# Mehrsprachigkeit hält das Gehirn länger jung

*Wissenschaft & Technik · Ayşe Demir-Müller · 2026-10-10*

## Key facts

- Laut Quellenangabe erschien die Untersuchung 2025 in „Nature Aging“ und wertete Daten von mehr als 86.000 Menschen aus 27 Ländern aus.
- Mehrsprachige Teilnehmende zeigten im Schnitt ein jüngeres biologisches Gehirnalter als einsprachige.
- Der Zusammenhang zeigte sich auch bei Personen, die eine zweite Sprache erst im Erwachsenenalter lernten.
- Forschende betonen, dass die Ergebnisse einen Zusammenhang beschreiben und keine Ursache belegen.
- Aktive Sprachpraxis, etwa Gespräche oder Lesen, gilt als wichtiger Faktor für den beobachteten Effekt.

Das Wichtigste in Kürze

Eine Untersuchung mit über 86.000 Teilnehmenden aus 27 Ländern befasste sich mit dem Zusammenhang zwischen Mehrsprachigkeit und Gehirnalterung. Demnach wiesen mehrsprachige Menschen ein durchschnittlich jüngeres biologisches Gehirnalter auf. Der Effekt war auch bei später erlernten Sprachen sichtbar. Kausale Schlüsse lassen die Daten jedoch nicht zu.

## Mehrsprachigkeit und Gehirnalterung: Eine Studie, die aufhorchen lässt

Stellen Sie sich vor, Sie könnten etwas tun, das nicht nur Ihre Ausdrucksfähigkeit erweitert, sondern möglicherweise auch das biologische Tempo Ihres Gehirns verlangsamt. Genau darum geht es beim Thema **Mehrsprachigkeit und Gehirnalterung**. Einer neuen Untersuchung zufolge, über die berichtet wird, altern Menschen, die mehrere Sprachen sprechen, langsamer biologisch als jene, die nur eine Sprache beherrschen.

Die Datengrundlage ist beachtlich: Die Forschenden werteten die Angaben von über 86.000 Menschen aus 27 europäischen Ländern aus. Diese Kombination aus Personenzahl und Ländergruppe ließ sich allerdings nicht unabhängig bestätigen. Der zentrale Befund, über den berichtet wird, ist dennoch bemerkenswert: Einsprachige Personen wiesen demnach ein doppelt so hohes Risiko auf, ein höheres biobehaviorales Alter als ihr tatsächliches Alter zu zeigen. Dieser konkrete Faktor gilt bislang jedoch nicht als gesicherter Befund. Mit anderen Worten: Ihr Körper und ihr Gehirn schienen schneller zu altern, als es der Kalender vermuten ließe.

Interessant ist, dass dieser Zusammenhang nach Angaben der Forschenden auch dann bestehen blieb, als Faktoren wie Vermögen, Bildungshintergrund und Migrationsstatus berücksichtigt wurden. Genau diese Faktoren könnten den Effekt sonst leicht erklären, denn sie beeinflussen sowohl den Umgang mit Sprachen als auch die gesundheitliche Lage eines Menschen. Ob tatsächlich genau diese Kovariaten kontrolliert wurden, lässt sich ohne die Originalpublikation nicht bestätigen. Festzuhalten bleibt: Der Zusammenhang blieb nach dieser Darstellung erhalten, und das macht die Sache spannend.

Was aber bedeutet „biobehaviorales Alter“ überhaupt? Der Begriff ist kein geläufiges, standardisiertes Fachkonzept, weshalb sich seine genaue Zusammensetzung nicht sicher überprüfen lässt. Der Quelle zufolge fasst er den allgemeinen Zustand von Körper und Gehirn zusammen und berücksichtigt unter anderem die kardiovaskuläre Gesundheit, das Bildungsniveau und den Lebensstil. Liegt das biologische Alter über dem tatsächlichen, gilt dies als Hinweis darauf, dass sich der Organismus überdurchschnittlich schnell abnutzt.

Bevor Sie nun aber Ihre Sprachlern-App hervorholen, lohnt ein zweiter Blick. Denn so verlockend die Vorstellung klingt, dass jede zusätzliche Sprache das Gehirn jünger hält, so vorsichtig sind Fachleute mit voreiligen Schlüssen. Im nächsten Abschnitt schauen wir genauer hin, was in den grauen Zellen tatsächlich passiert, wenn jemand zwischen zwei Sprachen hin und her wechselt.

## Was das Gehirn langsamer altern lässt: Biobehaviorales Alter verstehen

Um die Befunde zur **Mehrsprachigkeit und Gehirnalterung** richtig einordnen zu können, lohnt sich ein genauer Blick auf ein Konzept, das vielen unbekannt ist: das biobehaviorale Alter. Anders als das Kalenderalter, das schlicht die vergangenen Lebensjahre zählt, spiegelt das biobehaviorale Alter den allgemeinen Zustand von Körper und Gehirn wider. Nach Angaben der Forschenden fließen dabei zahlreiche Faktoren ein, etwa die kardiovaskuläre Gesundheit, das Bildungsniveau und der persönliche Lebensstil.

Stellen Sie sich zwei Menschen vor, beide 55 Jahre alt. Der eine ist körperlich und geistig fit, der andere fühlt sich zehn Jahre älter. Genau diese Lücke erfasst das biobehaviorale Alter. Liegt es über dem tatsächlichen Alter, deutet das auf eine schnellere Abnutzung hin: Körper und Gehirn altern dann schneller als der Durchschnitt.

In der neuen Untersuchung berechneten die Forschenden für jede Teilnehmerin und jeden Teilnehmer eine sogenannte biobehaviorale Altersdifferenz. Diese Werte verglichen sie anschließend mit der Anzahl der Sprachen, die die Menschen sprachen. Die Ergebnisse waren auffällig: Einsprachige Personen wiesen ein doppelt so hohes Risiko auf, ein höheres biologisches als tatsächliches Alter zu zeigen, verglichen mit Mehrsprachigen. Wichtig dabei ist, dass dieser Zusammenhang laut Darstellung der Forschenden auch dann bestehen blieb, als Faktoren wie Vermögen, Bildungshintergrund und Migrationsstatus berücksichtigt wurden. Diese Angaben sind nicht durchgehend unabhängig bestätigt.

Was bedeutet das konkret? Ein höheres biologisches Alter ist kein Urteil, sondern ein Hinweis. Es zeigt, dass bestimmte Systeme im Körper und im Gehirn stärker beansprucht wurden. Die gute Nachricht: Genau hier setzt die Mehrsprachigkeit an. Sie scheint ein Faktor zu sein, der diese Abnutzung verlangsamt und die geistige Spannkraft über die Jahre hinweg erhält.

## Der Mechanismus: Neuroplastizität und kognitive Reserve

Warum sollte das Sprechen mehrerer Sprachen den Alterungsprozess des Gehirns bremsen? Die Antwort liegt in einem Vorgang, den die Neurowissenschaft seit Jahrzehnten erforscht: der Neuroplastizität. Damit ist die Fähigkeit des Gehirns gemeint, seine eigenen Verbindungen zu verändern und neu zu ordnen. Ohne sie könnte sich kein menschliches Gehirn vom Säugling zum Erwachsenen entwickeln, und auch nach einer Verletzung wäre keine Erholung möglich. Lernen, Anpassung und Heilung beruhen auf diesem Prinzip.

Genau hier setzt der Effekt der Mehrsprachigkeit an. Wer zwischen zwei oder mehr Sprachen wechselt, aktiviert dabei jedes Mal ein ausgedehntes Netzwerk von Nervenzellen. Es geht um Klang, um Grammatik, um Bedeutung. Diese ständige geistige Übung stärkt mit der Zeit jene Bahnen, die an Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Problemlösen beteiligt sind. Die Forschenden bringen es auf eine einfache Formel: Sprachenlernen beschleunigt die Kommunikation zwischen verschiedenen Hirnregionen, und die Netzwerke für Aufmerksamkeit, Gedächtnis und kognitive Kontrolle arbeiten dadurch effizienter.

### Wo sich das im Gehirn zeigt

Besonders deutlich wird das an zwei bekannten Sprachzentren. Das Broca-Areal liegt in der linken Hirnhälfte und ist für die Sprachproduktion zuständig. Seinen Namen trägt es nach dem französischen Neurologen Pierre Paul Broca. Das Wernicke-Areal wiederum wird vor allem mit dem Verstehen von Wörtern in Verbindung gebracht. Eine zusätzliche Zuordnung des Erinnerns an diese Region ist fachlich unscharf und nicht eindeutig belegt. Hinweise aus der Forschung deuten darauf hin, dass das Erlernen einer zweiten Sprache die Dichte der grauen Substanz erhöhen kann, also jener Bereiche, in denen die Nervenzellkörper sitzen. Diese Beobachtung ist allerdings umstritten und nicht einheitlich bestätigt. Klar scheint dagegen, dass sich die Verbindungen zwischen den Netzwerken festigen und dass Informationen zwischen Gedächtnis und Aufmerksamkeit schneller zirkulieren.

### Ein natürliches Sicherheitsnetz

Diese intensive geistige Betätigung erklärt, warum mehrsprachige Menschen gegenüber altersbedingtem kognitivem Abbau widerstandsfähiger sein können. Werden die Systeme für Hören, Bewegung und Bedeutung regelmäßig beansprucht, entsteht so etwas wie eine natürliche Absicherung in den Nervenbahnen. Schwächt das Alter oder eine Erkrankung einzelne Verbindungen, tragen andere Schaltkreise das System weiter und halten die Funktion aufrecht.

Hier kommt die kognitive Reserve ins Spiel. Der Quelle zufolge stärkt Mehrsprachigkeit diese Reserve, die als Puffer gegen altersbedingte kognitive Verluste und neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer wirken soll. Ein gesicherter Schutzeffekt gegen Alzheimer ist damit allerdings nicht belegt, der Zusammenhang wird in der Fachwelt weiterhin diskutiert. Und noch etwas gilt es festzuhalten: Mehrsprachigkeit sollte nicht direkt mit einer Zunahme der Intelligenz gleichgesetzt werden. Der Neurowissenschaftler Arturo Hernandez von der University of Houston weist darauf hin, dass sich der Wortschatz eines mehrsprachigen Menschen naturgemäß erweitert, weil er in allen Sprachen über mehr Wörter und damit über mehr Begriffe verfügt. Ob dieser Zuwachs jedoch auf eine größere kognitive Reserve hindeutet oder schlicht darauf, dass mehr Wörter im Gedächtnis liegen, ist bislang nicht geklärt.

### Broca und Wernicke: Wo Sprache im Gehirn verankert ist

Wenn Sie mehrere Sprachen sprechen, arbeiten in Ihrem Kopf zwei kleine, aber erstaunlich leistungsfähige Regionen besonders intensiv. Die eine ist für das Hervorbringen von Sprache zuständig, die andere für das Verstehen. Und genau dort, so legen es Untersuchungen zur Mehrsprachigkeit und Gehirnalterung nahe, hinterlässt das ständige Wechseln zwischen Sprachen offenbar seine Spuren.

Die erste dieser Regionen ist das **Broca-Areal**. Es liegt in der linken Hemisphäre des Gehirns und gilt als entscheidende Schaltstelle für die Sprachproduktion, also für das Bilden und Aussprechen von Sätzen. Seinen Namen trägt es nach dem französischen Neurologen Pierre Paul Broca, der im 19. Jahrhundert die Verbindung zwischen dieser Hirnregion und dem Sprachvermögen erkannte.

Die zweite ist das **Wernicke-Areal**. Es wird vor allem mit dem Sprachverständnis in Verbindung gebracht, also mit der Fähigkeit, gehörte oder gelesene Wörter zu entschlüsseln und ihnen Bedeutung zu geben. Broca und Wernicke bilden gemeinsam so etwas wie das Grundgerüst der Sprache im Gehirn: das eine Zentrum für das Sagen, das andere für das Verstehen.

Genau diese beiden Areale rücken in den Blick, wenn Forschende untersuchen, was das Erlernen einer zweiten Sprache im Gehirn verändert. Der Quelle zufolge deuten Studien darauf hin, dass sich beim Sprachenlernen die Dichte der grauen Substanz erhöhen kann, also jener Bereiche, in denen die Nervenzellen sitzen. Besonders deutlich zeige sich dieser Effekt im Broca- und im Wernicke-Areal. Ein solcher Befund ist mit Vorsicht zu lesen: Hinweise auf diese strukturelle Anpassungsfähigkeit gibt es, doch die pauschale Aussage ist wissenschaftlich umstritten und nicht einheitlich bestätigt.

Was dabei im Alltag passiert, lässt sich gut nachvollziehen. Sobald Sie zwischen zwei Sprachen hin und her wechseln, aktiviert Ihr Gehirn jedes Mal ein komplexes Netzwerk aus Lauten, Grammatik und Bedeutung. Dieses ständige Umschalten wirkt wie eine Art mentales Training. Nach Angaben der Forschenden stärkt es mit der Zeit jene Nervenbahnen, die an Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Problemlösen beteiligt sind, und es verbessert die Verbindungen zwischen den einzelnen Hirnnetzwerken.

Sprachenlernen bringt die Hirnregionen miteinander ins Gespräch. Aufmerksamkeit, Gedächtnis und kognitive Kontrolle arbeiten dann effizienter, so die Einschätzung der Forschenden.

Dass ausgerechnet Broca und Wernicke so sensibel auf das Sprachenlernen reagieren, hat einen einfachen Grund: In ihnen laufen die Fäden zusammen, die beim Sprechen und Verstehen ohnehin am stärksten beansprucht werden. Wird dieser Bereich regelmäßig gefordert, entsteht eine Art natürliche Absicherung. Selbst wenn im Alter oder durch Krankheit einzelne Verbindungen schwächer werden, können andere Schaltkreise einspringen und die Funktion stützen. So erklärt sich, warum Menschen, die mehrere Sprachen beherrschen, gegenüber altersbedingten kognitiven Verlusten widerstandsfähiger zu sein scheinen.

Wichtig bleibt jedoch eine Einordnung: Aus all dem folgt nicht, dass Mehrsprachigkeit automatisch klüger macht. Der Neurowissenschaftler Arturo Hernandez von der University of Houston weist darauf hin, dass sich der Wortschatz mehrsprachiger Menschen ganz natürlich vergrößert, weil sie über mehrere Sprachen hinweg mehr Wörter und damit mehr Begriffe zur Verfügung haben. Ob daraus ein größerer kognitiver Nutzen erwächst oder ob es schlicht daran liegt, dass im Gedächtnis mehr Wörter gespeichert sind, ist bislang nicht abschließend geklärt.

## Mehrsprachigkeit ist nicht gleich Intelligenz

Es klingt verlockend, vielleicht sogar ein wenig schmeichelhaft: Wer mehrere Sprachen spricht, so die verbreitete Vorstellung, sei automatisch klüger. Doch diese Gleichung geht nicht auf. Forschende betonen ausdrücklich, dass sich Mehrsprachigkeit nicht direkt mit einer Zunahme der Intelligenz gleichsetzen lässt. Der Zusammenhang zwischen **Mehrsprachigkeit und Gehirnalterung** ist real, aber er verläuft anders, als es die griffige Formel vom "schlaueren Gehirn" nahelegt.

Genau hier wird es spannend. Denn was im Alltag oft als Beweis für mehr Klugheit gilt, ist zunächst einmal etwas sehr Bodenständiges: ein größerer Wortschatz. Wer mehrere Sprachen beherrscht, verfügt über mehr Wörter und dadurch über mehr Begriffe. Das ist unbestritten. Die entscheidende Frage lautet jedoch, ob daraus tatsächlich ein tieferer kognitiver Nutzen erwächst oder ob wir es schlicht mit mehr gespeichertem Sprachmaterial zu tun haben.

Arturo Hernandez, Neurowissenschaftler an der University of Houston, bringt diese Unsicherheit auf den Punkt. Ein mehrsprachiger Mensch, so erklärt er, habe von Natur aus ein breiteres Vokabular, weil er in allen seinen Sprachen über mehr Wörter und damit über mehr Konzepte verfüge. Ob dieser Zuwachs allerdings auf eine größere kognitive Reserve hindeutet oder lediglich darauf zurückgeht, dass im Gedächtnis einfach mehr Wörter abgelegt sind, ist nach seinen Worten noch nicht geklärt.

> "Wer mehrere Sprachen spricht, hat von Natur aus einen größeren Wortschatz. Ob dieser Zuwachs auf eine größere kognitive Reserve hindeutet oder nur darauf, dass mehr Wörter im Gedächtnis liegen, ist noch nicht klar."
> Arturo Hernandez, Neurowissenschaftler an der University of Houston

Diese offene Frage ist kein Nebenaspekt, sondern der Kern der ganzen Debatte. Denn die kognitive Reserve gilt als eine Art Puffer. Sie hilft dem Gehirn, altersbedingte Einbußen und neurodegenerative Erkrankungen besser abzufedern. Wenn sich also zeigte, dass Mehrsprachigkeit diese Reserve tatsächlich stärkt, wäre das weit mehr als ein hübsches Extra. Ob der beobachtete Effekt aber wirklich aus einer gestärkten Reserve stammt oder aus der schlichten Menge gespeicherter Wörter, bleibt nach derzeitigem Stand offen.

Für Sie als Leserin oder Leser bedeutet das eine ehrliche Einordnung: Wer eine neue Sprache lernt, tut seinem Gehirn mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas Gutes. Nur sollten Sie daraus nicht den Schluss ziehen, jede zusätzliche Sprache mache Sie messbar intelligenter. Die Forschung zeichnet ein differenzierteres Bild, und genau diese Nuance macht das Thema so faszinierend.

## Fazit: Was Mehrsprachigkeit für das alternde Gehirn bedeutet

Die Forschung der letzten Jahre liefert ein ermutigendes Bild: Wer regelmäßig zwischen zwei oder mehr Sprachen wechselt, trainiert sein Gehirn ein Leben lang. Nach Angaben der Forschenden könnte dieser ständige Wechsel die sogenannte kognitive Reserve stärken, also jene Fähigkeit des Gehirns, Verluste auszugleichen. Ob Mehrsprachigkeit tatsächlich vor Alzheimer schützt, ist wissenschaftlich umstritten und gilt nicht als gesicherter Schutzeffekt.

Festhalten lässt sich jedoch eines: Die Hinweise darauf, dass mehrsprachige Menschen im Durchschnitt länger geistig fit bleiben, verdichten sich. Und selbst wenn sich der biologische Effekt am Ende als kleiner erweisen sollte als erhofft, bleibt der kulturelle und psychologische Gewinn unbestritten.

### Ein Puffer, kein Wundermittel

Die kognitive Reserve wirkt wie ein Polster: Sie verhindert nicht, dass das Gehirn altert, aber sie kann dafür sorgen, dass es länger funktionsfähig bleibt. Mehrsprachigkeit, so der Tenor der Forschung, könnte zu diesem Polster beitragen. Klar ist aber auch: Sie ist kein Schutzschild, das Krankheiten einfach abwehrt.

Wer eine zweite Sprache lernt, trainiert Aufmerksamkeit, Gedächtnis und kognitive Kontrolle. Diese Systeme arbeiten effizienter, wenn sie ständig gefordert werden. Das erklärt, warum mehrsprachige Menschen im Alltag oft flexibler wirken, ohne deshalb automatisch intelligenter zu sein.

### Was bleibt am Ende?

Der Blick auf das große Ganze lohnt sich. Fremdsprachenlernen ist anstrengend. Es kostet Zeit, Geduld und Überwindung. Doch die Forschung legt nahe, dass sich dieser Aufwand auszahlt, nicht nur für das Gehirn, sondern für das ganze Leben.

Mehrsprachigkeit und Gehirnalterung sind damit enger miteinander verwoben, als man lange annahm. Sie verbindet uns mit anderen Gesellschaften, öffnet Türen und hält den Geist wach. Vielleicht ist genau das der eigentliche Gewinn: nicht ein paar Jahre mehr, sondern ein reicheres Leben in jedem Jahr.


## Frequently asked questions

**Was bedeutet es, wenn das Gehirn langsamer altert?**

Wenn Forschende von einem langsameren Altern des Gehirns sprechen, meinen sie das sogenannte biobehaviorale Alter. Liegt dieses über dem tatsächlichen Lebensalter, deutet das auf eine schnellere Abnutzung von Körper und Gehirn hin. Ein niedrigerer Wert spricht dagegen für einen langsameren Verschleiß.

**Warum schützt Mehrsprachigkeit das Gehirn vor dem Altern?**

Der Grund liegt in der Neuroplastizität, also der Fähigkeit des Gehirns, seine eigenen Verbindungen umzubauen. Wer ständig zwischen Sprachen wechselt, aktiviert jedes Mal komplexe Netzwerke für Aufmerksamkeit, Gedächtnis und kognitive Kontrolle. Diese stetige Übung stärkt die betreffenden Nervenbahnen und macht sie widerstandsfähiger.

**Wie viele Sprachen muss man sprechen, um zu profitieren?**

Der Quelle zufolge verglich die Untersuchung einsprachige Personen mit Menschen, die zwei oder mehr Sprachen sprechen. Der beobachtete Effekt zeigte sich demnach bereits ab zwei Sprachen. Es kommt also nicht auf eine besonders hohe Zahl an, sondern auf den regelmäßigen Wechsel zwischen mehreren Sprachen.

**Was ist der Unterschied zwischen biologischem und chronologischem Alter?**

Das chronologische Alter ist schlicht die Zahl der Lebensjahre, die seit der Geburt vergangen sind. Das biobehaviorale Alter dagegen spiegelt den tatsächlichen Gesundheitszustand von Körper und Gehirn wider. Nach Angaben der Forschenden fließen dabei Faktoren wie die kardiovaskuläre Gesundheit, das Bildungsniveau und der Lebensstil in die Berechnung ein.

**Wer hat die Studie durchgeführt?**

Der Quelle zufolge stammt die Untersuchung von einem Forschungsteam, das Daten aus mehreren europäischen Ländern ausgewertet hat. Veröffentlicht wurde sie laut Quellenangabe 2025 in der Fachzeitschrift Nature Aging. Diese Angaben sind bislang nicht unabhängig bestätigt, weshalb sie mit entsprechender Vorsicht zu lesen sind.

**Hat Mehrsprachigkeit etwas mit Intelligenz zu tun?**

Forschende betonen ausdrücklich, dass Mehrsprachigkeit nicht direkt mit höherer Intelligenz gleichzusetzen ist. Der Neurowissenschaftler Arturo Hernandez von der University of Houston weist darauf hin, dass mehrsprachige Menschen zwar über einen größeren Wortschatz verfügen. Ob daraus ein größerer kognitiver Nutzen entsteht, ist jedoch noch nicht abschließend geklärt.

**Was versteht man unter kognitiver Reserve?**

Die kognitive Reserve wirkt wie ein Puffer, der das Gehirn widerstandsfähiger gegen altersbedingte Verluste macht. Nach Angaben der Forschenden kann sie dazu beitragen, dass geistige Fähigkeiten auch dann erhalten bleiben, wenn einzelne Verbindungen schwächer werden. In der Forschung wird dieser Zusammenhang diskutiert, gilt aber nicht als gesichert.

**Kann man auch im Erwachsenenalter noch von einer zweiten Sprache profitieren?**

Die Forschung deutet darauf hin, dass Sprachenlernen in jedem Alter neuroplastische Effekte haben kann. Das Gehirn bleibt demnach grundsätzlich lernfähig, auch wenn die Umstrukturierung im Erwachsenenalter anders verläuft als in der Kindheit. Ein späterer Beginn schließt einen Nutzen für die Gehirnalterung also nicht aus. Hinweis der Redaktion: Nicht abschließend bestätigte Angaben werden im Text ausdrücklich als vorläufig oder unsicher gekennzeichnet.

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