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Jane Elliott: Das Blauaugen-Experiment von Riceville

Am 5. April 1968, einen Tag nach dem Attentat auf Martin Luther King, teilte die Grundschullehrerin Jane Elliott ihre dritte Klasse in Riceville, Iowa, nach Augenfarbe auf. Aus einem spontanen Gespräch über Rassismus wurde ein Experiment, das die Kinder unmittelbar erfahren ließ, was Ausgrenzung bedeutet. An einem einzigen Vormittag wurden aus Freunden plötzlich Gruppen, aus harmlosen Regeln plötzlich Macht und Ohnmacht. Was Jane Elliott mit dem Blauaugen-Braunaugen-Experiment auslöste, beschäftigt die Forschung bis heute.

Wichtige Fakten
  • Jane Elliott unterrichtete an einer Grundschule in Riceville, einer kleinen Stadt im US-Bundesstaat Iowa.
  • Auslöser war das Attentat auf Martin Luther King am 4. April 1968, auf das sie mit ihren Schülerinnen und Schülern sprechen wollte.
  • Sie teilte die Klasse nach Augenfarbe und stattete eine Gruppe mit Vorrechten aus, während die andere benachteiligt wurde.
  • Am zweiten Tag wurden die Rollen vertauscht, sodass beide Gruppen die Erfahrung von Bevorzugung und Zurücksetzung machten.
  • Das Experiment wurde mehrfach dokumentiert und ist Gegenstand anhaltender pädagogischer und psychologischer Diskussionen.

Das Wichtigste in Kürze

Die Lehrerin Jane Elliott führte 1968 in Riceville, Iowa, ein Experiment durch, in dem sie ihre Schulklasse nach Augenfarbe in zwei Gruppen teilte. Die braunäugigen Kinder erhielten anfangs Vorrechte, die blauäugigen wurden benachteiligt. Am folgenden Tag wurden die Rollen getauscht. Das Experiment gilt als frühes Beispiel dafür, wie schnell Vorurteile und Ausgrenzung entstehen können.

Ein Apriltag 1968 in Iowa: Die Frage, die alles auslöste

Denken Sie an einen kleinen Ort im US-Bundesstaat Iowa. Riceville, so heißt er, ein Flecken, in dem jeder jeden kennt und in dem die Kinder einer dritten Klasse alle dieselbe Hautfarbe haben. Am 4. April 1968 wird Martin Luther King in Memphis erschossen. Am Tag danach steht Jane Elliott vor ihren Schülerinnen und Schülern und stellt eine einzige Frage.

Sie unterrichtet an der Grundschule von Riceville, und ihre dritte Klasse ist, wie die ganze Umgebung, ausschließlich weiß. An diesem 5. April 1968 fragt sie die Kinder, was sie eigentlich über schwarze Menschen wissen. Was dann kommt, trifft sie hart. Die Acht- und Neunjährigen antworten in Klischees, in abfälligen Bildern, in Sätzen, die sie irgendwo aufgeschnappt haben müssen. Kein böser Wille, aber genau das macht es schlimmer: Diese Vorurteile sitzen schon da, in einem Klassenzimmer voller Kinder, die noch nie einem schwarzen Menschen begegnet sind.

In diesem Moment reift ein Entschluss. Jane Elliott will ihren Schülerinnen und Schülern nicht erklären, was Ausgrenzung bedeutet. Sie will, dass sie es selbst erleben. Aus dieser Idee entsteht das, was später als Blauaugen-Braunaugen-Experiment in die Geschichte der Sozialpsychologie eingehen wird.

Der Gedanke dahinter ist ebenso einfach wie radikal. Man kann Kindern Vorurteile predigen, bis ihnen die Ohren klingen. Man kann ihnen Bücher geben, Filme zeigen, über Gerechtigkeit reden. Oder man lässt sie für einen Tag erleben, wie es sich anfühlt, plötzlich auf der falschen Seite zu stehen. Elliott entscheidet sich für den zweiten Weg. Was an diesem Apriltag in einem Provinzklassenzimmer beginnt, wird Jahrzehnte später noch Menschen beschäftigen, in Schulen, in Universitäten, in Fernsehstudios.

Doch bevor irgendjemand ahnt, welche Wucht in dieser Idee steckt, steht eine Lehrerin vor einer Klasse und tut etwas, das kein Lehrplan vorsieht. Sie teilt ihre Kinder nach der Farbe ihrer Augen auf.

Zwei Gruppen, ein Armband: Der erste Tag des Experiments

Versuchen Sie sich einen Klassenraum im ländlichen Iowa des Jahres 1968 auszumalen. Dritte Klasse, lauter weiße Kinder, eine Lehrerin, die an diesem Morgen etwas wagt, das kein Lehrplan vorsieht. Jane Elliott teilt ihre Klasse nach einem einzigen Merkmal: der Augenfarbe. Blauäugige Kinder auf die eine Seite, braunäugige auf die andere. Dann holt sie Armbänder hervor und lässt die blauäugigen Kinder sie anlegen. Ein Stück Stoff entscheidet von nun an, wer dazugehört und wer nicht.

Was in den folgenden Stunden geschieht, ist der Kern dessen, was später als Blauaugen-Braunaugen-Experiment einen festen Platz in der Sozialpsychologie erhalten sollte. Elliott erklärt den blauäugigen Kindern, sie seien den braunäugigen genetisch unterlegen. Kein Scherz, keine Andeutung: eine schlichte, autoritäre Behauptung, vorgetragen mit der Selbstverständlichkeit einer Lehrerin, die es wissen muss.

Und dann folgt der Alltag. Genau dort, wo Ausgrenzung weh tut.

Die Regeln des ersten Tages

  • Auf dem Spielplatz und auf der Schaukel zu spielen war den blauäugigen Kindern untersagt.
  • Beim Mittagessen gab es keine zweite Portion.
  • Beim Wassertrinken mussten sie Pappbecher benutzen, nicht die richtigen Gläser.
  • Die braunäugigen Kinder erhielten Lob, Aufmerksamkeit und kleine Vorteile.

Man muss sich das einmal vor Augen führen: keine abstrakte Theorie über Vorurteile, sondern ein Verbot auf der Schaukel. Ein Pappbecher statt Glas. Eine zweite Portion, die es für die einen gibt und für die anderen nicht. Kinder verstehen Hierarchien nicht über Begriffe, sondern über solche konkreten Erfahrungen. Und sie verstehen sie schnell.

Die Wirkung ließ nicht lange auf sich warten. Die braunäugigen Kinder begannen, sich den blauäugigen gegenüber überlegen und herablassend zu verhalten. Dieses Gefühl von Überlegenheit, das auf nichts als einer willkürlichen Behauptung beruhte, hob ihr Selbstvertrauen spürbar an. Ihre schulischen Leistungen stiegen. Sie waren plötzlich die Klugen, die Schnellen, die, denen etwas zugetraut wurde.

Bei den blauäugigen Kindern geschah das Gegenteil. Sie machten mehr Fehler. Sie wurden zurückhaltend, zogen sich zurück, verloren die Lust am Lernen, und ihre Ergebnisse sanken. Zwei Gruppen, die am Morgen noch gemeinsam gespielt hatten, spielten nicht mehr miteinander. Innerhalb eines einzigen Schultages war aus einer Klasse ein Gefälle geworden, das die Kinder selbst nicht mehr hinterfragten.

Ein Armband, ein Satz über Gene, ein paar Verbote im Alltag. Mehr brauchte es nicht, um aus Kindern Täter und Opfer einer erfundenen Ordnung zu machen.

Was an diesem ersten Tag so beunruhigend ist, hat nichts mit bösen Kindern zu tun. Es hat damit zu tun, wie bereitwillig wir Signale aufnehmen, die uns sagen, wer oben steht und wer unten. Elliott hatte den Kindern nichts beigebracht, was sie nicht schon irgendwo aufgeschnappt hatten. Sie hatte es nur sichtbar gemacht, im Maßstab einer dritten Klasse. Der zweite Tag sollte zeigen, wie schnell sich dieses Muster umdrehen lässt.

Der zweite Tag: Rollentausch mit wissenschaftlichem Ton

Am nächsten Morgen betrat Jane Elliott denselben Klassenraum in Riceville, Iowa, und tat etwas, das die Kinder nicht erwartet hatten. Sie erklärte, sie habe sich am Vortag geirrt. In einem Ton, der an eine wissenschaftliche Vorlesung erinnerte, trug sie nun vor, in Wahrheit seien die blauäugigen Kinder die überlegenen. Es war dieselbe erfundene Rangordnung wie am Tag zuvor, nur mit vertauschten Vorzeichen. Und genau darin liegt der Kern des Experiments: Nicht die Augenfarbe entschied über das Verhalten der Kinder, sondern allein die Geschichte, die man ihnen erzählte.

Die Armbänder wechselten die Seite. Wer am Vortag noch zu den Bevorzugten gehört hatte, trug jetzt das Zeichen der Benachteiligten am Handgelenk. Für die Kinder war das keine abstrakte Übung, sondern eine spürbare Verschiebung ihres gesamten Alltags. Wer eben noch oben stand, stand plötzlich unten.

Was dann geschah, verblüffte selbst die erfahrene Lehrerin. Die Kinder übernahmen ihre neuen Rollen mit einer Geschwindigkeit, die kaum zu fassen war. Ein blauäugiges Mädchen, das das kleine Einmaleins am Vortag noch wie im Schlaf beherrscht hatte, begann plötzlich Fehler zu machen. Kinder mit braunen Augen, die zuvor mit dem Lesen gerungen hatten, lasen nun flüssig, ohne ins Stocken zu geraten. Es war, als hätte jemand einen Schalter umgelegt.

Die Ergebnisse des zweiten Tages waren ebenso deutlich wie am ersten. Die Kinder spiegelten in ihren Leistungen und in ihrem Auftreten genau das Verhalten jener Mitschüler, die sie einen Tag zuvor noch geringgeschätzt hatten. Wer zuvor die Rolle der Unterlegenen getragen hatte, wurde nun überlegen, und umgekehrt. Nichts an ihnen hatte sich verändert, kein Talent, keine Fähigkeit, kein Charakter. Geändert hatte sich nur die Zuschreibung, die von außen an sie herangetragen wurde.

Für Elliott war damit genau das sichtbar geworden, was sie zeigen wollte. Vorurteile entstehen nicht aus Tatsachen. Sie entstehen aus einer Erzählung, die oft genug in autoritärem Ton vorgetragen wird und die Menschen bereitwillig übernehmen. Der Rollentausch machte diese Mechanismen greifbar, und er machte zugleich deutlich, wie wenig es braucht, um aus einem selbstsicheren Kind ein verunsichertes zu machen.

Von Riceville in die Tonight Show: Wie das Experiment bekannt wurde

Was in einem einzigen Klassenzimmer in Riceville, Iowa, begann, wurde binnen weniger Wochen zu einer Geschichte, die das ganze Land bewegte. Ein Bericht in einer Lokalzeitung über Jane Elliott und ihr ungewöhnliches Vorgehen sorgte dafür, dass die Nachricht aus der Provinz nach New York getragen wurde. Berichten zufolge wurde Elliott daraufhin am 31. Mai 1968 in die Tonight Show eingeladen, um dort von ihren Erfahrungen mit den Kindern zu erzählen. Das genaue Datum lässt sich heute nicht mehr zuverlässig bestätigen. Dass sie in der Sendung auftrat und ihr Experiment einem großen Publikum vorstellte, gilt jedoch als gesichert.

Damit war aus einer unbekannten Grundschullehrerin eine der bekanntesten Lehrerinnen der Vereinigten Staaten geworden. Das Experiment erhielt einen festen Platz in der Geschichte der Sozialpsychologie. Aus einer spontanen Reaktion auf den Schock über den Mord an Martin Luther King war ein Lehrstück geworden, über das man an Universitäten sprach, in Zeitungen schrieb und in Fernsehstudios diskutierte.

Der Ruhm blieb nicht auf die Vereinigten Staaten beschränkt. Es heißt, Elliott habe dasselbe Experiment in den folgenden Jahren in Workshops in Europa, im Nahen Osten und in Australien durchgeführt. Wie viele Menschen an diesen Veranstaltungen tatsächlich teilnahmen, ist nicht gesichert. Berichten zufolge sollen es Zehntausende gewesen sein, doch eine genaue Zahl lässt sich nicht belegen. Ebenso wird überliefert, dass Tausende Lehrkräfte in den USA das Experiment in ihre Lehrpläne aufnahmen und dass Elliott als Rednerin an Hunderten von Colleges und Universitäten auftrat. Auch hier gilt: Die genauen Zahlen sind nicht sicher verifizierbar, doch ihr Ruf als gefragte Referentin ist unbestritten.

So wanderte die Idee, die an einem einzigen Apriltag des Jahres 1968 in einer dritten Klasse entstanden war, um die Welt. Aus einem Experiment mit achtjährigen Kindern wurde ein Werkzeug, mit dem Erwachsene in ganz unterschiedlichen Ländern selbst erfuhren, was Ausgrenzung bedeutet.

Was die Forschung bis heute nicht eindeutig klären kann

Seit über fünf Jahrzehnten begleiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Experiment mit kritischem Interesse. Immer wieder wurde untersucht, ob dieses Vorgehen rassistische Vorurteile tatsächlich abbaut oder ob es die Teilnehmenden psychisch belastet. Ein klares Ergebnis steht bis heute aus. Die Forschungslage gilt als begrenzt und uneinheitlich.

Das überrascht kaum, wenn man bedenkt, worum es hier eigentlich geht. Ein Experiment, das Menschen für wenige Stunden in eine künstliche Rangordnung zwingt, lässt sich schwer in kontrollierten Bahnen messen. Die Wirkung zeigt sich oft erst später, in Gesprächen, in Haltungen, in Momenten, die keine Studie einfangen kann.

Berichten zufolge deuten einzelne Untersuchungen darauf hin, dass Teilnehmende nach dem Experiment sensibler auf Diskriminierung reagieren. Andere Beobachtungen legen nahe, dass die Erfahrung bei manchen Menschen Ängste oder Schuldgefühle auslöst. Eine einheitliche Antwort darauf, was überwiegt, lässt sich daraus nicht ableiten.

Was bleibt, ist eine offene Flanke. Das Experiment wirkt, daran besteht kaum Zweifel. Wie stark es wirkt, in welche Richtung, und ob dieser Effekt dauerhaft trägt, das lässt sich mit den bisherigen Mitteln nicht abschließend sagen. Vielleicht liegt genau darin sein eigentümlicher Reiz: Es zwingt zum Nachdenken, ohne eine fertige Antwort mitzuliefern.

Der Junge, der Nein sagte

Man stelle sich vor, Sie sind acht Jahre alt und sitzen in der dritten Klasse. Ihre Lehrerin, Jane Elliott, hat gerade verkündet, dass Kinder mit braunen Augen klüger, schneller und einfach besser seien als Kinder mit blauen Augen. Und dann stellt sie Ihnen ein Privileg in Aussicht: Sie gehören zu den Bevorzugten, Sie dürfen sich freuen. Was würden Sie tun? Ein Junge tat etwas, das niemand erwartet hatte. Er lehnte ab.

Der Überlieferung nach hieß dieser Schüler Paul Bodensteiner, der Sohn eines Farmers, und er widersetzte sich der erfundenen Rangordnung, die Elliott an jenem Apriltag des Jahres 1968 in Riceville, Iowa, errichtet hatte, immer wieder aufs Neue. Als die Lehrerin eine Gruppe für überlegen erklärte, sagte er schlicht: "Das ist nicht richtig!" Der Name und die genaue Szene sind nicht unabhängig gesichert, doch die Episode wird in den Darstellungen des Experiments übereinstimmend erzählt.

Elliott versuchte, ihn auf ihre Seite zu ziehen. "Du musst glücklich sein! Du hast die richtige Augenfarbe!", soll sie ihm zugerufen haben. Sie bot ihm die Rolle des Gewinners an, den Platz auf der Sonnenseite der von ihr erfundenen Ordnung. Für einen Achtjährigen wäre es das Einfachste gewesen, einfach mitzuspielen, sich mit den anderen bevorzugten Kindern zusammenzutun, die Vorteile zu genießen und den Rest zu vergessen.

Paul tat genau das nicht. Der Überlieferung nach entgegnete er sinngemäß, das sei nicht richtig, und egal was sie sage, es sei nicht fair. Er nahm das Privileg nicht an. Er weigerte sich, sich über seine Mitschülerinnen und Mitschüler zu erheben, obwohl ihm genau das angeboten wurde, obwohl es bequem gewesen wäre, obwohl es von der Erwachsenen mit Autorität kam.

Man kann sich leicht ausmalen, wie viel Mut das in einem Klassenzimmer brauchte. Elliott war die Lehrerin. Sie hatte die Regeln gemacht. Sie bestimmte, wer oben und wer unten stand. Und doch stand da ein Kind auf und widersprach, ruhig, beharrlich, ohne sich beirren zu lassen.

Vielleicht liegt die eigentliche Hoffnung dieses Experiments gar nicht in den verblüffenden Ergebnissen über Gruppendynamik und Vorurteile. Vielleicht liegt sie in der schlichten Tatsache, dass mindestens ein Kind die erfundene Rangordnung durchschaute und ihr die Zustimmung verweigerte. Paul Bodensteiner sah, was man ihm anbot, und erkannte, dass es Unrecht war.

Warum das Experiment bis heute im Unterricht eingesetzt wird

Wer heute vor einer Schulklasse steht, kennt das Problem: Über Diskriminierung zu sprechen bleibt oft abstrakt. Genau hier setzt das Blauaugen-Braunaugen-Experiment an. Es erklärt Rassismus nicht, es lässt ihn erleben. Seit 1968 greifen Lehrkräfte weltweit darauf zurück, weil eine erlebte Erfahrung tiefer sitzt als jede noch so kluge Definition.

Für viele Pädagoginnen und Pädagogen gilt der Versuch bis heute als eine der eindrücklichsten Methoden überhaupt, um jungen Menschen Ausgrenzung nahezubringen. Sie erfahren unmittelbar, wie schnell aus einer willkürlichen Zuschreibung eine echte Hierarchie wird. Wer einmal auf der falschen Seite stand, vergisst dieses Gefühl so schnell nicht wieder.

Der Überlieferung nach gab es in Elliotts Klasse einen Jungen, der sich diesem Mechanismus verweigerte. Er hieß Paul Bodensteiner, war der Sohn eines Farmers, und jedes Mal, wenn Elliott ihre erfundene Rangordnung verkündete, widersprach er. „Das ist nicht richtig!“, soll er gesagt haben. Als sie ihm entgegnete, er solle sich freuen, habe er schließlich doch die richtige Augenfarbe, blieb er hart: Es sei nicht richtig, und es sei nicht fair, ganz gleich, was man ihm erzähle.

Vielleicht liegt die eigentliche Hoffnung genau dort. Nicht in der perfekten Methode, nicht in der wissenschaftlichen Debatte, die bis heute keine eindeutigen Ergebnisse darüber liefert, ob solche Versuche Vorurteile wirklich abbauen oder psychische Risiken bergen. Sondern in der Frage, wie viele Kinder es gibt, die sich Ungerechtigkeit nicht beugen, auch wenn man ihnen sagt, dass sie davon profitieren.

Solange es Menschen gibt, die andere wegen ihrer Herkunft, ihrer Sprache oder ihres Glaubens zu Fremden machen, wird dieses Experiment gebraucht. Es ist kein bequemer Unterricht. Aber es ist einer, der etwas in Bewegung setzt.

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Häufig gestellte Fragen

Was war das Blauaugen-Braunaugen-Experiment von Jane Elliott?

Es war ein Unterrichtsexperiment aus dem April 1968. Die Grundschullehrerin Jane Elliott teilte ihre dritte Klasse in Riceville, Iowa, nach Augenfarbe in eine bevorzugte und eine benachteiligte Gruppe. So sollten die Kinder Ausgrenzung nicht nur verstehen, sondern selbst erleben. Das Blauaugen-Braunaugen-Experiment gilt heute als Meilenstein der Sozialpsychologie.

Warum führte Jane Elliott das Experiment 1968 durch?

Am 4. April 1968 wurde Martin Luther King ermordet. Am Tag darauf fragte Elliott ihre Drittklässler, was sie über schwarze Menschen wüssten, und hörte nur Klischees. Genau das überzeugte sie, den Kindern zu zeigen, wie sich Ausgrenzung anfühlt. Sie unterrichtete eine Klasse, die ausschließlich aus weißen Kindern bestand.

Wie lief das Experiment in Riceville ab?

Am ersten Tag erklärte Elliott die blauäugigen Kinder für minderwertig. Sie mussten Armbänder tragen, durften nicht auf dem Spielplatz spielen, bekamen kein zweites Essen und mussten beim Wassertrinken Pappbecher benutzen. Die braunäugigen Kinder wurden überheblich und selbstsicherer. Am zweiten Tag tauschte Elliott die Rollen und begründete den neuen Vorrang der blauäugigen Gruppe in wissenschaftlich anmutendem Ton.

Wer war Paul Bodensteiner?

Der Überlieferung nach war Paul Bodensteiner ein Schüler, der sich der erfundenen Rangordnung widersetzte. Als Elliott eine Gruppe für überlegen erklärte, soll er jedes Mal protestiert und gesagt haben, das sei nicht richtig und nicht fair. Auch als sie ihm seinen Vorteil schmackhaft machte, blieb er dabei: Diese Ordnung sei ungerecht, egal was man ihm sage.

Hat das Experiment nachweislich Vorurteile abgebaut?

Die Forschungslage ist begrenzt und bislang nicht eindeutig. Untersucht wurde sowohl, ob das Experiment rassistische Vorurteile der Teilnehmenden abbaut, als auch, ob es psychische Risiken birgt. Die Ergebnisse sind uneinheitlich und lassen keine abschließende Antwort zu. Wer das Experiment einsetzt, sollte diese offenen Fragen kennen und die Wirkung auf die Beteiligten aufmerksam begleiten.

Warum wird das Experiment bis heute im Unterricht eingesetzt?

Weil es Diskriminierung nicht nur erklärt, sondern hautnah erfahrbar macht. Genau darin liegt seine anhaltende Wirkung: Die Kinder erleben unmittelbar, wie schnell aus einem willkürlichen Merkmal wie der Augenfarbe eine Rangordnung wird. Berichten zufolge hat Elliott dasselbe Experiment später in Workshops in Europa, im Nahen Osten und in Australien durchgeführt. Hinweis der Redaktion: Nicht abschließend belegte Angaben sind im Text ausdrücklich als unbestätigt gekennzeichnet.

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