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Piratinnen der Geschichte: 6 gefährliche Frauen der Meere

Piratinnen der Geschichte gab es mehr, als man vermuten würde: Sechs Frauen zwischen dem 14. und dem 18. Jahrhundert kämpften, raubten und kommandierten auf den Weltmeeren. Sie waren in ganz unterschiedlichen Regionen unterwegs, vor der bretonischen Küste, in den Gewässern um Irland, im Chinesischen Meer und in der Karibik. Keine von ihnen wartete darauf, dass man ihr den Weg freigab. Manche griffen aus Rache zu den Waffen, andere aus Not, und wieder andere, weil das Meer ihnen mehr Freiheit bot als jedes Land. Ihre Namen sind bis heute mit Angst, Bewunderung und Legenden verbunden.

Wichtige Fakten
  • Jeanne de Clisson wird dem 14. Jahrhundert zugeordnet und soll aus Rache für ihren hingerichteten Ehemann Schiffe vor der bretonischen Küste angegriffen haben.
  • Grace O'Malley gilt als bedeutende irische Seefrau des 16. Jahrhunderts und führte eigene Schiffe sowie bewaffnete Männer an.
  • Ching Shih befehligte um das Jahr 1800 eine große Piratenflotte vor der chinesischen Küste und handelte mit den Behörden Bedingungen für ihre Aufgabe aus.
  • Anne Bonny und Mary Read kämpften im 18. Jahrhundert in der Karibik und wurden nach ihrer Festnahme angeklagt.
  • Rachel Wall gilt als eine der ersten amerikanischen Piratinnen und soll Ende des 18. Jahrhunderts in den Gewässern vor Neuengland aktiv gewesen sein.

Das Wichtigste in Kürze

Sechs Frauen prägten zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert die Seefahrt als Piratinnen: Jeanne de Clisson in den Gewässern vor Frankreich, Grace O'Malley vor Irland, Ching Shih vor China sowie Anne Bonny, Mary Read und Rachel Wall in der Karibik und vor Nordamerika. Sie kämpften, kommandierten Flotten und erlangten teils großen Einfluss. Viele Details ihres Lebens sind nur über spätere Berichte überliefert und daher nicht in jedem Punkt gesichert.

Piratinnen der Geschichte: 6 gefährliche Frauen der Meere

Sie kennen vermutlich die berühmten Seeräuber mit den großen Bärten: Rotbart, Blaubart oder Schwarzbart, allesamt Legenden der sieben Weltmeere. Doch wie steht es um die Frauen, die ebenso furchtlos über die Ozeane segelten? Piratinnen der Geschichte sind bis heute erstaunlich wenig präsent, obwohl ihre Spuren nicht weniger spektakulär sind. Selbst in der Hochzeit der Piraterie, als die Meere von Seefahrern bevölkert waren, gab es weit mehr dieser unerschrockenen Frauen, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Jeanne de Clisson: Die Rache der siebenfachen Mutter

Manche Geschichten werden mit jeder Erzählung größer, und so verschwimmen bei Jeanne de Clisson, geborene Jeanne-Louise de Belleville, die Grenzen zwischen Legende und Wahrheit. Der Überlieferung nach war sie Mutter von sieben Kindern, als sie ihren Feldzug gegen die französische Krone begann. Ihr zweiter Ehemann, Lord Olivier de Clisson, geriet mitten in den Auseinandersetzungen des Hundertjährigen Krieges im 14. Jahrhundert zwischen die Fronten. König Philipp VI. von Frankreich ließ ihn wegen des Verdachts der Konspiration mit England hinrichten.

Jeanne verkaufte daraufhin den Familienbesitz und kaufte drei Schiffe, die sie schwarz bemalen und mit roten Segeln ausstatten ließ. Die Zahl der Schiffe ist allerdings legendenhaft überformt. Mit ihren beiden Söhnen stach sie in See und griff französische Verbände an. Wie weit ihre Grausamkeit tatsächlich reichte, lässt sich nicht sicher belegen; erzählt wird, sie habe jedem französischen Adligen, der ihr begegnete, persönlich den Kopf abgeschlagen.

Grace O'Malley: Die irische "Piratenkönigin"

Grace O'Malley, auf Irisch Gráinne Ní Mháille, zählt zu den berüchtigtsten Gestalten der Seefahrtsgeschichte. Um 1530 geboren, wuchs sie in einem Seefahrerclan auf, dessen Anführer ihr Vater war. Sie heiratete zweimal und verteidigte ihren Besitz mit allen Mitteln. Dass sie sich dabei vorsorglich auch fremdes Eigentum aneignete, betrachtete sie offenbar als kluge Absicherung. Der Überlieferung nach soll sie einen ihrer Söhne auf einem Schiff zur Welt gebracht und nur einen Tag später in einen Kampf zur Verteidigung des Schiffes eingegriffen haben.

Ihre wohl kühnste Tat war die Bitte um eine Audienz bei Königin Elisabeth I. um 1593. Sie erreichte tatsächlich, dass ihr gefangener Bruder und ihre Söhne freigelassen wurden. Die Königin erfüllte die Forderung.

Ching Shih: Die erfolgreichste Piratin ihrer Zeit

Kaum eine Piratin war so erfolgreich wie die Chinesin Ching Shih. Über ihre frühen Jahre ist wenig bekannt; der Überlieferung nach wurde sie 1801 von dem Piraten Cheng Yi gefangen genommen und später seine Frau, wobei das Jahr nicht in allen Quellen exakt gesichert ist. Gemeinsam stachen sie in See und bauten die sogenannte Flotte der Roten Flagge auf. Nach Cheng Yis Tod im Jahr 1807 übernahm Ching Shih das Kommando über Hunderte Schiffe und rund 50.000 Piraten.

Sie disziplinierte ihre Leute mit strengen Verhaltensregeln; viele Vergehen wurden mit Enthauptung bestraft. Die Flotte galt als nahezu unaufhaltsam und drang mit kleineren Booten sogar flussaufwärts vor, um Städte und Dörfer abseits der Küste anzugreifen. Berichten zufolge soll der Admiral der chinesischen Marine sich das Leben genommen haben, um nicht von ihr gefangen genommen zu werden, doch die genauen Umstände sind legendenhaft überliefert. Die Qing-Regierung gewährte ihr eine Amnestie, und sie zog sich mit ihrer Beute ins ländliche Leben zurück.

Anne Bonny: Die Irin in der Karibik

Anne Bonny, geboren als Anne Cormac in Irland, wanderte als junges Mädchen mit ihrer Familie in die späteren Vereinigten Staaten aus. Gegen den Willen ihres Vaters heiratete sie den Seemann James, genannt John, Bonny. Als die Ehe scheiterte, schloss sie sich dem berüchtigten Piraten John "Calico Jack" Rackham an, kaperte mit ihm ein Schiff und begann, die Küste Jamaikas zu plündern. Anders als ihre Mitstreiterin Mary Read verbarg sie ihr Geschlecht kaum.

1720 wurden Rackham und seine Crew gefangen genommen. Die männlichen Mitglieder wurden wegen Piraterie gehängt, Bonny und Read jedoch entgingen der Hinrichtung, indem sie Schwangerschaft geltend machten. Bonny kam später frei und verbrachte den Rest ihres Lebens in ruhigeren Verhältnissen.

Mary Read: Als Junge erzogen, als Piratin gefürchtet

Mary Read wurde als uneheliches Mädchen geboren, der Überlieferung nach aber als legitimer Junge erzogen. Ihre Mutter hatte nach dem Tod ihres Mannes einen Sohn zur Welt gebracht und versuchte, Mary an dessen Stelle zu setzen. Die Großmutter durchschaute den Plan, doch die Mutter kleidete Mary weiterhin als Jungen und ließ sie im Haushalt mitarbeiten. Später diente sie als Mann verkleidet in der Armee und arbeitete auf Schiffen.

Auf einer Reise mit einem holländischen Schiff wurde sie von "Calico Jack" Rackham und seiner Crew gefangen genommen. Bald freundete sie sich mit Anne Bonny an, die ihr Geheimnis schnell entdeckte. Gemeinsam gingen sie auf Beutezug, bis beide gefangen genommen wurden. Auch Mary Read behauptete, schwanger zu sein, und entging so der Hinrichtung; sie starb jedoch im Gefängnis.

Rachel Wall: Die letzte hingerichtete Frau von Massachusetts

Rachel Wall, deren Geburtsname Schmidt, Geburtsjahr und Geburtsort nicht sicher belegt sind, wird oft als erste amerikanische Piratin bezeichnet. Der Überlieferung nach heiratete sie mit etwa 16 Jahren George Wall und zog mit ihm nach Boston, wo sie als Dienstmagd und er als Fischer arbeiteten. Das Geld war knapp, und so schmiedete George einen Plan: Bei gutem Wetter gingen sie auf Fischfang, nach Stürmen täuschten sie einen Schiffbruch vor und beraubten jene, die zu ihrer Rettung herbeieilten. Dieses Vorgehen funktionierte etwa ein Jahr lang.

Nach dem Tod ihres Mannes setzte Rachel ihr kriminelles Leben an Land fort, wo sie stahl und vermutlich der Prostitution nachging. Schließlich wurde sie wegen eines Angriffs auf eine junge Frau verhaftet, gestand ihre Verbrechen einschließlich der Piraterie und wurde hingerichtet. Sie gilt als letzte Frau, die in Massachusetts hingerichtet wurde.

Hinweis der Redaktion: Angaben zu Lebensdaten, Schiffszahlen und einzelnen Taten beruhen teils auf späteren Berichten; nicht bestätigte Details sind im Text entsprechend vorsichtig formuliert.

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