Buran: Der sowjetische Raumgleiter und sein einziger Flug 1988

Am 15. November 1988 startete die Buran Raumfähre vom Kosmodrom Baikonur zu ihrem ersten und einzigen Flug. Vollautomatisch, ohne einen einzigen Menschen an Bord, umrundete der sowjetische Raumgleiter die Erde und landete sicher auf einer Rollbahn. Was als technische Meisterleistung gefeiert wurde, blieb ein einmaliges Ereignis. Hinter dem stolzen Projekt standen jahrelange Anstrengungen, enorme Kosten und ein Wettlauf, der am Ende niemanden mehr interessierte.
- Die Buran startete am 15. November 1988 mit der Energija-Rakete und flog vollständig unbemannt.
- Der Raumgleiter erreichte den Orbit und setzte zur automatischen Landung auf einer Rollbahn in Baikonur an.
- Das Buran-Programm wurde von Valentin Gluschko vorangetrieben und band enorme finanzielle und technische Mittel.
- Nach dem ersten Flug kam es zu keinem weiteren Start, das Projekt wurde später eingestellt.
- Der Testprototyp OK-GLI war lange im Technik Museum Speyer zu sehen.
Das Wichtigste in Kürze
Die Buran war ein sowjetischer Raumgleiter, der am 15. November 1988 in Baikonur zu einem unbemannten Testflug abhob. Sie erreichte den Orbit, führte ihre Mission aus und landete automatisch. Es blieb ihr einziger Flug, denn das Programm wurde nach dem Zerfall der Sowjetunion eingestellt. Heute erinnern nur noch wenige erhaltene Exemplare an das Projekt.
Ein kalter Morgen in Baikonur: Die Buran Raumfähre hebt ab
Stellen Sie sich vor, Sie stehen an einem frühen Morgen im November 1988 auf dem Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan. Es ist kalt, ein schneidender Wind fegt über das Gelände, und trotzdem liegt eine Spannung in der Luft, wie sie nur selten vorkommt. Auf den Lautsprechern knackt es, ein Funktionär zählt herunter, und gleich wird sich zeigen, ob die Buran Raumfähre wirklich das halten kann, was ihre Konstrukteure versprechen.
Nur noch zehn Sekunden bis zum ersten unbemannten Orbitalflug der Buran. Valentin Gluschko, der seit 1974 eine führende Rolle im sowjetischen Raumfahrtapparat innehatte, steht mit seinen Leuten an den Monitoren. Niemand spricht. Man hält den Atem an, weil an diesem Morgen mehr auf dem Spiel steht als ein einzelner Start.
Dann die Ziffern, eine nach der anderen, durch das Rauschen der Lautsprecher. Kurz vor dem Ende beginnen die Triebwerke, Treibstoff auszustoßen, und während der Himmel langsam heller wird, richtet sich die größte Maschine, die je für einen solchen Flug gebaut wurde, auf der Rampe auf. Die Buran Raumfähre sitzt auf der Energija, und als der Countdown null erreicht, entlädt sich die geballte Kraft in einer einzigen, ohrenbetäubenden Explosion.
Diese Wucht ist so gewaltig, dass selbst weit entfernte Seismographen die Erschütterung aufzeichnen. Die Buran steigt mit gewaltiger Schubkraft empor und trägt dabei die Hoffnungen eines ganzen Landes mit sich. Was an diesem Morgen beginnt, ist zugleich ein Anfang und ein Ende. Der Flug gelingt, die Buran Raumfähre erreicht den Orbit und kehrt zurück. Doch zu einem zweiten Start sollte es nie kommen.
Warum die Sowjetunion die Buran Raumfähre entwickelte
Stellen Sie sich den Morgen in Kasachstan vor. Es ist kalt, es ist windig, und auf dem Weltraumbahnhof Baikonur herrscht eine Anspannung, die man fast körperlich spürt. Nur noch wenige Sekunden bis zum ersten unbemannten Orbitalflug der Buran Raumfähre. Doch bevor wir auf die Startrampe schauen, lohnt ein Blick zurück in die Werkhallen, in denen dieses Projekt überhaupt entstehen konnte. Denn die Buran war keine reine Ingenieursleistung. Sie war eine Antwort auf eine Angst.
Der Kalte Krieg war eine Epoche der Paranoia. Jede Rakete, die eine Seite startete, wurde von der anderen als Vorbereitung eines Waffenschlags gedeutet. Man unterstellte sich gegenseitig die schlimmsten Absichten, und die eigene Bevölkerung hörte dieselbe Deutung. Wissenschaftliche Neugier spielte in dieser Logik kaum eine Rolle. Man rechnete mit Bomben, die vom Himmel fallen sollten.
Als die Vereinigten Staaten ihr eigenes Shuttle-Projekt ankündigten, interpretierte die sowjetische Führung das sofort als militärische Geste. Aus ihrer Sicht waren diese Orbiter nichts anderes als Frachtflugzeuge im All, gebaut, um über sowjetischem Territorium Bomben abzuwerfen und mit Spionagesatelliten Schaden anzurichten. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten.
Ein Name, ein Programm
Offiziell hieß das sowjetische Gegenstück VKK, ausgeschrieben Vozdushno-Kosmicheskiy Korabl. Übersetzt bedeutet das in etwa "Luft- und Raumfahrzeug". Der Name klingt nüchtern, fast bürokratisch, und doch steckte dahinter der Anspruch, ein vollwertiges Raumfährenprogramm auf die Beine zu stellen. Die Buran Raumfähre war das Herzstück dieses Vorhabens.
An die Spitze des Programms rückte 1974 Valentin Gluschko, ein Mann, der in der sowjetischen Raumfahrt längst eine Schlüsselfigur war. Der Überlieferung nach galt er als die treibende Kraft hinter dem Projekt. Man sollte hier vorsichtig formulieren, denn die genaue Zuordnung der Programmleitung ist in den Quellen nicht eindeutig belegt. Fest steht, dass Gluschko in dieser Zeit eine führende Rolle im sowjetischen Raumfahrtapparat innehatte.
Ein eigener Weg, nicht nur eine Kopie
So sehr die Buran von außen an das amerikanische Shuttle erinnert, so unterschiedlich war die Technik dahinter. Die Amerikaner montierten ihre Haupttriebwerke direkt am Heck des Orbiters. Bei der sowjetischen Lösung saßen die Haupttriebwerke am Zentralblock der Energija-Trägerrakete, und der Orbiter selbst trug keine großen Haupttriebwerke mit sich. Nach dem Start wurden diese Antriebe abgeworfen, ähnlich wie die übrigen Raketenstufen.
Auch bei den Boostern gingen die Ingenieure einen anderen Weg. Die amerikanischen Feststoffraketen brannten nach der Zündung, bis der Treibstoff erschöpft war. Die sowjetischen Booster der Energija arbeiteten mit Flüssigtreibstoff, was mehr Flexibilität erlaubte. Diese Rakete konnte ihre Nutzlast auch ganz ohne Orbiter ins All bringen, also als eigenständiger Träger dienen. Damit war die Buran Teil eines Systems, das mehr konnte als nur eine Raumfähre starten.
Die Frage, warum die Sowjetunion die Buran Raumfähre entwickelte, lässt sich also nicht mit einem einzigen technischen Argument beantworten. Es war der Versuch, im Wettlauf um die Vorherrschaft im All nicht ins Hintertreffen zu geraten. Ein Volk schaute zu, ein Imperium wollte beweisen, dass es mithalten konnte. Und über allem lag die stille Sorge, der Gegner könnte eines Tages wirklich vom Himmel herab zuschlagen.
Vom Versuchsflugzeug zur Raumfähre: Die Vorgeschichte
Wer die Buran Raumfähre zum ersten Mal sieht, hält sie oft für eine bloße Kopie des amerikanischen Shuttles. Der Eindruck täuscht. Die sowjetische Raumfahrt hatte lange vor dem US-Shuttle eigene Raumgleiter im Programm, und die Wurzeln der Buran reichen tiefer, als es die silberne Außenhaut vermuten lässt.
Denken Sie an das Projekt Spiral: ein sowjetischer Raumgleiter, der bereits konzipiert war, als in den USA das Shuttle noch in den Kinderschuhen steckte. Die Ingenieure in Moskau dachten also nicht erst dann über einen flügelförmigen Wiedereintritt nach, als Washington sein Shuttle ankündigte. Sie hatten diese Idee längst in der Schublade. Als die Amerikaner ihren Orbiter vorstellten, gewann das Thema nur eine neue Dringlichkeit. Die Verteidigung wurde dieser Bedrohungswahrnehmung angepasst, und das vorhandene Wissen floss in ein größeres Vorhaben.
Ein wichtiger Zwischenschritt waren die Flüge mit dem Versuchsträger BOR-4. In den 1960er Jahren sammelten die sowjetischen Ingenieure mit diesem unbemannten Gerät Erfahrungen in hohen Atmosphärenschichten. Man kann sich das wie einen Testlauf unter realen Bedingungen vorstellen: Hitze, Luftwiderstand, Flugverhalten beim Wiedereintritt. Alles, was am Modell gemessen wurde, war später bares Wissen für die große Raumfähre.
Und genau dieses Wissen wurde gebraucht. Die Daten aus den BOR-4-Flügen flossen direkt in den Hitzeschild und die Aerodynamik der Buran ein. Was am kleinen Versuchsträger funktionierte, ließ sich auf die Dimensionen eines Orbiters übertragen. So entstand Schritt für Schritt ein Fluggerät, das äußerlich an das US-Shuttle erinnerte, technisch aber eigene Wege ging.
Diese Kontinuität ist der eigentliche Schlüssel zum Verständnis. Die Buran Raumfähre war kein spontaner Gegenschlag, sondern das Ergebnis einer jahrelangen Entwicklung, die weit vor dem sichtbaren Wettlauf der beiden Supermächte begonnen hatte. Als die Raumfähre schließlich auf der Startrampe von Baikonur stand, lag hinter ihr bereits eine Geschichte aus Versuchsflügen, Fehlversuchen und stiller Ingenieursarbeit.
Buran vs. Space Shuttle: Die entscheidenden Unterschiede
Auf den ersten Blick wirken die sowjetische Buran Raumfähre und das amerikanische Space Shuttle wie Zwillinge. Die Silhouette, die Delta-Flügel, der weiße Rumpf mit der schwarzen Unterseite: Wer die Fotos nebeneinanderlegt, könnte meinen, ein Ingenieurbüro habe zweimal dasselbe gezeichnet. Doch dieser Eindruck täuscht gewaltig. Unter der Haut stecken zwei völlig verschiedene Maschinen, und genau darin liegt eine der spannendsten Geschichten der Raumfahrt.
Schauen Sie sich die Startaufnahmen genau an. Beim amerikanischen Orbiter sitzen die drei Haupttriebwerke direkt am Heck des Raumgleiters. Sie fliegen mit, sie kehren mit zurück, sie sind ein fester Teil des Shuttles. Bei der Buran war das anders. Die Haupttriebwerke saßen Berichten zufolge am zentralen Block der Energija-Trägerrakete, nicht am Orbiter selbst. Die Buran wurde also gewissermaßen huckepack nach oben getragen, ohne eigene Hauptantriebe. Für ihre Manöver im Orbit nutzte sie eine eigene, kleinere Triebwerksgruppe, die sogenannte Dom-Einheit.
Flüssigtreibstoff statt Feststoff: der flexiblere Weg
Der zweite große Unterschied liegt in den Boostern. Die Amerikaner setzten auf Feststoffraketen, die nach der Zündung einfach bis zum letzten Treibstoffrest abbrannten. Einmal gezündet, gab es kein Zurück, kein Drosseln, kein Abschalten. Die sowjetischen Ingenieure entwickelten für die Energija dagegen Flüssigtreibstoff-Booster. Diese boten mehr Spielraum bei der Steuerung und ließen sich zudem als eigenständige Trägerrakete einsetzen, also unabhängig von der Buran für andere Nutzlasten.
Und die Nutzlast? Hier liegen die beiden Konkurrenten nah beieinander. Das US-Shuttle hob mit rund 28 Tonnen ab, die Buran Berichten zufolge mit etwa 30 Tonnen. Man darf sich diesen Vorsprung nicht als dramatischen Sieg vorstellen. Die exakten Zahlen schwanken je nach Quelle, und unterm Strich standen sich zwei sehr ähnlich dimensionierte Systeme gegenüber.
Ein Computer fliegt, kein Pilot
Der vielleicht faszinierendste Unterschied zeigt sich erst im Flug. Die amerikanischen Shuttles wurden von Pilotinnen und Piloten gesteuert. Die Buran dagegen flog vollautomatisch, gesteuert von redundanten Bordrechnern, die sich gegenseitig überwachten. Fiel ein Rechner aus, klinkte das System ihn aus und machte weiter. Der Überlieferung nach sollen es vier unabhängige Rechner gewesen sein, doch diese genaue Zahl ist nicht sicher bestätigt. Was feststeht: Am 15. November 1988 absolvierte die Buran ihren einzigen Orbitalflug, vollautomatisch und ohne einen einzigen Menschen an Bord. Ein Raumgleiter, der ganz allein startete, den Orbit erreichte und wieder landete. Das hatte es bis dahin nicht gegeben.
Space Shuttle (USA)
- Haupttriebwerke am Heck des Orbiters
- Feststoff-Booster, brennen bis zum Ende
- Nutzlast rund 28 Tonnen
- Steuerung durch Pilotinnen und Piloten
Buran (UdSSR)
- Haupttriebwerke am Energija-Zentralblock
- Flüssigtreibstoff-Booster, flexibel einsetzbar
- Nutzlast rund 30 Tonnen (Quellen schwanken)
- Vollautomatischer Flug per Bordrechner
Die äußere Ähnlichkeit war also kein Zeichen von Kopie, sondern das Ergebnis ähnlicher physikalischer Zwänge. Wer einen Raumgleiter bauen will, der aus dem Orbit zurückkehrt und auf einer Landebahn aufsetzt, kommt zu erstaunlich ähnlichen Formen. Die Sowjets aber gingen bei der Antriebsarchitektur und der Steuerung eigene Wege. Und genau diese Eigenständigkeit macht die Buran Raumfähre bis heute zu einem der ungewöhnlichsten Fluggeräte, die je gebaut wurden.
Ein einziger Flug: Der unbemannte Orbitalflug von 1988
Stellen Sie sich vor, Sie stehen an diesem kalten, windigen Morgen in Baikonur, irgendwo in der kasachischen Steppe. Es ist der 15. November 1988, die Luft ist beißend, und auf dem weitläufigen Gelände herrscht eine Anspannung, die man fast greifen kann. Nur noch wenige Sekunden trennen die versammelten Ingenieure von dem Moment, auf den sie jahrelang hingearbeitet haben. Über die Lautsprecher des Weltraumbahnhofs knackt eine Stimme, dann beginnt der Countdown. Und mit ihm ein Flug, der in die Geschichte eingehen sollte, weil er so vieles auf einmal war: Höhepunkt und Endpunkt zugleich.
Was an diesem Tag abhebt, ist die Buran Raumfähre, das Prestigeprojekt der sowjetischen Raumfahrt. Doch anders als bei allen bemannten Missionen zuvor sitzt niemand an Bord. Die Buran startet vollautomatisch, gesteuert von ihrer eigenen Bordelektronik, ohne einen einzigen Kosmonauten. Für die damalige Zeit ist das eine technische Pioniertat. Die Triebwerke zünden, die Trägerrakete Energija hebt ab, und die gewaltige Maschine schraubt sich in den Himmel. Die Erschütterung ist so heftig, dass selbst weit entfernte Seismografen sie aufzeichnen.
Der Flug verläuft genau nach Plan. Die Buran erreicht den Orbit, führt ihre vorgesehene Aufgabe aus und kehrt anschließend zur Erde zurück. Start, Umrundung, Landung: Alles gelingt, und zwar ohne menschliches Eingreifen. Für einen kurzen Moment scheint es, als hätte die Sowjetunion im Wettlauf um die bemannte Raumfahrt wieder Boden gutgemacht.
Doch dieser 15. November 1988 bleibt der einzige Raumflug der Buran. Nie wieder sollte die Raumfähre die Erdatmosphäre verlassen. Was als strahlender Auftakt wirkt, entpuppt sich im Rückblick als das leise Ende eines ganzen Programms.
Denn während die Buran noch in den Archiven der Raumfahrtgeschichte landete, zerfiel am Boden die Welt, die sie hervorgebracht hatte. Die Sowjetunion steuerte auf ihren Niedergang zu. Zuerst wurden die Budgets gekürzt, dann verschwanden die großen Projekte in der Schublade. Die zweite Mission, auf die so viele gehofft hatten, wurde nie Wirklichkeit. So bleibt dieser eine Flug ein merkwürdiges Denkmal: ein technischer Triumph, der zugleich das Ende einer Ära markiert.
Das Ende des Buran-Programms und das Schicksal der Raumfähre
Der erste und einzige Raumflug der Buran Raumfähre im November 1988 war zugleich ein Anfang und ein Ende. Während der Orbiter unbemannt die Erde umrundete und sicher zurückkehrte, begann am Boden bereits der Zerfall des Staates, der ihn gebaut hatte. Niemand sollte je einen zweiten Start sehen.
Die Jahre nach 1988 waren von einer schleichenden Auflösung geprägt. Die Sowjetunion zerbrach, die Budgets wurden zusammengestrichen, und die ehrgeizigen Raumfahrtprojekte verschwanden eine nach der anderen von den Plänen. Was als technologischer Kraftakt begonnen hatte, endete in einer Art Stillstand, den niemand offiziell verkündete.
Dabei war die Buran nie als Einzelstück gedacht. Der Überlieferung nach waren mehrere Exemplare geplant, doch nur eines wurde vollständig fertiggestellt und flog tatsächlich ins All. Die genaue Anzahl hängt davon ab, wie man zählt, denn einige Rümpfe waren mehr oder weniger weit gediehen, als das Programm gestoppt wurde.
Eine besondere Rolle spielte der Testprototyp OK-GLI. Berichten zufolge absolvierte er zwischen 1984 und 1989 atmosphärische Flüge, bei denen er nicht ins All vordrang, sondern die Aerodynamik und das Landeverhalten erprobte. Die exakte Zahl dieser Flüge ist nicht einheitlich belegt, doch sie trugen entscheidend dazu bei, dass der unbemannte Orbitalflug von 1988 überhaupt gelingen konnte. Der Prototyp ist 36 Meter lang, 16 Meter hoch und rund 80 Tonnen schwer.
Das Ende kam dann auf eine Weise, die kaum jemand vorhergesehen hatte. Im Jahr 2002 stürzte in Baikonur das Dach der Montagehalle ein, in der das einzige geflogene Buran-Exemplar untergebracht war. Die Raumfähre wurde dabei zerstört. Was der sowjetische Stolz über Jahre hinweg nicht geschafft hatte, erledigte ein marodes Bauwerk in einem einzigen Moment.
So bleibt von der Buran Raumfähre vor allem eine Geschichte des halben Weges. Ein Flug, ein Prototyp, ein eingestürztes Dach. Wer heute an die Bilder von 1988 zurückdenkt, sieht einen Aufstieg, der zugleich der Anfang vom Ende war.
Wo die Buran heute zu sehen ist
Wer die Buran Raumfähre mit eigenen Augen sehen möchte, muss heute reisen. In Russland wartet kein flugfähiger Orbiter mehr, und das einzige Exemplar, das je den Weltraum erreichte, existiert nicht mehr. Was bleibt, sind ein flugfähiger Testprototyp, ein zusammengesetztes Ausstellungsstück und einige unvollendete Rümpfe, die verschrottet wurden.
Am bekanntesten dürfte der Testprototyp OK-GLI sein. Er trug vier eigene Düsentriebwerke, damit er für atmosphärische Testflüge selbstständig starten und landen konnte. Berichten zufolge war dieses Exemplar über Jahre im Technik Museum Speyer zu sehen, wo Besucher der Buran Raumfähre so nah kommen konnten wie sonst nirgends. Ganz so steht es heute nicht mehr: Der aktuelle Verbleib des Prototyps hat sich geändert, eine feste Ausstellung in Speyer lässt sich nicht mehr ohne Weiteres voraussetzen. Die technischen Eckdaten bleiben beeindruckend: 36 Meter Länge, 16 Meter Höhe und rund 80 Tonnen Gewicht. Zwischen 1984 und 1989 absolvierte OK-GLI der Überlieferung nach eine Reihe atmosphärischer Flüge und lieferte damit wichtige Daten für den einen großen Orbitalflug von 1988.
Auch in Moskau gab es lange ein Buran-Exponat. Im Gorki-Park stand ein Ausstellungsstück, das laut der ursprünglichen Erzählung aus Teilen mehrerer Buran-Exemplare zusammengesetzt war: eine Tragfläche von hier, ein Rumpf von dort. Die genaue Herkunft dieser Einzelteile ist nicht sicher bestätigt, und wer heute durch den Park spaziert, sollte nicht selbstverständlich mit dem alten Anblick rechnen. Die Anekdote bleibt trotzdem bezeichnend für das ganze Programm: Aus dem großen Ganzen blieben nur Bruchstücke übrig, die man notdürftig zu einem Schaustück zusammenfügte.
Von den weiteren geplanten Exemplaren wurde keines fertig. Als das Geld ausblieb und die Sowjetunion zerfiel, standen die Rümpfe unvollendet in den Hallen von Baikonur und anderen Fertigungsstätten. Sie wurden später verschrottet, ohne je einen Himmel von innen gesehen zu haben. Und das eine Exemplar, das tatsächlich geflogen war, traf ein bitteres Ende: Im Jahr 2002 stürzte das Dach der Montagehalle in Baikonur ein und zerstörte den Orbiter, der dort eingelagert war.
So verteilt sich das Nachleben der Buran Raumfähre auf wenige Orte und viele Lücken. Ein Prototyp, ein zusammengesetztes Schaustück, ein paar verschrottete Rümpfe. Wer heute vor einem dieser Relikte steht, sieht weniger ein Raumschiff als das Zeugnis eines Wettlaufs, der mitten im Lauf abgebrochen wurde.
Häufig gestellte Fragen
Warum wurde die Buran Raumfähre überhaupt entwickelt?
Der Antrieb war der Kalte Krieg. Als die USA ihr Shuttle-Programm ankündigten, deuteten die sowjetischen Verantwortlichen dies als militärische Drohung: Man fürchtete, amerikanische Orbiter könnten als bewaffnete Frachtflugzeuge über sowjetischem Gebiet auftauchen. Die Antwort war ein eigenes Raumfahrzeug, das dieser vermuteten Gefahr begegnen sollte. 1974 wurde der Ingenieur Valentin Gluschko an die Spitze des zuständigen Konstruktionsbüros Energija gestellt; der Überlieferung nach galt er als treibende Kraft hinter dem Projekt, auch wenn seine Rolle als eigentlicher Programmleiter nicht eindeutig belegt ist.
Wie unterschied sich die Buran von der amerikanischen Raumfähre?
Äußerlich ähnelten sich die beiden Shuttles, technisch arbeiteten sie jedoch grundverschieden. Beim amerikanischen Orbiter sitzen die Haupttriebwerke am Heck und fliegen mit; bei der Buran waren die Haupttriebwerke im zentralen Block der Energija-Trägerrakete untergebracht, der nach dem Start abgeworfen wurde. Die Energija nutzte zudem Flüssigtreibstoff-Booster statt der amerikanischen Feststoffraketen und ließ sich auch unabhängig vom Orbiter als Trägerrakete einsetzen. Die Nutzlastkapazitäten lagen in ähnlichen Größenordnungen, wobei die genauen Tonnage-Angaben je nach Quelle schwanken. Für den vollautomatischen Flug war die Buran mit mehreren unabhängigen Bordrechnern ausgestattet; die exakte Zahl von vier Rechnern wird in den Quellen unterschiedlich angegeben.
Warum flog die Buran nur ein einziges Mal ins All?
Der einzige Flug verlief technisch erfolgreich: Die Buran Raumfähre erreichte den Orbit, führte ihre Mission aus und landete automatisch wieder auf der Erde. Doch während oben alles nach Plan lief, zerfiel unten die Sowjetunion. Zuerst wurden die Budgets gekürzt, dann die Projekte zu den Akten gelegt. Niemand erlebte einen zweiten Start. Die Buran wurde damit zum Zeugen eines untergehenden Imperiums, nicht zum Beginn einer neuen Ära.
Hat die Buran jemals Menschen ins All gebracht?
Nein. Der einzige Raumflug im November 1988 war vollständig unbemannt und wurde von Bordcomputern gesteuert. Auch zu einem bemannten Einsatz kam es nie, weil das Programm nach dem Zerfall der Sowjetunion eingestellt wurde. Die Buran Raumfähre war damit ein Raumfahrzeug, das den Weltraum erreichte, ohne je einen Kosmonauten zu tragen.
Wie funktionierte der unbemannte Flug der Buran im Jahr 1988?
Die Buran hob mit der Energija-Trägerrakete ab, die sie in eine Umlaufbahn brachte. Nach dem Abwurf der Boostertriebwerke manövrierte der Orbiter mit einem eigenen Triebwerkspaket, dem sogenannten "Dom"-System, durch den Orbit. Die Landung erfolgte automatisch, gesteuert von den redundanten Bordrechnern. Der Überlieferung nach war dies die erste vollautomatische Landung einer Raumfähre überhaupt.
Was passierte mit der Buran nach dem Zerfall der Sowjetunion?
Die geplanten Exemplare wurden nie fertiggestellt und später verschrottet. Das einzige Exemplar, das tatsächlich geflogen war, wurde im Jahr 2002 zerstört, als das Dach der Montagehalle in Baikonur einstürzte, in der es aufbewahrt wurde. Damit blieb von der geflogenen Buran Raumfähre nur Schutt und Erinnerung.
Wo kann man heute noch einen Buran-Prototyp besichtigen?
Der atmosphärische Testprototyp OK-GLI, ausgestattet mit vier eigenen Jet-Triebwerken für eigenständige Starts, absolvierte zwischen 1984 und 1989 eine Reihe von Testflügen in der Atmosphäre. Er ist rund 36 Meter lang, 16 Meter hoch und etwa 80 Tonnen schwer. Lange war er im Technik Museum Speyer in Deutschland zu sehen; der Verbleib dieses Prototyps hat sich inzwischen geändert. Ein weiteres Ausstellungsstück, das Berichten zufolge aus Teilen mehrerer Buran-Exemplare zusammengesetzt wurde, war im Gorki-Park in Moskau zu sehen. Hinweis der Redaktion: Nicht abschließend bestätigte Angaben sind im Text ausdrücklich als solche gekennzeichnet.
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