# Niesen und Husten: Getrennte Nervenzellen entdeckt

*Wissenschaft & Technik · Ayşe Demir-Müller · 2026-09-22*

## Key facts

- Niesen und Husten werden nach den neuen Befunden von unterschiedlichen Nervenzellen gesteuert.
- Ein bestimmter Ionenkanal namens MrgprC11 löst bei Mäusen offenbar den Niesreflex aus.
- Eine als BAM 8-22 bekannte Substanz wird in der Forschung mit dem Niesreiz in Verbindung gebracht.
- Für den Hustenreflex scheinen Sinneszellen im Kehlkopf- und Luftröhrenbereich verantwortlich zu sein, die den Botenstoff Somatostatin bilden.
- Ob der Mensch ähnliche getrennte Nervenzellen für Niesen und Husten besitzt, ist noch nicht abschließend geklärt.

Das Wichtigste in Kürze

Ein Forschungsteam untersuchte bei Mäusen, wie Niesen und Husten ausgelöst werden, und fand dabei zwei getrennte Gruppen von Nervenzellen. Die eine löst den Niesreflex aus, die andere den Hustenreflex. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Cell veröffentlicht und könnten neue Ansätze für gezieltere Behandlungen eröffnen.

## Niesen und Husten: Zwei Reflexe, zwei Schaltkreise im Gehirn

Es passiert Ihnen im Bus, im Kino, mitten in einem wichtigen Gespräch. Ein Kitzeln in der Nase, ein Kratzen im Hals, und schon ist es da: das Niesen oder der Husten. Beide wirken wie Geschwister desselben Abwehrsystems. Doch hinter den Kulissen arbeiten offenbar zwei völlig getrennte Mannschaften. Forschende haben bei Mäusen nämlich getrennte **Niesen und Husten Nervenzellen** identifiziert, die jeweils nur einen der beiden Reflexe auslösen. Die Studie dazu erschien 2024 in der Fachzeitschrift *Cell*.

Was zunächst wie ein Detail klingt, ist erstaunlich. Denn Niesen und Husten sehen für uns ähnlich aus: ein plötzlicher, unwillkürlicher Ausstoß von Luft. Und doch sitzen ihre Schaltstellen an ganz verschiedenen Orten.

### Wo die beiden Reflexe zu Hause sind

Die Forschenden konnten die zuständigen Zellen klar voneinander trennen. Die sensorischen Neuronen, die den Niesreflex auslösen, befinden sich im Nasen- und Gesichtsbereich. Die Neuronen, die den Hustenreflex auslösen, liegen dagegen im Kehlkopf- und Luftröhrenbereich. Zwei Reflexe, zwei Schaltkreise, zwei verschiedene Orte im Körper, die ihre Signale ans Gehirn melden.

Um das nachzuweisen, gingen die Forschenden ins Detail. Sie setzten Mäuse verschiedenen Stoffen aus und stießen auf eine Substanz namens BAM 8-22. Dieser Stoff löst Niesen aus und aktiviert dabei einen Ionenkanal mit dem Namen MrgprC11. Der eigentliche Beweis kam danach: Wurden die MrgprC11-tragenden Neuronen entfernt, niesten die Mäuse nicht mehr, selbst dann nicht, als sie mit Grippe infiziert waren. Der Niesreflex war wie abgeschaltet.

Die Hustenneuronen im Kehlkopf- und Luftröhrenbereich tragen dagegen einen anderen Signalstoff, das Somatostatin. Auch hier zeigt sich also: Der Körper greift für Niesen und Husten zu unterschiedlichen molekularen Werkzeugen.

### Warum zwei Systeme statt einem?

Eine naheliegende Erklärung ist die schnelle Evolution von Viren. Sie verändern sich rasch, und zwei getrennte Nervensysteme könnten dem Körper helfen, auf unterschiedliche Eindringlinge flexibler zu reagieren. Bewiesen ist diese Hypothese allerdings nicht, sie wird in der Forschung diskutiert.

Spannend ist auch, was noch offen bleibt. Ob der Mensch ähnliche Neuronengruppen besitzt, ist bislang nicht geklärt und erfordert weitere Forschung. Die Versuche liefen an Mäusen, und ob sich die Ergebnisse eins zu eins auf uns übertragen lassen, weiß niemand sicher. Klar ist nur: Der Körper entscheidet offenbar sehr genau, ob er niesen oder husten muss, und bedient sich dafür zweier getrennter Wege.

### BAM 8-22 und MrgprC11: Wie der Niesreiz ausgelöst wird

Um den Niesreflex überhaupt gezielt auslösen zu können, mussten die Forschenden zunächst eine Substanz finden, die ihn zuverlässig hervorruft. Dafür testeten sie verschiedene Verbindungen an Mäusen. Ein Stoff stach dabei besonders hervor: **BAM 8-22**. Sobald er verabreicht wurde, niesten die Tiere. Und noch etwas fiel auf: BAM 8-22 aktivierte dabei einen bestimmten Ionenkanal namens **MrgprC11**. Damit war der Auslöser gefunden, und zugleich der Schlüssel zum Verständnis der Nervenzellen, die hinter dem Niesreflex stehen.

Denn diese beiden Dinge hängen unmittelbar zusammen. Der Ionenkanal MrgprC11 sitzt auf genau jenen sensorischen Nervenzellen, die den Niesreflex in Gang setzen. Diese Zellen liegen im Nasen- und Gesichtsbereich, also dort, wo Fremdkörper und Viren zuerst auf den Körper treffen. Berührt BAM 8-22 den Kanal, feuert die Nervenzelle, und der Niesreiz entsteht.

Der entscheidende Beweis kam jedoch erst durch einen zweiten Schritt. Die Forschenden entfernten die MrgprC11-tragenden Neuronen gezielt aus den Mäusen. Das Ergebnis war eindeutig: Selbst als die Tiere an einer Grippeinfektion erkrankten, niesten sie nicht mehr. Der Reiz war da, die Krankheit war da, doch ohne diese speziellen Nervenzellen blieb der Niesreflex schlicht aus. Damit war belegt, dass genau diese Zellen den Niesbefehl an das Gehirn weiterleiten.

Interessant ist der Kontrast zum Husten. Die Neuronen, die den Hustenreflex auslösen, sitzen nicht im Nasen- und Gesichtsbereich, sondern im Kehlkopf- und Luftröhrenbereich, und sie tragen einen anderen Signalstoff: **Somatostatin**. Niesen und Husten werden also von zwei getrennten Systemen aus Nervenzellen kontrolliert, die an unterschiedlichen Orten sitzen und unterschiedliche Botenstoffe nutzen. Genau diese Trennung von Niesen und Husten Nervenzellen macht verständlich, warum der Körper je nach Situation die eine oder die andere Reaktion auslöst.

Warum aber hat die Evolution überhaupt zwei getrennte Schaltkreise hervorgebracht? Eine diskutierte Erklärung lautet, dass die schnelle Evolution von Viren dazu beigetragen haben könnte, zwei unabhängige Abwehrwege zu begünstigen. Diese Hypothese ist allerdings nicht experimentell belegt, sie bleibt eine Überlegung. Offen ist auch, ob der Mensch ähnliche Neuronengruppen besitzt. Die Versuche liefen im Mausmodell, eine Übertragung auf den Menschen ist noch nicht geklärt und erfordert weitere Forschung.

### Somatostatin: Der Signalstoff der Hustenneuronen

Die Hustenneuronen im Kehlkopf- und Luftröhrenbereich tragen den Signalstoff Somatostatin. Das ist der entscheidende molekulare Fingerabdruck, der sie von den Nies-Neuronen im Nasen- und Gesichtsbereich unterscheidet. Wo die eine Zellgruppe auf ein bestimmtes Botenmolekül setzt, arbeitet die andere mit einem völlig anderen. Genau diese Trennung macht die beiden Reflexe so präzise steuerbar.

Für die Nies-Neuronen hatten die Forschenden bereits den Ionenkanal MrgprC11 als Erkennungsmerkmal ausgemacht. Bei den Hustenneuronen stoßen sie nun auf Somatostatin. Dabei handelt es sich um ein Signal, das im Kehlkopf- und Luftröhrenbereich die hustenauslösenden sensorischen Zellen kennzeichnet. Zwei Reflexe, zwei Gewebe, zwei chemische Unterschriften. Damit wird greifbar, was zuvor nur eine Vermutung war: Niesen und Husten Nervenzellen gehören nicht derselben Familie an.

Die Studie zeigt zwei getrennte neuronale Schaltkreise für Niesen und Husten. Die sensorischen Neuronen für den Niesreflex sitzen im Nasen- und Gesichtsbereich, die für den Hustenreflex im Kehlkopf- und Luftröhrenbereich. Und sie nutzen jeweils eigene Botenstoffe: hier MrgprC11, dort Somatostatin.

Die Forschenden beschrieben dieses Ergebnis 2024 in der Fachzeitschrift *Cell*. Ihre Versuche liefen an Mäusen, daher ist die Übertragbarkeit auf den Menschen offen. Ob Menschen ähnliche Neuronengruppen besitzen, ist noch nicht geklärt und erfordert weitere Forschung.

Interessant ist auch, warum die Natur überhaupt zwei getrennte Systeme unterhält. Eine diskutierte Hypothese verweist auf die schnelle Evolution von Viren. Sie könnte erklären, warum sich für Niesen und Husten zwei voneinander unabhängige Neuronensysteme herausgebildet haben. Ein experimenteller Beweis dafür steht allerdings noch aus. Es bleibt bei einer plausiblen, aber unbewiesenen Idee.

Und was bedeutet das für die Praxis? Die derzeitigen Hustenbehandlungen werden in der Quelle als unzureichend beschrieben, wobei diese Einschätzung vom jeweiligen Einzelfall abhängt. Wenn sich die Hustenneuronen gezielt ansprechen ließen, könnte daraus möglicherweise ein neuer Ansatz entstehen. Neue Therapiewege gelten als hoffnungsvoll, doch bis dahin ist es ein weiter Weg von der Maus zum Menschen.

## Warum zwei getrennte Systeme? Eine diskutierte Hypothese

Die naheliegende Erklärung klingt bestechend: Viren verändern sich rasant, sie passen sich ständig an neue Wirte und Abwehrstrategien an. Ein Körper, der auf zwei voneinander unabhängige Alarmsysteme setzt, könnte sich dadurch einen Vorteil verschaffen. Genau diese Überlegung steht im Raum, wenn es um die Frage geht, warum **Niesen und Husten Nervenzellen** gleich zweifach bereithält.

Doch Vorsicht: Diese evolutionäre Deutung ist eine Hypothese, kein Beweis. Sie wird in der Fachwelt diskutiert, und sie liefert eine einleuchtende, aber bislang ungeprüfte Erklärung. Experimentell bestätigt ist sie nicht. Es gibt keine Untersuchung, die zeigt, dass die Zweiteilung tatsächlich als Antwort auf die schnelle Virenevolution entstanden ist.

Was die Forschung dagegen sicher belegen kann, ist etwas anderes. Die 2024 in der Fachzeitschrift *Cell* veröffentlichte Studie wies bei Mäusen getrennte neuronale Schaltkreise nach: Die niesauslösenden sensorischen Neuronen sitzen im Nasen- und Gesichtsbereich, die hustenauslösenden im Kehlkopf- und Luftröhrenbereich. Dieser Befund gilt für das Mausmodell. Der evolutionäre Grund dafür steht nicht.

Klar belegt Getrennte Schaltkreise für Niesen und Husten im Mausmodell.

Offen Warum es diese Trennung gibt, bleibt eine diskutierte Vermutung.

Diese Unterscheidung ist keine Spitzfindigkeit. Sie trennt das, was Forschende im Experiment gesehen haben, von dem, was sie daraus ableiten möchten. Die Daten zeigen den Aufbau. Die Geschichte, die diesen Aufbau erklärt, ist noch nicht geschrieben.

### Was das für den Menschen und für Hustenmedikamente bedeutet

Wer jetzt hofft, dass sich daraus morgen eine neue Hustenpille ergibt, den muss man ein wenig bremsen. Die Versuche fanden an Mäusen statt. Ob der Mensch ähnliche, ebenso klar getrennte Gruppen von Nervenzellen für Niesen und Husten besitzt, ist bislang nicht geklärt. Genau diese Frage steht ganz oben auf der Liste der Forschenden, die ihre Ergebnisse 2024 in der Fachzeitschrift *Cell* veröffentlicht haben. Bis dahin bleibt es bei einer begründeten Vermutung, nicht bei einem Beweis.

Dass die Niesen und Husten Nervenzellen beim Menschen anders verschaltet sein könnten als bei der Maus, wäre keine Überraschung. Zwischen beiden Arten liegen große Unterschiede, und gerade die Atemwege sind unterschiedlich aufgebaut. Ein Befund aus dem Mausmodell ist deshalb immer erst ein Hinweis, nie eine fertige Antwort. Man darf gespannt sein, aber man sollte nicht vorgreifen.

Spannend wird es dort, wo es um die Behandlung geht. Wer unter chronischem Husten leidet, kennt das Problem: Die vorhandenen Mittel greifen oft zu kurz. Diese Einschätzung ist allerdings nicht allgemeingültig. Sie hängt stark davon ab, um welche Form des Hustens es geht, wie lange sie bereits besteht und welcher Auslöser dahintersteckt. Pauschal lässt sich nicht sagen, dass jede Therapie versagt. Wohl aber, dass die Forschung hier seit Jahren nach besseren Ansätzen sucht.

Und genau hier liegt die eigentliche Hoffnung. Wenn sich zeigen ließe, dass auch beim Menschen bestimmte Nervenzellen den Hustenreflex auslösen, dann könnte man sehr gezielt ansetzen. Statt den Reflex irgendwo im Körper zu dämpfen, würde man jene Zellen ansprechen, die ihn überhaupt erst in Gang setzen. Für Menschen, die seit Monaten oder Jahren unter quälendem Husten leiden, wäre das ein echter Fortschritt.

Bis dahin bleibt es bei Zwischenschritten. Die Forschenden wollen nun untersuchen, wie diese Nervenzellen Signale ans Gehirn senden und wie diese Signale mit dem Atemkontrollzentrum interagieren. Erst wenn dieser Weg im Detail bekannt ist, könnten sich Wirkstoffe entwickeln lassen, die an der richtigen Stelle greifen. Der Weg von der Maus zum Menschen ist weit, doch die Richtung ist klar.

Hinweis der Redaktion: Noch nicht bestätigte Angaben werden in diesem Beitrag ausdrücklich als vorläufig gekennzeichnet.


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