# Secret Invasion: Warum die Marvel-Serie enttäuscht

*Film, TV & Musik · Emre Şahin · 2026-10-12*

## Key facts

- Die Serie erschien 2023 auf Disney+ und umfasst sechs Folgen.
- Im Mittelpunkt steht Nick Fury, gespielt von Samuel L. Jackson, der eine Skrull-Invasion auf der Erde verhindern soll.
- Der Schurke Gravik führt die Skrull-Fraktion an, die die Gestalt von Menschen annehmen kann.
- Das Finale sorgt mit der Figur G'iah und ihren neuen Kräften für viel Diskussionsstoff unter Fans.
- Viele Kritiker sehen in der Serie ein Beispiel für die wachsenden Probleme der MCU-Serien in Phase 5.

Das Wichtigste in Kürze

Secret Invasion ist eine sechsteilige Marvel-Serie, die 2023 auf Disney+ erschien und Nick Fury gegen eine Skrull-Verschwörung auf der Erde zeigt. Die Kritik konzentriert sich auf die schwache Handlung, den enttäuschenden Abschluss und die Frage, warum die MCU-Serien seit WandaVision an erzählerischer Qualität verlieren.

## Wenn ein Marvel-Leser skeptisch wird: Der lange Schatten der Ankündigung

Erinnern Sie sich noch an den Moment, in dem Marvel Studios im Jahr 2018 zum ersten Mal verkündete, neben den Kinofilmen auch eigene Serien für Disney+ zu produzieren? Bei vielen langjährigen Fans mischte sich damals echte Vorfreude mit einem leisen Unbehagen. Man hatte sich an ein bestimmtes Niveau gewöhnt, an opulente Bilder, an sorgfältig erzählte Geschichten. Und nun sollte dieses Niveau auf einmal auf ein Serienformat übertragen werden, mit all den Unsicherheiten, die dazugehören.

Was die Skepsis zusätzlich befeuerte: Die ersten Figuren, die eine eigene Serie erhalten sollten, waren keine Neulinge. Es waren Scarlet Witch und Loki, zwei der beliebtesten Nebencharaktere des Marvel Cinematic Universe, also des filmischen Universums rund um Iron Man, Captain America und Thor. Wer diese Figuren mochte, fürchtete genau das, was am Ende tatsächlich passierte. Würde die Produktionsqualität der großen Filme unter einer wachsenden Serienflut leiden? Würde man beliebte Charaktere einem schnellen Verwertungszyklus opfern?

Um diese Frage ehrlich beantworten zu können, lohnt sich ein Blick zurück. Denn die Geschichte der MCU-Serien lässt sich in drei klar unterscheidbare Phasen gliedern. Jede Phase steht für einen anderen Ansatz, für ein anderes Verständnis davon, was eine Serie im Marvel-Kosmos leisten kann und soll. Und jede Phase markiert einen Schritt in eine Richtung, die am Ende in einem Tiefpunkt mündet, den viele Fans so nicht für möglich gehalten hätten.

Ich möchte Ihnen diese drei Phasen im Folgenden genauer vorstellen. Wir beginnen mit den ersten vier Serien, die noch mit großer Sorgfalt und überschaubarer Folgenzahl geplant waren. Danach wenden wir uns der zweiten Gruppe zu, die neue Gesichter in den Mittelpunkt stellte und in der die ersten deutlichen Risse sichtbar wurden. Und schließlich kommen wir zu jener dritten Phase, die von hektischer Content-Produktion geprägt war und in der die **Secret Invasion Marvel Serie** den traurigen Höhepunkt bildet. Genau dort, so meine These, zeigt sich am deutlichsten, was schiefgelaufen ist.

Denn eines lässt sich schon jetzt festhalten: Die Qualität der MCU-Serien ist seit den ersten vier Produktionen nicht gleich geblieben. Sie ist Schritt für Schritt gesunken. Was als vorsichtiges Experiment mit geliebten Nebenfiguren begann, entwickelte sich zu einer Maschinerie, die immer mehr Inhalte in immer kürzerer Zeit ausstieß. Die **Secret Invasion Marvel Serie** steht am Ende dieser Entwicklung, und sie macht sichtbar, was passiert, wenn Quantität die Oberhand über Qualität gewinnt.

Vielleicht geht es Ihnen ähnlich wie vielen anderen, die diese Reise von Anfang an begleitet haben. Man möchte glauben, dass ein großes Studio aus seinen Fehlern lernt. Man möchte glauben, dass eine Marke mit so viel Geschichte und so vielen talentierten Menschen dahinter irgendwann zur Vernunft kommt. Ob diese Hoffnung berechtigt ist, wird sich zeigen. Klar ist aber, dass die Skepsis von 2018 sich längst nicht mehr wie ein vages Gefühl anfühlt. Sie hat sich in konkreten Enttäuschungen materialisiert, und die **Secret Invasion Marvel Serie** ist die deutlichste davon.

## Die erste Ära: WandaVision, Loki und der Mut zur Figur

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Herbst 2018 vor den Nachrichten und lesen, dass Marvel Studios, bis dahin eine reine Kinomaschine, zum ersten Mal eigene Serien produzieren will. Ein Studio, das jahrzehntelang nur auf der großen Leinwand existierte, sollte plötzlich für Disney+ erzählen. Wer die Marvel-Filme bis dahin verfolgt hatte, spürte sofort eine leise Sorge: Würde die Produktionsqualität, an die man sich im Kino gewöhnt hatte, im Serienformat halten?

Bemerkenswert war vor allem, welche Figuren man für diesen ersten Vorstoß auswählte. Es waren nicht die ganz großen Namen, sondern zwei der beliebtesten Nebenfiguren des MCU: Scarlet Witch und Loki. Auf der San Diego Comic-Con 2019 wurden im Rahmen der Phase-4-Präsentation *WandaVision*, *The Falcon and the Winter Soldier*, *Loki* und *Hawkeye* genannt, wobei einzelne Projekte bereits vorher bekannt gewesen waren. Diese vier Werke waren bewusst als limitierte Serien angelegt: *WandaVision* mit neun Folgen, die übrigen drei mit je sechs.

Man kann diese vier Produktionen im Rückblick als eine eigene Ära begreifen, denn sie verfolgten eine klare gemeinsame Idee.

### Figuren aus der zweiten Reihe rücken ins Zentrum

Das verbindende Merkmal dieser ersten Staffel von Serien: Sie erzählten von Charakteren, die im MCU längst wichtig gewesen waren, aber nie eine Hauptrolle getragen hatten. Genau das gab ihnen Raum zur Entfaltung. Und tatsächlich veränderte sich der Status dieser Figuren nachhaltig.

- **Wanda Maximoff** stieg zur zentralen Antagonistin in *Doctor Strange in the Multiverse of Madness* auf, korrumpiert durch das Darkhold.
- **Sam Wilson**, gespielt von Anthony Mackie, übernimmt in *Captain America: Brave New World* das Schild und wird zum neuen Captain America.
- **Loki** stieß die Handlung der neuen Saga an und wurde zur Schaltstelle des kommenden Erzählbogens.
- **Hawkeye** brachte mit Kate Bishop und Echo gleich zwei neue Figuren ins Universum, verankerte Kingpin in vertrauter Gestalt im MCU und verknüpfte Yelena Belova mit der Gegenwart.

Diese Integration war kein Zufall, sondern das Ergebnis einer bewussten Entscheidung: Man nahm sich Zeit für Figuren, statt sie nur als Bausteine für das nächste große Ereignis zu behandeln.

### Warum diese vier bis heute Maßstab sind

Wenn Sie heute auf diese Serien zurückblicken, fällt eines deutlich auf. Sowohl in der Erzählweise als auch in der Produktionsqualität stehen sie sichtbar über dem, was danach kam. *WandaVision* und *Loki* gelten vielen als die stärksten Marvel-Serien überhaupt, dahinter reihen sich *The Falcon and the Winter Soldier* und *Hawkeye* ein. Zur Erscheinungszeit gab es an ihnen durchaus Kritik, doch aus heutiger Sicht wirken sie deutlich runder als vieles, was später folgte.

Der Kontrast wird besonders spürbar, wenn man die Serie *Secret Invasion* danebenstellt, die als späterer Tiefpunkt der Marvel-Serien gilt. Doch das ist ein eigenes Kapitel. Halten wir zunächst fest: Dieser erste Vierklang bewies, dass Marvel auch im Serienformat erzählen konnte, wenn man den Figuren den Vortritt ließ.

## Die zweite Ära: Moon Knight, Ms. Marvel und She-Hulk, erste Risse

Nach den ersten vier Serien folgte eine Gruppe von Projekten, die auf der D23 Expo vorgestellt wurden: *Moon Knight*, *Ms. Marvel* und *She-Hulk*. Der entscheidende Unterschied zu Wanda, Sam, Loki und Clint lag auf der Hand. Diese drei Figuren waren im MCU zuvor noch nie zu sehen gewesen. Kein vertrautes Gesicht, keine gewachsene Bindung, kein Publikum, das schon wusste, wer da auf dem Bildschirm steht.

Das Ergebnis fiel gemischt aus. *Moon Knight* fand durchaus sein Publikum und wurde von einem Teil der Zuschauer gefeiert, doch von einem breiten Konsens war man weit entfernt. *She-Hulk* dagegen gilt vielen bis heute als eines der schwächsten Projekte des gesamten MCU. Und *Ms. Marvel*? Die Serie startete stark, mit einer ersten Folge, die richtig Spaß machte. Danach ging es Schritt für Schritt bergab, bis sich das Ganze zunehmend wie eine Produktion anfühlte, die man eher aus dem Umfeld der CW-Serien kannte. Das ist kein Kompliment.

### Das eigentliche Problem: Die Figuren hängen in der Luft

Hier zeigt sich ein tieferliegender Bruch. In der Infinity Saga fand jede neu eingeführte Figur innerhalb kürzester Zeit ihren Platz im größeren Gefüge. Man wusste, wo sie steht, wohin sie gehört, welche Rolle sie im Ganzen spielt. Bei Moon Knight, She-Hulk und Ms. Marvel ist genau das nicht mehr der Fall.

Wo genau positioniert sich Moon Knight im MCU? Unklar. Was wird aus She-Hulk und der Figur Skaar? Ebenfalls unklar. Diese offenen Enden mögen nach erzählerischer Freiheit klingen, doch für ein Universum, das über Jahre hinweg von seiner Verzahnung lebte, erzeugen sie vor allem eines: Unbehagen. Wer sich in einer so großen Geschichte zurechtfinden will, braucht Anhaltspunkte. Und die fehlen hier fast vollständig.

Nur eine Ausnahme gibt es. *Ms. Marvel* erhielt mit *The Marvels* eine klare Perspektive, einen nächsten Schritt, der bereits feststand. Alle anderen schweben im Ungewissen, und das ist bezeichnend für diese Phase.

### Warum die Serie Secret Invasion Marvel zum Wendepunkt macht

Blickt man auf diese zweite Ära zurück, wird deutlich, dass hier die ersten ernsthaften Risse entstanden. Die Einbindung ins große Ganze ließ nach, die Qualität schwankte, und das Vertrauen des Publikums begann zu bröckeln. Genau in dieser angespannten Lage erschien die Serie *Secret Invasion* Marvel, eine Produktion, die viele dieser Probleme in sich vereinte und damit zum Sinnbild einer ganzen Entwicklung wurde.

Doch dazu mehr im nächsten Abschnitt.

## Die dritte Ära: Secret Invasion, Echo, Ironheart und der Druck der Content-Flut

Wenn Sie die Marvel-Serien der letzten Jahre in drei Wellen einteilen, dann ist die dritte Welle jene, die am tiefsten gefallen ist. Nach dem Führungswechsel bei Disney wurde eine ganze Reihe von Projekten geradezu hinausgeworfen, um den Streamingdienst Disney+ zu füllen: **Secret Invasion**, Echo, Ironheart, Armor Wars und Agatha. Kaum eine dieser Ankündigungen hat die Erwartungen am Ende eingelöst.

Nehmen Sie allein Armor Wars. Ursprünglich als Serie geplant, wurde das Projekt abgesagt und wird stattdessen als Kinofilm umgesetzt. Echo dagegen verschob sich um ein ganzes Jahr, von 2023 auf Januar 2024, und alle Folgen erschienen am selben Tag auf einen Schlag. Agatha All Along wurde gleich mehrfach verschoben, unter anderem von 2023 auf September 2024. Und Ironheart? Diese Figur wurde regelrecht überstürzt in das Marvel-Universum gedrängt, über den Film Black Panther: Wakanda Forever aus dem Jahr 2022. Der Überlieferung nach war genau dieser Handlungsstrang um Riri Williams der schwächste Teil des Films, das Element, das den Erzählfluss am stärksten gebremst hat.

### Zu viel Inhalt, zu wenig Sorgfalt

Hinter diesem Tempo stand ein größerer Umbruch. Bob Chapek, von 2020 bis 2022 CEO von Disney, trieb die Produktion von Inhalten massiv voran. Marvel Studios wurde Berichten zufolge von einem Studio, das drei Filme im Jahr drehte, auf eine deutlich ausgeweitete Produktion mit mehreren Filmen, Serien und Animationen umgestellt. Ein solcher Rhythmus musste früher oder später Spuren hinterlassen, und er hat sie hinterlassen: nicht nur in den Serien, sondern auch in den Filmen, die in immer kürzeren Abständen aufeinander folgten.

Mit der Rückkehr von Bob Iger als CEO im November 2022 verbindet sich die Hoffnung, dass Qualität wieder vor Quantität gestellt wird. Ob sich das durchsetzt, ist eine offene Frage, aber die Richtung stimmt.

## Warum Secret Invasion so schlecht ist: Das Sechs-Episoden-Problem

Man kann es ruhig offen sagen: Die sechs Folgen von **Secret Invasion** funktionieren als Erzählform nicht. Sechs Episoden geben den Figuren keine Zeit zu wachsen, und sie geben auch der Handlung keinen Raum, sich organisch zu entfalten. Statt eines langsam reifenden Dramas bekommt man das Gefühl, einen auf dreieinhalb Stunden Laufzeit gestreckten Film zu sehen, der willkürlich in Stücke geschnitten wurde.

Genau hier liegt der Kern des Problems. Eine Serie lebt davon, dass jede einzelne Folge ihre eigene Bedeutung trägt, dass sie ein Thema aufwirft, zuspitzt und einen kleinen Bogen schließt. Bei **Secret Invasion Marvel Serie** sucht man das vergebens. Die Episoden wirken wie zusammengesetzte Fragmente, nicht wie eigenständige Kapitel. Mal fünfzig Minuten, mal fünfunddreißig, ohne erkennbares Rhythmusgefühl. Der Zuschauer merkt schnell: Hier hat niemand wirklich über die Dramaturgie nachgedacht.

### Nur zwei Serien nutzten das Format wirklich

Dabei war das sechsteilige Modell von Anfang an so angelegt. Als Marvel Studios im September 2018 erstmals eigene Serien für Disney+ ankündigte, waren WandaVision mit neun sowie The Falcon and the Winter Soldier, Loki und Hawkeye mit je sechs Folgen als limitierte Produktionen konzipiert. Das Format an sich ist also nicht das Verbrechen. Das Verbrechen ist, was man daraus gemacht hat.

Und hier lohnt der Vergleich. Wenn man ehrlich zurückschaut, haben bis heute nur zwei Produktionen die episodische Struktur tatsächlich als erzählerisches Mittel begriffen: *WandaVision* und *Moon Knight*. WandaVision spielte in jeder Folge mit einem anderen Fernsehjahrzehnt und machte die Form selbst zum Thema. Moon Knight zerlegte seine Hauptfigur in widersprüchliche Persönlichkeiten und ließ die Zuschauer daran teilhaben. Beide Serien nutzten das, was nur eine Serie kann: Zeit.

### Ernst gemeint, aber nicht tief genug

Secret Invasion versucht genau diesen ernsten, langsamen Ton. Es will ein Agententhriller sein, ein leises, paranoiagetriebenes Kammerspiel. Das ist ein ehrenwerter Ansatz. Nur reicht der Ansatz nicht, wenn die Ausführung nicht mithält. Vergleiche mit *Andor* drängen sich auf, und sie sind unfair gegenüber beiden Werken. Andor ist erzählerisch um Klassen besser geschrieben. Eine niedrige Erzählgeschwindigkeit ist kein Problem, solange die Geschichte dahinter dicht, überraschend und intensiv ist. Bei Secret Invasion ist sie es nicht.

Über sechs Folgen gelingt es der Serie kein einziges Mal, den Zuschauer wirklich zu überraschen. Alles, was der Trailer andeutete, tritt brav und vorhersehbar ein. Wer einen Spionagethriller sieht, erwartet eine gewisse Wucht, ein Gefühl von Bedrohung, das die Handlung trägt. Stattdessen plätschert das Geschehen vor sich hin. Vielleicht unterhält es jemanden, der noch nie einen Agentenfilm gesehen hat, für eine oder zwei Folgen. Darüber hinaus trägt es nicht.

### Nicht einmal die einfachen Tricks

Besonders ärgerlich wird es, wenn man bedenkt, welche Werkzeuge dem Erzähler eigentlich zur Verfügung standen. Der photostatic veil, jene Technologie, die in *Captain America: The Winter Soldier* und *Black Widow* für einige der einprägsamsten Momente sorgte, hätte sich für eine Serie über Täuschung und Identität geradezu aufgedrängt. Man hätte damit spielen können, das Publikum im Unklaren lassen können, wer wirklich wer ist.

Doch nichts davon passiert. Die Serie unternimmt nicht einmal den Versuch, mit diesem Werkzeug Spannung zu erzeugen. Und das ist vielleicht der enttäuschendste Punkt von allen. Es ist nicht so, dass Secret Invasion an einer zu hohen Messlatte scheitert. Es ist so, dass hier kaum jemand ernsthaft versucht hat, eine gute, eigenständige Geschichte zu erzählen.

## Die verpasste Paranoia: Warum die Skrull-Invasion nicht funktioniert

Stellen Sie sich eine Geschichte vor, deren ganzer Reiz in einer einzigen Frage steckt: Wem können Sie noch trauen? Genau davon lebte die Comicvorlage *Secret Invasion*, deren Slogan "Who do you trust?" lautete. Die Serie *Secret Invasion* der Marvel Studios verschenkt diese Spannung fast vollständig. Statt eines langsamen, unerträglichen Misstrauens bekommen Sie eine Auflösung, die schneller kommt, als sie sich entfalten kann.

Das Grundproblem liegt in der Reihenfolge. Die Skrull-Invasion hätte als Höhepunkt einer über mehrere Phasen aufgebauten Paranoia funktionieren müssen, nicht als deren Auftakt. In den Comics war die Invasion eine, die sich gegen die Helden selbst richtete, gegen Figuren, die Sie seit Jahrzehnten kennen. Die Serie dagegen setzt früh ein Zeichen, das jede Frage nach dem Vertrauen im Keim erstickt.

### Maria Hill stirbt, bevor das Misstrauen überhaupt beginnt

Schon am Ende der ersten Folge wird Maria Hill getötet. Cobie Smulders verkörperte diese Figur seit dem ersten *Avengers*-Film, sie war eine der verlässlichsten Konstanten des MCU. Wer eine Vertrauensfrage stellen will, darf nicht gleich zu Beginn eine der wenigen bekannten Figuren aus dem Spiel nehmen. Danach bleiben überwiegend Gesichter, die Sie gerade erst kennengelernt haben.

### Neue Namen, keine Bindung

An die Stelle vertrauter Helden treten G'iah, Gravik, Sonya Falsworth und Priscilla. Um diese Figuren wird eine Skrull-oder-nicht-Skrull-Spannung aufgebaut, die auf keinem Fundament steht. Die Frage, ob Sie jemandem trauen, hat nur dann Gewicht, wenn Sie die Person überhaupt kennen und mögen. Bei einem Ensemble, das erst in dieser einen Serie entsteht, bleibt am Ende nur ein Achselzucken: Vertrauen oder nicht, es macht keinen Unterschied.

### Die Rhodey-Enthüllung, die keine ist

Irgendwann entpuppt sich Rhodey als Skrull. Das ist bestätigt und trifft tatsächlich zu. Doch weil im Verlauf der Serie kaum eine andere bekannte Figur übrig bleibt, auf die diese Enthüllung hätte fallen können, war sie beinahe vorhersehbar. Ein Twist, den man kommen sieht, wird trotzdem als großer Moment präsentiert. Genau hier zeigt sich das eigentliche Problem des Drehbuchs: Es verwechselt Überraschung mit einem sorgfältig gelegten falschen Hinweis.

So bleibt eine Serie, die ihre stärkste Waffe nie zieht. Die Paranoia, die *Secret Invasion* als Marvel-Serie hätte auslösen können, verpufft, bevor sie sich richtig aufbaut.

## Nick Fury: Ein großer Charakter in einer kleinen Serie

Stellen Sie sich einen Mann vor, der seit fünfzehn Jahren im Zentrum des größten Filmuniversums unserer Zeit steht und doch nie eine eigene Geschichte bekommen hat. Genau das ist Nick Fury im Marvel Cinematic Universe. Seit seinem ersten Auftritt im MCU ist er die Figur, die alles zusammenhält. Er rekrutiert die Avengers, er zieht im Verborgenen die Fäden, er taucht immer dann auf, wenn es brenzlig wird. Und trotzdem: In all diesen Jahren gab es kein einziges Projekt, das ihm allein gehörte. *Secret Invasion*, die Marvel-Serie auf Disney+, sollte diese Lücke endlich schließen. Sie tut es nicht.

Um zu verstehen, warum das so bitter ist, lohnt ein Blick darauf, wie Nick Fury überhaupt in dieses Universum gekommen ist. Die Filmemacher griffen bei seiner Gestaltung nämlich nicht auf die klassische Vorlage zurück, sondern auf eine ganz bestimmte Variante.

### Warum Nick Fury im Kino nicht der Nick Fury der Comics ist

In den gedruckten Abenteuern existiert die Hauptfigur auf der sogenannten Erde-616, der klassischen Erzählebene des Marvel-Universums. Dort ist Nick Fury ein tiefgründiger, von Kriegen gezeichneter Mann mit einer langen, komplizierten Biografie. Für die Filme entschied man sich jedoch für die Version aus dem Ultimate-Universum, der Erde-1610. Diese Figur wurde bewusst nach dem Vorbild des Schauspielers Samuel L. Jackson gezeichnet, lange bevor er die Rolle tatsächlich übernahm.

Das ist keine Kleinigkeit. Denn diese Ultimate-Version von Nick Fury ist deutlich flacher angelegt als ihr Vorbild aus Erde-616. Sie ist kantig, cool, ein harter Hund mit Augenklappe und markigen Sprüchen. Das funktioniert hervorragend als Nebenfigur. Als Hauptfigur einer eigenen Serie trägt es dagegen kaum. Ein Solo-Projekt hätte die Chance geboten, diese dünne Schablone mit Leben zu füllen und die verborgenen Schichten der Figur sichtbar zu machen. Genau diese Chance lässt *Secret Invasion* liegen.

### Die Skrulls als Krücke statt als Fundament

Stattdessen greift die Serie auf das naheliegendste Bindeglied zurück, das Nick Fury zu bieten hat: seine jahrzehntelange Verbindung zu den Skrulls, jener außerirdischen Spezies, die sich in jede beliebige Gestalt verwandeln kann. Das ist an sich kein schlechter Ansatz. Immerhin hat diese Verbindung in *Captain Marvel* ihren Ursprung, und sie birgt enormes erzählerisches Potenzial.

Nur nutzt die Serie dieses Potenzial nicht. Sie berührt die Skrull-Vergangenheit von Nick Fury nur dann, wenn die Handlung gerade eine Erklärung braucht. In *Secret Invasion* ist er mit den Skrulls verbunden, in anderen Projekten spielt diese Verbindung keine Rolle. Das klingt harmlos, ist aber ein grundlegendes Problem. Denn so wird die Vergangenheit der Figur nicht zu einem festen Teil ihres Wesens, sondern zu einem Werkzeug, das man hervorholt, wenn es praktisch ist, und wieder weglegt, wenn nicht. Eine Figur, deren Eigenschaften sich danach richten, was die Handlung gerade verlangt, wirkt beliebig. Sie wirkt nicht wie ein Mensch, sondern wie ein Bauteil.

> Wer eine Figur nur dann mit ihrer Vergangenheit ausstattet, wenn die Szene es verlangt, der beraubt sie genau dessen, was sie erst interessant macht: der inneren Widersprüche, die aus einer echten Geschichte entstehen.

Genau hier liegt die vertane Gelegenheit. Ein eigenes Projekt für Nick Fury hätte die Möglichkeit geboten, all das zusammenzuführen: den Mann, der die Avengers gegründet hat, den Mann, der jahrzehntelang Geheimnisse vor seinen eigenen Verbündeten gehütet hat, den Mann, der älter ist, als er aussieht, und der mehr verloren hat, als er je zugeben würde. Stattdessen bekommen wir eine Figur, die durch eine Verschwörungshandlung geschoben wird, ohne dass wir je wirklich erfahren, wer sie eigentlich ist.

### Ein Hauptdarsteller ohne Hauptrolle

Das ist die eigentliche Tragik dieser Serie. Samuel L. Jackson ist ein Schauspieler, der eine Figur mit einem einzigen Blick zum Sprechen bringen kann. Man hätte ihm nur die Gelegenheit geben müssen. Doch *Secret Invasion* behandelt Nick Fury nicht wie einen Protagonisten, der eine Entwicklung durchläuft, sondern wie eine bekannte Marke, die man auf ein Plakat drucken kann. Die Serie trägt seinen Namen, sie dreht sich vorgeblich um ihn, und doch bleibt er seltsam blass.

So bleibt am Ende ein zwiespältiges Gefühl zurück. Nick Fury ist seit fünfzehn Jahren eine der wichtigsten Figuren des Marvel Cinematic Universe. Er hat Filme zusammengehalten, Wendungen ermöglicht und dem Publikum Momente beschert, die im Gedächtnis bleiben. Ein eigenes Projekt hätte ihm endlich die Bühne gegeben, die ihm zusteht. *Secret Invasion* aber verschenkt diese Bühne an eine Handlung, die ihn mehr benutzt, als dass sie ihn erzählt.

## G'iah und die Superkräfte: Die vielleicht schlechteste Entscheidung des MCU

Am Ende der **Secret Invasion Marvel Serie** geschieht etwas, das viele Zuschauerinnen und Zuschauer ratlos zurücklässt. G'iah, die Tochter des Skrull-Anführers Talos, sammelt in der finalen Folge die Kräfte nahezu aller bekannten Superwesen des MCU ein. Die Aufzeichnungen der Serie bestätigen das ausdrücklich: Thanos, Captain Marvel, Hulk, Thor und zahlreiche weitere Kräfte vereinen sich in einer einzigen Figur. Das ist keine kleine Steigerung. Das ist eine Machtkonzentration, die alles bisher Gesehene in den Schatten stellt.

Und genau hier beginnt das Problem. Denn diese Entscheidung wirkt willkürlich. Sie dient keinem erkennbaren erzählerischen Zweck. Man kann sich am Ende der Staffel fragen, wozu diese Figur nun eigentlich in der Lage sein soll und was das für die Zukunft bedeutet. Eine Antwort bleibt die Serie schuldig.

### Eine Figur ohne Aufgabe

Stellen Sie sich vor, Sie schreiben eine Geschichte und geben einer Nebenfigur am Ende sämtliche Fähigkeiten, die Sie je erfunden haben. Was machen Sie dann mit ihr? Genau diese Frage stellt sich beim Blick auf G'iah. Die einzige Verwendung, die sich überhaupt denken lässt, wäre ein früher Auftritt in einem kommenden Avengers-Film. Dort könnte sie zu Beginn von Kang getötet werden, allein um dessen Überlegenheit zu demonstrieren. Das wäre ein denkbares Szenario, aber ein ziemlich bitteres für eine Figur, die gerade erst eingeführt wurde.

Denn damit würde man eine Figur aufbauen, nur um sie sofort wieder zu opfern. Das ist keine Steigerung. Das ist eine Sackgasse.

### Ein unkontrollierbares Element im Machtgefüge

Schauen wir genauer hin, was hier eigentlich passiert. Das MCU lebt seit jeher von einer sorgfältig austarierten Balance. Jede Figur hat ihre Grenzen, ihre Schwächen, ihre Rolle im großen Ganzen. G'iah besitzt nach dem Finale nichts davon mehr. Sie ist zu einem unkontrollierbaren Element geworden, das das gesamte Machtgefüge durcheinanderbringt.

Wer soll sie aufhalten? Wer soll ihr ebenbürtig sein? Diese Fragen bleiben offen, und genau das belastet die Zukunft des Franchise. Statt einer sinnvollen Steigerung, wie sie das MCU in früheren Phasen so gut beherrschte, steht nun eine übermächtige Figur im Raum, für die es keinen klaren Platz gibt.

### Was das für die Zukunft bedeutet

Man muss kein Hellseher sein, um zu erkennen, dass hier eine Last entstanden ist. Die Drehbuchautorinnen und Drehbuchautoren der kommenden Projekte werden sich mit G'iah auseinandersetzen müssen. Entweder man ignoriert sie, was unglaubwürdig wäre. Oder man schreibt ihr eine Rolle zu, die ihrer Machtfülle gerecht wird, und das ist enorm schwierig.

Vergleicht man diesen Umgang mit dem früherer MCU-Figuren, fällt der Unterschied deutlich auf. Früher wurde jede neue Figur behutsam in das größere Gefüge eingefügt. Heute entsteht der Eindruck, dass eine einzelne Entscheidung am Ende einer Serie das gesamte Gleichgewicht ins Wanken bringt. Für viele Fans bleibt am Ende vor allem ein Gefühl: Hier wurde eine große Chance vergeben.

## Die Zukunft: Kann sich das MCU wieder fangen?

Wer nach der Enttäuschung von **Secret Invasion** den Glauben an das Marvel Cinematic Universe verloren hat, darf trotzdem vorsichtig hoffen. Denn hinter den Kulissen hat bei Marvel Studios längst eine Aufräumarbeit begonnen, die genau an den Stellen ansetzt, an denen die vergangenen Jahre aus dem Ruder liefen. Die Frage ist nicht mehr, ob sich etwas ändern muss, sondern ob die Änderungen schnell genug greifen.

Ein Blick auf den offiziell angekündigten Fahrplan zeigt, wie sehr sich das Unternehmen inzwischen selbst korrigiert. Der auf der Comic-Con vorgestellte Zeitplan für Phase 5 und Phase 6 war aus heutiger Sicht kaum einzuhalten, und schon wenige Wochen später begannen die ersten Verschiebungen. Der Überlieferung nach galt dieser Kalender bereits zum Zeitpunkt seiner Präsentation als äußerst ehrgeizig. Genau diese Ehrfurcht vor dem eigenen Anspruch hat Marvel nun teuer bezahlt.

| Projekt | Veränderung |
|---|---|
| Blade | mehrfach verschoben, unter anderem von 2023 auf 2025 |
| Armor Wars | von der Serie zum Kinofilm umgewandelt |
| Avengers: Secret Wars | von 2025 auf 2027 verschoben |

Diese Verschiebungen sind kein Zeichen von Schwäche, sondern von Vernunft. Denn wer einen so großen Apparat steuert, braucht Zeit, um Drehbücher zu überarbeiten, visuelle Effekte zu verbessern und Figuren wieder in eine stimmige Erzählung einzubetten. Genau diese Zeit hat sich Marvel mit den Streiks von 2023 teilweise selbst verschafft. Die Arbeitsniederlegungen der Drehbuchautoren und der Schauspielerinnen und Schauspieler legten zahlreiche Produktionen still, und das Studio nutzte die Pause, um an Skripten zu feilen und Projekte inhaltlich neu auszurichten. Aus einem erzwungenen Stillstand wurde so ein heilsamer Neuanfang.

### Welche Serien sind für die Zukunft angekündigt?

Für die kommenden Jahre stehen gleich mehrere Serien in den Startlöchern. Offiziell angekündigt sind *Daredevil: Born Again*, *Wonder Man* und *Vision Quest*. Alle drei Projekte befinden sich in Produktion oder wurden von Marvel Studios bestätigt. Damit setzt das Studio wieder stärker auf Figuren, die im MCU bereits verwurzelt sind oder an bekannte Erzählstränge anknüpfen, statt permanent neue Gesichter einzuführen.

### Warum gibt es trotzdem Skepsis?

Die Zweifel sind berechtigt, denn nicht jedes angekündigte Projekt weckt Vorfreude. Gegenüber Serien wie *Echo*, *Ironheart* und *Agatha* besteht weiterhin erhebliche Skepsis. *Echo* wurde um ein Jahr verschoben, von 2023 auf Januar 2024, und alle Folgen erschienen am selben Tag. *Agatha* wurde mehrfach verschoben, unter anderem auf September 2024. *Ironheart* wiederum wurde über den Film *Black Panther: Wakanda Forever* aus dem Jahr 2022 ins MCU eingeführt, ein Debüt, das nicht bei allen Zuschauern gut ankam.

Die entscheidende Frage lautet nicht, ob das nächste Projekt perfekt wird. Sie lautet, ob Marvel Studios wieder begreift, dass Qualität vor Quantität geht. Genau diesen Kurs scheint das Unternehmen mit der Rückkehr von Bob Iger als CEO im November 2022 eingeschlagen zu haben.

Denn die eigentliche Ursache der Misere lag nicht in einzelnen Fehlentscheidungen, sondern in einem System, das zu viel auf einmal wollte. Unter Bob Chapek, der Disney von 2020 bis 2022 führte, wurde der Content-Ausstoß massiv erhöht. Marvel Studios, einst ein Studio mit drei Filmen pro Jahr, sollte plötzlich eine deutlich größere Menge an Filmen, Serien und Animationen stemmen. Diese Ausweitung blieb nicht ohne Folgen für die Qualität, auch wenn sich ein direkter kausaler Zusammenhang nicht in jedem Einzelfall belegen lässt.

Mit der Rückkehr von Bob Iger im November 2022 keimte die Hoffnung auf, dass die alte Ordnung wiederhergestellt wird. Die Menge sollte wieder hinter die Güte zurücktreten. Ob dieser Anspruch eingelöst wird, entscheidet sich in den nächsten zwei bis drei Jahren. Die Zeichen stehen nicht schlecht, denn das Studio hat aus seinen Fehlern sichtbar gelernt. Die Serie **Secret Invasion** bleibt dabei der mahnende Wendepunkt, an dem die Rechnung endgültig präsentiert wurde.


## Frequently asked questions

**Was ist Secret Invasion und worum geht es in der Marvel-Serie?**

Secret Invasion ist eine sechsteilige Serie von Marvel Studios, die 2023 auf Disney+ erschien. Im Mittelpunkt steht Nick Fury, gespielt von Samuel L. Jackson. Er kehrt aus dem Weltraum zurück und entdeckt, dass sich Skrulls, also gestaltwandlerische Außerirdische, seit Jahren auf der Erde versteckt haben. Die Serie erzählt von einer schleichenden Invasion, bei der niemand mehr sicher sein kann, wem er noch trauen darf.

**Warum wird Secret Invasion von Fans und Kritikern so schlecht bewertet?**

Ein zentraler Grund liegt in der Erzählweise. Das Format mit sechs Folgen lässt den Figuren kaum Raum, sich zu entwickeln, und wirkt eher wie ein zerlegter Film als eine eigenständige Serie. Hinzu kommen schwache Dialoge, eine kaum überraschende Handlung und eine Produktion, die trotz eines Budgets von rund 212 Millionen US-Dollar überwiegend in Innenräumen und Fahrzeugen spielt. Viele Zuschauer empfanden die Serie als den bis dahin schwächsten Beitrag des MCU.

**Wer sind die Hauptfiguren in Secret Invasion und welche Rollen spielen sie?**

Neben Nick Fury, dem früheren Direktor von S.H.I.E.L.D., stehen Talos, der Anführer der auf der Erde lebenden Skrulls, sowie seine Tochter G'iah im Zentrum. Maria Hill, langjährige Vertraute von Fury, kehrt ebenfalls zurück. Auf der Gegenseite agiert Gravik, ein Skrull, der die Erde gewaltsam übernehmen will. Hinzu kommen Sonya Falsworth als britische Geheimdienstagentin und James Rhodes, genannt Rhodey, ein enger Verbündeter aus den Avengers-Filmen.

**Wie hat sich die Qualität der MCU-Serien seit WandaVision verändert?**

WandaVision und Loki gelten vielen Beobachtern noch heute als die stärksten MCU-Serien, gefolgt von The Falcon and the Winter Soldier und Hawkeye. Diese ersten vier Produktionen waren als limitierte Serien mit sechs oder neun Folgen angelegt und erzählten ihre Geschichten vergleichsweise sorgfältig. Mit späteren Titeln wie Moon Knight, Ms. Marvel und She-Hulk setzte eine erkennbare Abwärtsbewegung ein, die in Secret Invasion ihren vorläufigen Tiefpunkt erreichte.

**Was bedeutet das Ende von Secret Invasion für das zukünftige MCU?**

Am Ende verfügt G'iah über die Kräfte zahlreicher Superwesen, darunter Thanos, Captain Marvel, der Hulk und Thor. Damit entsteht eine Figur von kaum fassbarer Stärke, für die bislang kein klarer erzählerischer Platz erkennbar ist. Ob sie in kommenden Filmen wie Avengers: Secret Wars eine Rolle spielt, ist offen. Sicher ist nur, dass die Serie viele Fäden offen lässt, die das MCU erst noch aufgreifen muss.

**Hat Secret Invasion etwas mit den Comics zu tun und wo liegen die Unterschiede?**

Die Vorlage ist die gleichnamige Comic-Miniserie, deren Slogan "Wem können Sie vertrauen?" lautete. Dort waren es jahrzehntelang bekannte Heldinnen und Helden, die sich als Skrulls entpuppten, und genau daraus entstand die Spannung. Die Serie geht einen anderen Weg. Sie tötet Maria Hill bereits in der ersten Folge und setzt ansonsten stark auf neu eingeführte Figuren, zu denen das Publikum noch keine Bindung aufbauen konnte.

**Warum wurde G'iah in Secret Invasion so mächtig und was sind die Konsequenzen?**

Im Finale sammelt G'iah die Fähigkeiten zahlreicher außergewöhnlicher Wesen in sich, von Thanos über Captain Marvel bis hin zu Hulk und Thor. Damit wird sie zur stärksten Figur, die das MCU bislang gezeigt hat. Diese Entscheidung gilt unter Kritikern als eine der fragwürdigsten der jüngeren Marvel-Geschichte, weil sie jede künftige Bedrohung entwertet. Eine sinnvolle Verwendung dieser Figur ist bis heute nicht erkennbar.

**Wie beeinflusst der Disney+ Serienplan die Qualität der Marvel-Serien?**

Unter Disney-CEO Bob Chapek wurde zeitweise sehr viel Inhalt für Disney+ produziert, und Marvel Studios weitete seine Produktion erheblich aus. Diese Menge ging zulasten der Sorgfalt, was sich an mehreren Serien und Filmen zeigte. Mit der Rückkehr von Bob Iger im November 2022 als CEO setzte ein Kurswechsel ein, der Qualität wieder vor Quantität stellen soll. Die Streiks von 2023 verschafften vielen Projekten zusätzliche Zeit für Überarbeitungen. Hinweis der Redaktion: Nicht bestätigte Details werden in diesem Beitrag ausdrücklich als offen oder spekulativ gekennzeichnet.

Canonical: https://staunen.madeda.com/secret-invasion-warum-die-marvel-serie-enttauscht/
