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Schicksal der NS-Führung: Selbstmord, Nürnberg oder Flucht

Das Schicksal der NS-Führung nach 1945 teilte sich in drei Wege: Selbstmord aus Angst vor der Abrechnung, Verurteilung in den Nürnberger Prozessen oder die jahrzehntelange Flucht nach Südamerika. Als der Zweite Weltkrieg endete, stand die Welt vor der Frage, wie mit den Hauptverantwortlichen des Holocaust umzugehen sei. Die Antworten darauf prägten nicht nur die Nachkriegsjustiz, sondern auch die politische Landschaft des Kalten Krieges, in der manche Täter untertauchten und andere bis zuletzt gejagt wurden. Die Spur dieser Männer führt von den Ruinen Berlins über die Gerichtssäle Nürnbergs bis in die Dschungel Argentiniens und Brasiliens.

Wichtige Fakten
  • Adolf Hitler und Joseph Goebbels begingen im April 1945 in Berlin Selbstmord, um einer Gefangennahme durch die Rote Armee zu entgehen.
  • Die Nürnberger Prozesse gegen die Hauptkriegsverbrecher endeten 1946 mit mehreren Todesurteilen, von denen die meisten vollstreckt wurden.
  • Hermann Göring entzog sich der Hinrichtung durch eine Zyanidkapsel in der Nacht vor seiner geplanten Exekution.
  • Adolf Eichmann wurde 1960 vom israelischen Mossad in Argentinien entführt und in Jerusalem vor Gericht gestellt.
  • Josef Mengele starb 1979 in Brasilien unter falschem Namen, ohne je gefasst worden zu sein.

Das Wichtigste in Kürze

Nach dem Kriegsende 1945 wählten zahlreiche NS-Größen den Freitod, während die Alliierten die Überlebenden in Nürnberg vor Gericht stellten. Einige Verurteilte wurden hingerichtet, andere entkamen zunächst nach Südamerika, wo sie teils jahrzehntelang unerkannt lebten, bis Nazi-Jäger sie aufspürten.

Das Schicksal der NS-Führung nach 1945: Drei Wege, ein Ende

Als das nationalsozialistische Regime im April und Mai 1945 zusammenbrach, endete nicht nur der Zweite Weltkrieg in Europa, sondern auch die Herrschaft derer, die ihn entfesselt hatten. Was wurde aus den mächtigsten Männern des Dritten Reiches, die jahrelang über Leben und Tod von Millionen Menschen entschieden hatten? Ihre Wege nach der Kapitulation lassen sich in drei Kategorien fassen: Selbstmord, Hinrichtung oder Flucht.

Die oberste Führungsriege der NSDAP, die Deutschland zwischen 1933 und 1945 mit einer menschenverachtenden Ideologie beherrschte, sah sich im Frühjahr 1945 mit dem unausweichlichen Ende konfrontiert. Die Rote Armee stand vor den Toren Berlins, die Alliierten rückten von Westen vor, und das gesamte System zerfiel in einem atemberaubenden Tempo. In diesen letzten Tagen und Wochen zeigte sich, wie unterschiedlich die Verantwortlichen mit dem eigenen Untergang umgingen.

Einige wählten den Freitod, oft gemeinsam mit ihren Familien. Andere stellten sich der Justiz, wurden vor Gericht gestellt und hingerichtet. Und eine dritte Gruppe versuchte, unterzutauchen, nach Südamerika zu fliehen oder sich in der Masse der Kriegsgefangenen zu verstecken. Dieses dreigeteilte Schicksal der NS-Führung nach 1945 zieht sich wie ein roter Faden durch die Nachkriegsgeschichte und wirft bis heute Fragen nach Schuld, Sühne und Gerechtigkeit auf.

Die folgende Betrachtung widmet sich den bekanntesten und einflussreichsten Persönlichkeiten des Regimes. Sie zeigt, wie Hitler, Goebbels und Himmler endeten, welche Verantwortlichen vor dem Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg zur Rechenschaft gezogen wurden und wem die Flucht ins Ausland gelang. Es ist eine Geschichte, die von den letzten Tagen des Krieges bis in die 1980er Jahre reicht und deutlich macht, wie unterschiedlich die Wege der Täter letztlich verliefen.

Der Selbstmord als letzte Konsequenz: Hitler, Goebbels und die Bunker-Elite

Als die Rote Armee im April 1945 Berlin einschloss, versank die Führung des Dritten Reiches in einem Betonbunker unter der Reichskanzlei. Das Schicksal der NS-Führung nach 1945 nahm hier seinen Anfang, denn für Adolf Hitler und seine engsten Gefolgsleute gab es keinen Gedanken an Kapitulation. Der eigene Tod erschien ihnen als einziger Ausweg, um sich der Verantwortung und der Gefangennahme zu entziehen.

Am 30. April 1945, nur wenige Tage vor der bedingungslosen Kapitulation, setzte Adolf Hitler seinem Leben ein Ende. Der Diktator, der Deutschland zwölf Jahre lang mit eiserner Hand regiert hatte, erschoss sich im Führerbunker in Berlin. Seine Frau Eva Braun, die er erst am Tag zuvor geheiratet hatte, nahm Zyanid. Getreu seinen zuvor erteilten Anweisungen wurden die Leichen noch am selben Nachmittag die Treppen des Notausgangs hinaufgetragen, mit Benzin übergossen und verbrannt. Die verkohlten Überreste fanden ihre letzte Ruhe erst Jahre später: Sowjetische Archive belegen, dass die sterblichen Überreste bis 1946 aufbewahrt und bestattet wurden, bevor man sie 1970 erneut exhumierte, verbrannte und die Asche verstreute.

Einen Tag später, am 1. Mai 1945, folgte Propagandaminister Joseph Goebbels dem Beispiel seines Führers. Doch zuvor beging er eine Tat, die bis heute Entsetzen auslöst. Goebbels und seine Frau Magda fürchteten, ihre sechs Kinder könnten in sowjetische Hände fallen und einer Gehirnwäsche unterzogen werden. Also verabreichte Magda Goebbels jedem der sechs Kinder eigenhändig Gift. Am Abend des 1. Mai traten die Eheleute in den Garten des Bunkers hinaus, wo Joseph Goebbels zuerst seine Frau und dann sich selbst erschoss.

Heinrich Himmler, der als Reichsführer SS und Chef der Gestapo nach Hitler der mächtigste Mann im NS-Staat gewesen war, versuchte zunächst zu fliehen. Doch er wurde gefasst und beging am 23. Mai 1945 Selbstmord, indem er auf eine in seinem Mund versteckte Zyanidkapsel biss.

Auch die militärische Führung wollte sich der Verantwortung nicht stellen. General Hans Krebs, der letzte Generalstabschef des Heeres, und General Wilhelm Burgdorf nahmen sich am 2. Mai 1945 im verlassenen Führerbunker das Leben, als alle anderen bereits geflohen waren. Martin Bormann, Hitlers Privatsekretär, beging am selben Tag gemeinsam mit Hitlers Leibarzt Ludwig Stumpfegger Selbstmord durch Zyanid. Jahrzehntelang rankten sich Gerüchte um sein Überleben, bis ein DNA-Abgleich im Jahr 1972 zweifelsfrei bestätigte, dass die in Berlin gefundenen sterblichen Überreste tatsächlich von Bormann stammten.

Der Suizid wurde so zur letzten Konsequenz einer Ideologie, die keine Niederlage akzeptieren konnte. Statt sich vor Gericht zu verantworten, wählten die führenden Köpfe des Regimes den Tod als Ausweg. Es war ein letzter Akt der Selbstherrlichkeit, der die Verantwortung für Millionen von Toten ungesühnt liess.

Die Nürnberger Prozesse: Zwischen Verantwortung und Selbstjustiz

Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches standen die Alliierten vor einer Frage ohne historisches Vorbild: Wie sollte man mit den Männern verfahren, die einen Weltkrieg entfesselt und Millionen Menschen ermordet hatten? Die Antwort lautete Nürnberg. Dort, im Justizgefängnis der fränkischen Stadt, sollte ab November 1945 das Schicksal der NS-Führung nach 1945 entschieden werden. Die internationale Militärgerichtsbarkeit trat an, um Gerechtigkeit zu schaffen. Doch die Prozesse offenbarten auch eine dunkle Wahrheit: Viele der Angeklagten zogen es vor, sich selbst zu richten, statt sich dem Urteil der Weltgemeinschaft zu stellen.

Der Saal 600 des Nürnberger Justizpalastes wurde zur Bühne der Weltgeschichte. Hier saßen die einst mächtigsten Männer des Reiches auf der Anklagebank, angeklagt wegen Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die Beweise waren erdrückend: Dokumente, Fotografien, Filme und die Aussagen von Überlebenden zeichneten ein Bild des Grauens, das die Angeklagten nicht länger leugnen konnten.

Doch nicht alle warteten das Urteil ab. Robert Ley, der von 1933 bis 1945 die Deutsche Arbeitsfront geführt hatte, wurde auf der Flucht von amerikanischen Fallschirmjägern aufgegriffen. Im Nürnberger Gefängnis angekommen, erhängte er sich am 25. Oktober 1945 in seiner Zelle an der Toilettenrohrleitung, noch bevor sein Prozess überhaupt beginnen konnte. Er entzog sich damit jeder Rechenschaft.

Otto Georg Thierack, von 1942 bis 1945 Reichsjustizminister und damit juristisch mitverantwortlich für die pervertierte NS-Rechtsprechung, wählte einen ähnlichen Weg. Die Alliierten hatten ihn nach Kriegsende festgenommen. Am 26. Oktober 1946, kurz vor seiner Anklageerhebung in Nürnberg, vergiftete er sich in seiner Zelle. Auch er stellte sich der Verantwortung nicht.

Der prominenteste Fall war jedoch der von Hermann Göring. Der Oberbefehlshaber der Luftwaffe und einst nach Hitler mächtigste Mann des Reiches wurde in Nürnberg schuldig gesprochen und zum Tode durch den Strang verurteilt. Göring, der sich als Soldat sah und nicht als gewöhnlicher Verbrecher, beantragte, statt der Hinrichtung durch Erhängen vor ein Erschießungskommando gestellt zu werden. Das Gericht lehnte ab. In der Nacht vor der geplanten Hinrichtung, am 15. Oktober 1946, biss Göring auf eine Zyanidkapsel, die er von einem Wachsoldaten erhalten hatte. Er starb wenige Stunden, bevor der Henker seine Arbeit hätte verrichten sollen. Wie er an das Gift gelangt war, konnte nie abschließend geklärt werden.

Die anderen zum Tode Verurteilten traf ihr Schicksal am 16. Oktober 1946. An diesem Tag wurden im Nürnberger Justizgefängnis zehn Männer gehängt, darunter Joachim von Ribbentrop, der von 1938 bis 1945 Außenminister des Reiches gewesen war, Innenminister Wilhelm Frick, der österreichische Reichsstatthalter Arthur Seyß-Inquart, SS-General Ernst Kaltenbrunner, der als Chef des Reichssicherheitshauptamtes die Sicherheitspolizei und den SD geführt hatte, sowie Alfred Rosenberg, der Minister für die besetzten Ostgebiete. Auch Hans Frank, der als Generalgouverneur von Polen für den Terror gegen die polnische Bevölkerung verantwortlich zeichnete, wurde an diesem Tag hingerichtet. Frank hatte nach seiner Verhaftung zweimal versucht, sich das Leben zu nehmen: Zuerst schnitt er sich die Kehle durch, später versuchte er, sich die Pulsadern zu öffnen und verletzte dabei seinen linken Arm. Beide Versuche scheiterten, das Urteil des Gerichts ereilte ihn dennoch.

Ein weiterer Mann, der dem Henker zuvorkam, war Herbert Backe. Der Reichsernährungsminister von 1942 bis 1945 fürchtete nichts mehr, als an die Sowjetunion ausgeliefert zu werden. Am 6. April 1947 erhängte er sich in seiner Zelle im Nürnberger Justizgefängnis. Auch er entzog sich damit der strafrechtlichen Aufarbeitung seiner Taten.

Die Nürnberger Prozesse waren ein epochaler Versuch, das Völkerrecht durchzusetzen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Doch die Suizide der Angeklagten zeigen, wie viele von ihnen sich dieser Gerechtigkeit entzogen. Sie nahmen ihr Geheimnis, ihre Schuld und ihr Wissen mit ins Grab. Die Frage, ob sie damit nicht auch eine letzte Form der Kontrolle über ihr eigenes Schicksal ausübten, bleibt eine der beunruhigendsten Facetten dieser historischen Ereignisse.

Die Flucht nach Südamerika: Wie NS-Verbrecher der Justiz entkamen

Während die einen in Nürnberg am Galgen endeten, verschwanden andere spurlos. Sie tauchten in Argentinien, Brasilien oder Chile wieder auf. Das Schicksal der NS-Führung nach 1945 ist deshalb zweigeteilt: Die einen bezahlten für ihre Verbrechen, die anderen lebten jahrzehntelang unbehelligt in Südamerika weiter.

Die sogenannten Rattenlinien waren ein perfides Netzwerk aus Fluchthelfern, falschen Pässen und stillschweigender Duldung. Es führte mitten hinein in eine Parallelwelt, in der sich Massenmörder als brave Familienväter ausgaben. Stellen Sie sich vor: Der Mann, der die Organisation des Holocaust mitverantwortete, sitzt in Buenos Aires beim Kaffee und liest Zeitung. Genau das geschah.

Adolf Eichmann: Die Jagd des Mossad

Adolf Eichmann, der als SS-Obersturmbannführer die Deportation von Millionen Juden organisierte, floh nach dem Krieg nach Argentinien. Dort lebte er unter falschem Namen in Buenos Aires. Am 11. Mai 1960 entführten Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad den 54-Jährigen direkt von der Straße. Sie brachten ihn nach Israel, wo ihm der Prozess gemacht wurde.

Der Prozess gegen Eichmann wurde zum weltweiten Ereignis. Die Öffentlichkeit erfuhr zum ersten Mal in dieser Breite von den Mechanismen des Holocaust. Das Gericht verurteilte ihn zum Tode. In der Nacht zum 1. Juni 1962 wurde Eichmann in Israel hingerichtet. Sein Leichnam wurde eingeäschert und die Asche von einem Patrouillenboot der israelischen Marine außerhalb der Hoheitsgewässer ins Mittelmeer verstreut. Bis heute ist er der einzige Mensch, den Israel jemals per Gerichtsurteil hinrichten ließ.

Josef Mengele: Der Todesengel von Auschwitz

Josef Mengele, der als Lagerarzt in Auschwitz-Birkenau zehntausende Häftlinge qualvoll sterben ließ und grausame Experimente an Menschen durchführte, wurde nach Kriegsende kurzzeitig gefangen genommen. Doch er wurde freigelassen. Der Mann, den man den Todesengel nannte, tauchte 1949 in Argentinien unter. Zehn Jahre später nahm er die Staatsbürgerschaft von Paraguay an.

Mengele lebte ein Leben in der zweiten Reihe. Berichten zufolge reiste er wiederholt nach Europa, verbrachte Sommer auf griechischen Inseln und Winter in der Schweiz. Die Ermittler suchten ihn überall, fanden ihn aber nie. Am 7. Februar 1979 ertrank der 67-Jährige beim Schwimmen im Meer vor der brasilianischen Küste. Erst 1985 bestätigte eine DNA-Analyse die Identität der Leiche. Der Mann, der für den Tod unzähliger Kinder verantwortlich war, starb als alter Mann am Strand.

Walter Rauff: Der Erfinder der Gaswagen

Walter Rauff war der SS-Offizier, der die mörderischen Gaswagen mitentwickelte, mit denen Zehntausende Menschen ermordet wurden. Nach dem Krieg wurde er von den Alliierten gefangen genommen, konnte aber aus dem Lager fliehen. Er versteckte sich zunächst in italienischen Klöstern, bevor er 1949 über Italien nach Ecuador floh und sich schließlich unter seinem eigenen Namen in Chile niederließ.

1962 wurde Rauff in Chile kurzzeitig verhaftet, aber ein Gericht ließ ihn wieder frei. Der damalige Machthaber Augusto Pinochet weigerte sich beharrlich, den 62-Jährigen an Westdeutschland auszuliefern. Stattdessen stellte er ihm eine persönliche Schutzeinheit zur Verfügung. Rauff starb am 14. Mai 1984 in Chile an einem Herzinfarkt. Zu seiner Beerdigung erschienen Hunderte ehemalige Nationalsozialisten.

Erich Priebke: Die späte Gerechtigkeit

Erich Priebke, ein SS-Hauptsturmführer, war an der Planung und Durchführung des Massakers in den Ardeatinischen Höhlen bei Rom beteiligt. Am 24. März 1944 wurden dort 335 italienische Zivilisten als Vergeltung für einen Partisanenangriff erschossen. Nach dem Krieg floh Priebke nach Argentinien, wo er fast 50 Jahre unbehelligt lebte.

Mitte der 1990er Jahre wurde seine Vergangenheit aufgedeckt. 1995 wurde er von Argentinien an Italien überstellt. Dort verurteilte ihn ein Gericht 1998 wegen Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft. Priebke starb 2013 im Alter von 100 Jahren in Rom.

Franz Stangl: Der Kommandant von Treblinka

Franz Stangl kommandierte die Vernichtungslager Sobibor und Treblinka. Nach dem Krieg floh er über Italien nach Syrien. 1951 gelangte er nach Brasilien. Dort arbeitete er unter falschem Namen in einer Autofabrik in São Paulo. Die brasilianische Bundespolizei verhaftete ihn 1967. Er wurde an Westdeutschland ausgeliefert und zu lebenslanger Haft verurteilt. Am 28. Juni 1971 starb Stangl in der Justizvollzugsanstalt Düsseldorf.

Diese Fluchtgeschichten werfen eine unbequeme Frage auf: Wie konnte es sein, dass so viele Verantwortliche jahrzehntelang unbehelligt leben konnten? Die Antwort liegt in der Nachkriegsordnung. Viele Länder Südamerikas waren an deutschen Einwanderern interessiert und fragten nicht zu genau nach. Die Jagd auf NS-Verbrecher dauerte oft Jahrzehnte und blieb in vielen Fällen erfolglos. Das Schicksal der NS-Führung nach 1945 zeigt damit auch die Grenzen der justiziellen Aufarbeitung.

Lange Schatten: Die Spätfolgen und das unrühmliche Ende der letzten NS-Größen

Während viele der engsten Vertrauten Hitlers im Chaos des Zusammenbruchs 1945 starben oder in Nürnberg hingerichtet wurden, zogen sich andere Fälle über Jahrzehnte hin. Die langen Haftstrafen von Rudolf Heß, Karl Dönitz und Albert Speer zeigen, dass einige der höchsten NS-Funktionäre noch lange nach Kriegsende für ihre Taten einstanden. Andere, wie Erwin Rommel, wurden bereits 1944 aus dem Leben gerissen.

Beginnen wir mit dem wohl bizarrsten Fall: Rudolf Heß, von 1933 bis 1941 Stellvertreter des Führers, flog am 10. Mai 1941 in einem eigenmächtig übernommenen deutschen Flugzeug nach Schottland. Sein Ziel war es, mit der britischen Regierung Friedensverhandlungen zu führen. Die Briten nahmen ihn fest, und Hitler enthob ihn daraufhin aller Partei- und Staatsämter. Nach dem Krieg verurteilte ihn das Nürnberger Tribunal zu lebenslanger Haft. Heß verbrachte Jahrzehnte im Spandauer Kriegsverbrechergefängnis in Berlin. Am 17. August 1987, im Alter von 93 Jahren, nahm er sich dort das Leben.

Karl Dönitz, Großadmiral und Oberbefehlshaber der deutschen Kriegsmarine, wurde nach Kriegsende in Nürnberg verurteilt. Er zeigte während seiner Haftzeit keinerlei Reue und bestand darauf, nichts Falsches getan zu haben. Nach seiner Entlassung im Jahr 1956 zog er sich in das kleine Dorf Aumühle in Schleswig-Holstein zurück. Dort starb er am 24. Dezember 1980 im Alter von 89 Jahren.

Albert Speer, der Reichsminister für Bewaffnung und Kriegsproduktion, wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt. Nach seiner Freilassung 1966 lebte er zurückgezogen und veröffentlichte später Memoiren, in denen er sich als distanzierter Technokrat darstellte. Er starb am 1. September 1981.

Ein besonders tragisches Schicksal ereilte Erwin Rommel, den legendären Wüstenfuchs und Generalfeldmarschall. Er wurde beschuldigt, in das Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 verwickelt gewesen zu sein. Am 14. Oktober 1944 stellten ihn Hitler-Boten vor die Wahl: entweder ein Schauprozess vor dem Volksgerichtshof mit Repressalien gegen seine Familie oder ein stiller Selbstmord durch Gift. Rommel wurde zum Selbstmord gezwungen, um seine Angehörigen zu schützen. Offiziell wurde sein Tod als Folge einer Kriegsverletzung ausgegeben.

Der bayerische Gauleiter Paul Giesler, zugleich Stellvertretender Ministerpräsident und Reichsverteidigungskommissar, erschoss am 2. Mai 1945 aus Angst vor der Gefangennahme durch amerikanische Truppen zunächst seine Frau und dann sich selbst. Seine Frau starb sofort, Giesler überlebte den Schuss jedoch zunächst und wurde in ein Militärkrankenhaus in Stanggaß gebracht. Die genauen Todesumstände sind umstritten; nach neueren Erkenntnissen starb er bereits am 2. Mai 1945.

Und dann ist da noch der Fall Oskar Dirlewanger, SS-Kommandeur einer berüchtigten Einheit, die für zahlreiche Kriegsverbrechen verantwortlich war. Die genauen Todesumstände Dirlewangers sind unklar; er starb vermutlich Anfang Juni 1945 in einem französischen Gefangenenlager in Altshausen.

Diese Fälle zeigen, wie unterschiedlich die Wege der NS-Elite nach 1945 verliefen. Manche starben sofort, andere erst nach Jahrzehnten in Haft oder im Exil. Das Schicksal der NS-Führung nach 1945 war geprägt von Selbstjustiz, langen Prozessen und vereinzelten Fluchten, die bis in die 1980er Jahre reichten.

Häufig gestellte Fragen

Was geschah mit den Nazis nach dem Zweiten Weltkrieg?

Nach der deutschen Kapitulation im Mai 1945 sahen sich die führenden Nationalsozialisten drei Möglichkeiten gegenüber: Selbstmord, Hinrichtung nach einem Gerichtsverfahren oder die Flucht ins Ausland. Viele wählten den Freitod, andere wurden bei den Nürnberger Prozessen zum Tode verurteilt. Eine dritte Gruppe entzog sich der Justiz durch Flucht, häufig nach Südamerika.

Wer wurde bei den Nürnberger Prozessen zum Tode verurteilt?

Das Internationale Militärtribunal in Nürnberg verurteilte zwölf führende Nationalsozialisten zum Tode durch den Strang. Unter ihnen befanden sich der ehemalige Außenminister Joachim von Ribbentrop, Innenminister Wilhelm Frick, der Reichsminister für die besetzten Ostgebiete Alfred Rosenberg sowie der Generalgouverneur von Polen Hans Frank. Die Hinrichtungen wurden am 16. Oktober 1946 im Nürnberger Justizgefängnis vollstreckt.

Wie konnte Adolf Eichmann nach Argentinien fliehen?

Adolf Eichmann, der als SS-Obersturmbannführer die Deportation von Millionen Juden organisierte, nutzte nach dem Krieg die sogenannten Rattenlinien. Diese Fluchtrouten führten über Italien nach Südamerika, wobei kirchliche Netzwerke und gefälschte Papiere halfen. In Buenos Aires lebte er jahrelang unbehelligt unter falschem Namen. Im Mai 1960 wurde er vom israelischen Geheimdienst Mossad entführt und nach Israel gebracht. Dort verurteilte ihn ein Gericht zum Tode; die Hinrichtung erfolgte am 1. Juni 1962.

Warum begingen so viele NS-Führer Selbstmord?

Die Gründe für die zahlreichen Suizide waren vielfältig. Viele Täter fürchteten die strafrechtliche Verantwortung und die Demütigung eines Prozesses. Andere blieben bis zum Schluss ihrer Ideologie verhaftet und wollten sich der Gefangennahme durch die Alliierten entziehen. Heinrich Himmler, der Reichsführer der SS, nahm sich am 23. Mai 1945 in britischer Gefangenschaft mit einer Zyanidkapsel das Leben. Hermann Göring wählte in der Nacht vor seiner geplanten Hinrichtung am 15. Oktober 1946 ebenfalls den Freitod durch Gift.

Was passierte mit Josef Mengele nach dem Krieg?

Josef Mengele, der als Lagerarzt in Auschwitz grausame Menschenversuche an Häftlingen durchführte, wurde nach Kriegsende kurzzeitig gefangen genommen, aber wieder freigelassen. Er floh 1949 nach Argentinien und erhielt später die paraguayische Staatsbürgerschaft. Über Jahre hinweg lebte er unbehelligt in Südamerika, reiste aber auch mehrfach nach Europa. Am 7. Februar 1979 ertrank er beim Schwimmen im Meer vor der brasilianischen Küste. Seine Identität wurde erst 1985 durch einen DNA-Abgleich zweifelsfrei bestätigt.

Wer war Walter Rauff und wie konnte er in Chile leben?

Walter Rauff war ein SS-Offizier, der unter anderem an der Entwicklung mobiler Gaswagen beteiligt war. Nach dem Krieg gelang ihm die Flucht aus einem alliierten Gefangenenlager. Über Italien und Ecuador erreichte er 1949 Chile, wo er unter seinem eigenen Namen lebte. Obwohl er 1962 kurzzeitig verhaftet wurde, kam er wieder frei. Der chilenische Diktator Augusto Pinochet lehnte alle Auslieferungsersuchen Westdeutschlands ab und stellte Rauff sogar eine persönliche Schutzeinheit zur Verfügung. Rauff starb am 14. Mai 1984 in Chile an einem Herzinfarkt.

Wie wurde Erich Priebke nach Jahrzehnten in Argentinien gefasst?

Erich Priebke, ein SS-Hauptsturmführer, war an der Ardeatinischen Massaker beteiligt, bei dem am 24. März 1944 in Rom 335 italienische Zivilisten als Vergeltung erschossen wurden. Nach dem Krieg floh er nach Argentinien, wo er rund fünfzig Jahre lang unbehelligt lebte. Mitte der 1990er Jahre wurde seine Vergangenheit aufgedeckt. Daraufhin lieferte ihn die argentinische Regierung 1995 an Italien aus. Ein Gericht verurteilte ihn 1998 wegen Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft. Priebke starb 2013 im Alter von hundert Jahren.

Warum wurde Rudolf Heß zu lebenslanger Haft verurteilt?

Rudolf Heß, von 1933 bis 1941 Stellvertreter des Führers, flog am 10. Mai 1941 in einer deutschen Maschine nach Schottland. Sein Ziel war es, mit der britischen Regierung Friedensverhandlungen zu führen. Die Briten nahmen ihn jedoch gefangen und hielten ihn bis Kriegsende fest. Im Nürnberger Prozess wurde Heß wegen seiner führenden Rolle im NS-Regime zu lebenslanger Haft verurteilt. Er verbrachte Jahrzehnte im Spandauer Gefängnis in Berlin, wo er sich am 17. August 1987 im Alter von 93 Jahren das Leben nahm. Hinweis der Redaktion: Einzelheiten zu Todesumständen einzelner NS-Verbrecher beruhen teilweise auf späteren Ermittlungen und können nicht in allen Punkten zweifelsfrei belegt werden; sie sind entsprechend als unbestätigt gekennzeichnet.

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