# Serbest Cumhuriyet Fırkası: Atatürks Partei von 1930

*Geschichte & Krieg · Kerem Aydın · 2026-10-02*

## Key facts

- Die Partei entstand 1930 auf Initiative von Mustafa Kemal Atatürk und wurde von seinem Weggefährten Fethi Okyar geführt.
- Ob sie als zweite Oppositionspartei der türkischen Republik gilt, hängt von der Zählweise ab; 1924 hatte mit der Terakkiperver Cumhuriyet Fırkası bereits eine erste bestanden.
- Bei einer Kundgebung in İzmir im September 1930 kam es zu Spannungen zwischen Anhängern der Regierungspartei und der neuen Partei.
- Bereits im November 1930 löste sich die Serbest Cumhuriyet Fırkası selbst auf, nur rund drei Monate nach ihrer Gründung.
- Der spätere Ministerpräsident Adnan Menderes sammelte in dieser Zeit erste politische Erfahrungen im Umfeld der Partei.

Das Wichtigste in Kürze

Die Serbest Cumhuriyet Fırkası war eine von Atatürk angeregte Oppositionspartei, die 1930 unter Fethi Okyar gegründet wurde. Sie sollte das politische Leben beleben, geriet aber schnell unter Druck und wurde noch im November desselben Jahres wieder aufgelöst. Die genauen Umstände gelten in der Forschung als umstritten.

## Eine Partei auf Wunsch des Staatsgründers

Stellen Sie sich vor, Sie gründen eine Opposition gegen sich selbst. Genau das geschah 1930 in der jungen Türkischen Republik. Die **Serbest Cumhuriyet Fırkası**, die Freie Republikanische Partei, entstand auf ausdrücklichen Wunsch von Mustafa Kemal Atatürk, dem Staatsgründer und ersten Präsidenten der Republik. Es war ein Experiment, das es so selten gibt: Der Mann an der Spitze wollte ein Gegenüber, das ihn herausfordert.

Seit der Ausrufung der Republik im Jahr 1923 regierte die Cumhuriyet Halk Fırkası, die Republikanische Volkspartei, praktisch allein. Ein Einparteiensystem, wie es damals in vielen jungen Staaten bestand. Atatürk suchte nach einer Öffnung. Der Überlieferung nach verband er damit mehrere Absichten: Er wollte den Vorwurf der Diktatur entkräften, der in der ausländischen Presse immer wieder auftauchte, das Gewicht von Ministerpräsident İsmet İnönü begrenzen, eine Alternative sichtbar machen und den Weg zu einer Mehrparteienordnung ebnen. Diese Motivliste ist plausibel, aber in dieser Bündelung nicht urkundlich gesichert. Fest steht der Kern: Die Partei entstand, weil Atatürk sie wollte.

Für die Führung brauchte er jemanden, der İnönü kritisch gegenüberstand, ihm selbst aber loyal blieb. Sein erster Gedanke war Fethi Okyar, ein langjähriger Weggefährte und früherer Ministerpräsident. Atatürk trug ihm den Vorschlag vor, Okyar lehnte zunächst ab. Atatürk blieb hartnäckig, und schließlich sagte Okyar zu.

Der Überlieferung nach verband Okyar seine Zustimmung mit Bedingungen. Er wollte, dass die Regierungspartei und die neue Partei gleich behandelt würden. Atatürk wiederum stellte klar, dass er unabhängig von den Umständen Präsident bleiben würde. Die genauen Formulierungen dieser Absprachen lassen sich nicht zweifelsfrei belegen. Was bleibt, ist ein merkwürdiges Bild: Eine Opposition entsteht am Reißbrett, unter den Augen des Mannes, gegen den sie eigentlich antreten soll.

Ob die Serbest Cumhuriyet Fırkası die zweite Oppositionspartei der Republik war, hängt von der Zählweise ab. Bereits 1924 hatte mit der Terakkiperver Cumhuriyet Fırkası eine erste Oppositionspartei bestanden, die jedoch nur wenige Monate überlebte. Die Reihenfolge ist also nicht eindeutig gesichert, und wer die SCF als zweite Oppositionspartei bezeichnet, sollte die frühere Partei mitdenken.

Eines aber war von Anfang an klar: Eine Partei, die im Parlament nicht vertreten ist, kann keine echte Opposition leisten. Und genau dort stand die SCF zunächst, ohne einen einzigen Sitz in der Großen Nationalversammlung.

## Warum Atatürk eine zweite Partei wollte

Um das Jahr 1930 herum lastete eine doppelte Bürde auf der jungen Türkischen Republik: die Weltwirtschaftskrise und der wachsende Vorwurf, das Land werde von einem einzigen Mann regiert. Genau in dieser Gemengelage fasste Mustafa Kemal Atatürk, Staatsgründer und seit 1923 Präsident, den Entschluss, eine zweite Partei ins Leben zu rufen. Sie sollte den Namen Serbest Cumhuriyet Fırkası tragen, auf Deutsch etwa "Freie Republikanische Partei".

Welche Beweggründe dabei den Ausschlag gaben, darüber berichten die Quellen mit einer gewissen Eindeutigkeit. Als Motive gelten: den im In- und Ausland erhobenen Vorwurf der Diktatur zu entkräften, die Machtposition von İsmet İnönü, dem langjährigen Ministerpräsidenten und Weggefährten, zu begrenzen, der Bevölkerung eine sichtbare Alternative vor Augen zu führen und die drückende Wirtschaftskrise aus der Tagesagenda zu verdrängen. Diese Motivliste klingt schlüssig, sie ist jedoch interpretativ und lässt sich nicht als gesicherte Tatsache belegen. Man tut gut daran, sie als plausible Deutung zu lesen und nicht als verbürgte Chronik.

Klarer liegt da schon die Personalie. Atatürk wünschte sich an der Spitze der neuen Partei einen Mann, der gegenüber İnönü kritisch auftrat, ihm selbst aber loyal blieb. Diese schmale Gratwanderung schien ihm am ehesten von Fethi Okyar zu meistern, einem ehemaligen Ministerpräsidenten und Diplomaten, der bereits in den frühen Jahren der Republik hohe Ämter bekleidet hatte. Der Überlieferung nach fiel die Wahl genau auf ihn.

Okyar sagte zunächst nicht zu. Er zögerte, lehnte das Ansinnen ab, und erst nach eindringlichem Drängen Atatürks willigte er ein. Der Vorgang ist gut belegt: Fethi Okyar übernahm die Führung der Partei erst, nachdem Atatürk mehrfach auf ihn eingewirkt hatte. Damit war der Rahmen gesteckt, in dem sich die Serbest Cumhuriyet Fırkası fortan bewegen sollte: eine Opposition, die es geben durfte, aber nur innerhalb der Grenzen, die der Staatsgründer selbst gezogen hatte.

Was folgte, war ein Experiment, das die Widersprüche dieser Konstruktion schon in sich trug. Eine Partei, die auf Wunsch des Präsidenten entstand, sollte zugleich das Bild einer offenen, streitbaren Demokratie vermitteln. Wie lange dieses Kunststück gutgehen konnte, werden die weiteren Kapitel dieser Geschichte zeigen.

## Fethi Okyar zögert, und sagt schließlich zu

Stellen Sie sich die Szene vor: Mustafa Kemal Atatürk, seit 1923 Präsident der jungen Türkischen Republik, braucht einen Mann, der eine neue Partei anführt. Die Wahl fällt auf einen alten Weggefährten, Fethi Okyar, der bereits 1924 kurzzeitig Ministerpräsident gewesen war. Atatürk trägt ihm die Führung an. Okyar lehnt ab. Atatürk bleibt hartnäckig, und erst nach diesem eindringlichen Drängen nimmt Okyar an. So entsteht die Serbest Cumhuriyet Fırkası, die Freie Republikanische Partei.

Doch die Zusage hat ihren Preis. Der Überlieferung nach verlangte Okyar, dass die regierende Cumhuriyet Halk Fırkası, die Republikanische Volkspartei, und seine neue Serbest Cumhuriyet Fırkası von Atatürk gleich behandelt werden sollten. Ob er diese Gleichbehandlung wörtlich forderte, ist nicht sicher belegt. Atatürk wiederum soll darauf bestanden haben, unter allen Umständen Präsident zu bleiben. Auch diese genaue Bedingung lässt sich nicht mit letzter Gewissheit nachweisen.

Was danach geschah, zeigt, wie eng der Spielraum tatsächlich war. Die Partei war zunächst nicht im Parlament vertreten und konnte deshalb keine echte Opposition leisten. Um Okyar einen Sitz zu verschaffen, wurde Berichten zufolge ein Abgeordneter der Regierungspartei aus Gümüşhane zum Botschafter in Ungarn ernannt, damit in dessen Wahlkreis eine Nachwahl möglich wurde. 1930 zog Okyar auf diesem Weg in die Große Nationalversammlung ein. Damit war die Serbest Cumhuriyet Fırkası im Parlament angekommen, wenn auch mit einer einzigen Stimme.

Es blieb ein zähes Ringen zwischen zwei Männern, die einst gemeinsam für die Republik gekämpft hatten. Der eine wollte ein Ventil schaffen, der andere wollte sich nicht zum Werkzeug machen lassen. Genau in dieser Spannung lag der Kern des Experiments, das schon bald auf eine harte Probe gestellt werden sollte.

## Eine Opposition ohne Sitz im Parlament

Die Serbest Cumhuriyet Fırkası war gegründet, doch sie existierte zunächst nur auf dem Papier. In der Großen Nationalversammlung, dem türkischen Parlament, saß kein einziger ihrer Abgeordneten. Eine Partei ohne Mandat kann reden, Anträge stellen, protestieren. Sie kann aber nicht wirklich Opposition sein, weil ihr die Stimmen fehlen, mit denen sich Mehrheiten verschieben lassen. Bis zu den nächsten allgemeinen Wahlen war es noch etwa ein Jahr. Ein ganzes Jahr ohne Mandat, das war für Fethi Okyar, den Vorsitzenden der Serbest Cumhuriyet Fırkası, eine kaum erträgliche Aussicht.

Also griff man zu einem Kunstgriff. Der Überlieferung nach wurde ein Abgeordneter der Cumhuriyet Halk Fırkası, der Regierungspartei, zum Botschafter in Ungarn ernannt. Sein Mandat wurde frei, und in seinem Wahlkreis konnte eine Nachwahl angesetzt werden. Ob dieser Abgeordnete tatsächlich aus Gümüşhane stammte und ob die Entsendung nach Ungarn genau so beschlossen wurde, lässt sich nicht mit letzter Sicherheit bestätigen. Der Kern des Vorgangs aber steht fest: Es gab eine Nachwahl, und über sie gelangte Fethi Okyar 1930 in die Nationalversammlung. Die Serbest Cumhuriyet Fırkası hatte damit ihren ersten Sitz und ihr erstes Sprachrohr im Parlament.

Ein einzelner Abgeordneter jedoch war zu wenig, um etwas zu bewegen. Deshalb sollte, so heißt es, auf Wunsch Atatürks eine Gruppe von rund siebzig Personen von der Regierungspartei zur Serbest Cumhuriyet Fırkası übergehen. Die genaue Zahl und die Behauptung, dass sich zunächst niemand dazu bereitfand, sind nicht verifizierbar. Fest steht nur, dass der Übertritt zögerlich und spät erfolgte. Erst nach erheblichem Druck wechselten einige Abgeordnete die Seite. Wer genau zu ihnen gehörte, ist nicht zweifelsfrei belegt; genannt werden in den Aufzeichnungen unter anderem der Dichter Mehmet Emin Yurdakul und Ahmet Ağaoğlu, der später zu den bekanntesten Köpfen der Partei zählte.

Es war ein mühsamer Anfang, und er zeigte bereits, woran dieses Experiment kranken würde. Die neue Partei besaß das Wort, aber kaum Gewicht. Sie besaß einen Sitz, aber keine Fraktion. Und sie besaß einen Gründer, der sie ins Leben gerufen hatte, ohne ihr die Mittel zu geben, sich gegen die alte Macht wirklich zu behaupten.

## Drei Überläufer und die Reise nach İzmir

Ein Parlament ohne eigene Stimmen bleibt stumm. Genau das war die Lage der **Serbest Cumhuriyet Fırkası** (SCF), der Freien Republikanischen Partei, im Jahr 1930. Fethi Okyar saß inzwischen in der Großen Nationalversammlung, doch seine Partei selbst war dort nicht vertreten und konnte deshalb keine wirksame Opposition leisten. Also griff man zu einem Mittel, das heute kaum vorstellbar wirkt.

Der Überlieferung nach wurde ein Abgeordneter der Cumhuriyet Halk Fırkası (CHF), der regierenden Republikanischen Volkspartei, zum Botschafter in Ungarn ernannt, um in seinem Wahlkreis eine Nachwahl zu ermöglichen. Diese Nachwahl gewann Okyar, und damit war der Weg ins Parlament geebnet. Wie genau dieser Vorgang ablief, lässt sich allerdings nicht mit letzter Sicherheit rekonstruieren.

Was folgte, war der Versuch, die junge Partei mit Leben zu füllen. Atatürk wünschte sich laut der ursprünglichen Erzählung, dass rund siebzig Abgeordnete zur SCF übergehen sollten. Doch niemand wollte diesen Schritt tun. Erst nach erheblichem Druck fanden sich schließlich drei Männer, die den Wechsel vollzogen. Berichtet wird von dem Nationaldichter Mehmet Emin Yurdakul, von Süreyya Paşa, dem Gründer des Süreyya-Kinos, und von Ahmet Ağaoğlu. Die genaue Zusammensetzung dieser Dreiergruppe ist jedoch nicht sicher bestätigt.

### Der Auftritt in İzmir

Okyar organisierte eine Reise nach İzmir. Dort, auf dem großen Platz der Stadt, soll sich eine Menge versammelt haben, deren Zahl in der ursprünglichen Erzählung mit fünfzigtausend angegeben wird. Diese Größenordnung ist nicht gesichert, doch die Reise selbst gilt als belegt. Als Okyar von der Dimension des Auflaufs erfuhr, soll ihn Unruhe ergriffen haben. Er habe umkehren wollen, sei dann aber geblieben.

Die Stimmung kippte. Bei den Ereignissen in İzmir kam es zu Spannungen. Ob es gezielte Angriffe auf Gebäude der CHF und der Regierung gab, ist nicht sicher bestätigt. Atatürk reagierte auf die Vorfälle. Ein konkretes Rundschreiben, in dem er die Ereignisse und die Beteiligten verurteilte, lässt sich jedoch nicht sicher belegen.

So bleibt von diesen Tagen ein Bild in der Schwebe: eine Partei, die binnen weniger Monate eine Menschenmenge mobilisierte, die größer war als alles, was ihre Gründer erwartet hatten, und die im selben Moment zu ahnen begann, dass diese Kraft nicht mehr in ihren Händen lag.

## Kommunalwahlen 1930: Zahlen mit Fragezeichen

Es war der Moment, in dem sich zeigte, wie ernst es dem jungen Staat mit der Opposition wirklich war. Bei den Kommunalwahlen des Jahres 1930 endete der Urnengang mit einem klaren Sieg der Cumhuriyet Halk Fırkası (CHP), der von Mustafa Kemal Atatürk geprägten Regierungspartei. Die Serbest Cumhuriyet Fırkası, die erst 1930 gegründete Freie Republikanische Partei, blieb chancenlos. So weit die gesicherte Lesart.

Doch dann beginnen die Zahlen zu flimmern. Der Überlieferung nach soll die CHP in 472 Regionen gewonnen haben, die SCF lediglich in 30. Diese beiden Werte sind in den Quellen nicht bestätigt, sie kursieren als Erzählung, nicht als verbürgte Statistik. Wer sie als feste Größe nimmt, geht über das hinaus, was sich belegen lässt.

Interessanter wird es beim Blick auf die Ausgangslage. Berichten zufolge stellte die Serbest Cumhuriyet Fırkası nur in 32 Orten überhaupt Kandidaten auf. Auch diese Zahl ist nicht gesichert. Sollte sie jedoch stimmen, verschiebt sich das Bild erheblich: Eine Partei, die nur an einem Bruchteil der Orte antrat, hätte dort, wo sie antrat, fast überall gewonnen. Aus einer klaren Niederlage würde dann ein Achtungserfolg, der zeigt, wie viel Zuspruch die neue Bewegung in kurzer Zeit mobilisieren konnte.

Genau in dieser Spannung liegt der Wendepunkt. Die nackten Ergebnisse sprechen für die CHP. Die Umstände, unter denen sie zustande kamen, werfen Fragen auf. Wie stark war die Serbest Cumhuriyet Fırkası wirklich? Und was bedeutete es für Atatürk, dass eine Partei, die auf seinen eigenen Wunsch entstanden war, in so kurzer Zeit so viele Menschen erreichte?

Die Antwort auf diese Frage sollte nicht lange auf sich warten lassen.

## Das Ende und ein späterer Ministerpräsident

Im November 1930 war die Reise der Serbest Cumhuriyet Fırkası an ihr Ende gekommen. Die Partei löste sich in jenem Monat selbst auf. Wie genau dieser Schritt vonstattenging, darüber geben die Aufzeichnungen kein sicheres Bild; der Überlieferung nach soll ein kurzfristig eingereichter Antrag den Schlusspunkt gesetzt haben.

Kurz zuvor soll Mustafa Kemal gegenüber Ahmet Ağaoğlu erklärt haben, er müsse nun Front gegen die SCF machen und den Kampf aufnehmen. Eine Verwechslung mit Adalet Ağaoğlu ist ausgeschlossen: Die Schriftstellerin war 1930 noch ein Kleinkind und kann diese Worte unmöglich gehört haben. Gemeint war Ahmet Ağaoğlu, jener Publizist, der zu den wenigen Abgeordneten gehört hatte, die zur SCF übergetreten waren.

Mit der Auflösung endete ein politisches Experiment, das nur wenige Monate gedauert hatte. Und doch blieb es nicht folgenlos. Denn in dieser Partei begann ein Mann seine politische Laufbahn, der die türkische Geschichte Jahrzehnte später prägen sollte: Adnan Menderes. Er war in der SCF aktiv, und von hier aus führte ihn sein Weg später bis ins Amt des Ministerpräsidenten.

Eine Behauptung allerdings hält sich hartnäckig und ist schlicht falsch: Die SCF habe höchstens 13 Mitglieder gehabt. Das Gegenteil trifft zu. Die Partei hatte Tausende Anhänger, ihre Versammlungen füllten ganze Plätze, und ihre kurze Geschichte zeigt, wie viel Bewegung in jenen Monaten des Jahres 1930 steckte. Wer die Zahl 13 hört, verwechselt die winzige Fraktion im Parlament mit der Anhängerschaft im Land.

So bleibt am Ende ein zwiespältiges Bild. Da ist eine Partei, die sich selbst auflöste, kaum dass sie begonnen hatte. Und da ist ein Erbe, das leiser wirkte, als es zunächst schien: In den Reihen der Serbest Cumhuriyet Fırkası sammelte sich eine Generation, die später eigene Wege ging.


## Frequently asked questions

**Was war die Serbest Cumhuriyet Fırkası und wer gründete sie?**

Die Serbest Cumhuriyet Fırkası war eine 1930 gegründete Oppositionspartei, die auf Veranlassung Atatürks entstand. Die Führung übernahm Fethi Okyar, ein enger Weggefährte Atatürks und früherer Regierungschef. Ob sie als zweite Oppositionspartei der Republik gilt, hängt von der Zählweise ab; gesichert ist ihre Rolle als Experiment für ein Mehrparteiensystem.

**Warum ließ Atatürk 1930 eine zweite Partei gründen?**

Atatürk reagierte damit auf den Vorwurf, ein Diktator zu sein, und wollte eine Alternative zur regierenden Cumhuriyet Halk Fırkası sichtbar machen. Der Überlieferung nach spielten auch der Wunsch, die Macht İsmet İnönüs zu begrenzen und die wirtschaftliche Weltkrise aus der öffentlichen Debatte zu drängen, eine Rolle. Diese Beweggründe sind plausibel, aber nicht als gesicherte Tatsache belegt.

**Wer war Fethi Okyar und welche Rolle spielte er?**

Fethi Okyar war ein langjähriger Vertrauter Atatürks und ehemaliger Ministerpräsident. Er lehnte die Führung der neuen Partei zunächst ab und übernahm sie erst nach eindringlichem Drängen Atatürks. Der Überlieferung nach knüpfte er Bedingungen an die Übernahme; Atatürk bestand im Gegenzug darauf, unabhängig von den Umständen Präsident zu bleiben.

**Warum wurde die Serbest Cumhuriyet Fırkası so schnell wieder aufgelöst?**

Die Partei löste sich im November 1930 selbst auf, nachdem sich die politische Lage zugespitzt hatte. Der genaue Vorgang ist nicht sicher belegt. Entgegen einer verbreiteten Behauptung hatte die Partei keineswegs nur eine Handvoll Mitglieder; sie besaß Tausende Anhänger. Auch die Idee, Atatürk habe die Auflösung förmlich angeordnet, lässt sich nicht belegen.

**Was geschah bei der Kundgebung in İzmir im Jahr 1930?**

Fethi Okyar unternahm 1930 eine Reise nach İzmir, die turbulent verlief. Berichten zufolge versammelten sich dort sehr viele Menschen; die oft genannte Zahl von 50.000 Teilnehmern ist jedoch nicht gesichert. Ebenso wenig sicher bestätigt sind gezielte Angriffe auf Gebäude der Regierungspartei oder des Staates. Atatürk reagierte öffentlich auf die Vorfälle.

**Wie viele Sitze gewann die Partei bei den Kommunalwahlen 1930?**

Bei den Kommunalwahlen 1930 siegte die Cumhuriyet Halk Fırkası deutlich. Die häufig genannten Zahlen von 472 gewonnenen Regionen für die Regierungspartei und 30 für die Serbest Cumhuriyet Fırkası sind allerdings nicht gesichert. Auffällig bleibt, dass die neue Partei nur an wenigen Orten überhaupt Kandidaten aufstellte, sodass ihr Ergebnis im Verhältnis dazu beachtlich wirkte.

**Welche bekannten Politiker begannen ihre Karriere in dieser Partei?**

Zu den prominentesten Namen zählt Adnan Menderes, der später Ministerpräsident der Türkei wurde und seine politische Laufbahn in der Serbest Cumhuriyet Fırkası begann. Auch Ahmet Ağaoğlu war dort aktiv. Eine exakte Liste weiterer Abgeordneter, die zur Partei übertraten, ist nicht sicher überliefert.

**Hat Atatürk die Auflösung der Partei angeordnet?**

Eine förmliche Anordnung Atatürks zur Auflösung ist nicht belegt. Die Partei beendete ihre Tätigkeit im November 1930 selbst. Der Überlieferung nach soll Atatürk gegenüber Ahmet Ağaoğlu erklärt haben, er müsse nun gegen die Partei Front machen; eine Verwechslung mit dessen Tochter, der späteren Schriftstellerin Adalet Ağaoğlu, wäre hier naheliegend, da diese 1930 noch ein Kleinkind war. Hinweis der Redaktion: Nicht abschließend belegte Angaben zu Ablauf und Hintergründen werden im Text ausdrücklich als unsicher gekennzeichnet.

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