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27. Mai 1960: Der erste Militärputsch der Türkei

Der Militärputsch vom 27. Mai 1960 in der Türkei beendete die Regierung der Demokratischen Partei und läutete die erste direkte Militärherrschaft der Republik ein. In den frühen Morgenstunden besetzten Einheiten der Armee Schlüsselpositionen in Ankara und Istanbul. Ministerpräsident Adnan Menderes, Staatspräsident Celal Bayar und zahlreiche Abgeordnete wurden festgenommen. Für viele Bürger begann an diesem Tag ein jäher Bruch mit einer gewählten Ordnung, deren Ende sie erst nach und nach begriffen.

Wichtige Fakten
  • Der Militärputsch vom 27. Mai 1960 gilt als der erste Staatsstreich in der Geschichte der Türkischen Republik.
  • Betroffen waren die Regierung von Ministerpräsident Adnan Menderes und Staatspräsident Celal Bayar von der Demokratischen Partei.
  • Getragen wurde der Putsch von mittleren Offizieren, die sich im Nationalen Einheitskomitee organisierten.
  • Die Verhaftungen fanden überwiegend in Ankara und Istanbul statt.
  • In der Folge wurden zahlreiche Angeklagte vor Gericht gestellt, unter ihnen Menderes und Bayar.

Das Wichtigste in Kürze

Am 27. Mai 1960 übernahm das Militär in der Türkei die Macht und setzte die Regierung der Demokratischen Partei um Adnan Menderes ab. Der Putsch wurde von mittleren Offizieren getragen, die später das Nationale Einheitskomitee bildeten. Die festgenommenen Politiker mussten sich vor Gericht verantworten.

27. Mai 1960: Der erste Militärputsch der Türkei

Stellen Sie sich vor: Es ist kurz nach drei Uhr morgens. In der ganzen Türkei verstummen die Radios. Wenige Minuten später meldet sich eine Stimme, die das Land für Jahre verändern sollte. Der Militärputsch vom 27. Mai 1960 gilt als der erste Staatsstreich der türkischen Republik, und er kam nicht aus heiterem Himmel. Hinter ihm lag eine Geschichte von politischer Verhärtung, wirtschaftlichem Niedergang und wachsender Angst.

Wie konnte es so weit kommen? Ein Blick zurück hilft, das zu verstehen. Die Demokratische Partei (DP) war 1950 mit dem Slogan „Yeter! Söz Milletin!“ an die Regierung gekommen, also mit dem Versprechen, endlich das Wort des Volkes gelten zu lassen. Zunächst schien vieles aufzugehen. Doch nach 1954 schlug die Regierung einen anderen Kurs ein. Opposition, Presse und Universitäten wurden zunehmend unter Druck gesetzt. Mit dem sogenannten Untersuchungsausschuss, dem Tahkikat Komisyonu, schuf die DP 1960 ein Gremium, das weitreichende Befugnisse erhielt und im Parlament faktisch eine Selbstzensur betrieb. Der Oppositionsführer İsmet İnönü soll 1959 in Uşak tätlich angegriffen worden sein; ob dabei gezielt Steine geworfen wurden, ist nicht eindeutig belegt.

Auch wirtschaftlich wurde die Lage immer enger. Bis Mitte der 1950er Jahre hatte die Landwirtschaft stark vom Marshall-Plan profitiert. Danach verschlechterte sich die Lage spürbar: Die Auslandsverschuldung stieg, die Inflation zog an, und es fehlte an Devisen. Schwarzmarkt und soziale Spannungen waren die Folge. Eine kleine Schicht wurde reich, während breite Teile der Bevölkerung kaum über die Runden kamen. In den Städten wuchs die Unzufriedenheit, besonders unter Studenten und jungen Menschen.

Und das Militär? Die DP versuchte, auch dort Einfluss zu nehmen, indem sie mehrere Generäle vorzeitig in den Ruhestand versetzte. In den Reihen jüngerer Offiziere wuchs das Gefühl, das Land gerate außer Kontrolle. Es heißt, nach einem Prozess an der Militärschule hätten Offiziere begonnen, sich innerhalb der Armee zu organisieren. Fest steht: Dieser Putsch wurde nicht von der militärischen Führung getragen. Es waren Offiziere im Rang von Obersten und Hauptleuten, die aus eigenem Antrieb handelten. Cemal Gürsel wurde erst später an die Spitze des Nationalen Einheitskomitees geholt.

In der Nacht zum 27. Mai 1960 schlugen sie zu. Berichten zufolge begann die Aktion gegen 03:15 Uhr, zuerst rückten Infanterie und Kavallerie aus, rund 15 Minuten später folgten Panzer. Die genauen Uhrzeiten und die Abfolge der Einheiten lassen sich allerdings nicht mit letzter Sicherheit belegen. Der Putsch verlief weitgehend unblutig und diszipliniert. Im Morgengrauen wurde die Machtübernahme im Radio verlesen, von Alparslan Türkeş. Premierminister Adnan Menderes und seine Regierungsmannschaft wurden festgenommen, ebenso Staatspräsident Celal Bayar.

Dann begann eine neue Ordnung. Ein Nationales Einheitskomitee (MBK) aus 38 Offizieren übernahm alle Befugnisse der Großen Nationalversammlung. Am Morgen des 27. Mai wurde ein Team unter Leitung von Sıddık Sami Onar von Istanbul nach Ankara geflogen, um an einer neuen Verfassung zu arbeiten. İsmet İnönü und die CHP sollen dem Geschehen wohlwollend gegenübergestanden haben. Adnan Menderes wurde auf der Flucht in der Region Kütahya festgenommen. Innenminister Namık Gedik starb durch einen Sturz aus dem Fenster seines Haftraums; ob Selbstmord oder Fremdeinwirkung, ist bis heute ungeklärt.

Der 27. Mai 1960 war ein Einschnitt. Die Demokratie war ausgesetzt, und die zivile Politik litt noch lange darunter.

Hinweis der Redaktion: Nicht abschließend gesicherte Angaben sind im Text ausdrücklich als solche gekennzeichnet.

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