Haruki Murakami und sein Vater: Die Katzen von Ashiya

Haruki Murakamis Vater hieß Chiaki, und die komplizierte Beziehung zu ihm prägte das Werk des japanischen Schriftstellers tief. In seiner Kindheit verbrachte Murakami Zeit mit ihm, unter anderem beim Fischen. Doch der Vater sprach selten über seine Zeit im Krieg. Dieses Schweigen wurde zu einem Fundament, auf dem Murakami später seine Romane errichtete. Und es erklärt, warum seine Figuren so oft von einer unerklärlichen Leere umgeben sind.
- Haruki Murakami wuchs in Ashiya auf, einer Stadt zwischen Osaka und Kobe.
- Sein Vater hieß Chiaki Murakami, nicht Benshiki, wie manche Beiträge behaupten.
- Der Vater trug Kriegserinnerungen mit sich und sprach kaum über seine Erlebnisse im Krieg.
- In der Kindheit verbrachte Murakami viel Zeit mit seinem Vater, unter anderem beim Fischen.
- Murakami verarbeitete die distanzierte Beziehung zu seinem Vater in seinem Essay und in seinem Romanwerk.
Das Wichtigste in Kürze
Haruki Murakami wuchs in der japanischen Stadt Ashiya auf. Sein Vater trug Kriegserinnerungen mit sich und gab sie an den Sohn weiter. Die Beziehung der beiden blieb distanziert, und Murakami verarbeitete diese Entfremdung später in seinem literarischen Werk.
Die Katze, die nicht wiederkam: Ein Schlüssel zu Murakamis Werk
Stellen Sie sich einen Jungen auf einem Fahrrad vor, an einem einsamen Küstenstreifen, den Blick auf einen Korb gerichtet. Darin sitzt eine Katze. Vor ihm fährt sein Vater, und dieser Vater hat eine Entscheidung getroffen, gegen die es keinen Widerspruch gibt. Haruki Murakami hat diese Szene viele Jahrzehnte später aufgeschrieben, und sie sagt mehr über sein Werk als manche literaturwissenschaftliche Abhandlung. Denn wer den Haruki Murakami Vater verstehen will, versteht auch, warum in seinen Romanen so oft etwas verschwindet, ohne je zurückzukehren.
Zunächst eine Richtigstellung, die in vielen Kulturbeiträgen übersehen wird: Der Vater des Autors hieß Chiaki Murakami. Der Name Benshiki, der immer wieder durch türkischsprachige Texte geistert, ist schlicht falsch. Diese Korrektur ist keine Kleinigkeit. Es geht um einen realen Menschen mit einer eigenen Biografie, und es geht um den Respekt, den eine Familie verdient, über die öffentlich geschrieben wird.
Chiaki Murakami war kein einfacher Vater. Er trug Kriegserinnerungen mit sich und gab sie an seinen Sohn weiter, eine Last, die der Junge nie ganz ablegen konnte. Eine ausdrückliche Charakterisierung als Alkoholiker ist allerdings nicht sicher belegt. Belegt ist dagegen, dass Murakami seinen Vater in seinen Erinnerungen als einen Menschen schildert, der ihm fern blieb, und die genaue Wortwahl, mit der er ihn beschrieb, ist in der Überlieferung nicht einheitlich. Was bleibt, ist eine stille Enttäuschung, die in beide Richtungen ging. Der Sohn war für den Vater ebenso eine Enttäuschung wie der Vater für den Sohn. Bemerkenswert ist, dass Murakami davon ohne Anklage erzählt, eher mit einer ruhigen, beinahe heiteren Annahme dessen, was war.
Zwei Katzen, zwei Abschiede
In seinem Essay Abandoning a Cat, der 2019 im The New Yorker erschien, erzählt Murakami zwei Kindheitserinnerungen, in denen Katzen die Hauptrolle spielen. In der ersten radelt er mit seinem Vater zu einem abgelegenen Ort am Meer, um die Katze der Familie dort auszusetzen. Der Vater ist sich seiner Sache vollkommen sicher, und der Junge widerspricht nicht. Jahre später beschreibt Murakami genau dieses Nicht-Widersprechen als das eigentliche Problem. Nicht der Verlust der Katze quält ihn, sondern die eigene, damals noch kindliche Bereitschaft, eine Entscheidung einfach hinzunehmen.
Die zweite Erinnerung spielt im eigenen Garten. Eine Katze klettert auf einen sehr hohen Baum und kommt nicht mehr herunter. Der Junge bittet seinen Vater um Hilfe. Der Vater hält eine Rettung für unmöglich. Die Katze miaut die ganze Nacht, und am nächsten Morgen ist sie verschwunden. Einfach weg. Kein Abschied, keine Erklärung, keine Spur.
Warum diese Katzen bis heute durch seine Romane streifen
Wer Murakamis Bücher kennt, erkennt das Muster sofort. Immer wieder tauchen dort Katzen auf, die verschwinden, und immer wieder bleibt eine Lücke zurück, die sich nicht schließen lässt. Die verschwundene Katze ist bei ihm kein niedliches Detail, sondern ein stiller Bote des Verlusts, ein Zeichen dafür, dass Dinge aus unserem Leben kippen können, ohne dass jemand Rechenschaft ablegt. Genau das hat der Junge am Küstenstreifen und am Fuß jenes Baumes gelernt.
Vielleicht liegt darin der eigentliche Schlüssel zu seinem Werk. Nicht in großen Erklärungen, sondern in einer kleinen, kalten Erfahrung aus der Kindheit, die nie ganz zu Ende erzählt wurde.
Ein Vater, der als starr und kalt beschrieben wird, und die Frage nach dem Alkohol
Stellen Sie sich vor, Sie blicken auf einen Menschen zurück, der Ihnen fremd geblieben ist. Genau das tut Haruki Murakami, wenn er über seinen Vater spricht. In seinem Essay wird er als starr, kalt und distanziert beschrieben. Diese Charakterisierung ist allerdings nicht wörtlich belegt. Wir geben sie deshalb als berichtete Deutung wieder, nicht als gesicherte Aussage.
Ähnlich vorsichtig müssen Sie bei einem zweiten Punkt sein. Immer wieder heißt es, der Vater habe ein Alkoholproblem gehabt. Eine ausdrückliche Bezeichnung als Alkoholiker ist jedoch nicht sicher belegt. In der Darstellung des Autors klingt eine solche Problematik an, doch als gesicherte Tatsache sollten Sie sie nicht lesen. Hier lohnt sich die nüchterne Unterscheidung zwischen dem, was ein Sohn erinnert, und dem, was sich beweisen lässt.
Was der Vater weitergab
Deutlich greifbarer ist etwas anderes. Der Vater trug Kriegserinnerungen mit sich und gab sie an seinen Sohn weiter. Ein Trauma also, das Murakami später literarisch verarbeitet. Solche Bilder verschwinden nicht einfach. Sie kehren wieder, in Erzählungen, in Figuren, in den leisen Zwischentönen seiner Romane.
Und noch eine Bewegung verläuft in die andere Richtung. Murakami selbst sah sich als Enttäuschung für den Vater. Er begegnet ihm jedoch nicht mit Zorn. Keine Anklage, kein lautes Aufbegehren. Stattdessen eine ruhige Akzeptanz. Er sagt, vieles in unserem Leben sei Zufall und Fügung gewesen.
Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Spannung dieser Beziehung. Ein Mann, der als hart und fern beschrieben wird, und ein Sohn, der ihn nicht verurteilt, sondern zu verstehen versucht. So wird aus einer persönlichen Geschichte ein Ton, den viele Leserinnen und Leser aus dem Werk von Haruki Murakami kennen: melancholisch, geduldig, und immer ein wenig auf der Suche nach dem, was unausgesprochen blieb.
Regentropfen, die auf die Erde fallen: Murakamis Bild für Vergänglichkeit
Stellen Sie sich einen Moment lang vor, Sie stehen im Regen. Tausende Tropfen fallen gleichzeitig, keiner trägt einen Namen, keiner ist wichtiger als der andere. Genau dieses Bild soll Haruki Murakami gewählt haben, um sich selbst und seinen Vater Chiaki Murakami zu beschreiben. In der Überlieferung heißt es, er habe beide mit Regentropfen verglichen, die auf die Erde fallen. Ein wörtliches Zitat ist allerdings nicht zuverlässig belegt, der Vergleich wird ihm also zugeschrieben, nicht nachgewiesen.
Was dieser Vergleich transportiert, ist dennoch aufschlussreich. Er soll gesagt haben, jeder dieser namenlosen, unbedeutenden und ersetzbaren Tropfen trage eigene Gefühle, eine eigene Vergangenheit und eine Aufgabe, die er in diesem Leben zu erfüllen habe. Und sobald der Tropfen den Boden berührt, verschwindet er. Genauer gesagt: Er geht auf in etwas Größerem. Aus einem einzelnen Schicksal wird ein Teil des Ganzen.
Jeder Tropfen hat eine Aufgabe, und am Ende wird jeder von ihnen Teil von etwas, das größer ist als er selbst.
Man kann darin eine tiefe Resignation lesen, und genau das ist der Kern von Murakamis Blick auf das Leben. Nichts geschieht wirklich nach Plan. Die Dinge passieren zufällig, durch Zufall und Fügung, wie er es selbst formuliert haben soll. Wer diese Haltung kennt, versteht plötzlich, warum seine Figuren so oft still wirken, fast passiv, als würden sie nicht handeln, sondern eher geschehen lassen. Und doch spürt man in ihnen eine Sehnsucht, die nie ganz zur Ruhe kommt.
Vielleicht liegt darin das eigentliche Geschenk dieses Bildes. Es erklärt nicht nur einen Vater und seinen Sohn, sondern auch die Melancholie, die durch so viele von Murakamis Büchern zieht. Ein Tropfen fällt, und für einen kurzen Augenblick berührt er die Erde. Mehr ist uns nicht gegeben, und mehr braucht es auch nicht.
Faulkners Schatten: Die Vergangenheit ist niemals tot
Es gibt diesen einen Satz, der seit Jahrzehnten durch die Literaturgeschichten geistert und den man kaum noch hören kann, ohne dass er einem sofort im Kopf bleibt: „Die Vergangenheit ist niemals tot. Sie ist nicht einmal vergangen." Er stammt von William Faulkner, dem amerikanischen Nobelpreisträger, und findet sich in seinem Werk „Requiem for a Nun" aus dem Jahr 1951. Ein gesichertes Zitat, kein anonymer Aphorismus aus dem Internet.
Warum dieser Satz ausgerechnet hier auftaucht, hat einen konkreten Grund. Wer den Film „Burning" gesehen hat, kennt die eigentümliche Spannung, die zwischen den Bildern liegt. Der südkoreanische Film verwebt Haruki Murakamis Kurzgeschichte „Barn Burning" mit Faulkners gleichnamiger Erzählung, und diese Verbindung ist keine Vermutung, sondern eine nachweisbare intertextuelle Brücke. Faulkner und Murakami, zwei Autoren aus völlig verschiedenen Kontinenten und Jahrzehnten, treffen sich in einer Geschichte über ein verschwundenes Mädchen, ein Feuer und einen Mann, der zu viel weiß.
Und genau hier wird es interessant. Denn wer in Murakamis Werk nach wiederkehrenden Mustern sucht, stößt auf etwas Auffälliges: die untreue Frau, das tote junge Mädchen, die verschwundene Katze. Diese Motive sind bei ihm tatsächlich erstaunlich präsent, über Romane und Erzählungen hinweg. Man könnte das als literarische Obsession abtun, als erzählerisches Werkzeug. Oder man fragt sich, woher diese Bilder eigentlich kommen.
Die Antwort, die in einem türkischen Beitrag zu diesem Thema angeboten wird, lautet: vom Vater. Der Überlieferung nach wird Haruki Murakamis Vater als starr, kalt und distanziert beschrieben, wobei diese exakte Wortwahl nicht wörtlich belegbar ist. Auch der Vergleich zwischen ihm und seinem Vater und Regentropfen, die auf die Erde fallen, ist nicht zuverlässig als wörtliches Zitat überliefert. Eine ausdrückliche Charakterisierung des Vaters als Alkoholiker ist ebenfalls nicht sicher belegt. Was jedoch feststeht: Murakami erzählte mehrere Kindheitserinnerungen, in denen Katzen eine zentrale Rolle spielen, und diese Katzen tauchen in seinen Büchern immer wieder auf.
Die These, dass die wiederkehrenden Motive seines Werks direkt auf den Vater zurückgehen, bleibt eine Deutung. Sie ist eine angebotene Interpretation, keine von Murakami selbst bestätigte Kausalität. Das ist ein wichtiger Unterschied. Man kann die Verbindung plausibel finden, man kann sie als literaturwissenschaftliche Spekulation abtun. Aber man sollte sie nicht als gesicherte Tatsache behandeln.
Faulkners Satz bleibt trotzdem stehen. Die Vergangenheit ist niemals tot. Sie ist nicht einmal vergangen. Für einen Schriftsteller, der immer wieder zu denselben Bildern zurückkehrt, klingt das weniger nach einem Zitat als nach einer Arbeitsbeschreibung.
Warum die Katzen von Ashiya bis heute nachklingen
Wer wissen will, woher die Melancholie in den Romanen von Haruki Murakami rührt, wird in Ashiya fündig. In dieser Stadt bei Kobe verbrachte er seine Kindheit, in einem Haushalt, in dem die Atmosphäre früh von einer stillen Distanz geprägt war. Zwischen Meer, Garten und Schulweg lag eine Welt, die geordnet wirkte und doch früh Risse bekam.
In der japanischen Kultur hat die Katze einen besonderen Platz. Sie gilt als Grenzgängerin, die zwischen dem Diesseits und dem Jenseits wandert, zwischen den Lebenden und den Toten. Genau diese Zwischenstellung macht sie für Murakamis Erzählen so brauchbar. Eine Katze kann verschwinden, ohne endgültig tot zu sein. Sie lässt eine Lücke zurück, die sich nicht schließen lässt.
Und um solche Lücken kreisen seine Bücher. Da ist die Frau, die ihren Partner betrügt. Da ist das junge Mädchen, das stirbt. Beide Motive kehren in seinem Werk auffällig oft wieder. Es sind Figuren des Verlusts, und sie tragen etwas von jenem ersten Verlust in sich, den Murakami mit seinem Vater erlebte. Der Haruki Murakami Vater, von dem er in seinem Essay Abandoning a Cat erzählt, steht am Anfang dieser Spur.
Zwei Erinnerungen, zwei Katzen
Die erste führt auf dem Fahrrad ans Meer. Der Vater will die Katze der Familie an einem einsamen Küstenstreifen aussetzen. Er entscheidet, das Kind folgt ohne Widerspruch, und genau dieser Gehorsam wird Murakami später zum Vorwurf. In der zweiten Erinnerung klettert die Katze auf einen sehr hohen Baum im Garten und kommt nicht mehr herunter. Der Vater sagt, man könne nichts tun. Die Katze miaut die ganze Nacht, und am nächsten Morgen ist sie verschwunden.
Der Überlieferung nach beschrieb Murakami seinen Vater als einen Menschen mit Alkoholproblemen, ohne ihn ausdrücklich als Alkoholiker zu bezeichnen. Auch die Wendung vom starr, kalt und distanziert wirkenden Mann wird ihm zugeschrieben, wörtlich belegen lässt sie sich nicht. Sicher ist dagegen, dass der Vater Kriegserinnerungen an den Sohn weitergab, und dass diese Erinnerungen etwas in ihm hinterließen, das er nicht einfach ablegen konnte.
Was bleibt, ist keine laute Anklage. Murakami spricht von seinem Vater eher mit ruhiger Hinnahme. Alles, was in unserem Leben geschehe, sei Zufall und Fügung, sagt er. Den Vergleich mit Regentropfen, die auf die Erde fallen, hat man ihm zugeschrieben, ohne dass er sich als wörtliches Zitat sichern ließe. Der Gedanke dahinter aber passt zu ihm: Jeder Tropfen hat seine eigene Geschichte, seine Gefühle, seine Aufgabe, und beim Aufprall wird er Teil von etwas Größerem.
Die Vergangenheit ist niemals tot. Sie ist nicht einmal vergangen.
Dieser Satz von William Faulkner, dem amerikanischen Schriftsteller, dessen Werk 1951 in Requiem for a Nun erschien, wirkt wie ein Kommentar zu Murakamis Verhältnis zu seinem Vater. Der südkoreanische Film Beoning, international als Burning bekannt, verknüpft Faulkners Erzählung Barn Burning mit einem Stoff von Murakami. So schließt sich ein Kreis zwischen dem Leser Murakami, dem Sohn und dem Erzähler.
Ob Haruki Murakami seinem Vater verziehen hat, lässt sich nicht abschließend beantworten. Seine Texte deuten auf eine stille Versöhnung hin, auf ein Einverständnis ohne große Worte. Bestätigt hat er das nie. Vielleicht liegt genau darin die Kraft dieser Katzen, dieser Frauen, dieser verschwundenen Mädchen: Sie erzählen von etwas, das bleibt, auch wenn es längst fort ist.
Häufig gestellte Fragen
Wer war Benshiki Murakami?
Diese Figur existiert nicht. Haruki Murakamis Vater hieß Chiaki Murakami, nicht Benshiki. Der Name „Benshiki" ist eine falsche Zuschreibung, die sich in manchen Kulturbeiträgen hartnäckig hält. Wenn Sie also auf diesen Namen stoßen, können Sie ihn getrost vergessen: Der Mann, um den es eigentlich geht, trug einen anderen.
Was hat Haruki Murakamis Vater mit den Katzen in seinen Romanen zu tun?
Sehr viel, wie es scheint. In seinem Essay „Abandoning a Cat", der 2019 im „The New Yorker" erschien, erzählt Murakami zwei Kindheitserinnerungen, in denen Katzen verschwinden oder ausgesetzt werden. Diese Geschichten bilden den biografischen Hintergrund für ein Motiv, das sich durch sein ganzes Werk zieht: die verschwundene Katze.
Warum tauchen in Murakamis Romanen so oft verschwundene Katzen auf?
Die Katze ist bei ihm ein Grenzwesen. Sie lebt im Haus und streift zugleich draußen umher, sie gehört zu uns und ist doch nie ganz greifbar. Genau deshalb eignet sich ihr Verschwinden so gut als Bild für das Unerklärliche und für die Abwesenheit, die sich nicht füllen lässt.
Warum bezeichnet Haruki Murakami seinen Vater als kalt und distanziert?
In dem Essay beschreibt er ihn als starr und distanziert, wobei die genaue Wortwahl nicht wörtlich belegt ist. Sicher ist: Zwischen beiden stand eine tiefe Enttäuschung. Der Sohn war für den Vater eine Enttäuschung, und der Vater wurde es für den Sohn. Von Alkoholproblemen ist die Rede, ohne dass Murakami seinen Vater ausdrücklich als Alkoholiker bezeichnet.
Wie prägte die Kindheit in Ashiya Haruki Murakamis literarisches Werk?
Ashiya, die Stadt am Meer, in der Murakami aufwuchs, ist der Ort seiner frühen Verlusterfahrungen. Diese Erfahrungen kehren in seinen Romanen nicht als Handlung wieder, sondern als Atmosphäre: eine Grundstimmung der Einsamkeit, die viele seiner Figuren umgibt, ohne dass sie sich erklären ließe.
Was bedeutet William Faulkners Satz über die Vergangenheit für Murakamis Werk?
Faulkner schrieb in „Requiem for a Nun" (1951): „Die Vergangenheit ist niemals tot. Sie ist nicht einmal vergangen." Genau das lässt sich bei Murakami beobachten. Die Vergangenheit ist bei ihm kein abgeschlossenes Kapitel, sondern eine Kraft, die unaufhörlich in die Gegenwart hineinwirkt.
Hat Haruki Murakami seinem Vater jemals verziehen?
Mit Sicherheit lässt sich das nicht sagen. Seine Texte legen eine ruhige Akzeptanz nahe, keine offene Anklage, aber auch keine ausdrückliche Vergebung. Er spricht davon, dass vieles im Leben Zufall und Fügung gewesen sei. Dass er den Vater dennoch immer wieder zum Thema macht, spricht für sich. Hinweis der Redaktion: Nicht abschließend belegte Details werden im Text ausdrücklich als unbestätigt gekennzeichnet.
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