31. Okt. 2026 RichtlinienImpressum Sitemap
EN

Alaska-Verkauf 1867: Mythos vom 100-jährigen Pachtvertrag

Der Alaska-Verkauf an die USA im Jahr 1867 war ein klarer, endgültiger Kaufvertrag, kein Pachtvertrag. Der damalige russische Zar Alexander II. verkaufte das Territorium an die Vereinigten Staaten. Diese Tatsache beendet die hartnäckige Legende, Alaska sei nur für 100 Jahre an Amerika vermietet worden.

Wichtige Fakten
  • Der Alaska-Verkauf wurde 1867 zwischen Russland und den USA unterzeichnet.
  • Die USA übernahmen mit dem Vertrag alle Hoheitsrechte über das Territorium.
  • Der Mythos vom 100-jährigen Pachtvertrag entstand nach dem Ende der Sowjetunion.

Das Wichtigste in Kürze

Russland verkaufte Alaska 1867 offiziell an die USA. Der Vertrag wurde unterzeichnet und sah eine Zahlung vor. Es handelte sich um einen vollständigen Gebietsverkauf, nicht um eine befristete Verpachtung.

Der Mythos vom 100-jährigen Pachtvertrag

Nein, Alaska wurde nicht für 100 Jahre verpachtet, sondern 1867 an die USA verkauft. Diese Tatsache ist historisch belegt und im Alaska-Vertrag von 1867 klar dokumentiert. Der Verkauf Alaskas an die USA ist ein gut dokumentierter Territorialtransfer des 19. Jahrhunderts.

Dennoch hält sich in Russland hartnäckig die Erzählung, das riesige Territorium sei nicht verkauft, sondern lediglich für ein Jahrhundert an die Amerikaner verpachtet worden. Berichten zufolge glauben viele Russen an diese Version, obwohl es dafür keine belastbaren Belege gibt. Die Geschichte ähnelt verblüffend einer in der Türkei verbreiteten Verschwörungstheorie, wonach der Vertrag von Lausanne von 1923 nur zeitlich begrenzt gewesen sein soll.

Diese moderne sogenannte Volksgeschichte, ein Pseudohistorie-Gebilde, verbreitete sich besonders nach dem Ende der Sowjetunion. Mit dem Aufstieg nationalistischer Strömungen und der zunehmenden Verbreitung des Internets gewann die Pacht-Theorie in Russland an Popularität. Die Erzählung besagt, die Pacht sei 1967 abgelaufen, die Sowjetunion habe jedoch wegen der Nichtanerkennung zaristischer Verträge keine Rückforderung gestellt.

Interessant ist die sprachliche Wurzel dieses Missverständnisses. Der Überlieferung nach soll im Vertragstext das russische Wort verwendet worden sein, das in der russischen Sprache eine zeitliche Bedeutung haben könnte. Im Englischen wurde dies jedoch im modernen Sinne als zeitlich unbegrenzt interpretiert. Die tatsächliche Vertragsfassung wurde allerdings auf Französisch und Englisch verfasst, Russisch fand nur für die Präambel und den Schlussabschnitt Verwendung.

Der Vertragstext selbst verwendet eindeutig den Begriff der Übertragung, nicht den der Verpachtung. In den folgenden Seiten werden die geografischen Grenzen des Gebiets beschrieben und der Besitz der vorhandenen Ländereien geregelt. Von einer zeitlichen Begrenzung ist nirgendwo die Rede.

Historischer Hintergrund: Russland verkaufte Alaska 1867 nach dem Krimkrieg, weil es dringend Geld benötigte und eine Eroberung des Territoriums durch Großbritannien befürchtete. Das Zarenreich war geschwächt und konnte die abgelegene Kolonie gegen die britischen Interessen im nahe gelegenen Britisch-Kolumbien nicht verteidigen.

Die Amerikaner kauften das Territorium möglicherweise mit der Absicht, Kanada zu erobern oder zumindest Britisch-Kolumbien zu übernehmen, obwohl es dafür keine eindeutigen Belege gibt. Der Verkauf Alaskas an die USA war für beide Seiten strategisch sinnvoll.

Was der Mythos behauptet: Die angebliche Sprachverwirrung

Die Kernbehauptung dieser Erzählung klingt verblüffend einfach: Im Alaska-Vertrag von 1867 sei das russische Wort „vyek" verwendet worden, was „Jahrhundert" bedeutet. Angeblich wurde dieses Wort jedoch fälschlich als „vyechno" übersetzt, also als „ewig". Aus diesem Übersetzungsfehler, so die Theorie, entstand die Annahme, Alaska sei nicht verkauft, sondern lediglich für 100 Jahre überlassen worden.

Die Geschichte spinnt diese Logik weiter: Die USA hätten demnach nur für ein Jahrhundert Miete gezahlt und schuldeten Russland bis heute Geld. Das Gebiet sei nach Ablauf der vermeintlichen Pachtzeit unrechtmäßig in amerikanischem Besitz. Diese Behauptungen sind jedoch unbelegt und gehören ins Reich der Mythen, nicht der historischen Fakten.

Interessant ist, wie sich diese Erzählung in Russland verbreitet hat. Berichten zufolge glauben viele Russen bis heute, Alaska sei nur verpachtet worden. Die moderne Variante dieser „Volksgeschichte" entstand nach dem Ende der Sowjetunion und fand besonders in den 2000er-Jahren durch nationalistische Strömungen und das Internet weite Verbreitung. Sie ähnelt verblüffend der türkischen Legende, der Vertrag von Lausanne aus dem Jahr 1923 sei auf 100 Jahre begrenzt gewesen und habe 2023 seine Gültigkeit verloren.

Was die tatsächlichen Vertragstexte betrifft, so wurden sie in Französisch und Englisch verfasst, Russisch fand nur in der Präambel und im Schlussabschnitt Verwendung, wo der Zar seine Zustimmung erteilte. Der Vertrag verwendet klar das Wort „übertragen", nicht „verpachten". Von einem Jahrhundert-Mietverhältnis ist darin keine Rede.

Der Vertragstext von 1867: Verkauf, nicht Verpachtung

Der Kern der Legende lässt sich mit einem einzigen Blick in die historischen Dokumente entkräften. Der Alaska-Kaufvertrag wurde nachweislich auf Französisch und Englisch verfasst, Russisch wurde nur für die Präambel und den Schlussabschnitt verwendet. Damit ist die gesamte Erzählung von einem angeblich missverstandenen russischen Wort hinfällig.

Wer die Behauptung aufstellt, im Vertrag sei das russische Wort „vyek" für „Jahrhundert" verwendet worden, übersieht einen entscheidenden Umstand: Der Vertrag wurde gar nicht auf Russisch abgefasst. Die russische Sprache fand lediglich in der Präambel für die Einleitung des Zaren und im Schlussabschnitt für seine Unterschrift Verwendung. Der eigentliche Vertragstext, der alle rechtlichen Regelungen enthält, wurde ausschließlich auf Französisch und Englisch formuliert.

Der Vertragstext verwendet klar den Begriff der Übertragung, im Englischen „cession", nicht etwa den der Verpachtung oder Vermietung. Es geht um die vollständige Abtretung des Territoriums, nicht um eine zeitlich begrenzte Nutzungsüberlassung. An keiner Stelle findet sich eine Formulierung, die auf eine Rückgabe nach Ablauf einer Frist hindeuten würde.

Darüber hinaus regelt der Vertrag die geografischen Grenzen des Gebiets und den Besitzübergang eindeutig. Die Vertragsparteien haben die Übergabe aller bestehenden Besitztümer und Rechte festgeschrieben, was bei einem reinen Pachtverhältnis nicht notwendig gewesen wäre. Die Dokumente lassen in dieser Hinsicht keinerlei Interpretationsspielraum.

Die Behauptung, das Gebiet sei nur für 100 Jahre verpachtet worden, lässt sich angesichts dieser Quellenlage nicht aufrechterhalten. Wer die vollständige Vertragsfassung liest, findet darin eine klare, abschließende Regelung über den Verkauf des Territoriums. Von einer zeitlichen Begrenzung oder einer Rückgabeklausel ist nirgends die Rede.

Warum Russland Alaska verkaufte: Der Krimkrieg als Auslöser

Die eigentliche Geschichte hinter dem Alaska Verkauf an die USA ist weit weniger mysteriös, als es die Gerüchte vermuten lassen. Russland handelte Mitte des 19. Jahrhunderts aus einer Position der Schwäche und des Pragmatismus. Der Verkauf war kein Geheimnis, sondern eine strategische Notwendigkeit, die auf realen politischen und finanziellen Zwängen beruhte.

Nach dem Ende des Krimkrieges stand das Russische Reich vor einem Scherbenhaufen. Die Kriegskosten hatten die Staatskassen geplündert, und das Land war finanziell am Boden. In dieser prekären Lage richtete sich der Blick des Zarenhofes besorgt auf die nordamerikanischen Besitzungen. Alaska, ein riesiges, aber dünn besiedeltes Territorium, schien mehr Last als Nutzen zu sein.

Die größte Sorge galt jedoch nicht den eigenen Finanzen, sondern dem britischen Rivalen. Großbritannien, das im benachbarten Britisch-Kolumbien eine Kolonie unterhielt, zeigte großes Interesse an dem eisigen Territorium. Ein schwaches Russland, so die Überzeugung in Sankt Petersburg, würde einer britischen Eroberung Alaskas kaum etwas entgegensetzen können. Der Verlust an den Erzfeind wäre eine demütigende Niederlage gewesen.

Die Lösung erschien den Strategen am Zarenhof elegant: ein Verkauf an die USA. Washington war eine neutrale Macht, die mit Russland gute Beziehungen pflegte. Besser, das Gebiet gegen eine stattliche Summe an einen Freund zu verkaufen, als es dem Feind kampflos zu überlassen. So wurde der Alaska Verkauf an die USA zu einem Akt der geopolitischen Vernunft, der beiden Seiten Vorteile brachte.

Auch die amerikanische Seite verfolgte mit dem Kauf eigene strategische Interessen. Berichten zufolge sahen einige US-Politiker in Alaska ein Sprungbrett, um möglicherweise Britisch-Kolumbien oder sogar Kanada zu schwächen. Diese Überlegungen bleiben jedoch Spekulation, denn konkrete Belege für solche Expansionsabsichten existieren in den historischen Aufzeichnungen nicht. Fest steht: Der Kaufvertrag von 1867 beendete die russische Präsenz in Nordamerika.

Fazit: Ein Mythos, der die Geschichte verkennt

Der Mythos von der 100-jährigen Pacht Alaskas hält sich hartnäckig, doch der Vertragstext widerlegt ihn eindeutig. Der Alaska Verkauf an die USA im Jahr 1867 war ein endgültiger Rechtsakt, kein befristetes Abkommen. Die Formulierungen im Vertrag sind unmissverständlich: Es ist von einer Übertragung des Territoriums die Rede, nicht von einer Vermietung oder Verpachtung.

Bemerkenswert ist, dass die Sowjetunion Alaska nach dem Ablauf der angeblichen Pachtfrist im Jahr 1967 nie zurückgefordert hat. Das hing mit ihrer grundsätzlichen Ablehnung zaristischer Verpflichtungen zusammen. Die bolschewistische Regierung erkannte die Verträge des Zarenreichs nicht an, was auch den Verzicht auf etwaige Ansprüche gegenüber den USA erklärte. Berichten zufolge hätte eine Rückforderung ohnehin keinerlei rechtliche Grundlage gehabt, doch die sowjetische Haltung machte diese Debatte von vornherein gegenstandslos.

Die Parallele zur türkischen Lausanne-Verschwörung ist frappierend. Auch dort hält sich die Erzählung, der Vertrag von Lausanne aus dem Jahr 1923 sei nur für 100 Jahre gültig gewesen und wäre 2023 ausgelaufen. Beide Mythen folgen demselben Muster: Ein komplexes historisches Ereignis wird auf eine einfache, vermeintlich entlarvende Formel reduziert. Die Ähnlichkeit der Erzählstrukturen zeigt, wie pseudohistorische Narrative in verschiedenen Kulturen unabhängig voneinander entstehen können, wenn politische Spannungen und nationalistische Strömungen auf ein Publikum treffen, das nach einfachen Erklärungen sucht.

Die tatsächliche Geschichte des Alaska-Verkaufs ist eine Geschichte strategischer Notwendigkeit, nicht geheimer Verträge. Russland befand sich nach dem Krimkrieg in einer prekären Lage: Die Staatskasse war leer, und die britische Präsenz im benachbarten Britisch-Kolumbien stellte eine unmittelbare Bedrohung dar. Die Entscheidung, das Territorium an die USA zu verkaufen, war eine rationale Überlegung, um die Region nicht den Briten überlassen zu müssen. Wer den Vertragstext liest, erkennt: Hier wurde ein Geschäft abgeschlossen, kein Geheimabkommen getroffen.

Hinweis der Redaktion: Nicht vollständig verifizierte Details, etwa zu angeblichen Rückforderungsforderungen, werden im Text entsprechend als unbestätigt gekennzeichnet.

Haben Sie eine Meinung dazu? Beteiligen Sie sich unten an der Diskussion →

Kommentare 0

Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste.

Kommentar hinterlassen

Kommentare werden vor der Veröffentlichung geprüft. Ihre E-Mail-Adresse wird nie veröffentlicht, und wir speichern Ihre IP-Adresse nicht. Siehe unsere Datenschutzerklärung.

Verpassen Sie keine Geschichte

Erhalten Sie einen kurzen Hinweis, sobald wir etwas Neues veröffentlichen — kein Spam, nur die Geschichten, die Ihre Zeit wert sind. Jederzeit abschaltbar.