Han van Meegeren: Der Kunstfälscher, der Göring täuschte

Han van Meegeren war ein niederländischer Kunstfälscher, der in den 1930er- und 1940er-Jahren die Kunstwelt täuschte und mit seinen Vermeer-Fälschungen sogar Hermann Göring betrog. Seine Geschichte endete nach dem Zweiten Weltkrieg mit einer überraschenden Wendung: Die Anklage wegen Kollaboration wurde fallengelassen, und er wurde wegen Fälschung und Betrugs verurteilt. Der Prozess im Jahr 1947 offenbarte eine der kühnsten Täuschungen der Kunstgeschichte und machte den Han van Meegeren Kunstfälscher zu einer Legende, die bis heute fasziniert.
- Van Meegeren entwickelte eine spezielle Technik mit Bakelit, um seine Fälschungen künstlich zu altern und die Expertise der Kunsthistoriker zu umgehen.
- Sein Gemälde "Die Emmausjünger" wurde 1937 vom angesehenen Experten Abraham Bredius als echter Vermeer anerkannt und gelangte ins Museum Boijmans in Rotterdam.
- Nach dem Krieg wurde van Meegeren wegen Kollaboration verhaftet, da Göring eines seiner Werke besaß. Um seine Haut zu retten, gestand er die Fälschung.
- Der Prozess von 1947 endete mit einer Verurteilung wegen Urkundenfälschung, nicht wegen Hochverrats. Van Meegeren starb kurz nach dem Urteilsspruch.
Das Wichtigste in Kürze
Han van Meegeren fälschte zwischen 1932 und 1945 zahlreiche Gemälde, die er als Werke von Johannes Vermeer und anderen niederländischen Meistern ausgab. Seine Fälschungen gelangten in renommierte Museen und in die Sammlung von Hermann Göring. Nach Kriegsende verhaftet, gestand er die Fälschungen. Die Kollaborationsanklage wurde fallengelassen, verurteilt wurde er wegen Fälschung und Betrugs.
Einleitung: Der Mann, der die Kunstwelt zum Narren hielt
Es gibt Geschichten, die klingen so unglaublich, dass man sie für erfunden halten würde, wären sie nicht akribisch dokumentiert. Die Geschichte von Han van Meegeren, dem berüchtigtsten Han van Meegeren Kunstfälscher der Geschichte, ist eine solche Erzählung. Sie handelt von einem Mann, der als Maler scheiterte, aber als Fälscher zum Millionär wurde und am Ende sogar als Nationalheld gefeiert wurde. Tauchen wir ein in das Leben eines Mannes, der Kritiker, Museen und sogar einen der mächtigsten Nazis an der Nase herumführte.
Stellen Sie sich vor: Sie sind Künstler, aber die Kritiker verreißen Ihre Arbeit. Ihre Gemälde finden keine Käufer, während mittelmäßige Werke längst vergangener Meister für Vermögen gehandelt werden. Was tun Sie? Die meisten würden aufgeben. Han van Meegeren nicht. Er schwor Rache an einer Kunstwelt, die ihn nicht anerkennen wollte. Und er wählte einen radikalen Weg: Statt gegen das System zu kämpfen, beschloss er, es zu täuschen.
Geboren wurde van Meegeren 1889 im niederländischen Deventer. Sein Vater, ein strenger Lehrer, hatte für seinen Sohn eine Karriere als Architekt vorgesehen. Kunst, so der Vater, bringe kein Brot auf den Tisch. Der junge Han fügte sich zunächst und studierte an der Technischen Hochschule in Delft. Doch sein Herz gehörte der Malerei. 1913 traf er die entscheidende Entscheidung: Er brach das Architekturstudium ab und wechselte an die Königliche Kunstakademie in Den Haag.
Hier zeigte sich sein Talent. Er malte Porträts und Landschaften, unterrichtete sogar an der Akademie. Doch der große Durchbruch blieb aus. Die Kunstkritiker warfen ihm vor, nur die alten Meister zu imitieren, ohne eigene Originalität zu besitzen. Diese Ablehnung fraß an ihm. Van Meegeren war überzeugt, ein besserer Maler zu sein als viele der gefeierten Künstler seiner Zeit. Und er entwickelte einen Plan, der die Kunstwelt für immer verändern sollte.
Vom verkannten Künstler zum rachsüchtigen Fälscher
Han van Meegeren, der Mann, der später als der berüchtigtste Kunstfälscher des 20. Jahrhunderts in die Geschichte eingehen sollte, kam am 10. Oktober 1889 in Deventer in den Niederlanden zur Welt. Sein Vater, ein strenger Lehrer, hatte für seinen Sohn eine ganz andere Zukunft vorgesehen. Er sollte Architekt werden, ein respektabler Beruf, der ein sicheres Einkommen versprach. Kunst galt in seinen Augen als brotlose Beschäftigung, als Zeitvertreib für Träumer, die nicht wussten, woher ihr nächster Gulden kommen sollte.
Der junge Han fügte sich zunächst dem Willen des Vaters und schrieb sich an der Technischen Hochschule in Delft ein, um Architektur zu studieren. Doch sein Herz schlug für die Malerei, nicht für Baupläne und Statik. Die Jahre in Delft waren für ihn eine Zeit des inneren Widerstands. Er erfüllte zwar seine Pflichten, doch seine Gedanken wanderten immer wieder zu Leinwand und Pinsel. Als er 1913 schließlich den Mut fand, das Studium abzubrechen und an die Königliche Kunstakademie in Den Haag zu wechseln, war das ein Befreiungsschlag. Endlich konnte er sich ganz der Malerei widmen.
Und er hatte Talent. Van Meegeren machte sich schnell einen Namen als Porträt- und Landschaftsmaler, unterrichtete sogar an der Akademie und konnte von seiner Kunst leben. Doch dann kam die Ernüchterung. Die Kunstkritiker, die über Ruhm und Vergessen von Künstlern entschieden, fanden deutliche Worte. Sie warfen ihm vor, zu sehr den alten Meistern nachzueifern, es fehle ihm an eigener Handschrift, an Originalität. Diese Ablehnung traf den ehrgeizigen Maler tief. Er, der sich so viel Mühe gab, der sein Handwerk beherrschte, wurde von Männern abgekanzelt, die selbst keinen Pinsel in die Hand nehmen konnten.
Diese Verachtung der Kritiker wurde zum Nährboden für eine der bemerkenswertesten Rachegeschichten der Kunstgeschichte. Van Meegeren entwickelte einen brennenden Groll gegen das Kunstestablishment, das seiner Meinung nach über Wert und Unwert von Kunst entschied, ohne selbst etwas Geschaffen zu haben. In ihm reifte ein Plan heran, der alles verändern sollte. Er würde diesen Kritikern beweisen, wie wenig ihr Urteil wert war. Er würde ihnen einen Vermeer präsentieren, einen echten, alten Meister, und sie würden ihn als Genie feiern. Und dann würde er ihnen die Wahrheit ins Gesicht sagen.
Die perfekte Fälschung: Meisterwerk der Täuschung
In den 1930er-Jahren zog sich Han van Meegeren, der heute als einer der berüchtigtsten Kunstfälscher der Geschichte gilt, in ein Atelier in Roquebrune-Cap-Martin an der französischen Riviera zurück. Dort führte er ein luxuriöses Leben mit Villen und Partys, doch der Geldbedarf war groß. Sechs Jahre lang widmete er sich der Entwicklung einer Fälschungstechnik, die so perfekt war, dass sie selbst Experten täuschte. Seine Methode war nicht einfach nur geschicktes Kopieren, sondern eine wissenschaftlich präzise Nachbildung des gesamten Entstehungsprozesses eines alten Meisterwerks.
Van Meegeren begann mit der Suche nach alten Leinwänden aus dem 17. Jahrhundert. Er kaufte preiswerte, unsignierte Gemälde mit mittelmäßigen Landschaften oder Porträts, deren Bildträger aus echtem, jahrhundertealtem Leinen bestand. Diese wertlosen Bilder schabte er vorsichtig ab und malte über die alte Leinwand seine Fälschung. Der Vorteil lag auf der Hand: Selbst moderne naturwissenschaftliche Untersuchungen wie die Radiokarbonmethode würden bei einer Datierung des Gewebes auf ein tatsächlich altes Material stoßen. Die Leinwand war echt, nur das Motiv war es nicht.
Für die Farben stellte er seine Pigmente nach historischen Rezepten selbst her. Das intensive Blau gewann er, indem er Lapislazuli-Steine zu feinem Pulver verrieb. Das Weiß mischte er aus Bleiweiß, einem Pigment, das im 17. Jahrhundert üblich war, im 20. Jahrhundert wegen seiner Giftigkeit aber längst nicht mehr verwendet wurde. Sogar das Grün bereitete er aus Kupferoxid zu. Kein einziges modernes Pigment fand den Weg auf seine Palette, denn jede zeitgenössische Farbe hätte die Fälschung sofort verraten.
Die größte technische Hürde war jedoch die Trocknung der Ölfarbe. Ein frisch gemaltes Bild bleibt jahrzehntelang weich, und ein mit Aceton getränkter Wattebausch löst bei einem neuen Gemälde sofort Farbe. Bei einem echten, jahrhundertealten Werk passiert das nicht, weil die Farbe über die Jahrzehnte vollständig ausgehärtet ist. Van Meegeren fand eine geniale Lösung: Er mischte Bakelit unter seine Farben, ein damals neuartiges Kunstharz und Vorläufer des modernen Plastiks. Anschließend erhitzte er die fertigen Gemälde in einem großen Ofen in seinem Haus. Durch die Hitze härtete die Farbe so stark aus, dass sie den Aceton-Test bestand. Gleichzeitig entstanden dabei feine Craquelé-Risse, die sich mit den natürlichen Rissen der alten Leinwand verbanden und dem Bild den Anschein von dreihundert Jahren Geschichte gaben.
Den letzten Schliff besorgten Vernis, Staub und Schmutz. Van Meegeren überzog die Bilder mit einer dünnen Schicht Firnis und streute anschließend Hausstaub und Dreck darüber, der in der klebrigen Oberfläche haften blieb. Nach dem Trocknen sah das Gemälde aus, als hätte es jahrhundertelang an einer Wand gehangen. Selbst der Geruch erinnerte an ein antikes Meisterwerk. Und als ob das nicht genug wäre, studierte er auch die Pinselstriche der alten Meister bis ins Detail. Er ließ Röntgenaufnahmen von echten Vermeer-Gemälden anfertigen, betrachtete sie unter der Lupe und imitierte die charakteristische Strichführung sowie die Leinwandstruktur mit verblüffender Präzision.
Das Ergebnis war eine Fälschung, die nicht nur das Auge, sondern auch die wissenschaftlichen Prüfmethoden ihrer Zeit täuschte. Van Meegeren hatte aus der Notwendigkeit, die Kunstkritiker und Händler zu überlisten, eine eigene Handwerkskunst entwickelt, die ihn zum wohl perfektesten Kunstfälscher der Geschichte machen sollte.
Der Coup mit den Emmausjüngern
Im Jahr 1937 gelang Han van Meegeren der größte Coup seines Lebens: Er präsentierte der Kunstwelt ein Gemälde namens „Die Emmausjünger“ als ein lange verschollenes Werk von Johannes Vermeer, dem niederländischen Meister des 17. Jahrhunderts. Der renommierte Kunsthistoriker Abraham Bredius, damals eine der angesehensten Stimmen der Branche, bezeichnete das Werk Berichten zufolge als ein Meisterwerk und sorgte damit für großes Aufsehen. Das Museum Boijmans Van Beuningen in Rotterdam erwarb das Gemälde für 520.000 Gulden, eine damals gewaltige Summe.
Was die Fachwelt nicht wusste: Das Bild stammte nicht von Vermeer, sondern aus der Hand eines verbitterten Künstlers, der sich an den Kunstbetrieb rächen wollte. Van Meegeren hatte eine raffinierte Strategie entwickelt. Statt bekannte Vermeer-Werke einfach zu kopieren, was sofort aufgefallen wäre, schuf er sogenannte Variationen. Er verwendete dieselben Modelle, dasselbe Licht und dieselbe Kompositionstechnik wie der berühmte Maler, arrangierte die Szenen jedoch neu. Ein Modell, das im Original stehend ein Buch liest, sitzt in seiner Fälschung plötzlich und liest einen Brief. Die Farben, die Stimmung, die gesamte Ausstrahlung blieben jedoch so überzeugend, dass selbst Experten keinen Unterschied erkannten.
Die Täuschung war so perfekt, dass das Gemälde jahrelang als einer der größten Schätze des Museums galt. Niemand ahnte, dass der Mann hinter diesem angeblichen Vermeer ein Niederländer war, der jahrelang an seiner Täuschungstechnik gefeilt hatte und damit nicht nur die Kunstwelt, sondern bald auch die Nazis an der Nase herumführen würde.
Der Pakt mit dem Teufel: Göring als betrogener Käufer
Der spektakulärste Coup des niederländischen Kunstfälschers Han van Meegeren führte ihn direkt in die höchsten Kreise der nationalsozialistischen Führungselite. Der Verkauf eines vermeintlichen Vermeer-Gemäldes an den berüchtigten Reichsmarschall Hermann Göring sollte sich als ein Handel erweisen, der beide Männer in die Geschichte eingehen ließ, wenn auch auf sehr unterschiedliche Weise.
Im besetzten Europa der frühen 1940er-Jahre war Hermann Göring, Oberbefehlshaber der Luftwaffe und einer der mächtigsten Männer des NS-Regimes, bekannt für seine obsessive Sammelleidenschaft. Er häufte Kunstwerke aus ganz Europa an, oft unter zwielichtigen Umständen, und scheute keine Mittel, um seine Privatsammlung zu erweitern. Genau in diesem Umfeld sah Han van Meegeren seine große Chance.
Der Fälscher wandte sich an den Kunsthändler Alois Miedl, der gute Verbindungen zu Göring unterhielt. Miedl präsentierte dem Reichsmarschall ein Gemälde mit dem Titel „Christus und die Ehebrecherin" als ein verlorenes Werk von Johannes Vermeer, dem Meister des niederländischen Goldenen Zeitalters. Göring, der sich als großer Kunstkenner inszenierte, zeigte sich begeistert. Er erkannte nicht, dass er einem genialen Schwindler aufsaß, sondern glaubte, einen unschätzbaren Schatz für seine Sammlung gesichert zu haben.
Der Handel wurde besiegelt, und hier kommt die Ironie ins Spiel: Als Gegenleistung für das vermeintliche Vermeer-Gemälde überließ Göring van Meegeren eine beträchtliche Anzahl von Kunstwerken. Die genaue Zahl der getauschten Gemälde ist bis heute unklar. Einige Quellen sprechen von bis zu 137 Werken, die Göring aus beschlagnahmten jüdischen Sammlungen und anderen Quellen geraubt hatte. Der heutige Schätzwert dieser Gemälde wird von Experten auf etwa 30 Millionen Dollar beziffert, eine moderne Einschätzung, die jedoch nicht als gesicherte Tatsache gelten kann.
Van Meegeren, der zu diesem Zeitpunkt bereits ein Vermögen mit seinen Fälschungen verdient hatte, genoss die Früchte seines Betrugs. Er führte ein luxuriöses Leben, während Göring sich über seinen vermeintlichen Kunstsieg freute. Doch der Schein trog: Der Reichsmarschall hatte nicht nur ein wertloses Stück Leinwand erworben, sondern auch noch seine geraubten Schätze dafür hingegeben. Es war ein Pakt mit dem Teufel, bei dem am Ende der Teufel selbst betrogen wurde.
Die Rechnung für den Verkauf, die van Meegeren ausgestellt hatte, sollte ihm später zum Verhängnis werden. Nach dem Krieg, als die Alliierten Görings Sammlung sicherstellten, fanden sie das Gemälde „Christus und die Ehebrecherin" zusammen mit der belastenden Quittung. Diese Verbindung führte direkt zu van Meegeren und brachte eine Kette von Ereignissen in Gang, die sein Leben für immer verändern sollte. Der Mann, der die Nazis so meisterhaft getäuscht hatte, stand nun selbst vor einem Scherbenhaufen, der weit größer war als alles, was er sich hätte vorstellen können.
Vom Volksfeind zum Nationalhelden
Nein, Han van Meegeren wurde nicht wegen Kollaboration verurteilt, und freigesprochen wurde er auch nicht. Die Anklage wegen Verrats wurde fallengelassen, doch der Kunstfälscher erhielt wegen Betrugs eine Haftstrafe von einem Jahr. Sein Weg vom gehassten Verräter zum gefeierten Volkshelden bleibt eine der erstaunlichsten Wendungen der niederländischen Nachkriegsgeschichte.
Als der Zweite Weltkrieg 1945 endete, begann für Han van Meegeren ein Albtraum. Die Alliierten durchsuchten die Kunstbestände, die Hermann Göring, der Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe, in ganz Europa hatte beschlagnahmen lassen. Dabei stießen sie auf ein Gemälde mit dem Titel Christus und die Ehebrecherin, das angeblich aus der Hand von Johannes Vermeer stammte, dem großen Meister des niederländischen Goldenen Zeitalters. Die Quittung für dieses Bild trug den Namen Han van Meegeren.
Die Folge war eine Anklage wegen Kollaboration und Vaterlandsverrats. In den Niederlanden der unmittelbaren Nachkriegszeit war dies ein Todesurteil, zumindest im übertragenen Sinne. Die öffentliche Stimmung war aufgeheizt. Menschen, die während der deutschen Besatzung mit dem Feind zusammengearbeitet hatten, wurden auf offener Straße zur Rechenschaft gezogen. Frauen, die Beziehungen zu deutschen Soldaten unterhalten hatten, wurden öffentlich gedemütigt. In diesem Klima der Wut und Vergeltung stand van Meegeren vor Gericht, und die Menge vor dem Gebäude hätte ihn am liebsten in Stücke gerissen.
Doch der Angeklagte hatte einen Plan. Er gestand, dass das an Göring verkaufte Gemälde keineswegs ein echter Vermeer war. Er habe es selbst gemalt, ein Fälschungskunststück, das er perfektioniert hatte. Die Kunsthändler, die als Sachverständige geladen waren, wollten davon nichts hören. Hätten sie zugegeben, dass van Meegeren sie jahrelang mit falschen Meisterwerken getäuscht hatte, wären ihre eigenen Karrieren ruiniert gewesen. Sie bestanden darauf, dass die Bilder echt seien.
Van Meegeren blieb nur ein Ausweg. Er forderte das Gericht auf, ihm Materialien zu bringen, und versprach, vor den Augen der Richter ein weiteres Vermeer zu erschaffen. Man gewährte ihm die Bitte, und der Künstler malte in seiner Zelle das Werk Christus unter den Schriftgelehrten. Als das Gemälde fertig war und die Experten es begutachteten, verstummten die Zweifler. Die Technik, die Farben, die Komposition, alles entsprach dem Stil des großen Meisters aus dem 17. Jahrhundert.
Die Kollaborationsanklage wurde daraufhin fallengelassen. Stattdessen verurteilte das Gericht van Meegeren wegen Urkundenfälschung und Betrugs zu einem Jahr Haft. Doch in den Augen der Öffentlichkeit hatte sich der vermeintliche Verräter in einen Helden verwandelt. Er hatte die Nazis betrogen, hatte ihnen ein wertloses Stück Leinwand für einen Schatz an geraubten Gemälden angedreht. Plötzlich war er kein Volksfeind mehr, sondern der Mann, der den Feind überlistet hatte. Sein Ausspruch vor Gericht ging in die Geschichte ein: Wenn man ihn hinrichte, würden seine Fälschungen für immer als echte Vermeer-Werke gelten.
Doch das Schicksal gönnte ihm keine zweite Chance. Han van Meegeren, der als Han van Meegeren Kunstfälscher Berühmtheit erlangte, starb im Dezember 1947 in einem Krankenhaus an einem Herzinfarkt, bevor er seine Haftstrafe antreten konnte. Berichten zufolge hatte er insgesamt vierzehn gefälschte Gemälde geschaffen, die er als Werke Vermeers und anderer alter Meister verkaufte. Wie viele seiner Werke sich heute noch in Museen und Privatsammlungen befinden, darüber wird bis heute spekuliert. Die Ironie seines Lebens bleibt bestehen: Ein Mann, der die Kunstwelt täuschen wollte, wurde selbst zu einer Legende.
Tod und Vermächtnis eines Jahrhundertfälschers
Han van Meegeren erlebte einen letzten dramatischen Wendepunkt, doch zu einem Triumph vor Gericht kam es nicht mehr. Der niederländische Kunstfälscher wurde zwar wegen Fälschung und Betrugs verurteilt, starb jedoch vor Haftantritt. Entgegen der weit verbreiteten Version starb er nicht in seiner Gefängniszelle, sondern in einem Krankenhaus an einem Herzinfarkt.
Das Gericht verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von einem Jahr. Doch der Prozess selbst hatte bereits für Aufsehen gesorgt, denn van Meegeren hatte während der Verhandlung einen berühmten Satz gesprochen. Als ihm die Todesstrafe drohte, soll er gesagt haben: „Wenn Sie mich hinrichten, werden meine gefälschten Vermeer-Gemälde für immer als echte Vermeers gelten." Dieser Satz ging in die Geschichte ein und zeigt die ungeheure Ironie seines Schicksals: Der Mann, der die Kunstwelt jahrelang zum Narren gehalten hatte, drohte ihr mit seinem Tod die Wahrheit vorzuenthalten.
Die genaue Zahl seiner Fälschungen bleibt bis heute ungewiss. Offiziell sind vierzehn gefälschte Gemälde bekannt, doch sein Enkel behauptete, es seien deutlich mehr gewesen. Berichten zufolge könnte ein Teil dieser Werke bis heute in Museen hängen, ohne dass es jemand bemerkt hat. Diese Ungewissheit macht den Fall van Meegeren bis heute so faszinierend für Kunsthistoriker und Museumsdirektoren gleichermaßen.
Sein kulturelles Erbe ist beachtlich. Der Han van Meegeren Kunstfälscher inspirierte Bücher, Dokumentationen und Filme, die seinen ungewöhnlichen Lebensweg nacherzählen. Seine Geschichte wurde zu einem Lehrstück über die Macht der Kunstkritik und die Verführbarkeit des Kunstmarktes. Besonders bemerkenswert ist, dass seine Fälschungen selbst zu Ausstellungsstücken wurden. Museen zeigen seine Werke heute als Beispiele meisterhafter Fälschungskunst, und in der Kunstwelt wird darüber diskutiert, ob seine Arbeiten nicht selbst als eigenständige Kunstwerke betrachtet werden sollten.
Van Meegerens Leben endete am 30. Dezember 1947 im Alter von 58 Jahren. Sein Fall veränderte die Kunstwelt nachhaltig: Die Affäre führte zu strengeren Prüfverfahren und einem wachsamen Umgang mit vermeintlichen Meisterwerken. Dass ein einzelner Mann die Experten seiner Zeit so gründlich täuschen konnte, bleibt eine Mahnung an die Grenzen menschlicher Urteilskraft.
Häufig gestellte Fragen
Wer war Han van Meegeren?
Han van Meegeren war ein niederländischer Maler, geboren am 10. Oktober 1889 in Deventer, der als einer der berüchtigtsten Kunstfälscher des 20. Jahrhunderts in die Geschichte einging. Er täuschte Kunstkritiker, Museumsdirektoren und sogar Nazi-Führungskräfte mit seinen Fälschungen und wurde dadurch zu einem der bekanntesten Han van Meegeren Kunstfälscher der Welt.
Wie gelang es Han van Meegeren, Vermeer zu fälschen?
Van Meegeren entwickelte eine äußerst raffinierte Technik, die selbst moderne wissenschaftliche Tests überlistete. Er verwendete alte Leinwände aus dem 17. Jahrhundert, kratzte die vorhandenen Gemälde ab und arbeitete mit selbst hergestellten Pigmenten, die exakt den Rezepturen aus Vermeers Zeit entsprachen. Für das Blau etwa mahlte er echten Lapislazuli zu Pulver, das Gelb gewann er aus Bleiweiß. Sein entscheidender Trick war die Verwendung von Bakelit, einem frühen Kunststoff. Dieses mischte er unter seine Farben und erhitzte die Gemälde anschließend in einem großen Ofen. Durch die Hitze entstanden feine Craquelé-Risse, die authentisch aussahen. Der Bakelit sorgte außerdem dafür, dass seine frisch gemalten Bilder den Aceton-Test bestanden, bei dem neue Farbe abfärbt, während alte, vollständig getrocknete Farbe dies nicht tut. Abschließend trug er eine dünne Vernissschicht auf und bestreute die noch feuchte Oberfläche mit Hausstaub und Schmutz, um den Eindruck jahrhundertealter Patina zu erzeugen.
Warum wurde Han van Meegeren nach dem Zweiten Weltkrieg angeklagt?
Nach Kriegsende entdeckten die Alliierten in den Beständen von Hermann Göring, dem Oberbefehlshaber der Luftwaffe, das Gemälde "Christus und die Ehebrecherin" samt einer Verkaufsrechnung von van Meegeren. Die niederländischen Behörden warfen ihm daraufhin vor, das kulturelle Erbe der Niederlande an die Nazis verraten zu haben. Die Anklage lautete auf Kollaboration und Landesverrat, ein Kapitalverbrechen, auf das die Todesstrafe stehen konnte.
Wie überzeugte Han van Meegeren das Gericht von seiner Unschuld?
Van Meegeren gestand vor Gericht, dass alle angeblichen Vermeer-Gemälde, die er verkauft hatte, von ihm selbst gemalt worden seien. Die als Sachverständige geladenen Kunsthändler wollten dies jedoch nicht glauben, denn sie hatten die Werke zuvor als echte Vermeers angepriesen und für viel Geld verkauft. Um seine Aussage zu beweisen, malte van Meegeren unter Aufsicht der Behörden ein weiteres Gemälde im Stil Vermeers, "Jesus unter den Schriftgelehrten". Als das Werk vollendet war, ließ das Gericht die Anklage wegen Landesverrats fallen. Er wurde stattdessen wegen Fälschung und Betrugs verurteilt.
Was geschah mit Han van Meegeren nach dem Prozess?
Das Gericht verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von einem Jahr. Van Meegeren starb jedoch noch vor seiner Inhaftierung am 30. Dezember 1947 in einem Amsterdamer Krankenhaus an einem Herzinfarkt. Sein berühmter Satz vor Gericht, wonach seine gefälschten Vermeer-Gemälde für immer als echte Werke gelten würden, falls man ihn hinrichte, wurde zur Legende. Sein Erbe bleibt bis heute präsent: Es wird weiterhin darüber diskutiert, ob sich in Museen weltweit noch immer unentdeckte van-Meegeren-Fälschungen befinden.
Welche Rolle spielte Hermann Göring bei den Fälschungen?
Der Nazi-Marschall Hermann Göring, einer der mächtigsten Männer des Dritten Reiches, erwarb 1942 van Meegerens Fälschung "Christus und die Ehebrecherin" als vermeintlichen echten Vermeer. Göring war ein begeisterter Kunstsammler, der während der Besatzungszeit systematisch Kunstschätze aus ganz Europa raubte und ankaufte. Laut der ursprünglichen Erzählung soll er im Tausch dafür eine Reihe von Gemälden an van Meegeren übergeben haben; die genaue Anzahl und der heutige Wert dieser Werke lassen sich jedoch nicht mehr zweifelsfrei belegen. Die bei Göring sichergestellte Rechnung mit van Meegerens Namen wurde später zum entscheidenden Beweisstück, das den Kunstfälscher vor Gericht brachte. Hinweis der Redaktion: Einzelheiten zu van Meegerens Leben und Werk beruhen teilweise auf seinen eigenen Aussagen, die nicht in allen Punkten unabhängig verifiziert werden konnten.
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