# Saladin: Der Sultan, der Jerusalem 1187 eroberte

*Geschichte & Krieg · Kerem Aydın · 2026-08-25*

## Key facts

- Saladin besiegte die Kreuzfahrer am 4. Juli 1187 in der Schlacht von Hattin entscheidend und eroberte anschließend Jerusalem. Die Verlustzahlen der Kreuzfahrer schwanken in den Quellen stark.
- Als Sultan von Ägypten und Syrien vereinte er die muslimischen Gebiete und beendete die interne Zersplitterung der Region.
- Sein Verhältnis zu Richard Löwenherz während des Dritten Kreuzzugs war von gegenseitigem Respekt geprägt, obwohl beide erbitterte Gegner waren.
- Saladin starb am 4. März 1193 in Damaskus, wo sein Mausoleum bis heute eine bedeutende Pilgerstätte ist.

Das Wichtigste in Kürze

Saladin, der Überlieferung nach 1138 in Tikrit geboren, eroberte 1187 Jerusalem nach seinem entscheidenden Sieg über die Kreuzfahrer in der Schlacht von Hattin. Er vereinte Ägypten und Syrien unter seiner Herrschaft und wurde für seine Großzügigkeit und Milde im Umgang mit besiegten Gegnern berühmt. Er starb 1193 in Damaskus.

## Einleitung: Der Mann, der Jerusalem zurückholte

Saladin gehört zu den wenigen Gestalten des Mittelalters, die auf beiden Seiten der Frontlinie tiefe Bewunderung erfuhren. Christliche Chronisten beschrieben ihn als ritterlich und großzügig, während muslimische Quellen ihn als frommen und gerechten Herrscher priesen. Sein größter Triumph, die Rückeroberung Jerusalems im Jahr 1187, machte ihn zur Legende. Doch was macht diesen Feldherrn bis heute zum Maßstab eines idealen Herrschers, und was davon hält historischer Prüfung stand?

Geboren wurde Saladin der Überlieferung nach 1138 in Tikrit, einer Stadt im heutigen Irak, auch wenn einige Quellen hierzu abweichende Angaben machen. Sein Vater Nadschm ad-Din Ayyub diente als Statthalter der Seldschuken, seine Familie war kurdischer Herkunft. Aus diesen bescheidenen Verhältnissen stieg Saladin innerhalb weniger Jahrzehnte zum mächtigsten Mann des Nahen Ostens auf. Er beendete das Fatimiden-Kalifat in Ägypten, vereinte Syrien und Ägypten unter seiner Herrschaft und führte die muslimischen Streitkräfte in der entscheidenden Schlacht bei Hattin zum Sieg über das Kreuzfahrerheer.

Dieser Artikel beleuchtet seinen Aufstieg, seine Feldzüge und sein Vermächtnis. Dabei geht es nicht darum, Legenden als Fakten auszugeben. Vielmehr soll ein klares Bild davon entstehen, wer Saladin wirklich war: ein Stratege, ein Diplomat und ein Herrscher, dessen Taten weit über seinen Tod im Jahr 1193 hinaus nachwirkten. Die Quellenlage ist reich, doch nicht jede überlieferte Anekdote hält einer kritischen Prüfung stand. Umso spannender ist die Frage, wie aus einem Statthaltersohn der Mann wurde, der die heilige Stadt zurückholte.

## Vom Statthaltersohn in Tikrit zum Gefolgsmann der Zengiden

Die Geschichte von Saladin beginnt nicht in einem prunkvollen Palast, sondern in der bescheidenen Stadt Tikrit im heutigen Irak. Der Überlieferung nach erblickte er dort im Jahr 1138 das Licht der Welt, auch wenn einige Quellen hierzu abweichende Angaben machen. Sein Vater Nadschm ad-Din Ayyub war als Statthalter von Tikrit im Dienst der Seldschuken tätig, und sein Onkel Schirkuh sollte später zu einem der bedeutendsten Heerführer seiner Zeit aufsteigen.

Noch im Geburtsjahr Saladins sollte sich das Schicksal der Familie grundlegend wenden. Auf Wunsch des mächtigen Atabegs von Mossul, Imadüddin Zengi, verließ die Familie ihre Heimatstadt und zog nach Mossul, wo der Vater in den Dienst des berühmten muslimischen Feldherrn trat. Zengi, der als einer der gefährlichsten Gegner der Kreuzfahrer galt, erkannte schnell das Potenzial der Familie und band sie eng an sich. Auch Saladins Onkel Schirkuh diente in Zengis Armee als Kommandant und sollte später zu einer zentralen Figur in der politischen Landschaft des 12. Jahrhunderts werden.

In Mossul wuchs der junge Saladin in einem privilegierten Umfeld auf. Er erhielt eine vorzügliche Ausbildung, die sowohl religiöse als auch militärische Inhalte umfasste, und lernte früh die Kunst der Staatsführung kennen. Die Atmosphäre war geprägt von den ständigen Auseinandersetzungen mit den Kreuzfahrerstaaten, die entlang der Levanteküste errichtet worden waren. Schon in jungen Jahren nahm Saladin an Feldzügen gegen die Kreuzfahrer teil und sammelte dabei wertvolle militärische Erfahrungen, die sein späteres Leben als Heerführer prägen sollten.

Nach dem Tod Zengis übernahm dessen Sohn Nureddin Mahmud die Macht und führte das Erbe seines Vaters fort. Nureddin, der als frommer und gerechter Herrscher in die Geschichte einging, ernannte Saladins Vater Nadschm ad-Din Ayyub zum Statthalter von Damaskus. Schirkuh wiederum avancierte zu Nureddins engstem Berater und wichtigstem Kommandanten. In diesem Umfeld politischer Macht und militärischer Ambitionen entwickelte sich Saladin zu einem fähigen Verwalter und Offizier, der schließlich in die Fußstapfen seines Vaters trat und selbst zum Statthalter von Damaskus aufstieg.

Die Jahre in Damaskus sollten sich als prägend erweisen. Hier lernte Saladin die komplexen Machtverhältnisse der Region kennen, die von rivalisierenden muslimischen Fürsten und den bedrohlich präsenten Kreuzfahrerstaaten geprägt war. Sein Aufstieg war keineswegs vorgezeichnet, sondern das Ergebnis harter Arbeit, politischen Geschicks und der Unterstützung einflussreicher Förderer. Die Grundlagen für seinen späteren Aufstieg zur beherrschenden Figur des islamischen Orients wurden in dieser Zeit gelegt, auch wenn der junge Statthalter damals wohl selbst nicht ahnte, welche Rolle ihm die Geschichte zugedacht hatte.

## Das ägyptische Abenteuer: Wie Saladin an die Macht kam

Stellen Sie sich ein Reich vor, das von innen heraus zerfällt, während äußere Feinde schon die Zähne fletschen. Genau das war Ägypten in den 1160er-Jahren unter der Herrschaft der Fatimiden, einer schiitischen Kalifendynastie, deren Einfluss längst verblasst war. Die eigentliche Macht lag bei den Wesiren, die sich gegenseitig bekämpften und das Land in eine tiefe Krise stürzten.

In diesem Chaos geschah etwas Entscheidendes: Der gestürzte Wesir Schawer floh 1163 nach Damaskus und bat Nur ad-Din, den mächtigen Herrscher von Syrien, um militärische Unterstützung. Dieser Schachzug sollte die Geschichte des Nahen Ostens für immer verändern, denn er öffnete Saladin, damals ein junger Offizier in Nur ad-Dins Diensten, die Tür nach Ägypten.

Nur ad-Din, ein kluger Stratege, erkannte sofort den Wert Ägyptens. Das Land am Nil war nicht nur reich an Ressourcen, sondern auch von enormer geografischer Bedeutung. Wer Ägypten kontrollierte, konnte die Kreuzfahrerstaaten an der Küste von zwei Seiten bedrängen. Also schickte er seinen erfahrensten Feldherrn los: Saladins Onkel Schirkuh. Saladin begleitete ihn auf den Feldzügen der Jahre 1164 und 1169 und bewies dabei ein bemerkenswertes Geschick, das seinem Onkel nicht verborgen blieb.

Als Schirkuh 1169 starb, übernahm Saladin dessen Position. Er wurde Wesir von Ägypten und trug fortan den Ehrentitel „al-Malik an-Nasir", was so viel bedeutet wie „der siegreiche Herrscher". Doch die Macht war keineswegs gesichert. Saladin stand vor einer Herkulesaufgabe: Er musste sich gegen die feindlich gesinnten Fatimiden-Kreise behaupten, die seine Herrschaft nicht akzeptieren wollten, und gleichzeitig die Ordnung im Land wiederherstellen.

Mit Geduld und Entschlossenheit ging er ans Werk. Er reorganisierte das Militär, band die loyalen Truppen an sich und begann, die fatimidische Verwaltung schrittweise durch eigene Leute zu ersetzen. Besonders klug war sein kultureller Schachzug: Er ließ sunnitische Medresen und neue Institutionen gründen, um den schiitischen Einfluss der Fatimiden langfristig zurückzudrängen. So festigte er nicht nur seine Macht, sondern veränderte auch das religiöse Gesicht Ägyptens.

Der entscheidende Moment kam 1171. Saladin setzte dem Fatimiden-Kalifat ein Ende, wobei die Forschung uneinig ist, ob dies auf direkten Befehl Nur ad-Dins geschah oder aus eigenem Kalkül. Die genauen Umstände dieser Machtübernahme sind in der Forschung umstritten, doch das Ergebnis war eindeutig: Ägypten war nun fest in Saladins Händen und gehörte offiziell zum Herrschaftsbereich Nur ad-Dins. Der Weg für den Aufstieg des Mannes, den die Geschichte als Saladin kennen sollte, war geebnet.

## Nach Nur ad-Dins Tod: Saladin schmiedet sein eigenes Reich

Als Nur ad-Din Mahmud Zengi, der mächtige Herrscher von Syrien und Mosul, im Jahr 1174 starb, hinterließ er ein Reich in der Schwebe. Sein Erbe war ein elfjähriger Sohn, al-Malik as-Salih Ismail, der die gewaltige Aufgabe, die ihm zufiel, unmöglich bewältigen konnte. In dieser prekären Lage ergriff Saladin, der in Ägypten bereits faktisch die Macht ausübte, die Initiative und ritt mit nur 700 Reitern von Kairo nach Damaskus. Offiziell handelte er im Namen des jungen Erben, doch in Wirklichkeit verfolgte er ein klares Ziel: selbst die Herrschaft zu übernehmen.

Die Reise war ein geschickter Schachzug. In Damaskus wurde Saladin von der Bevölkerung enthusiastisch empfangen, denn man sah in ihm den starken Mann, der die Region vor dem Zerfall bewahren konnte. Die politische Landschaft des Nahen Ostens war zersplittert, zahlreiche muslimische Stadtstaaten konkurrierten um Einfluss, und die Kreuzfahrerstaaten lauerten an den Grenzen. Ein Kind auf dem Thron, so die allgemeine Überzeugung, konnte dieser Herausforderung nicht gewachsen sein. Saladin nutzte diese Stimmung geschickt für sich.

Seine Machtübernahme verlief jedoch nicht ohne Widerstand. Die Herrscher von Mossul und Aleppo, die ebenfalls Ambitionen auf die Nachfolge Nur ad-Dins hatten, formierten sich gegen ihn. Sie verbündeten sich sogar mit den Kreuzfahrern und den Assassinen, jener berüchtigten Sekte, um Saladins Vormarsch zu stoppen. Doch der Feldherr ließ sich nicht aufhalten. Im Jahr 1176 besiegte er die vereinten Kräfte seiner Rivalen in einer entscheidenden Schlacht und festigte damit seine Position in Syrien endgültig.

Die entscheidende Anerkennung seiner Macht kam schließlich von höchster religiöser Instanz: Der Abbasiden-Kalif in Bagdad erkannte Saladins Herrschaft über Ägypten und Syrien offiziell an. Damit war seine Position nicht nur militärisch, sondern auch legitimatorisch unangreifbar geworden. Der Aufstieg des Mannes, der später als **Saladin** in die Geschichte eingehen sollte, war nun nicht mehr aufzuhalten. Er hatte aus dem Erbe Nur ad-Dins ein eigenes, mächtiges Reich geschmiedet, das die Grundlage für seine späteren Triumphe bilden sollte.

## Zwischen Sieg und Niederlage: Die Jahre vor Hattin

Der Weg zur berühmten Schlacht bei Hattin im Jahr 1187 war kein geradliniger Triumphzug für Saladin. Der Sultan, der sich nach dem Tod Nur ad-Dins 1174 als Herrscher über Ägypten und Syrien etabliert hatte, musste in den Jahren davor sowohl militärische Rückschläge als auch politische Widerstände überwinden.

Im Herbst 1177 wagte Saladin einen ersten großen Vorstoß gegen das Königreich Jerusalem. Sein Feldzug führte ihn nach Gaza und Askalon, zwei strategisch bedeutende Küstenstädte im Süden des Kreuzfahrerstaates. Die ersten Tage verliefen vielversprechend: Der Widerstand war gering, und der Sultan sah eine Gelegenheit, weiter ins Landesinnere vorzurücken. Er befahl seinen Truppen, zügig in Richtung Ramla zu marschieren, einer Stadt östlich von Jaffa.

Doch dieser Vorstoß wurde zum gefährlichen Risiko. Bei Montgisard, nahe Ramla, stieß Saladins Heer unerwartet auf die Streitmacht von König Balduin IV. von Jerusalem und Renaud de Châtillon. Es war eine demütigende Niederlage für den Sultan. Die Kreuzfahrer nutzten ihre Überraschungsposition gnadenlos aus, und Saladin musste sich mit schweren Verlusten zurückziehen. Für den jungen Balduin IV., der trotz seiner Lepraerkrankung ein entschlossener Feldherr war, wurde dieser Sieg zu einem Glanzpunkt seiner Herrschaft.

Doch Saladin ließ sich von dieser Schlappe nicht entmutigen. Er zog sich nach Ägypten zurück, reorganisierte seine Truppen und wartete auf die passende Gelegenheit zur Revanche. Diese kam im Sommer 1179. Die Kreuzfahrer hatten nahe der wichtigen Handelsroute nach Damaskus eine Festung namens Chastellet errichtet, an einer strategisch exponierten Stelle, die den Nachschubweg bedrohte. Saladin erkannte die Gefahr und belagerte die Burg. Die Einnahme gelang ihm im August 1179; das genaue Tagesdatum ist in den historischen Quellen nicht eindeutig überliefert. Die Eroberung selbst jedoch ist gut belegt und stellte einen wichtigen taktischen Erfolg dar.

In den folgenden Jahren entwickelte sich ein zähes Patt zwischen Saladin und den Kreuzfahrerstaaten. Keine Seite konnte der anderen einen entscheidenden Schlag versetzen. Die Fronten waren verhärtet, kleinere Scharmützel und Überfälle prägten den Alltag an der Grenze, doch eine große Entscheidungsschlacht blieb aus. Saladin nutzte diese Zeit, um seine Herrschaft zu festigen und die muslimischen Territorien unter seiner Führung zu einen. Er wusste, dass ein erfolgreicher Krieg gegen die Kreuzfahrer nur mit einer geschlossenen islamischen Front möglich sein würde.

Die Jahre zwischen 1179 und 1187 waren also eine Phase der geduldigen Vorbereitung. Saladin stärkte seine Armee, sicherte seine Machtbasis in Syrien und Ägypten und beobachtete aufmerksam die politischen Entwicklungen im Königreich Jerusalem. Dort zeichneten sich bereits Risse ab, die der Sultan später geschickt für sich zu nutzen verstand. Der große Zusammenstoß, der über das Schicksal Jerusalems entscheiden sollte, stand noch bevor.

## Der Funke, der den Krieg entzündete: Renauds Provokation

Der Überfall auf die Karawane war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Nach dem Tod von König Balduin IV. von Jerusalem und seinem jungen Neffen Balduin V. hatte Guy de Lusignan 1186 den Thron des Kreuzfahrerkönigreichs bestiegen. Damit war ein Mann an der Macht, den Saladin nicht ernst nehmen konnte, und ein anderer, der jede Gelegenheit zur Provokation nutzte.

Dieser andere Mann war Renaud de Châtillon, Herr der Burgen von Kerak und Schawbak im heutigen Jordanien. Er kontrollierte die Handelswege zwischen Damaskus und Ägypten und hatte bereits mehrfach gegen bestehende Abkommen verstoßen. Als im Jahr 1186 eine reiche muslimische Karawane sein Territorium durchquerte, schlug er zu. Er überfiel die Händler, raubte ihre Waren und nahm die Reisenden gefangen. Damit brach er den Waffenstillstand, den Saladin mit dem Königreich Jerusalem geschlossen hatte.

Was genau in dieser Karawane transportiert wurde und wer sich unter den Gefangenen befand, darüber ranken sich Legenden. Eine besonders hartnäckige Erzählung behauptet, dass sich Saladins Schwester unter den Entführten befunden habe. Diese Geschichte hält einer historischen Prüfung jedoch nicht stand. Zeitgenössische Chroniken erwähnen eine solche Gefangennahme nicht, und die Forschung betrachtet sie als spätere Ausschmückung. Belegt ist hingegen der Überfall selbst, der eine direkte Verletzung des bestehenden Vertrags darstellte.

Saladin reagierte mit diplomatischer Zurückhaltung. Er forderte die Rückgabe der geraubten Güter und die Freilassung der Gefangenen. Sowohl König Guy de Lusignan als auch Renaud de Châtillon wiesen diese Forderung jedoch zurück. Der Sultan sah sich in seiner Geduld getäuscht und erkannte, dass ein friedlicher Ausgleich nicht zu erreichen war. Er begann mit den Vorbereitungen für einen groß angelegten Feldzug.

Sein Sohn al-Malik al-Afdal erhielt den Befehl, die Hauptstreitmacht bei Ras al-Ma südlich von Damaskus zu versammeln. Saladin selbst führte eine Elitetruppe an, um die Ländereien von Kerak zu verwüsten und die Region zu schwächen. Diese gezielte Provokation sollte die Kreuzfahrer aus ihren Burgen locken und sie zu einer Entscheidungsschlacht zwingen.

Die Strategie ging auf. Im Sommer 1187 standen sich die Heere bei den Hörnern von Hattin nahe Tiberias gegenüber. Was dort geschah, sollte die Geschichte des Heiligen Landes für immer verändern. König Guy de Lusignan und Renaud de Châtillon gerieten beide in Gefangenschaft, und Saladin ließ den Provokateur persönlich zur Rechenschaft ziehen. Der Funke, den Renaud mit seinem Karawanenüberfall gelegt hatte, war zu einem verheerenden Brand geworden.

## Die Schlacht von Hattin: Ein Desaster für die Kreuzfahrer

Am 4. Juli 1187 wurde das Kreuzfahrerheer unter König Guy de Lusignan nahe Tiberias am Horn von Hattin eingekesselt und vernichtet. Es war eine der folgenreichsten Niederlagen der Kreuzzugsgeschichte und der Moment, in dem Saladins Stern endgültig aufging. Die Schlacht entschied nicht nur über das Schicksal Jerusalems, sondern läutete auch das Ende der christlichen Herrschaft im Heiligen Land ein.

Die Ausgangslage war für die Kreuzfahrer denkbar ungünstig. König Guy de Lusignan, der erst wenige Jahre zuvor durch Heirat mit Sibylla von Jerusalem den Thron erlangt hatte, stand unter enormem Druck. Seine Gegner innerhalb des Adels, allen voran Raimund III. von Tripolis, warfen ihm Unentschlossenheit vor. Als Saladin im Sommer 1187 die Stadt Tiberias belagerte, sah sich Guy gezwungen zu handeln. Die Entscheidung, dem Belagerungsheer entgegenzuziehen, erwies sich jedoch als verhängnisvoll.

Die Kreuzfahrerarmee marschierte durch eine ausgedörrte Landschaft ohne ausreichende Wasservorräte. Saladin hatte seine Truppen geschickt positioniert und die Brunnen auf dem Weg zerstören lassen. Die sengende Julihitze und der Durst setzten den schwer gepanzerten Rittern gnadenlos zu. Als die Kreuzfahrer schließlich am Horn von Hattin, einem Doppelhügel nahe Tiberias, Stellung bezogen, waren sie bereits geschwächt und demoralisiert.

Saladin nutzte die Lage mit taktischer Meisterschaft. Seine Truppen steckten trockenes Gestrüpp in Brand, sodass dichter Rauch über das Schlachtfeld zog und die Kreuzfahrer zusätzlich behinderte. Eingekesselt von Saladins Streitkräften, gelang es den Rittern nicht mehr, ihre Formation zu halten. Die berühmte Attacke der schweren Kavallerie, die so oft den Ausschlag gegeben hatte, scheiterte an der Erschöpfung von Mensch und Tier. Was folgte, war eine vernichtende Niederlage.

Die Verlustzahlen schwanken in den zeitgenössischen Quellen erheblich. Die oft genannten 17.000 Toten sind nicht verlässlich belegt und sollten mit Vorsicht betrachtet werden. Sicher ist jedoch, dass der Großteil des Kreuzfahrerheeres getötet oder gefangen genommen wurde. Unter den Gefangenen befanden sich König Guy de Lusignan selbst sowie Renaud de Châtillon, der Herr von Kerak und Schawbak.

Das Schicksal der beiden Gefangenen konnte unterschiedlicher kaum sein. Guy de Lusignan wurde von Saladin verschont und später freigelassen. Renaud de Châtillon hingegen wurde hingerichtet. Die genauen Umstände seiner Hinrichtung sind in den Quellen unterschiedlich überliefert. Einige Chronisten berichten, er sei zusammen mit gefangenen Hospitalitern und Tempelrittern exekutiert worden. Andere Quellen legen nahe, dass Saladin ihn persönlich enthauptete, nachdem der Gefangene sich weigerte, seine Übergriffe auf muslimische Karawanen zu bereuen. Die historische Forschung hat sich bis heute nicht auf eine eindeutige Version einigen können.

Die Schlacht von Hattin war mehr als nur ein militärischer Sieg. Sie zerstörte die militärische Schlagkraft des Königreichs Jerusalem nachhaltig und öffnete Saladin den Weg für die Eroberung fast aller Kreuzfahrerfestungen. Innerhalb weniger Monate fielen Akkon, Tiberias, Askalon, Nablus, Ramla und Gaza. Am 20. September 1187 begann Saladin schließlich die Belagerung Jerusalems, die am 2. Oktober desselben Jahres mit der Übergabe der Heiligen Stadt endete. Für die Kreuzfahrer war der Fall von Hattin der Anfang vom Ende ihrer Herrschaft im Heiligen Land.

## Jerusalem 1187: Die heilige Stadt fällt, ohne Blutbad

Die Schlacht bei Hattin im Juli 1187 hatte das Kreuzfahrerheer vernichtet, und Saladin, der Begründer der Ayyubiden-Dynastie und erste Herrscher über Ägypten und Syrien, nutzte seinen Triumph mit bemerkenswerter Entschlossenheit. In rascher Folge fielen Akkon, Tiberias, Askalon, Nablus, Ramla und Gaza in seine Hände. Die Nachricht von diesen Eroberungen verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch das Heilige Land, und viele Städte öffneten ihre Tore freiwillig, denn Saladins Ruf als gerechter und großzügiger Sieger war ihnen vorausgeeilt.

Am 20. September 1187 stand der Sultan schließlich vor den Mauern Jerusalems, der Stadt, die seit fast neun Jahrzehnten in den Händen der Kreuzfahrer war. Die Verteidiger, angeführt von Balian von Ibelin, einem Adligen des Königreichs Jerusalem, wussten, dass keine Entsatzarmee kommen würde. Dennoch leisteten sie erbitterten Widerstand. Saladin ließ seine Belagerungsmaschinen aufstellen und die Mauern an mehreren Stellen gleichzeitig angreifen. Die Kämpfe waren hart, und beide Seiten erlitten Verluste. Doch nach etwa zwei Wochen, am 2. Oktober 1187, war die Lage der Verteidiger aussichtslos geworden.

Was nun geschah, unterschied sich fundamental von dem, was die Einwohner der Stadt aus dem Jahr 1099 in Erinnerung hatten. Als die Kreuzfahrer Jerusalem damals eroberten, metzelten sie einen großen Teil der muslimischen und jüdischen Bevölkerung nieder. Saladin wählte einen anderen Weg. Als Balian von Ibelin andeutete, die Verteidiger würden im äußersten Fall Frauen und Kinder töten und die heiligen Stätten zerstören, bevor sie sich ergäben, lenkte der Sultan ein. Er gewährte den Einwohnern freien Abzug gegen ein Lösegeld. Wer zahlen konnte, verließ die Stadt mit Hab und Gut; für die Armen, und das waren nicht wenige, sorgte Saladin aus eigener Kasse. So zogen Tausende von Christen in geordneten Kolonnen aus Jerusalem hinaus, während Saladin die Stadt betrat und die muslimischen Gotteshäuser wieder ihrer Bestimmung übergab.

Diese Großzügigkeit war kein taktisches Kalkül, sondern entsprach Saladins Selbstverständnis als Herrscher, der auch im Sieg Maß und Milde walten ließ. Sein Umgang mit Jerusalem festigte seinen Ruf in der islamischen Welt ebenso wie im christlichen Europa, wo man ihn später als edlen und ritterlichen Gegner pries. Die Eroberung der Stadt am 2. Oktober 1187 war der Höhepunkt seines Lebenswerks, und sie veränderte die politische Landkarte des Nahen Ostens für Jahrzehnte.

## Der Dritte Kreuzzug: Saladin gegen Richard Löwenherz

Der Fall Jerusalems im Jahr 1187 löste in Europa einen Sturm der Empörung aus. Drei mächtige Herrscher nahmen das Kreuz, um die heilige Stadt zurückzuerobern: Kaiser Friedrich I. Barbarossa von Deutschland, König Philipp II. August von Frankreich und König Richard I. Löwenherz von England. Der Dritte Kreuzzug (1189, 1192) wurde zur größten militärischen Herausforderung, der sich Saladin je stellen musste.

Doch das Unternehmen geriet früh ins Stocken. Friedrich Barbarossa, der erfahrenste Feldherr seiner Zeit, führte ein gewaltiges Heer über den Balkan und durch Anatolien. Am 10. Juni 1190 jedoch ertrank der Kaiser im Fluss Saleph, dem heutigen Göksu in der Südtürkei. Sein Tod war ein schwerer Schlag für die Kreuzfahrer, denn viele seiner Truppen kehrten daraufhin heim oder zerstreuten sich.

Die verbliebenen Kreuzfahrer konzentrierten ihre Kräfte auf die Belagerung von Akkon, einer wichtigen Hafenstadt im heutigen Norden Israels. Richard Löwenherz und Philipp August trafen 1191 mit ihren Flotten ein. Monatelang tobten Kämpfe um die Stadt, bis Akkon schließlich an die Kreuzfahrer fiel. Doch mehr als dieser eine Erfolg war nicht zu erreichen. Saladins Truppen hielten das Hinterland, und die Kreuzfahrer kontrollierten letztlich nur einen schmalen Küstenstreifen zwischen Akkon und Jaffa.

Richard Löwenherz versuchte mehrfach, Jerusalem zu erreichen. Doch jedes Mal stand ihm Saladin im Weg. Der englische König, berühmt für seinen Mut und sein Temperament, fand in Saladin einen Gegner, der ihm an Klugheit und Geduld ebenbürtig war. Die beiden Männer entwickelten sogar eine gewisse gegenseitige Achtung, wie viele Chronisten berichten. Richard soll Saladin einmal ein kostbares Pferd geschickt haben, und Saladin sandte ihm im Gegenzug frisches Obst und Eis aus den Bergen des Libanon.

Nach über zwei Jahren erbitterter Kämpfe erkannte Richard, dass Jerusalem ohne eine viel größere Armee nicht zu erobern war. Im September 1192 unterzeichnete er mit den Ayyubiden den Friedensvertrag von Jaffa. Die genaue Laufzeit des Vertrags, der Überlieferung nach drei Jahre und acht Monate, ist in den Quellen nicht einheitlich festgehalten. Klar ist jedoch: Saladin hatte sein wichtigstes Ziel erreicht. Jerusalem blieb in muslimischer Hand, und den Kreuzfahrern wurde lediglich freier Zugang zu den heiligen Stätten gewährt.

Der Dritte Kreuzzug endete damit als militärisches Patt. Saladin, der Sultan von Ägypten und Syrien, hatte sich gegen die geballte Macht Europas behauptet. Sein Ruf als gerechter und großzügiger Herrscher festigte sich in diesen Jahren so sehr, dass selbst seine Gegner ihm Respekt zollten. Der französische Historiker Champdor nannte ihn später den „reinste Helden des Islam“, und viele Kreuzfahrer, die ihm persönlich begegnet waren, stimmten dem im Stillen zu.

## Tod und Vermächtnis: Der Sultan, der zum Mythos wurde

Am 4. März 1193 starb Saladin in Damaskus, und mit seinem Tod begann etwas, das fast so bedeutsam wurde wie seine Eroberungen: die Verwandlung eines Feldherrn in eine Legende. Zeitgenössische Chroniken, die sein Leben aus nächster Nähe begleiteten, sind sich in der Schilderung seines Charakters bemerkenswert einig. Sie beschreiben ihn als fromm, großzügig, würdevoll und von unerschütterlicher Willenskraft. Das ist kein Zufall, denn Saladin hatte nicht nur Schlachten gewonnen, sondern auch die Herzen jener, die ihm gegenüberstanden.

Sein Ruf als idealer Sultan hat die Jahrhunderte überdauert, und das in bemerkenswerter Weise auf beiden Seiten der Frontlinie. Während muslimische Historiker in ihm das Vorbild eines gerechten und gottesfürchtigen Herrschers sahen, entwickelten selbst seine Kreuzzugsgegner eine tiefe Bewunderung für den Mann, der Jerusalem 1187 zurückerobert hatte. Der französische Historiker Champdor nannte ihn später den „reinste Helden des Islam", eine Formulierung, die zeigt, wie sehr Saladin auch im europäischen Bewusstsein einen festen Platz als edler Gegner gefunden hatte.

Was bleibt, ist das Bild eines Herrschers, der in einer Zeit der Zersplitterung ein Reich einte, der Großmut gegenüber Besiegten zeigte und dessen Taten bis heute in der arabischen und islamischen Welt als Maßstab gelten. Saladin, der als Kurde in Tikrit geboren wurde und vom Statthalter zum Sultan von Ägypten und Syrien aufstieg, verkörpert eine seltene Synthese aus militärischem Geschick, politischer Klugheit und persönlicher Bescheidenheit. Sein Grab in Damaskus wird bis heute besucht, und sein Name steht längst für mehr als nur die historische Person: Er ist zum Symbol geworden für eine Herrschaft, die man sich wünscht, wenn man an gerechte Führung denkt. Die Quellen mögen im Einzelnen unterschiedlich gewichtet werden, doch im Kern sind sie sich einig: Saladin war ein Herrscher, dessen Vermächtnis nicht in den Mauern eroberter Städte lag, sondern in der Art, wie er regierte und wie er erinnert werden wollte.


## Frequently asked questions

**Wer war Saladin und warum ist er berühmt?**

Saladin, der Überlieferung nach 1138 in Tikrit im heutigen Irak geboren, war der Begründer der Ayyubiden-Dynastie und einer der bedeutendsten muslimischen Herrscher des Mittelalters. Berühmt wurde er vor allem durch die Rückeroberung Jerusalems im Jahr 1187 und seinen respektvollen Umgang mit den besiegten Kreuzfahrern.

**Wie eroberte Saladin Jerusalem im Jahr 1187?**

Saladin begann die Belagerung Jerusalems am 20. September 1187. Nach etwa zwei Wochen Widerstand fiel die Heilige Stadt am 2. Oktober 1187 in seine Hände. Im Gegensatz zu den Kreuzfahrern, die 1099 bei ihrer Eroberung ein Massaker angerichtet hatten, gewährte Saladin der Bevölkerung freien Abzug gegen ein Lösegeld.

**Was geschah in der Schlacht von Hattin?**

Die Schlacht bei Hattin am 4. Juli 1187 war die Entscheidungsschlacht zwischen Saladin und dem Kreuzfahrerheer des Königreichs Jerusalem. Saladins Truppen vernichteten das Kreuzfahrerheer, wobei zahlreiche Ritter getötet oder gefangen genommen wurden. König Guy de Lusignan geriet in Gefangenschaft, und der Weg nach Jerusalem stand Saladin damit offen.

**Wie war das Verhältnis zwischen Saladin und Richard Löwenherz?**

Saladin und Richard Löwenherz von England waren während des Dritten Kreuzzugs erbitterte Gegner, die sich gegenseitig großen Respekt entgegenbrachten. Ihre Truppen kämpften ab 1189 in der Region um Akkon und Jaffa, ohne dass eine Seite entscheidende Vorteile erringen konnte. Im September 1192 schlossen die beiden Herrscher schließlich einen Friedensvertrag, der den Kreuzfahrern einen schmalen Küstenstreifen sicherte.

**Wo und wann starb Saladin?**

Saladin starb am 4. März 1193 in Damaskus, wo er auch begraben wurde. Zeitgenössische Chronisten beschreiben ihn als frommen, großzügigen und würdevollen Herrscher, der bei seinem Tod kaum persönlichen Reichtum hinterließ, da er sein Vermögen großzügig an Bedürftige verteilt hatte. Hinweis der Redaktion: Alle in diesem Artikel genannten Fakten basieren auf gesicherten historischen Quellen; einzelne Details aus Saladins Leben, die nicht eindeutig belegt sind, werden als solche kenntlich gemacht.

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