# Petar Blagojevic: Der Vampir von Kisiljevo 1725

*Geschichte & Krieg · Kerem Aydın · 2026-08-14*

## Key facts

- Petar Blagojevic starb 1725 im Dorf Kisiljevo, das damals nach dem Frieden von Passarowitz zu Österreich gehörte.
- Nach seinem Tod starben mehrere Dorfbewohner, die im Sterben seinen Namen nannten, was die Vampirangst auslöste.
- Die Dorfbewohner exhumierten den Leichnam und stellten fest, dass er unverwest war und Blutspuren aufwies.
- Der österreichische Sanitätsoffizier Ernst Frombald verfasste einen offiziellen Bericht über die Vorgänge in Kisiljevo.
- Der Fall von Petar Blagojevic gilt als einer der ersten dokumentierten Vampirfälle in Europa und prägte den modernen Vampirglauben.

Das Wichtigste in Kürze

Im Jahr 1725 starb der Bauer Petar Blagojevic im Dorf Kisiljevo im heutigen Serbien. Nach seinem Tod erkrankten und starben mehrere Dorfbewohner, was die Bevölkerung auf einen Vampir zurückführte. Auf Druck der Anwohner öffnete man sein Grab und fand den Körper unverwest mit Blutspuren. Der amtliche Bericht von Ernst Frombald machte den Fall europaweit bekannt.

## Einleitung: Der Vampir von Kisiljevo

Stellen Sie sich ein kleines Dorf im Herzen Serbiens vor, in dem der Tod eines Mannes eine Welle der Angst auslöst, die bis heute nachhallt. Im Jahr 1725 geschah in Kisiljevo etwas, das als einer der ersten dokumentierten Vampirfälle Europas in die Geschichte einging. Die Geschichte von Petar Blagojevic, einem einfachen Bauern, wurde zur Blaupause für unzählige Vampirgeschichten in Film und Literatur.

Was diesen Fall so bemerkenswert macht, ist nicht allein der Aberglaube der Dorfbewohner, sondern die Tatsache, dass die Ereignisse von einer bürokratischen Verwaltung akribisch festgehalten wurden. Das Gebiet um Kisiljevo war 1718 durch den Frieden von Passarowitz vom Osmanischen Reich an Österreich gefallen. Diese administrative Kontrolle sollte sich als entscheidend erweisen, denn sie hinterließ uns ein seltenes Dokument: einen offiziellen Bericht über einen vermeintlichen Vampir.

Der österreichische Sanitätsoffizier Ernst Frombald wurde mit der Untersuchung beauftragt und hielt persönlich fest, was die aufgebrachten Dorfbewohner ihm berichteten. Seine Aufzeichnungen sind bis heute erhalten und geben uns einen einzigartigen Einblick in die Ängste und Überzeugungen einer längst vergangenen Zeit. Es ist eine Geschichte, die an der Grenze zwischen Aberglauben und Realität, zwischen Angst und Rationalität spielt.

Bevor wir uns den schaurigen Details zuwenden, sollten Sie wissen, dass diese Erzählung nicht nur ein historisches Kuriosum ist. Die Bilder, die sich hier entfalten, haben die Vorstellungskraft von Generationen beflügelt und prägen noch heute unser Verständnis des Vampirmythos. Der Fall von Petar Blagojevic ist der Ursprung vieler Klischees, die Sie aus unzähligen Horrorfilmen kennen.

Die folgenden Abschnitte führen Sie durch die Ereignisse jenes Jahres, von den ersten Todesfällen bis zur dramatischen Exhumierung. Sie werden verstehen, warum dieser Fall bis heute Forscher und Geschichtsinteressierte gleichermaßen fasziniert.

## Der Tod des Bauern und die neun Toten im Dorf

Petar Blagojević, ein einfacher Bauer aus dem Dorf Kisiljevo im heutigen Serbien, starb im Jahr 1725. Was danach geschah, sollte das Dorf für immer verändern und eine der berühmtesten Vampirlegenden Europas begründen. Denn kurz nach seinem Tod starben neun weitere Dorfbewohner, und die Sterbenden flüsterten immer wieder denselben Namen: Blagojević.

Die genaue Zahl der Todesfälle variiert in den historischen Überlieferungen, doch die Aussagen der Sterbenden waren sich erschreckend ähnlich. Berichten zufolge behaupteten sie, Blagojević habe sie nachts überfallen und ihnen die Kehle durchgebissen. Die Angst im Dorf wuchs mit jedem weiteren Todesfall. Man flüsterte von nächtlichen Besuchen des Verstorbenen bei seiner Ehefrau, der er angeblich seine Stiefel abverlangt haben soll. Auch seinem Sohn soll er erschienen sein und nach Essen verlangt haben. Als der Junge sich weigerte, so die Überlieferung, habe Blagojević ihn grausam getötet.

Die Ereignisse spielten sich in einer historisch bewegten Region ab. Das Gebiet um Kisiljevo war erst 1718 durch den Frieden von Passarowitz vom Osmanischen Reich an Österreich gefallen. Die österreichischen Behörden führten daher akribisch Protokoll über die Vorgänge in dem kleinen Dorf. Diese Dokumentation sollte sich als Glücksfall für die Nachwelt erweisen, denn sie hielt fest, was die verängstigten Dorfbewohner berichteten und was schließlich geschah.

Die nächtlichen Besuche bei Ehefrau und Sohn wurden als eindeutige Zeichen des Vampirismus gedeutet. In der slawischen Folklore galt ein Verstorbener, der nachts zurückkehrte, um seine Familie und Nachbarn heimzusuchen, als Wiedergänger, der dringend zur Ruhe gebracht werden musste. Die Dorfbewohner sahen keinen anderen Ausweg mehr, als die Behörden einzuschalten. Sie verlangten, dass Blagojevićs Grab geöffnet und der Leichnam untersucht werde. Die Angst vor dem Toten war so groß, dass niemand mehr wagte, nach Einbruch der Dunkelheit sein Haus zu verlassen.

## Die Exhumierung: Blut am Mund und frische Leiche

Als die Gerüchte über nächtliche Besuche und weitere Todesfälle nicht abrissen, traf die Dorfgemeinschaft von Kisiljevo eine folgenschwere Entscheidung: Sie öffneten das Grab von Petar Blagojevic. Es war ein Schritt, der die Angst vor dem **Petar Blagojevic Vampir** für immer besiegeln sollte.

Der österreichische Sanitätsoffizier Ernst Frombald, der von der Verwaltung beauftragt worden war, die Vorgänge zu untersuchen, war bei der Exhumierung persönlich anwesend. Gemeinsam mit einem Priester dokumentierte er, was die Dorfbewohner an jenem Tag im Jahr 1725 erblickten. Sein offizieller Bericht sollte später in ganz Europa für Aufsehen sorgen.

Was die Menschen am offenen Grab sahen, erschütterte sie bis ins Mark. Petars Haare und Bart waren gewachsen, obwohl er bereits seit Wochen tot war. An seinen Mundwinkeln klebte getrocknetes Blut, und sein Körper zeigte kaum Anzeichen der Verwesung. Für die versammelten Dorfbewohner gab es nur eine Erklärung: Der Tote war nicht wirklich tot. Er war zurückgekehrt, um unter ihnen zu wüten.

Die Männer trieben daraufhin einen Holzpflock in die Brust des Leichnams. Die Überlieferung berichtet, dass dabei frisches Blut aus Mund und Ohren des Toten ausgetreten sein soll. Diese Darstellung ist aus medizinischer Sicht nicht haltbar, doch sie zeigt eindrücklich, wie tief der Aberglaube in jener Zeit verwurzelt war. Die Menschen sahen, was sie sehen wollten, und ihre Angst gab den Ereignissen eine eigene, grausame Logik.

Um sicherzugehen, dass Petar Blagojevic niemals wiederkehren würde, verbrannten die Dorfbewohner seinen Leichnam schließlich vollständig. Die Asche verstreuten sie, sodass von ihm nichts übrig blieb, was hätte zurückkehren können. Für die Menschen von Kisiljevo war die Sache damit erledigt. Für die Geschichte jedoch begann sie gerade erst.

## Der historische Hintergrund: Österreich, Osmanen und Aberglaube

Um den Fall Petar Blagojevic wirklich zu verstehen, müssen Sie die politischen Verwerfungen jener Zeit kennen. Das Dorf Kisiljevo im heutigen Serbien lag im Jahr 1725 in einem Gebiet, das erst sieben Jahre zuvor die Herrschaft gewechselt hatte. Der Frieden von Passarowitz im Jahr 1718 hatte die Region vom Osmanischen Reich an die Habsburgermonarchie übertragen. Diese administrative Veränderung erwies sich als Glücksfall für die Geschichtsschreibung, denn die österreichische Verwaltung führte präzise Akten.

Die österreichischen Behörden waren bekannt für ihre bürokratische Gründlichkeit. Jeder Vorfall, jede Anzeige und jede Untersuchung wurde schriftlich festgehalten. Genau diese Aktenführung ermöglichte es, dass der Fall Blagojevic überhaupt dokumentiert werden konnte. Hätte das Osmanische Reich die Region weiterhin kontrolliert, wäre dieser Vorfall höchstwahrscheinlich in den Wirren der Zeit verloren gegangen.

Interessant ist auch die zeitliche Begrenzung der österreichischen Herrschaft. Nur 21 Jahre nach dem Frieden von Passarowitz, nämlich 1739, wurde mit dem Frieden von Belgrad das Gebiet wieder an das Osmanische Reich zurückgegeben. Der Vampirvorfall von 1725 fiel also in ein schmales Zeitfenster österreichischer Verwaltung, das gerade lang genug war, um die Ereignisse amtlich festzuhalten.

Der Sanitätsoffizier Ernst Frombald, den die österreichische Verwaltung mit der Untersuchung beauftragte, verfasste einen offiziellen Bericht über die Exhumierung. Seine Aufzeichnungen gelten als eine der frühesten dokumentierten Vampirgeschichten Europas. Ohne diesen bürokratischen Ehrgeiz der Habsburger wäre die Geschichte von Petar Blagojevic heute nur eine von vielen unbestätigten Dorflegenden.

Der Vampirglaube selbst war tief in der slawischen Kultur verwurzelt. In den südosteuropäischen Regionen erzählte man sich seit Generationen Geschichten über die Untoten, die nachts ihre Gräber verließen. Diese Überlieferungen prägten das Denken der Dorfbewohner, noch bevor ein konkreter Vorfall sie in Panik versetzte. Die österreichischen Beamten standen diesem Aberglauben zunächst skeptisch gegenüber, doch die Ereignisse in Kisiljevo sollten auch sie vor eine Herausforderung stellen.

## Sava Savanovic: Der Vampir-Müller von Serbien

Während der Fall von Petar Blagojevic in Kisiljevo die historischen Archive füllte, rankt sich um einen anderen serbischen Vampir vor allem eine Legende: Sava Savanovic, der Müller, der angeblich alle Besucher seiner Mühle tötete. Diese Geschichte ist mündlich überliefert und nicht verifiziert, doch sie hat sich tief in das kollektive Gedächtnis der Region gegraben.

Der Überlieferung nach betrieb Savanovic eine Wassermühle am Fluss Rogačica im Westen Serbiens. Bauern, die kamen, um ihr Getreide mahlen zu lassen, kehrten angeblich nie nach Hause zurück. Man erzählte sich, der Müller habe sie in der Nacht überfallen und ihr Blut getrunken. Eines Tages fand man Savanovic selbst tot in seiner Mühle, mit einer Bisswunde am Hals. Berichten zufolge entflog ein gelber Schmetterling seinem Mund, ein Bild, das in der serbischen Folklore tiefe Wurzeln hat.

Diese Erzählung inspirierte 1973 den jugoslawischen Horrorfilm „Leptirica" („Der Schmetterling"), der bis heute als Kultfilm gilt. Der Film festigte das Bild des Vampir-Müllers in der Populärkultur und machte Savanovic über die Grenzen Serbiens hinaus bekannt.

Bis in die 1950er Jahre hinein gab es Menschen, die behaupteten, Savanovic gesehen zu haben. Die Mühle selbst stand noch, ein düsteres Mahnmal. Als das Gebäude dann im Jahr 2012 von selbst einstürzte, brach in der Region Panik aus. Viele Bewohner glaubten, der Geist des Müllers sei nun freigelassen worden. Manche schützten ihre Häuser mit Kreuzen, um sich vor dem vermeintlich zurückkehrenden Vampir zu schützen.

Die Geschichte von Sava Savanovic zeigt, wie lebendig der Vampirglaube in Serbien noch im 20. Jahrhundert war. Sie ergänzt den historisch dokumentierten Fall von Petar Blagojevic um eine folkloristische Dimension, die bis heute nachwirkt. Beide Erzählungen zusammen haben das moderne Bild des Vampirs in der europäischen Vorstellungswelt entscheidend mitgeprägt.

## Fazit: Wie ein serbischer Aberglaube die Welt eroberte

Wenn Sie heute einen Vampirfilm sehen, begegnen Sie im Grunde einem Echo aus dem Serbien des 18. Jahrhunderts. Die meisten Klischees, die wir aus Kino und Literatur kennen, haben ihre Wurzeln in den slawischen Legenden jener Zeit. Der Fall von Petar Blagojevic, einem einfachen Bauern aus dem Dorf Kisiljevo, gehört zu den ersten offiziell dokumentierten Vampirfällen der Geschichte. Und er zeigt, wie aus einer Mischung aus Bürokratie, Aberglaube und kollektiver Angst eine der langlebigsten Mythen der Menschheit entstand.

Was den Fall so bemerkenswert macht, ist nicht allein das Ereignis selbst, sondern die Umstände, unter denen es festgehalten wurde. Kisiljevo lag 1725 in einer Grenzregion, die erst wenige Jahre zuvor durch den Frieden von Passarowitz 1718 vom Osmanischen Reich an Österreich gefallen war. Diese politische Konstellation führte dazu, dass österreichische Beamte den Vorfall akribisch dokumentierten. Der Sanitätsoffizier Ernst Frombald verfasste einen offiziellen Bericht über die Exhumierung, der bis heute erhalten ist. Ohne diese bürokratische Sorgfalt hätte die Geschichte von Petar Blagojevic vermutlich nie den Weg in die europäischen Amtsstuben und später in die Popkultur gefunden.

Die moderne Forschung betrachtet die Vorgänge von damals mit Distanz. Was die Dorfbewohner als Zeichen vampirischer Aktivität deuteten, etwa verlängerte Haare und Nägel oder Blut am Mund des Toten, lässt sich aus heutiger Sicht natürlichen Verwesungsprozessen zuordnen. Auch die Berichte über frisches Blut nach dem Pfahl durch das Herz sind physiologisch nicht haltbar. Dennoch bleibt die historische Bedeutung unbestritten: Der Fall Blagojevic markiert den Moment, in dem ein lokaler Volksglaube erstmals durch offizielle Dokumente eine scheinbare Bestätigung erhielt.

Diese Verbindung von Amtsdeutsch und Übersinnlichem, von nüchterner Protokollführung und tief verwurzelter Angst, verlieh der Legende ihre Durchschlagskraft. Was in einem abgelegenen serbischen Dorf begann, wanderte durch die Kanzleien Wiens und fand schließlich Eingang in die europäische Literatur. Der Vampir, wie wir ihn heute kennen, ist also das Produkt einer historischen Randnotiz, die durch Zufall überliefert wurde. Ein Beweis dafür, dass manchmal die unscheinbarsten Aufzeichnungen die größten Geschichten hervorbringen.

Die Geschichte von Petar Blagojevic beginnt in einem kleinen Dorf im östlichen Serbien, nahe der Stadt Veliko Gradiste an der Donau. Im Jahr 1718 war diese Region durch den Frieden von Passarowitz von den Osmanen an die Habsburger Monarchie gefallen. Die neuen österreichischen Verwaltungsbeamten sollten hier eine Ordnung schaffen, die sie nicht erwartet hatten, denn sie stießen auf einen tief verwurzelten Volksglauben, der ihr Weltbild herausforderte.

Petar Blagojevic war ein Bauer in Kisiljevo, der im Jahr 1725 verstarb. Sein Tod schien zunächst nichts Außergewöhnliches an sich zu haben, und er wurde ordnungsgemäß beerdigt. Doch nur wenige Wochen später begannen die Probleme im Dorf. Innerhalb kurzer Zeit erkrankten neun Menschen, von denen mehrere starben. Die Krankheit verlief schnell und endete häufig tödlich, was die Dorfbewohner in große Angst versetzte.

Die Verstorbenen hatten auf dem Sterbebett angeblich alle dasselbe berichtet. Sie erzählten, dass sie von Petar Blagojevic besucht worden seien, der nachts an ihrem Bett erschienen sei und sie gewürgt habe. Diese Aussagen verbreiteten sich im Dorf wie ein Lauffeuer. Für die Menschen in Kisiljevo war die Sache klar: Petar Blagojevic war als Vampir aus seinem Grab auferstanden und suchte nun seine Nachbarn heim.

Die Angst im Dorf wurde so groß, dass die Bewohner beschlossen, zu handeln. Sie wandten sich an den örtlichen Priester und forderten, dass das Grab von Petar Blagojevic geöffnet werden sollte. Der Priester weigerte sich zunächst, denn die Exhumierung eines Toten war ein schwerwiegender Schritt, der nur mit kirchlicher Erlaubnis erfolgen durfte. Doch der Druck der Dorfgemeinschaft war so stark, dass schließlich der kaiserliche Provisor Ernst Frombald eingeschaltet wurde, der für die Region zuständig war.

Frombald stand vor einer schwierigen Aufgabe. Als aufgeklärter Beamter der Habsburger Verwaltung hielt er den Vampirglauben zunächst für bloßen Aberglauben. Doch die Beharrlichkeit der Dorfbewohner und ihre Angst waren nicht zu ignorieren. Er reiste nach Kisiljevo, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen. Vor Ort wurde er von einer aufgebrachten Menge empfangen, die auf eine Öffnung des Grabes bestand. Um die Situation zu beruhigen, willigte Frombald schließlich ein.

Am 26. August 1725 wurde das Grab von Petar Blagojevic geöffnet. Was die Anwesenden dort sahen, erschütterte selbst den skeptischen Beamten. Der Leichnam war nahezu unverwest, die Haut zeigte eine rötliche Färbung, und an Mund und Nase waren Spuren von Blut zu erkennen. Die Dorfbewohner sahen darin den endgültigen Beweis für ihre Vermutung. Für sie war klar, dass Petar Blagojevic tatsächlich ein Vampir war, der nachts sein Grab verließ, um die Lebenden zu quälen.

Die Reaktion der Dorfgemeinschaft war drakonisch. Sie trieben einen Pfahl durch das Herz des Toten, wie es der Volksglaube vorschrieb. Anschließend verbrannten sie den Leichnam, um sicherzustellen, dass er nie wieder auferstehen konnte. Die Asche wurde in alle Winde verstreut. Diese Handlungen entsprachen den damaligen Ritualen zur Bekämpfung von Vampiren, die in der slawischen Mythologie tief verwurzelt waren.

Ernst Frombald verfasste nach seiner Rückkehr einen ausführlichen Bericht über die Ereignisse in Kisiljevo. Dieser Bericht war bemerkenswert, weil er trotz der Skepsis des Beamten die Beobachtungen sachlich dokumentierte. Er beschrieb den Zustand des Leichnams, die Aussagen der Dorfbewohner und die durchgeführten Rituale. Dieser Bericht wurde nach Wien geschickt, wo er großes Aufsehen erregte.

Der Fall von Petar Blagojevic verbreitete sich schnell in ganz Europa. In den folgenden Jahren wurde die Geschichte in zahlreichen Schriften und Abhandlungen über Vampire erwähnt. Sie trug maßgeblich dazu bei, dass der Vampirglaube aus dem slawischen Raum auch in Westeuropa bekannt wurde. Gelehrte und Theologen debattierten über die Existenz von Vampiren, und der Fall aus Kisiljevo diente ihnen dabei als wichtiges Fallbeispiel.

Besonders bemerkenswert ist, dass der Fall von Petar Blagojevic nur wenige Jahre nach einem ähnlichen Vorfall stattfand. Im Jahr 1732 sorgte der Fall der Arnold Paole in der Region um Medveda für weiteres Aufsehen. Auch hier wurden nach dem Tod eines Mannes mehrere Menschen krank, und die Exhumierung ergab ähnliche Befunde wie bei Petar Blagojevic. Diese Fälle verstärkten den Vampirglauben in Europa weiter.

Der Vampirglaube, der in Kisiljevo so dramatisch zum Ausbruch kam, hat tiefe Wurzeln in der slawischen Mythologie. Schon lange vor 1725 glaubten die Menschen auf dem Balkan an Wesen, die nach dem Tod auferstehen und den Lebenden Schaden zufügen. Diese Vorstellungen wurden durch die christliche Kirche teilweise übernommen und umgedeutet. Der Vampir wurde zu einer Art Gegenbild des auferstandenen Christus, eine Verkörperung des Bösen.

Die medizinischen Erklärungen für die Phänomene, die man bei der Exhumierung beobachtete, sind aus heutiger Sicht naheliegend. Die Leichenstarre und die natürliche Gasbildung im Körper können dazu führen, dass ein Toter aufgebläht wirkt und Flüssigkeiten aus Mund und Nase austreten. Die rötliche Färbung der Haut kann durch den beginnenden Verwesungsprozess entstehen. Doch für die Menschen im 18. Jahrhundert waren diese natürlichen Erklärungen unbekannt, und sie deuteten die Beobachtungen im Sinne ihres Glaubens.

Die Geschichte von Petar Blagojevic hat bis heute nichts von ihrer Faszination verloren. Sie ist einer der am besten dokumentierten Vampirfälle der Geschichte und wird in zahlreichen Büchern und Artikeln über Vampire erwähnt. Der Fall aus Kisiljevo zeigt, wie schnell sich Angst und Aberglaube in einer Gemeinschaft ausbreiten können und zu welchen Handlungen sie führen können.

In der Region um Veliko Gradiste erinnert man sich noch heute an die Geschichte des Vampirs von Kisiljevo. Das Dorf liegt nur wenige Kilometer von der berühmten Mühle der Legende um Sava Savanovic entfernt, einem weiteren bekannten Vampir der serbischen Folklore. Diese Geschichten sind Teil des kulturellen Erbes der Region und ziehen bis heute Besucher an, die sich für die dunklen Legenden des Balkans interessieren.

Der Einfluss des Falles von Petar Blagojevic auf die europäische Kultur kann kaum überschätzt werden. Seine Geschichte trug entscheidend dazu bei, dass der Vampir aus der slawischen Folklore zu einer festen Größe der europäischen Kultur wurde. Spätere literarische Werke wie Bram Stokers Dracula bauten auf diesen frühen Berichten auf und formten das Bild des Vampirs, das wir heute kennen.

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Vampirglauben hat im Laufe der Jahrhunderte viele Erklärungsansätze hervorgebracht. Ethnologen sehen in den Vampirlegenden eine Möglichkeit, unerklärliche Krankheitsfälle zu deuten und die Angst vor dem Tod zu verarbeiten. Historiker verweisen auf die sozialen Spannungen in den Dörfern, die sich in den Anschuldigungen gegen Verstorbene entluden. Der Fall von Petar Blagojevic lässt sich in all diesen Deutungsrahmen einordnen.

Was die Geschichte von Petar Blagojevic so besonders macht, ist die Kombination aus amtlicher Dokumentation und volkstümlicher Überlieferung. Der Bericht von Ernst Frombald ist eine der wenigen zeitgenössischen Quellen, die den Ablauf eines Vampirrituals detailliert beschreiben. Dadurch gewährt er einen einzigartigen Einblick in die Gedankenwelt der Menschen des 18. Jahrhunderts, die zwischen Aufklärung und Aberglaube hin- und hergerissen waren.

Heute, fast dreihundert Jahre nach den Ereignissen, ist Kisiljevo ein ruhiges Dorf ohne Vampirangst. Doch die Geschichte des Petar Blagojevic lebt weiter, in Büchern, Filmen und wissenschaftlichen Abhandlungen. Sie erinnert uns daran, dass der Glaube an übernatürliche Wesen tief in der menschlichen Psyche verwurzelt ist und dass Angst vor dem Unbekannten Menschen zu außergewöhnlichen Handlungen treiben kann.

*Hinweis der Redaktion: Einzelheiten der Überlieferung, wie die genauen Umstände der Krankheitsfälle, sind nicht durch unabhängige Quellen bestätigt und werden hier als Teil der historischen Erzählung wiedergegeben.*


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