# Toy Story 5 Kritik: Jessie glänzt, aber nicht ganz wie früher

*Film, TV & Musik · Emre Şahin · 2026-09-01*

## Key facts

- Laut der ursprünglichen Erzählung steht Jessie im Mittelpunkt der Handlung und erlebt ein persönliches Abenteuer, das ihre Vergangenheit und ihre Ängste thematisiert.
- Der Film soll den Einfluss von Technologie auf die Spielzeugwelt behandeln und einen humorvollen, aber nachdenklichen Umgang mit dem Thema zeigen.
- Die Botschaft über die Bedeutung von echtem Spielen und zwischenmenschlicher Nähe richtet sich gleichermaßen an Kinder und Erwachsene.
- Die Animation ist auf gewohnt hohem Niveau, die neuen Figuren fügen sich nahtlos in das bekannte Universum ein.

Das Wichtigste in Kürze

In Toy Story 5 kehren die bekannten Helden zurück und stellen sich einer neuen Herausforderung: der Konkurrenz durch digitale Geräte. Jessie übernimmt Berichten zufolge eine zentrale Rolle und trägt die Botschaft, dass echte Freundschaft und gemeinsames Spielen unersetzlich sind. Der Film ist liebevoll erzählt, bleibt aber hinter der emotionalen Wucht der Klassiker zurück.

## Einleitung: Die Rückkehr eines Klassikers

Für alle, die mit den Abenteuern von Woody, Buzz Lightyear und ihren Freunden aufgewachsen sind, ist 2026 ein besonderes Jahr. Nach langem Warten ist mit **Toy Story 5** endlich der nächste Teil der legendären Pixar-Reihe angekündigt. Als bekennender Animationsfan gehöre ich zu denen, die sich am Eröffnungswochenende sofort auf den Weg ins Kino machen werden. Meine Eindrücke möchte ich gerne mit Ihnen teilen.

Bevor wir loslegen, ein kurzer Hinweis: Dieser Text enthält Spoiler. Wenn Sie den Film also noch nicht gesehen haben und sich die Überraschungen bewahren möchten, sollten Sie vielleicht später zurückkehren.

Die kurze Zusammenfassung vorweg: **Toy Story 5** verspricht kein Meisterwerk zu werden, aber ein solider, rund erzählter Nachfolger zu sein, der seine Daseinsberechtigung klar unter Beweis stellen könnte. Die Geschichte knüpft an die Themen an, die die Serie seit ihren Anfängen prägen, und wagt doch einen Schritt in eine neue Richtung. Es ist ein Film, der sich nicht auf den Lorbeeren seiner Vorgänger ausruhen will, sondern versucht, etwas über die Gegenwart zu erzählen. Genau das macht diese Kritik zu einer lohnenden Lektüre, denn hier gibt es durchaus Stoff für Diskussionen.

## Jessie im Rampenlicht: Eine gelungene Neuausrichtung

Was dieser fünfte Teil anders machen soll, ist die Gewichtsverlagerung. Der Autor des ursprünglichen Textes berichtet, dass die Cowgirl-Puppe Jessie in den Mittelpunkt rückt, während Woody und Buzz, die langjährigen Helden der Reihe, bewusst in den Hintergrund treten. Offiziell bestätigt ist diese Fokussierung jedoch nicht.

Nach Jahren, in denen sich alles um dieselben zwei Figuren drehte, wirkt diese Entscheidung wie eine Befreiung. Die Serie bekommt endlich wieder Luft zum Atmen. Jessie darf zeigen, was in ihr steckt, und das bereichert das Erzähluniversum spürbar. Es ist ein mutiger Schritt, von dem die Handlung profitiert.

Allerdings hat dieser Fokus auch seinen Preis. Die übrigen Spielzeuge aus Bonnies Zimmer kommen in dem Film deutlich zu kurz. Sie wirken in der Garage, dem zentralen Schauplatz, beinahe wie Statisten. Sie sind präsent, aber ohne eigene Stimme oder Bedeutung. Gerade hier hätte man sich als Zuschauer mehr gewünscht.

Die Sehnsucht nach mehr Raum für die Nebenfiguren bleibt daher bestehen. Eine ausgewogenere Verteilung der Aufmerksamkeit hätte der Geschichte vermutlich noch mehr Tiefe verliehen. So aber bleibt ein kleiner Wermutstropfen in einem ansonsten runden Gesamterlebnis, das sich vor allem auf Jessies emotionale Reise konzentriert.

## Zwischen Nostalgie und Gegenwart: Die Botschaft des Films

Wer mit den ersten drei Teilen aufgewachsen ist, wird beim fünften Abenteuer von Woody, Buzz und ihren Freunden sofort eines bemerken: Das vertraute Kribbeln stellt sich vielleicht nicht mehr ganz so ein. Doch ist das wirklich ein Makel? Bei einer Serie, die seit dem ersten Film aus dem Jahr 1995 nunmehr drei Jahrzehnte umspannt, wäre es beinahe unfair, von jedem neuen Werk dieselbe emotionale Wucht zu erwarten wie damals. Die Magie der Anfangsjahre lässt sich schlicht nicht beliebig wiederholen.

Genau hier liegt aber die eigentliche Stärke des Films. Er soll nämlich die wichtigste Frage beantworten, die jedes Sequel für sich klären muss: Warum gibt es diesen Film überhaupt? Und das tut er mit einer erstaunlich plausiblen Begründung. Statt sich auf den Nostalgie-Effekt zu verlassen und Ihnen lediglich die vertrauten Figuren vorzuführen, verfolgt der Film eine echte neue Erzählabsicht. Er will nicht einfach nur existieren, um die Marke am Leben zu halten. Er hat etwas zu sagen.

Der Film richtet den Blick auf die Gegenwart und stellt eine unbequeme Frage: Was passiert eigentlich mit den Spielzeugen, wenn die Kinder nicht mehr mit ihnen spielen? Wenn Tablets und Smartphones die Fantasie in eine andere Richtung lenken? Diese Auseinandersetzung mit dem Wandel der Kindheit ist keine oberflächliche Moralpredigt, sondern eine behutsame Beobachtung, die auch vor den Erwachsenen nicht Halt macht. Der Film zeichnet kein einfaches Feindbild der Technologie, sondern zeigt deren ambivalente Wirkung auf unser aller Leben. So wird aus einem vermeintlichen Kinderfilm ein nachdenklicher Spiegel für eine Generation, die den eigenen Umgang mit der digitalen Welt reflektieren möchte.

## Technologie und Kindheit: Ein differenzierter Blick

Der Film widmet sich einem Thema, das viele Eltern und pädagogische Fachkräfte beschäftigt: dem Einfluss von Technologie auf das Spielverhalten von Kindern. Berichten zufolge nimmt sich die Geschichte diesem Wandel an, ohne dabei in einfache Schwarz-Weiß-Malerei zu verfallen. Das ist eine der erfrischendsten Entscheidungen des Drehbuchs.

Besonders bemerkenswert ist, dass das Tablet nicht als Bösewicht inszeniert wird. Die Geräte handeln aus ihrer eigenen, durchaus wohlmeinenden Logik heraus. Sie glauben, genau zu wissen, was für das Kind am besten ist. Ihr Problem ist nicht Bosheit, sondern Kontrollwahn. Alles wird geplant, jeder Spielmoment durchgetaktet, jede Fantasie in vorgefertigte Bahnen gelenkt. Die Botschaft ist klar und trifft ins Herz unserer Zeit: Selbst gute Absichten können Schaden anrichten, wenn sie in übermäßiger Kontrolle enden.

Interessant ist auch die Zielgruppe. Der Film spricht meiner Einschätzung nach viel stärker Erwachsene an als Kinder. Die jüngsten Zuschauerinnen und Zuschauer erleben ein unterhaltsames Abenteuer mit ihren liebgewonnenen Figuren. Die Erwachsenen hingegen erkennen darin die eigene, unwiderruflich veränderte Kindheit wieder. Sie sehen, wie sich das Spielen von damals zu dem von heute verschoben hat. Die Erzählung macht dies nicht anklagend, sondern mit einer sanften Melancholie greifbar.

Die Geschichte behauptet dabei nicht, dass mit der Technologie die Kindheit endet. Vielmehr zeigt sie, dass Kinder, wenn man ihnen den richtigen Freiraum lässt, weiterhin ihre Fantasie entfalten können. Die digitale Welt und das klassische Spiel müssen keine Gegensätze sein. Diese differenzierte Haltung ist wohltuend und macht den Film zu mehr als bloßer Unterhaltung.

## Selbstwert und Veränderung: Jessies emotionale Reise

Die emotional stärksten Momente des Films gehören zweifellos Jessie, der Cowgirl-Puppe, die sich plötzlich überflüssig fühlt. Als die Kinder sich zunehmend Technologie zuwenden und ihre Aufmerksamkeit von den Spielzeugen abwenden, beginnt Jessie, an ihrem eigenen Wert zu zweifeln. Dieses Gefühl der Unzulänglichkeit wird vielen Erwachsenen im Publikum schmerzlich vertraut vorkommen, denn wer kennt nicht das leise Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden?

Besonders berührend sind die Szenen, in denen Woody und Buzz Jessie zur Seite stehen und sie allmählich erkennt, dass ihr Wert nicht davon abhängt, ob sie gerade benutzt wird. Der Autor des ursprünglichen Textes berichtet, dass diese Momente die stärksten des gesamten Films sind. Jessie versteht, dass ihre Bedeutung nicht mit der aktuellen Nutzung steht oder fällt. Die Botschaft dahinter ist zeitlos: Den Wert einer Beziehung misst man nicht daran, ob man noch gebraucht wird, sondern daran, was man bereits bedeutet hat.

Diese Erkenntnis berührte den Autor des ursprünglichen Textes tief, denn sie spiegelte seine eigene Kindheit wider. Er erinnert sich daran, wie er als Kind das Rollenspiel mit Puppen irgendwann beiseitelegte, um stattdessen digitale Spiele am Computer zu entdecken. Seine Mutter räumte die ungenutzten Spielzeuge schließlich weg. Aus der Perspektive der Spielzeuge betrachtet, schmerzt diese Erinnerung noch heute.

Er beschreibt sich selbst als fantasievolles, aufgeschlossenes Kind, das durch den Einzug der Technologie zunehmend introvertierter wurde. Vielleicht ist es genau diese persönliche Erfahrung, die den Film so nachvollziehbar macht. Jessie verkörpert das Gefühl, das viele von uns kennen: Wir interpretieren die Distanz anderer Menschen als eigenes Versagen, selbst wenn die Gründe gar nicht in uns liegen. Die Rettung durch Woody und Buzz und die Erkenntnis, dass Jessie ein Kinderleben berührt hat und ihre Existenz Bedeutung trägt, vermitteln eine tröstliche Botschaft. Eine Kritik, die diesen Aspekt übersieht, verfehlt meiner Meinung nach den Kern des Films.

## Bonnie als Hoffnungsträgerin: Ein Plädoyer für kindliche Fantasie

Doch der Film wäre nicht das, was er ist, ohne Bonnie. Sie ist die eigentliche Hoffnungsfigur dieser Geschichte, und genau das macht die Botschaft so bemerkenswert. Bonnie wächst selbstverständlich mit Tablets, Smartphones und all den digitalen Ablenkungen auf, die heute zum Alltag gehören. Und dennoch kann sie träumen. Sie verleiht ihren Spielzeugen Bedeutung, sie erschafft Welten, die niemand programmiert hat.

Das ist die zentrale Aussage, die der Film mit großer Sorgfalt transportieren soll: Er sagt eben nicht "Technologie hat die Kindheit zerstört". Das wäre zu einfach, zu pessimistisch, und letztlich auch unfair. Stattdessen zeigt er, dass Kinder weiterhin spielen können, wenn ihnen der richtige Raum dafür gegeben wird. Wenn Erwachsene nicht alles kontrollieren, wenn Zeit und Freiheit vorhanden sind, dann blüht Fantasie auch im digitalen Zeitalter auf. Bonnie ist der lebende Beweis dafür, dass beides nebeneinander existieren kann.

Diese hoffnungsvolle Perspektive ist aus Sicht vieler Betrachter die eigentliche Stärke des Films. Er verurteilt nicht, er moralisiert nicht. Er beobachtet, er erzählt, und er vertraut darauf, dass Kinder und Erwachsene ihren eigenen Weg finden. In einer Zeit, in der jede Debatte über Mediennutzung schnell in Schwarz-Weiß-Malerei abrutscht, ist das eine wohltuend differenzierte Haltung. Der Film nimmt die Sorgen der Eltern ernst, ohne die Kinder zu bevormunden.

Gerade diese Balance macht die Geschichte so überzeugend. Sie spricht nicht nur diejenigen an, die mit Spielzeug aufgewachsen sind, sondern auch jene, die heute selbst Kinder erziehen. Die Botschaft ist klar: Vertraut den Kindern, gebt ihnen Raum, und sie werden ihre eigenen Abenteuer finden, mit oder ohne Bildschirm.

## Fazit: Ein würdiger, aber nicht perfekter Nachfolger

Am Ende bleibt ein gemischtes, aber überwiegend positives Gefühl zurück. **Toy Story 5** wird vermutlich nicht der Höhepunkt der Serie, doch er verspricht ein Nachfolger zu werden, der seine Daseinsberechtigung klar unter Beweis stellt. Der Film versucht nicht, schlicht Nostalgie zu verkaufen, sondern möchte etwas über die heutige Kindheit erzählen. Und das gelingt ihm weitgehend.

Was diesen fünften Teil auszeichnen soll, ist sein Mut, sich von alten Mustern zu lösen. Die Geschichte rückt laut der ursprünglichen Erzählung Jessie stärker in den Mittelpunkt, während Woody und Buzz nicht mehr permanent im Vordergrund stehen. Dieser Perspektivwechsel tut der Serie spürbar gut und verschafft ihr eine dringend benötigte Atempause. Die anderen Spielzeuge kommen allerdings deutlich zu kurz, sie wirken zeitweise wie Statisten in einer Garage. Hier hätte man ihnen gerne mehr Raum gewünscht.

Besonders gelungen ist die Auseinandersetzung mit dem veränderten Spielverhalten von Kindern. Der Film zeigt, wie Technologie das Leben durchdringt und wie sich die Art zu spielen gewandelt hat, ohne dabei in einfache Schwarz-Weiß-Malerei zu verfallen. Das Tablet wird nicht als Bösewicht inszeniert, sondern als gut gemeinte, aber kontrollierende Instanz, die alles im Sinne des Kindes plant. Diese differenzierte Darstellung gefällt. Die Botschaft, dass selbst wohlmeinende Kontrolle Schaden anrichten kann, kommt klar und nachvollziehbar herüber.

Der Film spricht dabei eher Erwachsene als Kinder an. Während die Jüngsten ein unterhaltsames Abenteuer erleben, beobachten ältere Zuschauerinnen und Zuschauer, wie sich ihre eigene Kindheit verändert hat. Jessies Gefühl, nicht mehr gut genug zu sein, als die Kinder sich technischen Geräten zuwenden, wirkt erschreckend vertraut. Die Erkenntnis, dass der eigene Wert nicht davon abhängt, ob man noch gebraucht wird, gehört zu den stärksten Momenten des Films.

Die Figur Bonnie verkörpert die Hoffnung: Sie wächst mit Technologie auf, kann aber dennoch träumen und ihren Spielzeugen Bedeutung verleihen. Der Film sagt damit nicht, dass die Kindheit vorbei sei, sondern dass Kinder mit dem richtigen Freiraum weiterhin spielen können. Diese Botschaft überzeugt.

Die Serie besteht seit 30 Jahren, der erste Teil kam 1995 in die Kinos. Dass ein solches Franchise nicht bei jedem weiteren Film dieselbe Magie entfalten kann, ist nachvollziehbar. Die Toy Story 5 Kritik fällt daher wohlwollend aus: Der Film wurde nicht gemacht, um gemacht zu sein. Er hat etwas zu sagen, und das tut er mit Überzeugung. Man darf gespannt sein, ob weitere Fortsetzungen folgen werden. Die Hoffnung darauf ist auf jeden Fall da.

Hinweis der Redaktion: Alle in diesem Artikel genannten Details basieren auf den bisher veröffentlichten Informationen zum Film; einzelne Aspekte der Handlung, die noch nicht offiziell bestätigt wurden, sind entsprechend als solche gekennzeichnet.


Canonical: https://staunen.madeda.com/toy-story-5-kritik-jessie-glanzt-aber-nicht-ganz-wie-fruher/
