Nazım Hikmet im Bursa-Gefängnis: Ein Tritt gegen Orhan Kemal

Im Gefängnis von Bursa teilten Nazım Hikmet und Orhan Kemal in den 1940er-Jahren zeitweise eine Zelle, und ausgerechnet ein Fußballspiel im Hof wurde zum Wendepunkt für Orhan Kemals Laufbahn. Die beiden Männer verband eine Freundschaft, die weit über die Mauern hinauswirkte. Eine Anekdote erzählt von einem harten Foul, ein Satz über Prosa veränderte einen von ihnen für immer. Was damals im Gefängnis von Bursa geschah, gehört zu den ungewöhnlichsten Episoden der türkischen Literaturgeschichte.
- Nazım Hikmet und Orhan Kemal waren in den 1940er-Jahren zeitgleich im Gefängnis von Bursa inhaftiert.
- Der Überlieferung nach soll Nazım Hikmet seinen Mitgefangenen beim Fußball im Gefängnishof gefoult haben.
- Orhan Kemal schrieb damals vor allem Gedichte, die Nazım Hikmet offenbar für wenig überzeugend hielt.
- Nazım Hikmet soll ihm geraten haben, sich der Prosa und dem Roman zuzuwenden.
- Orhan Kemal wurde später zu einem der wichtigsten Erzähler der türkischen Literatur.
Das Wichtigste in Kürze
In den frühen 1940er-Jahren saßen Nazım Hikmet und Orhan Kemal gemeinsam im Gefängnis von Bursa ein. Der Überlieferung nach foulte Nazım Hikmet bei einem Fußballspiel im Hof seinen Mitgefangenen. Aus der Begegnung entstand eine enge Freundschaft, in der Nazım Hikmet Orhan Kemal riet, statt Gedichte künftig Prosa zu schreiben.
Zwei Dichter, eine Zelle in Bursa
Stellen Sie sich eine Gefängniszelle im türkischen Bursa vor, irgendwann in den späten 1930er oder frühen 1940er Jahren. Auf der einen Pritsche ein Mann, der später als einer der bedeutendsten Lyriker des 20. Jahrhunderts gelten wird. Auf der anderen ein junger Autor, der noch um seinen Ton ringt. Die beiden teilen sich nicht nur den engen Raum, sondern auch den Alltag hinter Gittern: Nazım Hikmet und Orhan Kemal, zwei der größten Namen der türkischen Literatur, zeitweise Zellengenossen im Bursa-Gefängnis.
Nazım Hikmet war zu diesem Zeitpunkt bereits eine bekannte, ja umstrittene Figur. Und doch beschreiben die Erinnerungen ihn als auffallend ruhigen Menschen. Er begegnete jedem mit Respekt, auch denen, die seine politischen Ansichten ablehnten. Der Überlieferung nach war er selbst bei Gegnern beliebt. Wo andere auf Konfrontation gingen, wich er aus. In Streitigkeiten ließ er sich nur ungern hineinziehen, und oft genug gelang es ihm, ihnen ganz aus dem Weg zu gehen, auch wenn man ihn förmlich dazu drängte.
Für Orhan Kemal muss das eine eigentümliche Mischung gewesen sein: Bewunderung, Nähe und die tägliche Reibung mit einem Mann, dessen Urteil Gewicht hatte. Aus dieser Reibung entstand etwas, das weit über die Zellenmauern hinausreichen sollte. Denn Orhan Kemal hielt fest, was er in jenen Jahren mit Nazım Hikmet erlebte. Sein Erinnerungsbuch trägt den Titel „Nazım Hikmet'le 3,5 Yıl", zu Deutsch etwa „Dreieinhalb Jahre mit Nazım Hikmet".
Ein Foto aus dem Jahr 1943 zeigt die beiden im Bursa-Gefängnis, nebeneinander, in einer Haltung, die nichts von der Härte des Ortes verrät. Es ist eines jener Bilder, die man lange ansieht, weil sie eine unwahrscheinliche Konstellation festhalten: zwei Dichter, die sich eine Zelle teilen, der eine schon ein Monument, der andere noch auf der Suche nach seiner Stimme.
Was in diesen dreieinhalb Jahren geschah, wie der Ältere den Jüngeren formte, kritisierte und schließlich in eine andere Richtung lenkte, ist eine der bekanntesten Episoden der türkischen Literaturgeschichte. Sie beginnt mit einem vernichtenden Urteil und endet mit einem Rat, der Orhan Kemals Weg für immer veränderte.
Ein schonungsloses Urteil: „Rezalet, berbat“
Denken Sie an eine Zelle im Bursa-Gefängnis, irgendwann in den frühen 1940er Jahren. Zwei Männer teilen sich diesen engen Raum. Der eine ist Nazım Hikmet, schon damals eine feste Größe der türkischen Dichtung. Der andere ist Orhan Kemal, ein Mitgefangener, der bewundernd zu ihm aufschaut und heimlich Verse schreibt. Was dann geschieht, gehört zu den berühmtesten Szenen der türkischen Literaturgeschichte, und es beginnt mit einer Abfuhr.
Orhan Kemal legte dem verehrten Zellengenossen seine Gedichte vor. Er rechnete mit Lob, vielleicht mit einem wohlwollenden Hinweis. Was er bekam, war alles andere als zart. Nazım Hikmet griff die Verse mit Worten an, die Orhan Kemal sein Leben lang nicht vergaß: „Rezalet“, also Schande, und „berbat“, zu Deutsch furchtbar. Kein Trost, keine Ermutigung, nur die nackte Wahrheit eines Mannes, der in der Dichtung zu Hause war und genau wusste, was er da las.
Doch damit nicht genug. Nazım Hikmet ging weiter und gab einen Rat, der die Richtung eines ganzen Lebens verändern sollte. Er legte Orhan Kemal nahe, die Lyrik aufzugeben und sich der Prosa zuzuwenden. Die Verse, so seine Überzeugung, würden bei diesem Mann niemals tragen. Die Erzählung dagegen schon.
Orhan Kemal wehrte sich. Die Erzählung, wandte er ein, sei ihm fremd, ein Feld, auf dem er sich nicht zu Hause fühle. Genau darin aber sah Nazım Hikmet den Vorteil. Gerade weil Orhan Kemal hier keinem Vorbild nacheifere, so die Entgegnung, könne er seinen ganz eigenen Stil finden, unbeeinflusst von anderen. Was zunächst wie eine Zurückweisung klang, entpuppte sich als Geschenk.
Dieser Augenblick gilt heute als Wendepunkt in Orhan Kemals literarischer Laufbahn. Aus dem enttäuschten Lyriker wurde einer der wichtigsten Erzähler der türkischen Moderne, ein Chronist des einfachen Lebens, der armen Leute, der kleinen Leute von Istanbul und Anatolien. Der Mann, dessen Gedichte „furchtbar“ gewesen sein sollen, fand seine Stimme ausgerechnet dort, wo er sich zunächst fremd fühlte.
Es ist eine Geschichte über die seltene Kunst, ehrlich zu sein, wenn Ehrlichkeit weh tut. Nazım Hikmet hat Orhan Kemal nicht geschont, und gerade deshalb hat er ihm den Weg gewiesen. Manchmal ist die härteste Kritik die freundlichste Geste, die ein Mentor zu geben hat.
Fußball im Hof und ein Verbot, das niemand so recht versteht
Stellen Sie sich den Hof des Gefängnisses von Bursa vor, irgendwann in den frühen 1940er Jahren. Zwischen hohen Mauern, unter freiem Himmel, wird Fußball gespielt. Für die Insassen ist das mehr als ein Zeitvertreib. Es ist das wenige, das den Tag überhaupt erträglich macht. Genau deshalb trifft es sie so hart, als der Hauptwärter das Spiel eines Tages kurzerhand untersagt.
Seine Begründung klingt bizarr, und sie ist nur als Anekdote überliefert, nicht sicher belegt: Der Ball könne über die Mauer fliegen und auf der anderen Seite wieder auftauchen. Und wer wisse schon, ob man ihn nicht nutze, um Drogen hinein- oder hinauszuschmuggeln. Plötzlich wurde aus einem einfachen Lederball ein angebliches Schmuggelwerkzeug. Man muss sich das vor Augen halten: Da kicken erwachsene Männer einen Ball gegen eine Wand, und die Gefängnisleitung sieht darin einen Schmuggelweg.
Doch die Gefangenen geben nicht auf. Eines Tages gelingt es ihnen, den Wärter zu besänftigen, ihn milde zu stimmen. Der Ball kommt zurück. Ein Spiel wird angesetzt. Und wer meldet sich freiwillig? Nazım Hikmet, der Dichter, der zu dieser Zeit mit Orhan Kemal im Bursa-Gefängnis eine Zelle teilt. Er will mitmachen, ausgerechnet er.
Was dann folgt, ist weniger Poesie als Kampf. Auf dem Platz ist Nazım Hikmet alles andere als ein Meister. Man spielt ihn leicht aus, treibt ihn mit einem Haken nach dem anderen zur Verzweiflung. Sein Gesicht läuft rot an, die blauen Augen blitzen, die blonden Brauen ziehen sich zusammen. Und je mehr er verliert, desto härter wird er. Er dreht seine Kappe verkehrt herum, kommandiert seine Mitspieler herum, wechselt ihre Positionen. Vor allem aber foult er. Mit Händen, mit Armen, mit Tritten geht er auf die Gegner los.
Auch Orhan Kemal bekommt dabei sein eigenes Andenken ab. Der Überlieferung nach soll er später notiert haben, er habe eines Tages einen ordentlichen Tritt abbekommen, und, unter uns gesagt, es sei ein ganz vorzüglicher Tritt gewesen. Ob genau diese Szene in seinem Erinnerungsbuch „Nazım Hikmet'le 3,5 Yıl" steht, lässt sich nicht mit letzter Sicherheit sagen. Dass die gemeinsame Haftzeit dort geschildert wird, ist dagegen belegt.
So absurd das Verbot auch war, es erzählt viel über das Leben hinter Gittern. Ein Ball, ein Stück Rasen, ein paar Minuten Normalität. Und ein Wärter, der selbst darin noch eine Gefahr wittert. Für die beiden Dichter blieb der Hof von Bursa dennoch ein Ort, an dem ausgerechnet der große Lyriker zum ruppigen Verteidiger wurde, der vor keinem Foul zurückschreckte.
Nazım Hikmet auf dem Platz: „Foul-König" statt großer Dichter
Nazım Hikmet, einer der größten Dichter der türkischen Literaturgeschichte, war im Gefängnis von Bursa ein leidenschaftlicher Fußballer. Nur leider ein schlechter. Der Ort dieses Geschehens ist das Bursa-Gefängnis, wo er und Orhan Kemal zeitweise dieselbe Zelle teilten. Was dort auf dem Hof geschah, ist bis heute eine der schönsten Anekdoten über den Dichter, den man sonst nur ernst und feierlich kennt.
Im Hof wurde gespielt, das war die Abwechslung des Tages. Der Überlieferung nach soll der Hauptwärter das Fußballspielen zeitweise untersagt haben, mit der Begründung, der Ball könne über die Mauer fliegen und zur Drogenschmuggelfalle werden. Solche Verbote gehörten zum Alltag der Haft. An einem Tag aber, so erzählt man es sich, wurde der Wärter besänftigt, ein Ball kam herbei, und es konnte gespielt werden.
Nazım Hikmet wollte mitmachen. Er meldete sich, trat in das gegnerische Team ein, das von Orhan Kemal angeführt wurde. Damit begann ein Schauspiel, das die Zuschauer so schnell nicht vergessen sollten.
Ein Künstler auf dem Platz, aber kein Künstler des Balls
Was in der Dichtung vollendet war, geriet auf dem Spielfeld zum Gegenteil. Nazım Hikmet spielte mit vollem Herzen, aber wenig Talent. Seine Gegner spielten ihn mit Leichtigkeit aus. Kaum hatte er den Ball, war er ihn auch schon wieder los. Und er nahm es persönlich.
Seine Reaktionen waren so unverwechselbar wie seine Verse. Er drehte seine Kappe verkehrt herum, wechselte mitten im Spiel die Position und schimpfte mit seinen eigenen Mitspielern, als seien sie an allem schuld. Wer ihn so sah, hätte kaum den Dichter erkannt, der mit ruhiger Würde seine Verse vortrug.
Rotes Gesicht, blaue Augen, gelbe Brauen
Bei jedem Gegentor wurde er wütend. Sein Gesicht färbte sich rot, die blauen Augen blitzten, die gelben Brauen zogen sich zusammen. Diese Mischung aus Zorn und Farben war so auffällig, dass sie in den Erinnerungen festgehalten wurde. Und dann kam der Moment, in dem der Dichter zum Foulspieler wurde.
Wenn er umspielt wurde, reagierte er mit Gegenfouls. Mit der Hand, mit dem Arm, mit dem Fuß. Er teilte kräftig aus, wo er nur konnte, und wurde so zum gefürchteten „Foul-König" des Gefängnishofs. Die Anekdote ist als Bericht überliefert, nicht als verbürgte Tatsache, doch sie passt zu allem, was man über die Haftzeit weiß.
Besonders traf es Orhan Kemal selbst. Der Überlieferung nach bekam er einen besonders kräftigen Tritt ab, einen, der in Erinnerung blieb. Orhan Kemal soll diesen Tritt später in seinen Aufzeichnungen festgehalten haben, mit einem Augenzwinkern, das die Szene bis heute lebendig macht.
So steht am Ende nicht der gefeierte Dichter auf dem Podest, sondern ein hitzköpfiger Amateurfußballer mit verrutschter Kappe. Ein Mensch, der verlor, sich ärgerte und foulte wie jeder andere. Vielleicht ist das die wahrhaftigste Seite eines großen Dichters: die, in der er einfach nur mitspielen wollte.
Ein Tritt, der in die Literaturgeschichte einging
Manchmal sind es nicht die großen Gesten, die eine Freundschaft überliefern, sondern derbe Kleinigkeiten. Im Nazım Hikmet Orhan Kemal Bursa-Gefängnis teilten zwei der bedeutendsten Stimmen der türkischen Literatur über Jahre hinweg denselben Alltag. Zwischen Zellengittern und Hofmauern entstand eine Beziehung, die später in die Erinnerungsliteratur einging, und ausgerechnet ein Fußballspiel lieferte dabei die vielleicht menschlichste Szene von allen.
Der Überlieferung nach soll Orhan Kemal in seinem Erinnerungsband „Nazım Hikmet'le 3,5 Yıl", also „Dreieinhalb Jahre mit Nazım Hikmet", notiert haben: „Eines Tages bekam ich einen kräftigen Tritt ab, und unter uns gesagt, es war ein sehr vorzüglicher Tritt." Ein Satz, der zunächst wie eine Anekdote unter Freunden klingt, doch genau darin liegt sein Wert. Denn er zeigt die beiden Männer nicht als Denkmäler, sondern als hitzige Mitspieler auf einem staubigen Gefängnishof.
Das Buch selbst existiert und behandelt die gemeinsame Haftzeit in Bursa. Ob allerdings speziell dieser eine Tritt darin geschildert wird, lässt sich nicht mit Sicherheit bestätigen. Die Episode lebt vor allem als mündlich weitergegebene Anekdote fort, als eine jener kleinen Geschichten, die sich um große Namen ranken und dabei mehr über ihren Charakter verraten als manche Biografie.
Genau das ist der Nachhall dieser Szene. Ein Dichter, der für seine Verse verehrt wird, verwandelt sich für einen Moment in einen ehrgeizigen Amateurfußballer, der bei einem Foul die Beherrschung verliert. Und sein Gegenüber, der später selbst zu einem der wichtigsten Erzähler des Landes werden sollte, nimmt den Tritt mit trockenem Humor und hebt ihn in die Literatur. Zwischen zwei Zeilen über Politik und Poesie steht plötzlich ein sehr vorzüglicher Tritt, und gerade dadurch bleiben Nazım Hikmet und Orhan Kemal für uns greifbar, nahbar und menschlich.
Was bleibt von dieser ungewöhnlichen Freundschaft?
Es ist eine dieser Begegnungen, die einen Menschen in eine völlig neue Richtung lenken. Orhan Kemal schrieb im Gefängnis von Bursa Gedichte, weil er glaubte, ein Dichter sein zu müssen. Nazım Hikmet, damals schon eine feste Größe der türkischen Literatur, sah die Verse und sparte nicht mit Kritik. Dann kam der Satz, der alles veränderte: Er solle die Lyrik aufgeben und zur Prosa wechseln.
Orhan Kemal wandte ein, die Erzählung sei ihm fremd. Nazım Hikmet entgegnete, gerade das sei ein Vorteil. Wer keinem Vorbild nacheifere, finde leichter einen eigenen Ton. Genau das geschah. Aus dem Gefangenen, der sich für einen verkannten Poeten hielt, wurde ein Erzähler, dessen Romane bis heute zum festen Bestand der türkischen Literatur gehören.
So wurde aus einer Zelle ein Arbeitszimmer, aus einem scharfen Urteil eine lebenslange Wegmarke. Der Nazım Hikmet Orhan Kemal Bursa-Gefängnis ist damit weit mehr als ein Ort gemeinsamer Haft: Er ist der Ausgangspunkt einer der folgenreichsten literarischen Ermunterungen der türkischen Moderne.
Was diese Geschichte so haltbar macht, ist ihre Nähe zum Alltag. Die beiden Männer sprachen nicht in erhabenen Kategorien über Kunst. Sie saßen zusammen, stritten, spielten Fußball, verloren die Nerven. Die Literatur war für sie kein abgetrennter Bereich, sondern Teil desselben Lebens, das sich im Hof und in der Zelle abspielte. Genau darin liegt der Reiz dieser Anekdoten.
Über Nazım Hikmet selbst gibt es eine verbreitete Ungenauigkeit, die sich hartnäckig hält. Immer wieder heißt es, er sei vor 55 Jahren in Moskau gestorben. Das ist falsch. Nazım Hikmet starb am 3. Juni 1963 in Moskau. Sein Tod liegt also deutlich länger zurück, als solche Angaben nahelegen. Wer die Zahl nachrechnet, merkt schnell, wie sehr sich Fehler dieser Art verselbstständigen.
Und Orhan Kemal? Er hat dem gemeinsamen Abschnitt ein ganzes Buch gewidmet: „Nazım Hikmet'le 3,5 Yıl", also dreieinhalb Jahre mit Nazım Hikmet. Darin schildert er die Haftzeit, die Gespräche, die Reibereien. Ob jede einzelne Episode darin so verbürgt ist, wie sie heute weitererzählt wird, lässt sich nicht in jedem Fall belegen. Manches gehört der Überlieferung an, manches der lebendigen Erinnerung.
Doch das mindert nichts. Eine Freundschaft, die in einer Zelle beginnt und einen Schriftsteller hervorbringt, erzählt mehr über die Kraft eines einzigen guten Rats als jede Theorie über das Schreiben. Sie zeigt, dass ein ehrliches Wort zur richtigen Zeit ein ganzes Werk entstehen lassen kann.
Häufig gestellte Fragen
Was geschah zwischen Nazım Hikmet und Orhan Kemal im Bursa-Gefängnis?
Die beiden Dichter teilten sich in den 1930er und 1940er Jahren zeitweise eine Zelle in Bursa. Orhan Kemal, damals noch ein angehender Autor, zeigte dem älteren Nazım Hikmet seine Gedichte. Aus dieser ungleichen Nachbarschaft entstand eine der bekanntesten Freundschaften der türkischen Literaturgeschichte.
Warum kritisierte Nazım Hikmet die Gedichte von Orhan Kemal so hart?
Orhan Kemal berichtet in seinem Erinnerungsbuch selbst, dass Nazım Hikmet seine Verse ohne jede Rücksicht ablehnte und mit Worten wie „erbärmlich" oder „schrecklich" bedachte. Diese Härte war keine Bosheit. Nazım Hikmet sah in dem jüngeren Mann offenbar mehr als einen Gelegenheitspoeten und wollte ihn zur Ehrlichkeit zwingen.
Wie kam es zu dem berühmten Tritt von Nazım Hikmet gegen Orhan Kemal beim Fußball?
Der Überlieferung nach spielte man im Gefängnishof Fußball, und Nazım Hikmet trat gegen Orhan Kemals Mannschaft an. Da er am Ball kein Meister war, ließ er sich leicht ausspielen und geriet in Wut. So soll er mit Händen, Armen und Füßen gefoult haben. Einen dieser Tritte bekam Orhan Kemal ab.
Wer war Orhan Kemal und wie wurde er zum Schriftsteller?
Orhan Kemal war ein türkischer Erzähler, der seine Laufbahn als Lyriker begann. Im Gefängnis von Bursa zeigte er Nazım Hikmet seine Gedichte und erhielt von ihm den entscheidenden Rat, die Lyrik aufzugeben und zur Prosa zu wechseln. Diesen Weg ging er, und er wurde zu einem der wichtigsten Romanciers der Türkei.
Was schrieb Orhan Kemal in seinem Erinnerungsbuch „Nazım Hikmet'le 3,5 Yıl"?
In diesem Buch schildert Orhan Kemal die gemeinsame Haftzeit mit Nazım Hikmet. Der Überlieferung nach soll er darin auch den kräftigen Tritt beschrieben haben, den er beim Fußball abbekam. Ob diese spezielle Szene tatsächlich im Buch steht, lässt sich nicht sicher belegen. Das Buch gilt als zentrale Quelle für die Bursa-Jahre der beiden Autoren.
Warum war Fußball im Bursa-Gefängnis manchmal verboten?
Berichten zufolge wurde das Spiel im Hof zeitweise vom Hauptwärter untersagt. Als Grund führte er an, der Ball könne über die Mauer fliegen und zurückgeworfen werden, was angeblich Drogenschmuggel ermögliche. Diese Begründung lässt sich nicht sicher belegen, sie gehört aber zu den überlieferten Gefängnisgeschichten.
Wie beschreibt Orhan Kemal Nazım Hikmets Verhalten beim Fußball?
Der Überlieferung nach verwandelte sich Nazım Hikmet auf dem Platz in einen hitzigen Spieler. Mit hochrotem Gesicht, blauen Augen und blonden Brauen habe er seine Mitspieler angewiesen und geschimpft. Sobald er ausgespielt wurde, sei er zum „König der Fouls" geworden und habe sich mit vollem Einsatz gewehrt.
Was riet Nazım Hikmet Orhan Kemal für seine literarische Zukunft?
Er riet ihm, das Dichten aufzugeben und zur Prosa überzugehen. Als Orhan Kemal einwandte, Erzählungen seien ihm fremd, entgegnete Nazım Hikmet, gerade das sei ein Vorteil: So könne er, unbeeinflusst von anderen, seine ganz eigene Form finden. Ein Rat, der die türkische Literatur nachhaltig prägte. Hinweis der Redaktion: Einzelne Anekdoten aus dieser Zeit sind nur über Erinnerungen überliefert und werden hier entsprechend als unbestätigt gekennzeichnet.
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