, lässt sich nicht sicher belegen. Sie stammt aus einer Erinnerung, die Jahrzehnte später niedergeschrieben wurde, und nicht aus einer amtlichen Quelle.

Was „ville maudite“ tatsächlich heißt

Schon die Übersetzung ist unsauber. Ville maudite bedeutet wörtlich „verfluchte Stadt“, nicht „bestrafte Stadt“. Und damit nicht genug: Die im türkischen Text behauptete Praxis, eine ganze Stadtbevölkerung zu vertreiben, die Siedlung niederzubrennen und einen schwarzen Gedenkstein zu errichten, ist historisch nirgends belegt. Ein solches Verfahren war kein feststehendes Instrument türkischer Politik, und für Menemen ist es nicht überliefert. Wer heute von der „bestraften Stadt“ liest, liest also eine Deutung, keine Tatsache.

Was dagegen sicher ist

Der Kern bleibt davon unberührt. Der Reserveleutnant Mustafa Fehmi Kubilay wurde am 23. Dezember 1930 in Menemen von einer republikfeindlichen Gruppe getötet. Der Vorfall trug sich zu Lebzeiten Atatürks zu, der 1938 starb. Er ist unter zwei Namen bekannt: Kubilay Olayı und Menemen Olayı. Die Täter, angeführt von Derviş Mehmet, wurden gefasst, vor ein Militärgericht gestellt und hingerichtet. So viel steht fest.

Und das rätselhafte Wort? Es bleibt das, was es ist: eine Spur in einer Erinnerung, die Atatürks Zorn greifbar macht, ohne sich beweisen zu lassen. Vielleicht ist gerade das der Grund, warum es hängen bleibt.

Verfahren und Urteil: Derviş Mehmet vor dem Militärgericht

Nach dem 23. Dezember 1930 gab es kein Zögern. Derviş Mehmet und seine Gefährten wurden gefasst, vor ein Militärgericht gestellt, ein sogenanntes Divan-ı Harp, und hingerichtet. Die juristische Aufarbeitung lief also unmittelbar an, noch während in Ankara die Wogen hochgingen.

Genau hier zeigt sich, wie sehr der Menemen-Zwischenfall die junge Republik an einer empfindlichen Stelle traf. Denn während die Gerichte bereits arbeiteten, rang die Führung in der Hauptstadt um den richtigen Ton. Der Überlieferung nach, so schildert es der Offizier und Politiker Kâzım Özalp in seinen Erinnerungen, habe man bewusst ein bis zwei Tage abgewartet, um die aufgeheizte Stimmung etwas abkühlen zu lassen. Man wollte Zeit gewinnen und beobachten, wie sich die erste, heftige Reaktion entwickeln würde. Die ordentlichen rechtlichen Schritte jedoch habe man sofort eingeleitet.

In dieser kurzen Phase des Innehaltens lag eine stille Entscheidung. Die Wut war echt, die Bestürzung tief, doch man ließ ihr nicht freien Lauf, sondern setzte auf das Verfahren. Die Verantwortlichen sollten nicht durch einen spontanen Akt der Vergeltung gerichtet werden, sondern durch ein Gericht. So wurde aus einem Moment des Schocks eine geordnete, wenn auch unnachgiebige Antwort des Staates.

Was von den damaligen Überlegungen bleibt, ist vor allem eines: Nach diesem Vorfall, so heißt es in derselben Überlieferung, habe Atatürk den Gedanken an eine bestimmte, drastische Maßnahme nicht wieder aufgegriffen. Der Begriff, der dabei gefallen sein soll, verschwand so schnell aus den Gesprächen, wie er aufgetaucht war. Die Sache wurde juristisch zu Ende gebracht, und das Kapitel damit geschlossen.

Für die Republik war das mehr als ein abgeschlossenes Verfahren. Es war die Bestätigung, dass sie auf eine Bedrohung von innen mit ihren eigenen Institutionen antwortete. Die Härte lag nicht in einem Wort, sondern im Urteil.

Warum Atatürk danach keine weiteren Mehrparteienversuche unternahm

Halten wir einen Moment inne. Der 23. Dezember 1930 liegt hinter uns, ein junger Offizier ist tot, und in Ankara sitzt ein Mann, der gerade begriffen hat, wie verletzlich sein Werk noch ist. Was danach kam, erzählt viel darüber, wie Atatürk dachte. Und es erzählt ebenso viel darüber, wie Legenden entstehen.

Kâzım Özalp, ein Weggefährte und Militär, schildert in seinen Erinnerungen die Reaktion des Staatsgründers. Der Überlieferung nach habe Atatürk den Schock von Menemen nie verwunden. Özalp zufolge habe er danach keinen weiteren Versuch unternommen, ein Mehrparteiensystem einzuführen. Man muss diese Zeilen mit Vorsicht lesen: Die genaue bibliographische Angabe dieser Erinnerungen ließ sich nicht sicher überprüfen, und auch die konkrete Zusammenkunft im Präsidentenpalast, bei der İsmet İnönü, Zekai Apaydın und Fahrettin Altay zusammengekommen sein sollen, ist nicht zweifelsfrei belegt.

Der Vorfall traf die junge Republik in einem Augenblick, in dem ihre Reformen noch frisch und angreifbar waren. Dass ein Offizier mitten am helllichten Tag auf offener Straße getötet werden konnte, während eine Menschenmenge zusah, erschütterte das Vertrauen in die neue Ordnung.

Was die Quellen wirklich hergeben

Hier wird es entscheidend. Die Behauptung, Atatürk habe nach Menemen keinen einzigen weiteren Anlauf zu einem Mehrparteiensystem genommen, hält der historischen Prüfung nicht stand. Sie ist schlicht zu absolut formuliert. Die eigentliche Mehrparteienentwicklung der Türkei fällt in die Zeit nach Atatürks Tod im Jahr 1938. Die Demokratische Partei, jene Kraft, die das Land später grundlegend prägen sollte, entstand erst 1946. Atatürk konnte über diesen Weg also gar nicht mehr entscheiden.

Was bleibt, ist eine nüchterne Wahrheit: Der Schock von Menemen hat die Bereitschaft zu politischen Experimenten in den frühen dreißiger Jahren sicher nicht gefördert. Aus dieser Beobachtung jedoch eine absolute Regel zu machen, verwechselt Ursache und Chronologie.

Ein Begriff, der nicht trägt

In manchen Schilderungen taucht der Ausdruck „vilmodit" auf, angeblich die Forderung, Menemen zur bestraften Stadt zu erklären. Der Begriff soll vom französischen „ville maudite" stammen, wörtlich „verfluchte Stadt". In der seriösen Fachliteratur zu Menemen ist dieses Wort jedoch nicht etabliert, und die zugeschriebene Forderung lässt sich nicht sicher belegen. Auch die Vorstellung, eine ganze Stadt werde entvölkert, niedergebrannt und mit einem schwarzen Gedenkstein versehen, entbehrt jeder historischen Grundlage. Solche Bilder gehören in die Erzählung, nicht in die Akten.

Was sich dagegen belegen lässt: Derviş Mehmet und seine Gefährten wurden gefasst, vor ein Militärgericht gestellt und hingerichtet. Die juristische Antwort kam. Die politische Zurückhaltung, die man Atatürk zuschreibt, ist dagegen eine Deutung, die man mit Vorsicht behandeln sollte.

Häufig gestellte Fragen

Was geschah am 23. Dezember 1930 in Menemen?

Am 23. Dezember 1930 wurde der Reserveleutnant Mustafa Fehmi Kubilay in der westanatolischen Kleinstadt Menemen von einer republikfeindlichen Gruppe getötet. Der Vorfall, in der türkischen Geschichtsschreibung als Menemen-Zwischenfall oder auch Kubilay-Olayı bekannt, ereignete sich zu Lebzeiten Atatürks, der 1938 starb. Eine Gruppe um einen Mann namens Derviş Mehmet war offen gegen die Republik aufgetreten, und Kubilay stellte sich ihr entgegen.

Wer war Mustafa Fehmi Kubilay?

Mustafa Fehmi Kubilay war ein Offizier der türkischen Armee im Rang eines Reserveleutnants. Am 23. Dezember 1930 trat er in Menemen einer republikfeindlichen Gruppe entgegen und wurde dabei getötet. Sein Tod machte ihn zu einer der bekanntesten Symbolfiguren der frühen türkischen Republik. In der Türkei wird seiner bis heute öffentlich gedacht.

Wie reagierte Atatürk auf die Ermordung Kubilays?

Die Nachricht löste in Ankara große Bestürzung aus. Der Überlieferung nach schildert Kâzım Özalp, ein Weggefährte Atatürks, dessen heftige Reaktion in seinen Erinnerungen: Atatürk sei äußerst erzürnt und erschüttert gewesen und habe gefordert, die Verantwortung nicht nur bei den Tätern, sondern bei der ganzen Stadt zu suchen. Diese Darstellung stützt sich auf Özalps persönliche Aufzeichnungen und lässt sich nicht unabhängig bestätigen.

Was bedeutet „ville maudite" im Kontext von Menemen?

Berichten zufolge soll Atatürk verlangt haben, Menemen zur „ville maudite", also zur „verfluchten Stadt", zu erklären. Der Begriff stammt aus dem Französischen. Ob diese Forderung tatsächlich so gefallen ist, lässt sich nicht sicher belegen. Ebenso wenig ist eine feste Praxis verbürgt, wonach bei einer „ville maudite" die gesamte Bevölkerung vertrieben, die Stadt niedergebrannt und ein schwarzer Gedenkstein errichtet worden wäre. Solche Schilderungen gelten als nicht gesichert.

Wie verlief das Verfahren gegen Derviş Mehmet und seine Anhänger?

Derviş Mehmet und seine Gefährten wurden gefasst. Anschließend stellte man sie vor ein Militärgericht, ein sogenanntes Divan-ı Harp, und sie wurden hingerichtet. Dies ist der gesicherte Kern der juristischen Aufarbeitung des Menemen-Zwischenfalls.

Warum unternahm Atatürk nach dem Menemen-Zwischenfall keine weiteren Mehrparteienversuche?

Die verbreitete Annahme, Atatürk habe nach dem Menemen-Zwischenfall jeden weiteren Schritt zu einem Mehrparteiensystem unterlassen, hält einer genaueren Prüfung nicht stand. Zwar blieb der Vorfall tief in seinem Gedächtnis haften. Doch die entscheidende Entwicklung hin zu mehreren Parteien fällt in eine spätere Zeit: Die Demokratische Partei entstand 1946, also nach Atatürks Tod im Jahr 1938. Die pauschale Aussage, er habe keine weiteren Versuche mehr unternommen, lässt sich daher historisch nicht halten. Hinweis der Redaktion: Nicht abschließend belegte Details, insbesondere zu Atatürks wörtlichen Äußerungen, sind im Text ausdrücklich als überliefert oder unbestätigt gekennzeichnet.

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