Big Fish: Tim Burtons Film, den Spielberg fast drehte

Big Fish kam 2003 in die Kinos und erzählt die Geschichte eines sterbenden Vaters, dessen Sohn endlich herausfinden will, was an den unglaublichen Lebensgeschichten wirklich stimmt. Steven Spielberg war ursprünglich für die Regie vorgesehen und wandte sich später anderen Projekten zu. Was dann folgte, gilt heute als einer der berührendsten Filme in Tim Burtons Schaffen. Ein Stoff über Wahrheit, Erinnerung und die Frage, ob eine schöne Lüge nicht manchmal mehr wert ist als eine nüchterne Tatsache.
- Big Fish wurde 2003 veröffentlicht und von Tim Burton inszeniert, nachdem Steven Spielberg das Projekt verlassen hatte.
- Die Handlung folgt dem Sohn Edward Blooms, der die fantastischen Geschichten seines todkranken Vaters hinterfragt.
- Ewan McGregor verkörpert den jungen Edward Bloom, Albert Finney den alten Edward Bloom.
- Die Musik stammt von Danny Elfman, einem langjährigen Weggefährten Burtons.
- Der Film erhielt unter anderem eine Oscar-Nominierung für Danny Elfmans Originalmusik.
Das Wichtigste in Kürze
Big Fish ist ein US-amerikanischer Fantasy-Dramafilm aus dem Jahr 2003 unter der Regie von Tim Burton. Die Hauptrollen spielen Ewan McGregor, Albert Finney, Billy Crudup und Jessica Lange. Der Film basiert auf dem Roman Big Fish: A Novel of Mythic Proportions von Daniel Wallace und wurde für mehrere Preise nominiert.
Big Fish: Tim Burtons Film, den Spielberg fast gedreht hätte
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Kino, und ein alter Mann erzählt Ihnen sein Leben als wäre es ein Märchen. Genau das ist Big Fish, ein US-amerikanischer Fantasy-Dramafilm aus dem Jahr 2003 unter der Regie von Tim Burton, geschrieben von John August. Der Film basiert auf Daniel Wallaces Roman „Big Fish: A Novel of Mythic Proportions".
Und nun das Detail, das viele überrascht: Ursprünglich war Steven Spielberg als Regisseur vorgesehen. Hätte Spielberg das Projekt übernommen, hätte er Jack Nicholson in der Hauptrolle besetzen wollen. So aber kam alles anders, und Tim Burton übernahm im April 2002 die Regie. Am 2. Mai 2002 wurde bekannt gegeben, dass Burton den Film drehen würde.
Ein Projekt, das durch einen Verlust zu Burton kam
Die Geschichte hinter dem Film ist selbst bewegend. Im Jahr 1999 las Drehbuchautor John August nach dem Tod seines Vaters ein Manuskript von Wallaces Roman und sicherte sich die Unterstützung von Columbia Pictures für eine Verfilmung. Spielberg unterschrieb im August 2000 als Regisseur und ließ August zwei Drehfassungen schreiben, wobei er für die Rolle des alten Edward Bloom an Jack Nicholson dachte. August arbeitete intensiv daran, aus einem Buch mit vielen Episoden eine zusammenhängende Geschichte zu formen, und verfasste später eine dritte Fassung, als Spielberg sich anderen Projekten zuwandte.
Die Produzenten Dan Jinks und Bruce Cohen sprachen zunächst mit Stephen Daldry, bevor sie die dritte Fassung an Burton schickten. Für Burton war das Projekt auch persönlich aufgeladen: Er war seinen Eltern nie besonders nahe gewesen, doch der Tod seines Vaters im Oktober 2000 und seiner Mutter im März 2002 trafen ihn tief. Nach „Planet der Affen" wollte er wieder einen kleineren Film drehen. Der Stoff gefiel ihm, und er empfand ihn als die erste wirklich einzigartige Geschichte, die ihm seit „Beetlejuice" angeboten worden war. Burton sagte, ihn reize die Verbindung aus überhöhten Märchen und emotionalem Drama, die es ihm erlaube, ganz verschiedene Tonlagen zu erzählen.
Von der Besetzung bis zum ersten Drehtag
Burton führte ein kurzes Gespräch mit Jack Nicholson darüber, ob es möglich sei, den jüngeren Charakter per Computer-Effekt von ihm spielen zu lassen. Am Ende entschied er sich für den schwierigeren Weg, dieselbe Figur mit verschiedenen Schauspielern zu besetzen. Das verschob den Drehbeginn vom Oktober 2002 auf Januar 2003.
Am 1. August 2002 wurden Ewan McGregor und Albert Finney für die jungen und alten Versionen von Edward Bloom ausgewählt. Diese Kombination schlugen die Produzenten Jinks und Cohen vor, die zuvor mit McGregor an „Down with Love" gearbeitet hatten. Burton fand McGregor dem Schauspieler ähnlich, mit dem er regelmäßig zusammenarbeitete: Johnny Depp. Finneys Auftritt in „Tom Jones" beeindruckte Burton, und er sah eine Ähnlichkeit zwischen Finney und McGregor. Zufällig fand er auch einen Artikel im People Magazine, der die beiden Schauspieler verglich. Bis November war der Großteil der Besetzung festgelegt.
Die Dreharbeiten begannen am 13. Januar 2003 und endeten Anfang Mai. Gedreht wurde überwiegend in Alabama, den Auftakt machte Montgomery. Weil die Szenen emotional so fordernd waren, drehte man zuerst jene mit Albert Finney als altem Edward. McGregor war von Anfang an am Set und beobachtete Finneys Arbeit. Als Burton und McGregor dann selbst drehten, bekam die Stimmung des Films eine neue, spielerischere Energie. Ein großer Teil des Films entstand aus Improvisation, besonders die Geburtsszene von Edward und die Szenen in Korea. Während der Zirkusaufnahmen trafen heftige Winde das Set, weite Teile standen unter Wasser, doch der Zeitplan geriet dadurch nicht ins Rutschen. Die Dreharbeiten in Alabama endeten im April; vor Abschluss des Films wurde eine Woche in Paris gedreht.
Wie der Film aussieht und klingt
Burton setzte neben Computeranimation bewusst auf praktische Spezialeffekte. In der Szene, in der Karl Jennys Haus renoviert, und in jener, in der Will und Edward ein Auto anheben, um sich im Verkehr Platz zu schaffen, kam die Technik der Forced Perspective zum Einsatz. Burton nutzte in diesem Film außerdem zum ersten Mal das Color Grading, das den fantastischen Szenen eine eigene Atmosphäre verleiht.
Die Musik komponierte Danny Elfman, mit dem Burton häufig zusammenarbeitet. Eddie Vedder von Pearl Jam steuerte nach dem Ansehen des Films den Song „Man of the Hour" bei. Für die Kamera war Philippe Rousselot verantwortlich, der zugleich Regisseur und Fotograf ist. Gedreht wurde mit Panavision-Kameras und -Objektiven auf 35mm Kodak-Film. Für die digitalen Bearbeitungen wurde ein 4K-Digital-Master erstellt und anschließend im Kodak-Vision-2383-Verfahren wieder auf 35mm-Film übertragen. Der Ton wurde in SDDS (8 Kanäle) aufgezeichnet, dem Sony Dynamic Digital Sound, der direkt auf dem 35mm-Film gespeichert wird. Die Bilder wurden mit der Deluxe-Colour-Technik aufgenommen.
Premiere, Einspielergebnis und Auszeichnungen
Big Fish startete unter dem Slogan „Ein Abenteuer, so groß wie das Leben selbst" am 10. Dezember 2003 in ausgewählten Kinos und am 9. Januar 2004 landesweit in den USA. Die DVD der Region 1 erschien am 27. April 2004, die der Region 2 am 7. Juni, die Blu-ray-Version am 9. April 2007. Am 1. November 2005 wurde der Film mit einem 24-seitigen gebundenen Buch als Beilage neu veröffentlicht. Die Blu-ray enthält unter anderem Burtons Kommentar, ein Quiz zu Burton und verschiedene Extras.
Am Eröffnungswochenende spielte der Film 13 Millionen Dollar ein und belegte damit den zweiten Platz hinter „The Lord of the Rings: The Return of the King". Zunächst war man davon ausgegangen, dass Big Fish mit 14,5 Millionen Dollar an der Spitze liegen würde, doch die Zuschauerzahlen korrigierten dieses Bild. Das weltweite Einspielergebnis betrug 122 Millionen Dollar, davon 66 Millionen in den USA und 56 Millionen im Rest der Welt.
Der Film erhielt eine Golden-Globe-Nominierung für den besten Film in der Kategorie Komödie oder Musical, dazu Nominierungen für Albert Finney, Danny Elfman und Eddie Vedder. Bei den Academy Awards erhielt Danny Elfman eine Nominierung für seine Originalmusik.
Was die Kritik sagte
Big Fish bekam von vielen Kritikern viel Lob. Manche, darunter Jeff Vice, bezeichneten ihn als Tim Burtons besten Film. Jeffrey Westhoff meinte, der Film gebe Burton „die nötige Dosis Reife" und sei sein bester seit „Ed Wood". Peter Travers vergab die volle Punktzahl und sprach von einem Drehbuch, das Burtons Talent vertiefe und ermutige, und lobte auch Ewan McGregors Leistung. Adrian Hennigan von der BBC würdigte Burton und Drehbuchautor August und nannte Big Fish nach „Planet der Affen" und „Charlie's Angels: Full Throttle" ein Fest der Erzählkunst und des berührenden Vater-Sohn-Dramas. Betty Jo Tucker sagte, der Film habe sie mit seiner Menschlichkeit und seinem Humor beeindruckt und mit seiner Weisheit überrascht. Glenn Whipp von der Los Angeles Daily News nannte ihn Burtons größtes Werk.
Auch kritische Stimmen gab es, vor allem aus dem Mainstream. Roger Ebert schrieb, Wills Sicht sei nicht von der Hand zu weisen: Der alte Mann sei ein rechter Angeber, und seine Geschichten hörten auf zu unterhalten und kippten ins Sadistische. Kirk Honeycutt nannte den Film eine übermäßig lange Geschichte, die mit überladenen, künstlichen Kulissen und aufgesetztem Spiel visualisiert werde. Auf Rotten Tomatoes erhielt der Film eine Bewertung von 77 Prozent, basierend auf 199 Bewertungen, davon 154 positiv. Bei IMDb erreichte er eine Bewertung von 8,0 und belegte Platz 201 der Liste der 250 besten Filme.
Kleine Rollen, große Namen
Für die französische Schauspielerin Marion Cotillard war Big Fish ihr erster amerikanischer Spielfilm. Sie ist ein großer Fan von Tim Burton und schlief einen Monat lang mit dem Drehbuch unter dem Kissen, bis sie die Zusage erhielt. Sie bewahrt es bis heute auf. Helena Bonham Carter war während der Dreharbeiten schwanger.
Der Autor des Romans, Daniel Wallace, hat einen Cameo-Auftritt als Wirtschaftsprofessor in Auburn. Tim Burton selbst erscheint als einer der Clowns, die in der Nähe von Mr. Calloways Wohnwagen sitzen, als dieser davonläuft. Miley Cyrus spielt eine kleine Rolle als Kindheitsfreundin von Edward. Die Handschrift auf Norther Winslows halbfertigem Gedicht stammt von Regisseur Tim Burton. Darin heißt es: „Grass so green, skies so blue, spectre is really great!"
Drei, die Postleitzahl und andere Details
Die Zahl Drei zieht sich durch den Film. Will und sein Vater Edward sprechen drei Jahre lang nicht miteinander, Edward liegt drei Jahre im Bett, und er sagt, er habe drei Jahre für Calloways Zirkus gearbeitet und sei dann bei der Armee geblieben. Helena Bonham Carter spielt eine Figur, die zehn Jahre jünger ist als Ewan McGregor, obwohl sie im echten Leben fünf Jahre älter ist. In der Szene, in der Edward nach dem Kampf im Narzissenfeld zu sehen ist, erinnert das Design seiner Krawatte an das gespiegelte Plakat von „The Nightmare Before Christmas" aus dem Jahr 1993.
Spectre ist zwar eine erfundene Stadt, doch die Postleitzahl auf Jennys Haus ist echt. Die 36104 ist eine der Postleitzahlen von Montgomery, Alabama. Edward Blooms Militäruniform zeigt bei seiner Heimkehr die 187. Luftlandedivision, stationiert in Campbell, Kentucky/Tennessee, der Heimat der 101. Luftlandedivision. Joseph Campbells Buch „The Hero with a Thousand Faces" taucht im Film auf, zunächst bei einem schlafenden Edward Bloom, bevor Josephine es nimmt und auf den Nachttisch legt, später auf dem Nachttisch in einer Szene zwischen Ed und Will. Daniel Wallace war ein großer Bewunderer Campbells.
Steve Buscemis Figur raubt an einer Stelle ganz beiläufig und erfolgreich eine Bank aus, allerdings mit sehr geringem Gewinn. In „Reservoir Dogs" von 1992 raubt Buscemi ebenfalls einen Laden aus, doch dort gerät er in Panik, und alles endet in einem blutigen Chaos. Der amerikanische Autor Spalding Gray hinterließ eine Notiz, dass er diesen Film sehr liebte, bevor er sich das Leben nahm. Ada Tai und Arlene Tai, die Ping und Jing spielen, sind Zwillinge, aber nicht siamesisch verbunden. Für ihre Auftritte wurden sie mit einer metallkorsettartigen Konstruktion an Hüfte und Taille fixiert, damit sie in das spezielle Kostüm passten. In der letzten Autoszene, in der Vater und Sohn aus dem Krankenhaus fliehen, läuft im Kino der Film „Identity" aus dem Jahr 2003. Sowohl Big Fish als auch Identity wurden 2003 von Columbia Pictures veröffentlicht.
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