# Sturgeon-Gesetz: Warum 90 Prozent von allem Müll sind

*Kultur, Kunst & Literatur · Zeynep Arslan-Wagner · 2026-10-15*

## Key facts

- Theodore Sturgeon war ein amerikanischer Science-Fiction-Autor, der den Gedanken 1958 in einer Debatte über die Qualität seines Genres äußerte.
- Kernaussage: In nahezu jeder Kategorie ist die große Mehrheit der Erzeugnisse mittelmäßig oder schlecht, während nur ein kleiner Teil herausragt.
- Das Gesetz ist als Beobachtung und Faustregel gedacht, nicht als exakt berechnete Quote.
- Es gilt ausdrücklich für alle Bereiche, nicht nur für Science-Fiction, und entlastet den Einzelnen von der Erwartung, alles prüfen zu müssen.
- Als mentales Modell hilft es, Aufmerksamkeit bewusst auf die wenigen lohnenden Beiträge zu lenken.

Das Wichtigste in Kürze

Das Sturgeon-Gesetz geht auf den amerikanischen Science-Fiction-Autor Theodore Sturgeon zurück und besagt, dass rund 90 Prozent jeder Sache minderwertig ist. Er formulierte es 1958 als Antwort auf die Kritik, Science-Fiction sei Massenware ohne Wert. Die genaue Zahl ist als griffige Faustregel zu verstehen, nicht als Messergebnis.

## Warum 90 Prozent von allem Müll sind und was das Sturgeon-Gesetz damit zu tun hat

Viele kennen das Gefühl: Man zappt durch die Kanäle und bleibt nirgends hängen. Man öffnet eine Zeitschrift und blättert weiter. Man sitzt in einem Vortrag und schaut auf die Uhr. Irgendwann kommt die Frage auf: Ist das nur heute so, oder ist das immer so?

Der Science-Fiction-Autor Theodore Sturgeon hätte darauf eine klare Antwort gehabt. Er lebte von 1918 bis 1985 und veröffentlichte mehr als 200 Kurzgeschichten. Im Jahr 2000 wurde er in die Science Fiction and Fantasy Hall of Fame aufgenommen. Doch berühmt wurde er nicht nur durch seine Erzählungen, sondern durch einen einzigen Satz.

Das **Sturgeon-Gesetz** besagt: 90 Prozent von allem sind Müll. Klingt hart? Vielleicht. Aber genau diese Beobachtung machte Sturgeon zu einer vielzitierten Figur, ohne dass er je einen Bestseller über Selbstoptimierung geschrieben hätte.

### Wie es zu dieser Maxime kam

Der Überlieferung nach formulierte Sturgeon den Gedanken 1958, in einem Beitrag, in dem er sich gegen die pauschale Verachtung der Science-Fiction zur Wehr setzte. Das Jahr gilt als wahrscheinlich, ist aber nicht restlos belegt, und ob es sich um eine Zeitung oder eine Zeitschrift handelte, bleibt unklar.

Damals galt Science-Fiction vielen Kritikern als billige Unterhaltung. Man beurteilte das ganze Genre nach seinen schlechtesten Beispielen. Sturgeon fand das unfair. Seine Verteidigung war ebenso elegant wie provokant: Wenn man behauptet, 90 Prozent der Science-Fiction seien Schrott, dann gilt derselbe Maßstab auch für Filme, für Literatur, für Konsumgüter. Kurz gesagt: für alles.

Aus dieser Beobachtung wurde eine Maxime, die schnell ein Eigenleben entwickelte. Sie lautet in ihrer klassischen Form: 90 Prozent von allem sind Müll. Kein Urteil über ein einzelnes Werk, sondern eine Aussage über die Verteilung von Qualität in der Welt.

### Was das für Ihren Alltag bedeutet

Stellen Sie sich vor, Sie suchen nach einer verlässlichen Antwort auf eine wichtige Frage. Sie lesen zehn Artikel, hören drei Podcasts, scrollen durch unzählige Kommentare. Wie viel davon hilft Ihnen wirklich weiter?

Das Sturgeon-Gesetz sagt: Vermutlich sehr wenig. Der größte Teil dessen, was uns täglich begegnet, ist belanglos, schlecht gemacht oder schlicht falsch. Das ist keine Anklage gegen die Menschheit. Es ist eine Beobachtung darüber, wie Qualität sich verteilt.

Und daraus folgt etwas Befreiendes. Wenn neun von zehn Dingen ohnehin nicht taugen, müssen Sie sich nicht durch sie hindurchquälen. Sie dürfen sie getrost ignorieren. Sie dürfen aufhören zu lesen, wegzappen, den Raum verlassen. Ihre Zeit ist zu kostbar, um sie mit dem Durchschnitt zu verbringen.

### Ein Missverständnis, das sich hartnäckig hält

Immer wieder wird das Sturgeon-Gesetz als eine Spielart des Pareto-Prinzips dargestellt. Das ist nicht korrekt. Beide Prinzipien mögen sich oberflächlich ähneln, doch sie stammen aus völlig verschiedenen Zusammenhängen und treffen unterschiedliche Aussagen. Das Pareto-Prinzip beschreibt eine Verteilung von Wirkung und Aufwand. Das Sturgeon-Gesetz beschreibt etwas anderes: die schlichte Tatsache, dass die Mehrheit des Produzierten wenig wert ist, ganz gleich, um welchen Bereich es geht.

Wer das verwechselt, verliert den eigentlichen Punkt aus den Augen. Es geht nicht um Effizienz. Es geht um Aufmerksamkeit.

## Ein Autor, der sich wehren musste: Die Geburtsstunde einer Maxime

Stellen Sie sich das Jahr 1958 vor. Science-Fiction gilt in weiten Kreisen noch als billige Massenware, als Schundheftchen für Jugendliche, nicht als Literatur. Wer sich zu diesem Genre bekannte, musste mit Spott rechnen. Genau in dieser Lage stand Theodore Sturgeon, ein amerikanischer Schriftsteller, der das Fach, das man gering schätzte, seit Jahren mit ernsthafter Handwerkskunst bediente. Und er hatte genug davon, dass man seine Zunft an ihren schwächsten Vertretern maß.

Der Überlieferung nach reagierte Sturgeon 1958 in einem Beitrag auf genau diese Kritiker. Man beurteilte das Genre, so sein Eindruck, immer nur nach den schlechtesten Beispielen. Also drehte er den Spieß um: Wenn man sage, neunzig Prozent der Science-Fiction seien Schrott, dann gelte dieselbe Messlatte für Filme, für Literatur, für Konsumgüter. Neunzig Prozent von allem seien Schrott. Aus diesem Einwand wurde eine Maxime, die ein Eigenleben führte: das **Sturgeon-Gesetz**. Die genaue Publikationsform dieses Beitrags ist übrigens nicht restlos gesichert; das Jahr 1958 gilt als wahrscheinlich, ob es sich um eine Zeitung oder eine Zeitschrift handelte, bleibt unklar.

Wer war dieser Mann, der sich so zur Wehr setzte? Sturgeon war alles andere als ein Gelegenheitsschreiber. Er veröffentlichte mehr als 200 Kurzgeschichten und wurde für sein Werk mehrfach ausgezeichnet. Sein Ansehen wuchs über die Jahrzehnte so weit, dass er im Jahr 2000, fünfzehn Jahre nach seinem Tod im Jahr 1985, in die Science Fiction and Fantasy Hall of Fame aufgenommen wurde. Ein Autor, der einst um Anerkennung ringen musste, stand nun in einer Ruhmeshalle seines Fachs.

Was als Verteidigungsrede gegen überhebliche Kritik begann, wurde zu einem Werkzeug für den Alltag. Der Kern der Aussage ist ebenso schlicht wie unbequem: Der größte Teil dessen, was wir lesen, hören, sehen und kaufen, ist mittelmäßig oder schlechter. Das ist keine Klage, sondern eine Einladung. Wer das weiß, muss sich nicht an jedem schwachen Beispiel abarbeiten. Er kann seine Zeit und seine Aufmerksamkeit auf jene Minderheit richten, die wirklich trägt.

So wurde aus der Notwehr eines Science-Fiction-Autors eine Denkfigur, die längst über ihr Ursprungsfach hinausreicht. Sie erinnert daran, dass Qualität die Ausnahme ist und nicht die Regel, und dass es klug ist, danach zu suchen, statt sich vom Rest aufhalten zu lassen.

## Was das Sturgeon-Gesetz im Alltag leistet

Stellen Sie sich vor, Sie öffnen morgens Ihr Telefon und werden von Nachrichten, Videos und Kommentaren geradezu überschwemmt. Das Sturgeon-Gesetz hilft Ihnen genau hier: als Denkmodell, mit dem Sie Informationen und Medien bewusst selektiv nutzen, statt sich von der schieren Menge erdrücken zu lassen. Der Kern lautet, dass 90 Prozent von allem Müll sind. Das klingt hart, ist aber befreiend.

Denn wenn diese neunzig Prozent ohnehin nicht viel taugen, müssen Sie sich nicht mit ihnen aufhalten. Sie dürfen sie getrost ignorieren. Die eigentliche Arbeit besteht darin, die wertvollen zehn Prozent aufzuspüren: die klugen Gedanken, die tragfähigen Quellen, die Gespräche, die Ihnen wirklich etwas geben. Wer das einmal verinnerlicht hat, konsumiert anders. Sie werden skeptischer, aber auch gelassener.

### Warum der Blick auf die zehn Prozent so viel verändert

Das Sturgeon-Gesetz wirkt auf zwei Ebenen. Erstens schärft es den Blick dafür, dass ein großer Teil dessen, was uns täglich begegnet, schwach begründet, belanglos oder schlicht falsch ist. Zweitens erinnert es daran, dass es sich nicht lohnt, an diesen schwachen Teilen hängenzubleiben. Statt über jede schlechte Sendung, jedes hohle Argument und jede endlose Debatte Energie zu verlieren, richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf das, was Bestand hat.

Diese Haltung ähnelt einem alten Werkzeug des klaren Denkens, dem Prinzip der Sparsamkeit, das als Occams Rasiermesser bekannt ist. Beide Modelle sagen dasselbe auf unterschiedliche Weise: Unnötige Details schwächen den Kern. Wer sich in Nebensächlichkeiten verliert, verliert das Wesentliche aus den Augen. Das Sturgeon-Gesetz macht daraus eine praktische Regel für den Alltag.

### Ein nüchterner Blick auf die Ausnahmen

So nützlich die Faustregel ist, so wenig ist sie ein Naturgesetz. Jeder Mensch bewertet anders. Was für Sie nach Zeitverschwendung aussieht, kann für jemand anderen wertvoll sein. Auch die Zahl selbst ist nicht in Stein gemeißelt. In manchen Bereichen liegt der Anteil niedriger, vielleicht bei fünfundsiebzig Prozent statt neunzig. Und selbst die guten zehn Prozent sind nicht durchweg makellos. Ein Teil davon ist bloß überdurchschnittlich.

Trotzdem bleibt das Modell wertvoll. Es klärt den Kopf, es vereinfacht, und es bremst die Neigung des Denkens, sich in unwichtige Richtungen zu zerstreuen. Genau darin liegt sein praktischer Nutzen.

### Wenn Sie das nächste Mal gelangweilt sind

Erinnern Sie sich an das Sturgeon-Gesetz, wenn Sie eine Aufführung nicht genießen, in einer Besprechung Zeit verlieren, sich in einem Gespräch langweilen oder ein Buch nicht zu Ende lesen können. Sehr wahrscheinlich sind Sie gerade auf jenen Teil gestoßen, der ohnehin aussortiert gehört. Verschwenden Sie Ihre Zeit nicht damit. Suchen Sie stattdessen die zehn Prozent, die es wirklich wert sind.

Und eine letzte Regel: Wenn Sie unsicher sind, ob etwas gut oder Unsinn ist, dann ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit Unsinn. Ein verwandtes Prinzip stammt von Alberto Brandolini, einem italienischen Computerprogrammierer. Seine 2013 formulierte Brandolini-Regel besagt, dass die Widerlegung von Unsinn stets mehr Aufwand erfordert als dessen Produktion. Deshalb ist die Entscheidung, womit Sie sich überhaupt befassen, oft wertvoller als die Auseinandersetzung selbst.

## Grenzen, Ausnahmen und die Brandolini-Regel

So einprägsam die Formel vom **Sturgeon-Gesetz** auch klingt, sie ist keine Naturkonstante. Die berühmten 90 Prozent sind eine Zuspitzung, kein Messwert. Je nach Bereich und je nachdem, wen Sie fragen, kann das Verhältnis auch bei 75 Prozent liegen. Und selbst die verbleibenden zehn Prozent sind nicht automatisch Gold: Ein Teil davon ist lediglich leicht überdurchschnittlich, solide statt herausragend. Die Grenze zwischen „Müll" und „gut" verläuft ohnehin bei jedem Menschen anders. Was für die eine nur Lärm ist, kann für den anderen ein Schlüsselwerk sein.

Genau deshalb taugt das Gesetz nicht als Urteil über einzelne Werke. Es taugt als Filter. Sie dürfen getrost davon ausgehen, dass ein großer Teil dessen, was Ihnen täglich begegnet, verzichtbar ist. Die eigentliche Frage lautet dann nicht mehr: „Ist das gut?" Sondern: „Lohnt es sich, hier weiterzulesen, weiterzuhören, weiterzudiskutieren?"

Und genau an dieser Stelle wird es unangenehm. Denn manche Dinge sind nicht einfach nur schwach. Sie sind falsch, irreführend, geradezu absurd. Wer sie widerlegen will, zahlt einen hohen Preis.

### Die Brandolini-Regel: Warum Unsinn billig ist und Widerlegung teuer

Der italienische Computerprogrammierer Alberto Brandolini brachte diese Asymmetrie 2013 auf den Punkt. Seine Beobachtung: Eine Behauptung aus dem Nichts zu produzieren, kostet kaum Aufwand. Sie zu widerlegen, verschlingt dagegen ein Vielfaches an Zeit, Mühe und Ressourcen. Diese Einsicht wird heute als Brandolini-Regel bezeichnet, gelegentlich auch als Prinzip der Asymmetrie des Unsinns.

Sie kennen das aus dem Alltag. Ein Satz, hingeworfen in einer Diskussion, und schon sitzen Sie eine Stunde später über Zahlen, Quellen und Gegenbeispielen, nur um festzustellen, dass die ursprüngliche Behauptung längst weitergewandert ist. Der Aufwand ist ungleich verteilt, und das ist kein Zufall, sondern System.

> Mit wenigen Worten gesagt: Unsinn zu erzeugen kostet kaum Energie, ihn zu entkräften ein Vielfaches davon.

Verbinden Sie beide Gedanken, ergibt sich eine nüchterne Konsequenz. Wenn ohnehin ein großer Teil des Materials wertlos ist und die Widerlegung des Wertlosen zusätzlich teuer wird, dann ist die wichtigste Entscheidung nicht die im Streit, sondern die davor: Womit beschäftigen Sie sich überhaupt? Diese Wahl ist meist wertvoller als jede gewonnene Debatte.

Ein verbreitetes Missverständnis sollten Sie dabei vermeiden. Das Sturgeon-Gesetz ist keine schärfere Fassung des Pareto-Prinzips. Die beiden Prinzipien stammen aus völlig verschiedenen Zusammenhängen und sagen Unterschiedliches aus. Die 90 Prozent bei Sturgeon sind eine bewusst zugespitzte Kulturkritik, keine Verteilungsregel über Ursachen und Wirkungen.

Was bleibt, ist ein Werkzeug zur Selbstverteidigung. Nicht jede schlechte Serie, jede zähe Besprechung, jeder endlose Streit verdient Ihre Aufmerksamkeit. Manchmal ist der klügste Schritt, das Buch zuzuklappen und sich dem zuzuwenden, was wirklich trägt.

## Wie Sie das Sturgeon-Gesetz auf Informationen und Medien anwenden

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einer Besprechung, die sich seit einer halben Stunde im Kreis dreht. Oder Sie blättern durch einen Feed, der Sie nach zwanzig Beiträgen nicht klüger gemacht hat. Genau in solchen Momenten hilft das **Sturgeon-Gesetz**: Bewusst loslassen, statt sich durch den Rest zu quälen. Sie verschwenden keine Energie mehr an das, was ohnehin keine Substanz hat.

Die praktische Faustregel lautet: Im Zweifel dürfen Sie ruhig vom Schlechteren ausgehen. Das klingt hart, ist aber befreiend. Denn wer standardmäßig mit einer gesunden Skepsis herangeht, wird seltener enttäuscht. Die eigentliche Arbeit besteht dann nicht darin, alles zu prüfen, sondern darin, die wertvollen zehn Prozent aktiv zu suchen. Nicht passiv konsumieren, sondern gezielt auswählen.

### Drei Schritte für den Alltag

- **Loslassen bei Langeweile:** Wenn ein Text, ein Vortrag oder ein Gespräch Sie nur Zeit kostet, beenden Sie es. Das ist keine Unhöflichkeit, sondern Selbstschutz.
- **Im Zweifel skeptisch bleiben:** Rechnen Sie mit viel Mittelmaß und suchen Sie bewusst nach dem, was wirklich trägt.
- **Kritisch prüfen:** Nicht alles, was als gut gilt, ist es auch. Auch der viel zitierte gute Teil ist nicht automatisch makellos.

Diese Haltung schützt Sie auch vor einer Falle, die der italienische Computerprogrammierer Alberto Brandolini 2013 in Worte fasste. Seine Brandolini-Regel besagt, dass die Widerlegung von Unsinn stets mehr Aufwand erfordert als dessen Produktion. Wer sich also in jede haltlose Debatte ziehen lässt, verliert immer. Die klügere Entscheidung ist oft, gar nicht erst einzusteigen und die Energie dem zu widmen, was tatsächlich weiterhilft.

Ein letzter Rat mit einem Augenzwinkern: Wenn Sie bei einer Sache nicht sicher sind, ob sie gut oder Unsinn ist, dann ist sie mit hoher Wahrscheinlichkeit Unsinn. Sie dürfen diese Vermutung ruhig ernst nehmen. Und wenn Sie dann doch einmal auf etwas stoßen, das Sie wirklich bereichert, halten Sie es fest. Diese zehn Prozent sind es, für die sich das Aussortieren lohnt.

Hinweis der Redaktion: Nicht abschließend belegte Angaben sind im Text bewusst als unsicher gekennzeichnet.


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