Kriegsdokumentationen: Von Vietnam bis Holocaust

Die besten Kriegsdokumentationen aller Zeiten führen von den Schützengräben des Ersten Weltkriegs über die Dschungel Vietnams bis zu den Gerichtssälen von Nürnberg. Sie zeigen, was Kriege mit Menschen machen, und sie tun es mit einer Wucht, die Spielfilme selten erreichen. Manche von ihnen haben die Geschichte ihrer eigenen Entstehung geschrieben, etwa Claude Lanzmanns "Shoah" oder Peter Jacksons restaurierte Aufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg. Wer sich diesen Werken aussetzt, versteht danach mehr über die Welt, in der wir leben.
- Claude Lanzmanns Werk "Shoah" von 1985 gilt als eine der wichtigsten Holocaust-Dokumentationen überhaupt.
- Errol Morris' "The Fog of War" von 2003 basiert auf ausführlichen Gesprächen mit dem früheren US-Verteidigungsminister Robert McNamara.
- Peter Jacksons "They Shall Not Grow Old" von 2018 restaurierte und kolorierte Originalaufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg und ergänzte sie um Tonaufnahmen von Veteranen.
- Michael Moores "Fahrenheit 9/11" gewann 2004 die Goldene Palme in Cannes und ist bis heute eine der meistdiskutierten politischen Dokumentationen.
- Werner Herzogs "Little Dieter Needs to Fly" von 1997 erzählt die Geschichte des Piloten Dieter Dengler, der im Vietnamkrieg in Gefangenschaft geriet.
Das Wichtigste in Kürze
Kriegsdokumentationen gehören zu den eindringlichsten Zeugnissen des Kinos. Zu den bekanntesten zählen Claude Lanzmanns "Shoah" über den Holocaust, Errol Morris' "The Fog of War" über Robert McNamara, Werner Herzogs "Little Dieter Needs to Fly" sowie Peter Jacksons "They Shall Not Grow Old". Sie verbinden historische Aufnahmen mit persönlichen Berichten und machen so das Ausmaß von Gewalt und Verantwortung nachvollziehbar.
Kriegsdokumentationen: Von Vietnam bis Holocaust
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Kino, und auf der Leinwand läuft ein Film über einen Krieg, der gerade jetzt, in diesem Moment, noch andauert. Genau das passierte 1968, als der amerikanische Dokumentarfilm In the Year of the Pig erschien. Der Vietnamkrieg tobte noch, und Regisseur Emile de Antonio brachte einen Film heraus, der nicht aus sicherer historischer Distanz sprach, sondern mitten aus dem Geschehen heraus. Kriegsdokumentationen wie diese sind keine bequeme Kost. Sie fordern etwas von Ihnen. Sie zeigen nicht nur Schlachten, sondern auch, was Kriege mit den Menschen machen, die sie führen, erleiden und erinnern.
Der Vietnamkrieg war der erste Krieg, der in den amerikanischen Wohnzimmern in voller Länge zu sehen war. Über Fernsehnachrichten drang das Grauen in die Häuser, und viele Dokumentarfilmer griffen genau diese Bilder auf. In the Year of the Pig gehört zu den frühesten amerikanischen Vietnam-Dokumentationen, die entstanden, während der Konflikt noch lief. Zwar kann auch dieser Film nicht die ganze Geschichte erzählen, doch gerade darin liegt sein Wert: Er hält fest, wie sich diese Zeit anfühlte, als sie noch nicht Vergangenheit war.
Taxi to the Dark Side (2007)
Alex Gibney führt in Taxi to the Dark Side vor, wie ein einzelner Mensch zum Ausgangspunkt einer großen Anklage werden kann. Im Dezember 2002 wurde ein afghanischer Taxifahrer festgenommen und starb nach Tagen der Folter im US-Gefangenenlager Bagram. Der Film nimmt diesen Fall zum Anlass, das System der Folter zu untersuchen. Bemerkenswert ist der Zeitpunkt: Der amerikanische Krieg in Afghanistan hatte 2001 begonnen und wurde erst 2021 offiziell beendet. Taxi to the Dark Side entstand also mitten in einem andauernden Krieg, den er schonungslos befragte.
City of Ghosts (2017)
Der Dokumentarfilm City of Ghosts von Matthew Heineman begleitet eine Gruppe von Journalisten, die sich den Namen „Rakka wird still ermordet“ gegeben hat. Nachdem ihre Heimatstadt 2014 vom sogenannten Islamischen Staat erobert worden war, dokumentierten diese Männer aus dem Exil heraus die Gräueltaten und nahmen dafür ständig Gefahr für ihr eigenes Leben in Kauf. Der Film behandelt den Syrischen Bürgerkrieg, der 2011 begann. City of Ghosts gilt als eine der eindringlichsten Arbeiten über diesen Krieg und als Zeugnis außergewöhnlichen Mutes.
Dear America: Letters Home from Vietnam (1987)
Dokumentarfilme kommen üblicherweise ohne prominente Besetzung aus. Dear America: Letters Home from Vietnam ist die große Ausnahme. Der Film besteht größtenteils aus Briefen amerikanischer Soldaten, die sie während ihres Einsatzes in Vietnam geschrieben haben, und diese Briefe werden von bekannten Schauspielern vorgelesen: Willem Dafoe, Robert De Niro, Robert Downey Jr., Martin Sheen, Michael J. Fox und Harvey Keitel sind unter den Sprechern. Verbunden mit Archivaufnahmen entsteht ein ungewöhnlich filmisches Werk, das viele Einzelschicksale zu einem großen Bild zusammenfügt.
The Last Days (1998)
The Last Days von James Moll richtet den Blick auf Überlebende des Holocaust. Der Film porträtiert fünf Menschen, die alle ungarische Juden sind und nach Auschwitz deportiert wurden. Er bietet einen historischen Überblick, doch seine eigentliche Kraft liegt in diesen fünf Überlebensgeschichten, die er nah an den Menschen erzählt.
Little Dieter Needs to Fly (1997)
Werner Herzog gilt vielen als der bedeutendste lebende Dokumentarfilmer, und Little Dieter Needs to Fly gehört zu seinen eindringlichsten Arbeiten. Der Film erzählt von Dieter Dengler, einem Piloten, dessen Flugzeug im Vietnamkrieg abgeschossen wurde. Dengler geriet in Gefangenschaft, wurde monatelang festgehalten und gefoltert, bevor ihm eine waghalsige Flucht in die Freiheit gelang. Im Dokumentarfilm kommt Dengler selbst zu Wort. Diese Geschichte ließ Herzog nicht los: 2006 verfilmte er sie als Spielfilm Rescue Dawn, mit Christian Bale in der Hauptrolle.
The Invisible Front (2014)
The Invisible Front erzählt vom litauischen Widerstand gegen die sowjetische Besatzung, der 1944 begann und bis zum Zerfall der Sowjetunion 1991 andauerte. Der Film folgt den Erfahrungen von Juozas Luksa, einem der Anführer dieser Partisanenbewegung, und seinen Gefährten.
Why We Fight: The Battle of Russia (1943)
Frank Capras The Battle of Russia von 1943 ist Teil seiner Reihe „Why We Fight“ und zeigt aus amerikanischer Perspektive den Kampf der Sowjetunion gegen Nazi-Deutschland. Der Film kam in die Kinos, während der Zweite Weltkrieg noch im Gange war.
The Fog of War (2003)
Errol Morris, der bereits mit The Thin Blue Line Maßstäbe gesetzt hatte, widmet sich in The Fog of War dem früheren US-Verteidigungsminister Robert McNamara. Der Film stützt sich auf zahlreiche Interviews mit McNamara und beleuchtet seine Rolle in den frühen Jahren des Vietnamkriegs.
Fahrenheit 9/11 (2004)
Michael Moores Fahrenheit 9/11 ist eine scharfe politische Abrechnung mit der Reaktion der USA auf die Anschläge vom 11. September 2001, mit dem Irakkrieg von 2003 und mit dem Krieg gegen den Terror. Der Film gewann 2004 die Goldene Palme in Cannes. Selbst wer seinen Thesen widersprach, musste anerkennen, dass er handwerklich sauber gemacht und wirkungsvoll war.
White Light/Black Rain (2007)
Steven Okazakis White Light/Black Rain behandelt die Atombombenabwürfe der USA auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945, am Ende des Zweiten Weltkriegs. Der Film versammelt Interviews mit Amerikanern, die an den Abwürfen beteiligt waren, und mit Überlebenden, die von ihren persönlichen Erfahrungen mit der nuklearen Katastrophe berichten.
Dirty Wars (2013)
Dirty Wars von Rick Rowley basiert auf dem gleichnamigen Buch des Investigativjournalisten Jeremy Scahill. Der Film untersucht die verdeckten Kriege der USA von Afghanistan über den Jemen bis nach Somalia und darüber hinaus.
The Emperor's Naked Army Marches On (1987)
Kazuo Haras The Emperor's Naked Army Marches On begleitet einen japanischen Kriegsveteranen, der den ungeklärten Tod zweier Kameraden im Zweiten Weltkrieg aufklären will.
Prosecuting Evil (2018)
Barry Avrichs Prosecuting Evil: The Extraordinary World of Ben Ferencz porträtiert Ben Ferencz, einen der bekanntesten Ankläger der Nürnberger Prozesse. Ferencz war 27 Jahre alt, als er die Einsatzgruppen-Prozesse führte, in denen 22 Angehörige der Einsatzgruppen für die Ermordung von einer Million Juden zur Verantwortung gezogen wurden. Später setzte er sich für Entschädigungen der Holocaust-Opfer ein und forderte die Gründung des Internationalen Strafgerichtshofs. Die Bezeichnung als „letzter noch lebender Nürnberger Ankläger“ ist seit seinem Tod im Jahr 2023 überholt.
Blind Spot: Hitler's Secretary (2002)
André Heller und Othmar Schmiderer führten für Blind Spot: Hitler's Secretary ein 90-minütiges Interview mit Traudl Junge, die von 1942 bis 1945 als persönliche Sekretärin Adolf Hitlers arbeitete. Junge hatte fast 60 Jahre lang nicht über ihre Erfahrungen gesprochen, bevor sie sie schilderte.
The Memory of Justice (1976)
Marcel Ophüls' The Memory of Justice geht auf Telford Taylors Buch Nuremberg and Vietnam: An American Tragedy von 1970 zurück. Der Film widmet sich den Nürnberger Prozessen und zeigt, wie diese als eine Art Epilog zum Zweiten Weltkrieg wirkten und zugleich prägten, wie spätere Kriegsverbrechen gesehen und behandelt wurden.
They Shall Not Grow Old (2018)
Peter Jackson, bekannt für seine epische Fantasy-Trilogie um den Ring, drehte auch einen Dokumentarfilm über den Ersten Weltkrieg. They Shall Not Grow Old nutzt moderne Technik, um bislang unveröffentlichtes, altes und unscharfes Filmmaterial zu kolorieren und realistischer zu machen.
The Sorrow and the Pity (1969)
The Sorrow and the Pity von Marcel Ophüls besteht aus zwei Teilen und dauert über vier Stunden. Der Film untersucht die Erfahrung Frankreichs unter der deutschen Besatzung von 1940 bis 1944 und wie diese Zeit nach Kriegsende endete.
Waltz with Bashir (2008)
Ari Folmans animierter Dokumentarfilm Waltz with Bashir behandelt das Massaker von Sabra und Schatila. Der Film zeigt das Geschehen nicht aus der Sicht der Opfer, sondern aus der Perspektive eines israelischen Soldaten, der sich an die Rolle der israelischen Streitkräfte und der mit ihnen verbündeten christlichen Milizen erinnert.
Shoah (1985)
Claude Lanzmanns Shoah gilt als einer der bedeutendsten Filme über den Holocaust und wird in einem Atemzug mit Nacht und Nebel und Schindlers Liste genannt. Es ist ein Film, den man, so heißt es oft, mindestens einmal im Leben gesehen haben sollte.
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