# Verfluchte Lieder: Crossroads, Gloomy Sunday & Co.

*Film, TV & Musik · Emre Şahin · 2026-10-05*

## Key facts

- Robert Johnson soll der Legende nach am Scheideweg seine Seele verkauft haben, um Gitarre spielen zu können.
- Dem Lied „Gloomy Sunday“ von 1933 wird nachgesagt, es habe Menschen in den Selbstmord getrieben.
- Rund um „My Way“ kam es bei Karaoke-Auftritten Berichten zufolge zu gewalttätigen Zwischenfällen.
- Die Band Badfinger wurde von mehreren Schicksalsschlägen getroffen, die man mit ihrem Song „Without You“ verbindet.
- Manche Fluchgeschichten beruhen auf belegbaren Ereignissen, andere sind reine Erzählungen ohne Beweis.

Das Wichtigste in Kürze

Mehrere Lieder gelten als verflucht, weil sich rund um sie Unglücksfälle und Legenden ranken. Zu den bekanntesten zählen Robert Johnsons „Crossroads“, das ungarische „Gloomy Sunday“, Frank Sinatras „My Way“ sowie Stücke von Badfinger und The Who. Ob echter Fluch oder tragischer Zufall, lässt sich nicht beweisen, und vieles beruht auf Erzählungen.

## Verfluchte Lieder: Crossroads, Gloomy Sunday & Co.

Musik kann Stimmungen formen. Sie schenkt Ruhe, Freude, Trauer, manchmal sogar Wut. Doch was, wenn ein einziges Lied das Leben seiner Sänger und Hörer in eine dunkle Bahn lenkt? Rund um den Globus ranken sich Geschichten um Lieder, denen ein schlechter Ruf vorauseilt, weil sie angeblich Unheil bringen. Manche dieser Erzählungen sind reine Legende, andere beruhen auf tragischen, belegbaren Ereignissen. Doch wie viel Wahrheit steckt wirklich hinter diesen Geschichten?

### Der Pakt am Scheideweg: Robert Johnson

Robert Johnson gilt als einer der einflussreichsten Bluesgitarristen überhaupt. Der Sage nach soll er am Scheideweg einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben, um diese Meisterschaft zu erlangen. In der Legende war Johnson zunächst ein mittelmäßiger Gitarrist. Ein hochgewachsener Fremder, so heißt es, habe ihm am Kreuzweg die Gitarre gestimmt, einige Riffs gespielt und sie ihm zurückgegeben. Von da an spielte Johnson wie besessen. Historisch belegt ist das nicht, doch die Erzählung vom „Crossroads-Fluch“ hat sich tief in die Blueskultur eingeschrieben.

Johnson starb 1938 im Alter von nur 27 Jahren unter bis heute ungeklärten Umständen. Manche bringen seinen frühen Tod mit dem angeblichen Pakt in Verbindung. Andere Musiker, die sein Erbe antraten, traf angeblich ebenfalls Schicksalsschläge.

- Eric Clapton spielte eine Version des Stoffs mit Cream. Sein Sohn Conor starb 1991, als er aus einem Fenster fiel.
- Die Band Lynyrd Skynyrd coverte das Lied. Bei einem Flugzeugabsturz am 20. Oktober 1977 kamen die Bandmitglieder Ronnie Van Zant, Steve Gaines und Cassie Gaines sowie Tourmanager Dean Kilpatrick ums Leben.
- Skynyrd-Gitarrist Allen Collins verlor 1986 bei einem Autounfall seine Freundin und wurde querschnittsgelähmt. Er starb 1990 an einer Lungenentzündung, nicht direkt an den Unfallfolgen.
- Die Allman Brothers spielten das Stück über Jahre. Duane Allman starb am 29. Oktober 1971 bei einem Motorradunfall. Nur etwas mehr als ein Jahr später, am 11. November 1972, starb Bandmitglied Berry Oakley bei einem weiteren Motorradunfall, nur wenige Blocks entfernt in Macon, Georgia.

### Die neunte Sinfonie: ein Fluch für Komponisten

Unter Musikfreunden hält sich hartnäckig der Glaube, ein Komponist sei dem Tod geweiht, sobald er seine neunte Sinfonie vollendet habe. Ausgangspunkt ist Ludwig van Beethoven. Er starb am 26. März 1827, während er an einer zehnten Sinfonie arbeitete. Ob daraus ein echter Fluch erwuchs, bleibt Spekulation. Auffällig ist jedoch, wie viele Komponisten nach ihrer neunten Sinfonie früh verstarben.

- Gustav Mahler starb 1911 im Alter von 50 Jahren an einer Herzinfektion, nachdem er seine neunte Sinfonie vollendet hatte.
- Franz Schubert starb 1828 mit nur 31 Jahren. Angeblich war Typhus die Todesursache, doch sowohl die genaue Ursache als auch die Zuordnung der neunten Sinfonie sind in der Forschung teils umstritten.

### „My Way“: tödliche Karaoke auf den Philippinen

Zwischen 2002 und 2012 wurden auf den Philippinen mehrere Menschen getötet, weil sie das Lied „My Way“ bei Karaoke-Veranstaltungen sangen. Berichten zufolge kam es zu mindestens sechs tödlichen Zwischenfällen und zahllosen handfesten Auseinandersetzungen. Die genaue Zahl ist umstritten, doch das Phänomen ist so verbreitet, dass es in dem Land eine eigene Kategorie für solche Delikte gibt. Die Erklärungen gehen auseinander: Manche sehen den Grund in der Häufigkeit des Liedes in ohnehin gewaltbereiten Karaokebars, andere in den aggressiven Textzeilen.

Ein besonders tragischer Fall wird für den 29. Mai 2007 berichtet. Ein 29-jähriger Karaoke-Sänger soll in einer Bar von einem Sicherheitsbeamten erschossen worden sein, weil er „My Way“ verstimmt gesungen habe. Datum und genaue Umstände lassen sich allerdings nicht sicher bestätigen. Viele Filipinos, selbst Liebhaber des Liedes, singen es aus Aberglauben oder Vorsicht nicht mehr in der Öffentlichkeit.

### „Gloomy Sunday“: der ungarische Selbstmord-Song

Der ungarische Komponist Rezső Seress schrieb „Szomorú vasárnap“, international bekannt als „Gloomy Sunday“, Anfang der 1930er Jahre, im Jahr 1933, mit einem Text von László Jávor. Seress steckte damals in einer tiefen Krise: Seine Karriere stagnierte, und die Frau, die er liebte, hatte ihn verlassen. An seinem Klavier entstand eine Melodie, die er selbst kaum loslassen konnte. Sie wurde sein größter Erfolg, doch der Ruhm soll von düsteren Ereignissen begleitet worden sein. Weltweit berichteten Zeitungen von Menschen, die sich das Leben nahmen und dabei Notenblätter oder Abschiedsbriefe mit Zeilen des Liedes hinterließen. Bald sprach man vom „ungarischen Selbstmordlied“.

1936 wurde das Lied erstmals mit englischem Text von Sam M. Lewis aufgenommen, unter anderem von Hal Kemp. Lewis' Worte griffen den Suizid auf, während frühere Fassungen eher die Verzweiflung des Krieges thematisierten. 1941 coverte Billie Holiday das Stück. Der Überlieferung nach soll diese Version eine weitere Welle von Selbstmorden ausgelöst haben, doch das ist legendär und nicht belegt. Richtig ist, dass das Lied zeitweise seltener im Radio gespielt wurde. Die oft genannte Behauptung, die BBC habe es bis 2002 verboten, ist historisch umstritten und gilt als Legende.

Und der Komponist selbst? Seress sprang 1968 in Budapest aus einem Fenster, überlebte den Sturz und tötete sich später im Krankenhaus, indem er sich mit einem Draht erdrosselte. Die Frau, die ihn verließ und ihn angeblich inspirierte, soll sich ebenfalls das Leben genommen haben; historisch ist das nicht gesichert.

### „Insha Ji Utho“: ein Fluch über zwei Generationen

Der pakistanische Dichter Ibn-e-Insha schrieb das Gedicht „Insha Ji Utho“ in den frühen 1970er Jahren. Es erzählt von einem Mann, der in einer kalten, sinnentleerten Existenz verloren ist. Trotz der düsteren Stimmung verliebte sich der Sänger Amanat Ali Khan in die Verse und vertonte sie. Mit Inshas Erlaubnis trug er das Lied im Januar 1974 im pakistanischen Fernsehen vor. Es wurde sein größter Erfolg, und binnen weniger Tage war Khan berühmter denn je. Nur wenige Monate später starb er plötzlich.

Vier Jahre nach der Veröffentlichung, 1978, starb Ibn-e-Insha. Angeblich soll ihn ein Krebsleiden im Alter von 50 Jahren dahingerafft haben, doch Todesursache und Alter sind nicht sicher bestätigt. Der Fluch schien weiterzugehen: Jahre später wurde Khans Sohn Asad Amanat Ali ein erfolgreicher Sänger. Bei einem Konzert 2006 soll er die Show mit „Insha Ji Utho“ beendet haben. Nur Monate später starb auch er. Nach anderen Angaben starb Asad Amanat Ali 2007, nicht 2006; die Umstände dieses letzten Konzerts sind nicht sicher belegt. Khans dritter Sohn, Shafqat Amanat Ali, ebenfalls Sänger, soll geschworen haben, diese Melodie nie wieder anzustimmen.

### „Without You“: eine Ballade mit schwerem Erbe

Im Jahr 1970 fügten Pete Ham und Tom Evans, zwei Mitglieder der Band Badfinger, zwei Lieder über ihre Beziehungsprobleme zu der herzzerreißenden Ballade „Without You“ zusammen. Beide waren Hauptautoren des Songs. Der Singer-Songwriter Harry Nilsson hörte das damals noch wenig bekannte Stück bei einem Freund und war so begeistert, dass er eine eigene Version aufnahm. Er haderte mit den hohen Tönen und begann das Lied bald zu hassen. Dennoch wurde es 1971 für ihn ein internationaler Hit.

Ham und Evans erging es weit schlechter. Sie kämpften mit finanziellen und rechtlichen Problemen. Ham starb 1975 durch Suizid, Evans 1983, ebenfalls durch Suizid, beide in jungen Jahren. Nilsson erlag 1994 einem Herzinfarkt; Mariah Careys Cover erschien ebenfalls 1994, sodass die oft genannte Abfolge „kurz vor“ ungenau ist.

### „Music Must Change“: The Who und der frühe Tod von Keith Moon

Manche Liederflüche treffen ihre Opfer sehr gezielt. Der Who-Sänger Roger Daltrey erzählte 2015 in einem Interview mit Howard Stern bei Sirius XM, das Problem habe begonnen, als Schlagzeuger Keith Moon den Rhythmus von „Music Must Change“ nicht richtig halten konnte. Moons ungewöhnlicher Stil passte nicht zum Takt des Stücks, und er kämpfte zugleich mit schweren Suchtproblemen. Für das Album „Who Are You“ von 1978 wurde daher ein anderer Musiker für die Drum-Aufnahmen engagiert. Am 7. September 1978, nur einen Monat nach Veröffentlichung des Albums, starb der 32-jährige Moon an einer versehentlichen Überdosis des Beruhigungsmittels Heminevrin, das er zum Ausstieg aus dem Alkohol genommen hatte. Danach spielte die Band „Music Must Change“ 1981 nur wenige Male und legte das Stück früh zu den Akten.

Als The Who das Lied für ihre Tournee 2002 wieder aufnehmen wollten, starb Bassist John Entwistle am 27. Juni 2002, nur einen Tag vor Tourneebeginn. Ein direkter Bezug zu „Music Must Change“ ist nicht sicher belegt, doch für Daltrey war das Anlass genug, das Lied endgültig ruhen zu lassen.

### Alexander Skrjabin und seine sechste Klaviersonate

Der russische Komponist Alexander Skrjabin war für seinen innovativen Stil und seine zehn Klaviersonaten bekannt. Im Jahr 1911 schrieb er ein Werk, das ihn selbst erschreckte. In seiner von Faubion Bowers verfassten Biografie beschrieb er seine sechste Sonate als „Albtraum“, „schmutzig“ und „schelmisch“. Skrjabin fürchtete das eigene Stück so sehr, dass er es nie öffentlich spielte. Wenn er es Freunden vorspielte, wirkte er sichtlich verstört und zitterte mitunter körperlich.

Bowers führte die düstere Wirkung auf die eindringlichen kleinen Terzen und die verstörenden Harmonien zurück. Manche deuteten das Werk als Vorboten des großen Krieges in Europa, der 1914 ausbrach. Solche Deutungen sind spekulativ und nicht belegt. Skrjabin starb am 27. April 1915 an einer Blutvergiftung, ausgelöst durch eine rätselhafte Wunde an seiner Lippe, auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn.

### Fazit: Fluch oder Zufall?

Ob diese unheilvollen Melodien wirklich Unheil bringen, lässt sich nicht beweisen. Was bleibt, sind Geschichten von frühen Toden, zerbrochenen Karrieren und tragischen Zufällen, die sich um einige Lieder ranken. Vielleicht ist es reiner Zufall, vielleicht die Macht der Erzählung. Fest steht: Diese Lieder klingen anders, wenn man ihre Geschichte kennt.

Hinweis der Redaktion: Nicht bestätigte Angaben sind im Text ausdrücklich als Legende oder unbelegt gekennzeichnet.


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