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Chichijima 1944: Bushs Abschuss und das Kriegsverbrechen

Am 2. September 1944 wurden neun amerikanische Marineflieger über der japanischen Insel Chichijima abgeschossen. Acht von ihnen gerieten in Gefangenschaft und wurden Opfer eines Kriegsverbrechens. Der neunte Pilot trug einen Namen, der später Weltgeschichte schreiben sollte: George H. W. Bush. Der Chichijima-Vorfall gehört zu den dunkelsten und zugleich unbekanntesten Kapiteln des Pazifikkriegs.

Wichtige Fakten
  • Chichijima liegt in der Inselgruppe der Bonin-Inseln, die im Zweiten Weltkrieg von Japan kontrolliert wurde.
  • Neun amerikanische Marineflieger wurden am 2. September 1944 bei einem Angriff auf japanische Funkstationen abgeschossen.
  • Acht Piloten gerieten in Gefangenschaft und wurden misshandelt; später wurden Lebern getöteter Flieger verzehrt.
  • George H. W. Bush, der spätere 41. Präsident der Vereinigten Staaten, wurde von einem amerikanischen U-Boot gerettet.
  • Nach dem Krieg verurteilte ein Militärgericht auf Guam mehrere japanische Offiziere, darunter General Yoshio Tachibana.

Das Wichtigste in Kürze

Am 2. September 1944 stürzten neun US-Marineflieger über Chichijima ab, einer Insel der Bonin-Gruppe rund 700 Meilen südlich von Tokio. Acht Männer gerieten in japanische Gefangenschaft und wurden misshandelt; später wurden die Lebern getöteter Piloten verzehrt. Nur George H. W. Bush überlebte, weil ein U-Boot ihn rettete.

Ein Abschuss über dem Pazifik und ein Name, den die Welt kennt

Stellen Sie sich einen jungen Mann vor, gerade einmal zwanzig Jahre alt, der in seiner Maschine über dem endlosen Pazifik sitzt. Unter ihm nichts als Wasser, vor ihm japanisches Feuer. Es ist der 2. September 1944. Sein Name war George H. W. Bush, der Jahrzehnte später der 41. Präsident der Vereinigten Staaten werden sollte. An diesem Tag jedoch ist er nur ein Marineflieger, dessen Leben in Sekunden zerbrechen soll.

An jenem Morgen griffen amerikanische Trägerflugzeuge Chichijima an, eine kleine Insel der Bonin-Inseln, rund 700 Meilen südlich von Tokio. Neun Maschinen wurden von japanischem Abwehrfeuer abgeschossen. Acht Piloten gerieten in Gefangenschaft, einer rettete sich mit dem Fallschirm. Was danach geschah, ist eines der dunkelsten Kapitel des Pazifikkriegs und trägt einen Namen, der vielen bis heute nichts sagt: der Chichijima-Vorfall.

Acht dieser neun Piloten gerieten in japanische Gefangenschaft. Sie wurden geschlagen, gefoltert und misshandelt. Nur einer entkam: Bush rettete sich mit dem Fallschirm, landete im Meer und wurde von einem amerikanischen U-Boot aufgenommen. Er überlebte. Die anderen acht nicht.

Was mit ihnen geschah, ist der Grund, warum diese Insel bis heute nachhallt. Japanische Soldaten aßen die Lebern der frisch getöteten Flieger und behandelten die übrigen Körperteile, um die Verwesung zu verzögern. Die Garnison auf Chichijima litt dabei keineswegs Hunger, während andere japanische Einheiten an der Front hungerten. Der Überlieferung nach verbanden die Täter damit die Absicht, den Feind zu demütigen und sich dessen Kraft einzuverleiben. Eine eindeutig rituelle Deutung gilt unter Historikern allerdings als umstritten. Als die Leichen zu verwesen begannen, ließ Generalleutnant Yoshio Tachibana, der Kommandeur der Insel, den überlieferten Aufzeichnungen zufolge die Köpfe der Flieger abschlagen.

Und Bush? Er wusste damals nicht, welches Schicksal seine Kameraden erlitten. Er wusste nur, dass er gerettet worden war. Dass ausgerechnet er davongekommen war, während acht Männer in japanische Hände fielen, verleiht dieser Rettung einen zwiespältigen Glanz, der bis heute an ihr haftet.

Gefangenschaft, Misshandlung und ein Verbrechen, das lange verschwiegen wurde

Was auf Chichijima geschah, gehört zu den dunkelsten Kapiteln des Pazifikkriegs. Acht der neun amerikanischen Piloten, die am 2. September 1944 über der Insel abgeschossen wurden, gerieten in japanische Gefangenschaft. Dort wurden sie geschlagen und gefoltert. Keiner von ihnen überlebte.

Doch damit beginnt das eigentliche Grauen erst. Japanische Soldaten aßen die Lebern der frisch getöteten Flieger. Die übrigen Körperteile wurden so behandelt, dass die Verwesung sich verzögerte. Der Befund aus dem späteren Kriegsverbrecherprozess von Guam 1946 ist eindeutig: Leber und Fleisch getöteter Piloten wurden verzehrt, Körperteile konserviert.

Auf Chichijima herrschte kein Mangel. Anders als viele japanische Einheiten an anderen Fronten, die tatsächlich hungerten, war die Versorgung auf der Insel vergleichsweise gut. Der Kannibalismus geschah nicht aus Hunger.

Als die Leichen zu verwesen begannen, griff Generalleutnant Yoshio Tachibana ein. Er war der Kommandeur auf Chichijima. Auf seinen Befehl hin wurden den Fliegern die Köpfe abgeschlagen. Tachibana wurde später wegen der Hinrichtungen und des Kannibalismus angeklagt und verurteilt.

Warum taten die Männer das? In den Berichten ist von einem Ritual die Rede, von Demütigung und davon, dass man den Geist und die Kraft des Feindes auf sich übertragen wollte. Diese Einordnung wird immer wieder genannt. Historisch gilt sie jedoch als umstritten. Sie lässt sich nicht als gesicherte Tatsache behandeln.

Ähnlich verhält es sich mit einem weiteren Motiv, das in manchen Schilderungen auftaucht: der Vorstellung, der Verzehr menschlicher Leber sei gesundheitsfördernd. Ein solcher Glaube wird in einigen Berichten genannt, lässt sich aber nicht als allgemeine kulturelle Überzeugung sicher belegen. Der Chichijima-Vorfall bleibt damit ein Fall, bei dem belegte Taten und umstrittene Motive sorgfältig auseinandergehalten werden müssen.

Fest steht dagegen, was die Anklage verschwieg. Im Verfahren auf Guam vermieden die Ankläger das Wort Kannibalismus vollständig. Stattdessen hieß es, die Angeklagten hätten ein ehrenvolles Begräbnis verhindert oder die Leiche zerstört. Fünf Angeklagte, unter ihnen Tachibana, wurden zum Tod durch den Strang verurteilt. Die übrigen erhielten Freiheitsstrafen.

Guam 1946: Der Prozess, der das Wort Kannibalismus vermied

Nach der Kapitulation Japans im Jahr 1945 mussten sich die Verantwortlichen für Kriegsverbrechen vor Gericht verantworten. Im Jahr 1946 fand auf Guam das Verfahren gegen Generalleutnant Yoshio Tachibana und weitere Angeklagte statt, also ein Jahr nach Kriegsende. Der Chichijima-Vorfall, bei dem acht amerikanische Piloten gefangen genommen, gefoltert und getötet worden waren, wurde hier juristisch aufgearbeitet. Doch was die Anklageschrift formulierte, überrascht bis heute.

Stellen Sie sich vor, Sie lesen ein Dokument, das über die schlimmsten Gräueltaten berichten soll, und ein zentrales Wort fehlt darin vollständig. Genau so verhielt es sich bei diesem Verfahren. Die Anklage vermied den Begriff Kannibalismus konsequent. Stattdessen verwendete sie Umschreibungen wie "Verhinderung eines ehrenvollen Begräbnisses" oder "Zerstörung der Leiche". Ein nüchterner, fast bürokratischer Ton für Taten, die sich jeder Beschreibung entziehen.

Die Umschreibungen der Anklage

  • Verhinderung eines ehrenvollen Begräbnisses
  • Zerstörung der Leiche

Das Urteil fiel dennoch hart aus. Fünf Angeklagte, unter ihnen Generalleutnant Tachibana, wurden zum Tod durch den Strang verurteilt. Die übrigen Angeklagten erhielten Freiheitsstrafen. Der Überlieferung nach war Tachibana der Kommandeur auf Chichijima und wurde sowohl wegen der Hinrichtung der Gefangenen als auch wegen der Vorfälle selbst angeklagt und verurteilt.

Warum aber scheute die Anklage das entscheidende Wort? Diese Frage beschäftigt Historiker bis in die Gegenwart. Vielleicht wollte man das Verfahren auf handfeste, juristisch greifbare Tatbestände stützen. Vielleicht spielte auch eine Rolle, dass der Vorwurf des Kannibalismus schwer zu beweisen und noch schwerer zu fassen war. Sicher ist: Die Wortwahl selbst wurde zum Teil der Geschichte. Sie zeigt, wie sehr Sprache bestimmen kann, was ein Gericht ausspricht und was es verschweigt.

Der Chichijima-Vorfall und der Prozess von Guam bleiben damit nicht nur ein Kapitel über Verbrechen, sondern auch eines über die Macht der Formulierung. Wer die Anklageschrift liest, stößt auf eine Lücke, die mehr erzählt als manches ausdrückliche Wort.

Was von Chichijima bleibt

Der Chichijima-Vorfall ist kein Randkapitel der Kriegsgeschichte. Er steht für einen Krieg, in dem die Grenzen zwischen Kampf und Verbrechen an manchen Orten vollständig verschwanden. Und er steht für ein Problem, das bis heute nachwirkt: Wie benennt man ein Verbrechen, für das selbst die Anklage keine Worte fand?

In den Jahren nach 1945 erschienen zahlreiche Berichte und Bücher über Kannibalismusfälle japanischer Einheiten im Pazifikkrieg. Besonders bekannt wurde The Knights of Bushido von Lord Russell of Liverpool aus dem Jahr 1958, das mehrere solcher Fälle dokumentierte. Diese Publikationen prägten das Bild einer Armee, deren Disziplin an manchen Fronten in blanke Grausamkeit umschlug. Der Fall von Chichijima, jener kleinen Insel rund 700 Meilen südlich von Tokio, ist darin nur ein Beispiel unter mehreren, aber ein besonders eindringliches.

Immer wieder taucht in diesen Berichten ein Motiv auf, das sich schwer greifen lässt: die Vorstellung, der Verzehr menschlicher Leber sei gesundheitsfördernd. Der Überlieferung nach soll dieser Glaube eine Rolle gespielt haben. Sicher belegen lässt er sich als allgemeine kulturelle Überzeugung jedoch nicht. Was bleibt, ist eine Deutung, die zwischen Aberglaube, Ritual und blanker Willkür oszilliert. Wer die Quellen liest, merkt schnell, dass die Motive der Täter sich nicht auf eine einfache Formel bringen lassen.

Ein Verbrechen, das die Anklage umschreiben musste

Der Kriegsverbrecherprozess von Guam im Jahr 1946 gegen Generalleutnant Yoshio Tachibana und weitere Angeklagte zeigt, wie schwer sich das Recht mit diesem Fall tat. Entgegen der verbreiteten Annahme, das Verfahren habe erst 1947 stattgefunden, belegen die Aufzeichnungen den Prozess für 1946. In der Anklageschrift sucht man das Wort Kannibalismus vergebens. Stattdessen heißt es dort etwa, ein ehrenvolles Begräbnis sei verhindert oder die Leiche sei zerstört worden. Man griff zu Umschreibungen, wo die Sache selbst kaum auszusprechen war.

Fünf Angeklagte, darunter Tachibana, wurden zum Tod durch den Strang verurteilt, die übrigen erhielten Freiheitsstrafen. Dass die juristische Sprache den Kern des Geschehens so behutsam umkreiste, sagt viel über die Grenzen des Rechts in solchen Fällen. Ein Verbrechen lässt sich nur ahnden, wenn es einen Namen hat. Fehlt dieser Name, bleibt eine Lücke.

Warum dieser Fall erinnert werden muss

Der Chichijima-Vorfall macht sichtbar, wozu Menschen im Krieg fähig sind, wenn jede Hemmung fällt. Er zeigt aber auch, wie schwierig es ist, das Unsagbare in Worte und in Paragrafen zu fassen. Für die Erinnerungskultur bedeutet das eine doppelte Aufgabe: die Taten klar zu benennen und zugleich anzuerkennen, dass Sprache hier an ihre Grenzen stößt. Genau darin liegt die bleibende Bedeutung dieses Falls.

Häufig gestellte Fragen

Was geschah beim Chichijima-Vorfall im September 1944?

Am 2. September 1944 schossen japanische Stellungen bei einem Angriff auf Chichijima, eine kleine Insel der Bonin-Gruppe rund 700 Meilen südlich von Tokio, neun amerikanische Trägerflugzeuge ab. Acht der Piloten gerieten in japanische Gefangenschaft, wurden geschlagen und gefoltert. Japanische Soldaten töteten sie und verzehrten Teile ihrer Körper. Der Chichijima-Vorfall zählt zu den dokumentierten Kriegsverbrechen des Pazifikkriegs.

Wer war der einzige Überlebende des Chichijima-Vorfalls?

Der einzige Überlebende war der spätere amerikanische Präsident George H. W. Bush. Der damals zwanzigjährige Pilot konnte sich mit dem Fallschirm aus seiner abstürzenden Maschine retten und wurde von einem amerikanischen U-Boot aufgenommen. Die übrigen acht Flieger seiner Gruppe gerieten in Gefangenschaft und kamen auf der Insel ums Leben.

Was passierte mit den acht gefangenen amerikanischen Piloten auf Chichijima?

Die acht gefangenen Flieger wurden geschlagen und gefoltert. Japanische Soldaten aßen die Lebern der frisch getöteten Männer und behandelten die übrigen Körperteile, um die Verwesung zu verzögern. Auf Befehl von Generalleutnant Yoshio Tachibana wurden den Toten später die Köpfe abgeschlagen, als die Leichen zu verwesen begannen.

Warum wurden die japanischen Offiziere von Chichijima vor Gericht gestellt?

Nach der Kapitulation Japans verhandelte 1946 ein Militärgericht auf Guam die Vorfälle auf den Bonin-Inseln. Angeklagt waren japanische Soldaten und Offiziere, die acht amerikanische Piloten gefoltert und hingerichtet hatten. Tachibana, Kommandeur auf Chichijima, wurde wegen der Hinrichtungen und des Kannibalismus angeklagt und verurteilt. Fünf Angeklagte, darunter Tachibana, wurden zum Tod durch den Strang verurteilt, die übrigen erhielten Freiheitsstrafen.

Warum vermieden die Anklagen in Guam das Wort Kannibalismus?

Die Anklageschrift vermied den Begriff Kannibalismus bewusst und verwendete stattdessen Umschreibungen wie die Verhinderung eines ehrenvollen Begräbnisses oder die Zerstörung der Leiche. So ließen sich die Taten rechtlich fassen, ohne das Ausmaß der Grausamkeit ausdrücklich zu benennen. Das Wort Kannibalismus taucht in den Anklagepunkten nicht auf.

Wer war Generalleutnant Yoshio Tachibana und welches Urteil erhielt er?

Yoshio Tachibana war der Kommandeur der japanischen Einheiten auf Chichijima. Auf seinen Befehl hin wurden den Leichen der getöteten Piloten die Köpfe abgeschlagen. Im Verfahren von Guam 1946 wurde er wegen der Hinrichtungen und des Kannibalismus angeklagt, zum Tod durch den Strang verurteilt und hingerichtet. Vier weitere Angeklagte traf dasselbe Urteil.

Wie ging die US-Marine nach dem Zweiten Weltkrieg gegen die Verantwortlichen vor?

Die US-Marine brachte die Verantwortlichen vor ein Militärgericht auf Guam. Der Überlieferung nach fanden die Verfahren 1946 statt, ein Jahr nach der Kapitulation Japans. Fünf Angeklagte, darunter Generalleutnant Tachibana, wurden zum Tod durch den Strang verurteilt, die übrigen Angeklagten erhielten Haftstrafen. Damit endete der Chichijima-Vorfall mit rechtskräftigen Urteilen. Hinweis der Redaktion: Einzelne Angaben zu den Vorgängen auf Chichijima beruhen auf Zeugenaussagen aus der Nachkriegszeit und werden im Text entsprechend als nicht abschließend gesichert gekennzeichnet.

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