# Megadeth: The Sick, the Dying & the Dead im Song-für-Song-Check

*Film, TV & Musik · Emre Şahin · 2026-08-20*

## Key facts

- Das Album erschien am 2. September 2022.
- Der Song "Dogs of Chernobyl" thematisiert die Nuklearkatastrophe von 1986 und die verstrahlte Zone um das Kraftwerk.
- "Night Stalkers" enthält einen Rap-Part von Ice-T, der damit erstmals auf einem Megadeth-Album zu hören ist.
- Gitarrist Kiko Loureiro und Schlagzeuger Dirk Verbeuren prägten den Sound maßgeblich, während Bassist Steve DiGiorgio als Studiogast aushelfen musste.

Das Wichtigste in Kürze

Megadeth veröffentlichten ihr Album "The Sick, the Dying... and the Dead!" im September 2022. Dave Mustaine verarbeitet darauf Themen wie die Katastrophe von Tschernobyl, historische Pandemien und gesellschaftlichen Verfall. Der Langspieler gilt als inhaltliche und musikalische Fortsetzung des Vorgängers "Dystopia" und enthält ein Gastfeature von Rapper Ice-T.

## Megadeth: The Sick, the Dying & the Dead im Song-für-Song-Check

Mit "The Sick, the Dying... and the Dead!" lieferten Megadeth im September 2022 ihr sechzehntes Studioalbum ab. Wir haben uns jeden einzelnen Song vorgenommen und mit den Aussagen von Frontmann Dave Mustaine verwoben, um Ihnen einen ehrlichen und detaillierten Einblick in das Werk zu geben.

### 1) The Sick, the Dying... and the Dead!

Erstmals in der Bandgeschichte eröffnet ein Titelsong das Album. Dave Mustaine, 2022 im Alter von 61 Jahren, schrieb diesen Track gemeinsam mit Gitarrist Kiko Loureiro. Die Eröffnung mit traurigen Kirchenglocken und dem Ruf "Bringt eure Toten" schafft eine düstere Atmosphäre einer von der Pest zerstörten Stadt. Mustaine betont, dass der Song nichts mit COVID-19 zu tun habe, sondern von der Schwarzen Pest im Mittelalter inspiriert sei, konkret vom Kinderreim "Ring Around the Rosy". Klassische Mustaine-Riffs treffen auf heavy Thrash-Elemente und typische "Yeah Yeah"-Shouts.

### 2) Life in Hell

Dieser hochtemperierte Track entstand in Zusammenarbeit mit Schlagzeuger Dirk Verbeuren, der das Hauptriff beisteuerte. Der Song beschreibt eine obsessive, egozentrische Figur, die glaubt, mit allem davonzukommen. Mustaine singt über jemanden, der lügt, stiehlt und alle täuscht, und sich im Ernstfall auf diplomatische Immunität berufen will. Das Riff trägt den Song, auch wenn der Refrain nicht ganz so eingängig ausfällt wie bei anderen Klassikern der Band.

### 3) Night Stalkers

Mit einem aggressiveren Riff als die Vorgänger startet dieser Track, der von einer Spezialeinheit aus Hubschrauberpiloten handelt, die nach Einbruch der Dunkelheit Rettungs- oder Zerstörungsmissionen fliegen. Besonders spannend ist der Gastauftritt von Ice-T, dem Rap-Pionier und Frontmann von Body Count. Die beiden verbindet eine lange Freundschaft. Einer Anekdote zufolge, die nicht unabhängig bestätigt werden konnte, nannte Mustaine 1991 Ice-Ts Album "Original Gangster" fünfmal als sein Lieblingsalbum des Jahres, was Ice-T so rührte, dass er den Kontakt suchte. Ice-T, der in der Vergangenheit als Fallschirmjäger ausgebildet wurde, passt thematisch perfekt zu diesem Song. Die akustische Passage nach Ice-Ts Part sowie der Bass von Steve DiGiorgio, der nach dem Rauswurf von David Ellefson alle Bassspuren neu einspielte, sind gelungene Details.

### 4) Dogs of Chernobyl

Einer der eindrucksvollsten Songs des Albums. Langsam und bedrückend beginnend, explodiert der Track in ein hartes Riff mit schnellen Drum- und Basslinien. Der Song handelt von der realen Katastrophe von Tschernobyl und den Hunden, die in der Sperrzone zurückgelassen wurden. Mustaine betont, dass er den Song bereits vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 geschrieben habe. Die zeitliche Nähe zu den Ereignissen sei reiner Zufall gewesen, und er wolle das Leid der Menschen dort nicht ausnutzen.

### 5) Sacrifice

Der Begriff "Sacrifice" stammt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich "ich mache heilig". Der Song handelt von schwarzer Magie, ein Thema, das Mustaine aus seiner Jugend kennt. Er erzählt, dass er sich damals mit Menschen umgab, die an die Realität von Magie glaubten. Heute ist er nicht stolz auf diese Zeit, sagt aber: "Wenn man an etwas stark genug glaubt, gibt es eine Kraft im Geist, die einen davon überzeugt, dass es real ist." Musikalisch ist der Track technisch anspruchsvoll, bleibt aber gesanglich hinter den Erwartungen zurück. Das Intro erinnert an "Low" von Testament.

### 6) Junkie

Der zweite Song, den Mustaine allein schrieb, beginnt mit einem ungewöhnlichen, fast beängstigenden Intro, bevor die Gitarren einsetzen und für Entspannung sorgen. Das Thema ist Sucht und Entzug. Mustaine, selbst ehemals abhängig, ließ sich von den Süchtigen inspirieren, denen er über die Jahre begegnete. Es geht vor allem um den Schmerz, wenn die Substanz, von der man abhängig ist, einem entzogen wird. Musikalisch bleibt der Song eher durchschnittlich und erinnert an die schwächeren Momente von "Super Collider".

### 7) Psychopathy

Dieser Track ist weniger ein Song als ein Interlude. Mustaine spricht über Psychopathie und darüber, wie solche Diagnosen bei Menschen mit Lern- oder Verhaltensstörungen immer häufiger gestellt werden. Ursprünglich sollte dieser Teil zusammen mit dem folgenden Song "Killing Time" ein einziges Stück sein, ähnlich wie "Rust in Peace... Polaris". Die Band entschied sich jedoch, die beiden Teile zu trennen.

### 8) Killing Time

Der Song beschreibt eine Person, die alles hatte und alles verloren hat. Mustaine sieht die drei Songs "Life in Hell", "Psychopathy" und "Killing Time" als thematisch zusammenhängend: Die egozentrische Figur aus "Life in Hell" wird zum Junkie, versucht ihre Taten zu vertuschen und wird dabei immer schlimmer. "Killing Time" erzählt genau diesen Tiefpunkt. Musikalisch erinnert der Track an die Ära von "The System Has Failed" und ist solide, aber nicht besonders einprägsam.

### 9) Soldier On!

Dieser Song weckt sofort Erinnerungen an "United Abominations", das Mustaine selbst nicht zu seinen Favoriten zählt. Typisch für den Post-2000er-Megadeth-Sound, aber nicht besonders aufregend. Die Lyrics nutzen wie so oft militärische Metaphern für Beziehungen. Mustaine rät: Wenn in einer Beziehung etwas schiefgeht, sollte man gehen und mutig sein. Besonders ärgerlich ist für viele Fans, dass bestimmte Passagen stark an ältere Megadeth-Songs erinnern, ohne dass man genau benennen kann, an welchen.

### 10) Célebutante

Nach mehreren Songs, die den Sound der 2000er-Jahre aufgreifen, überrascht dieser Track mit Riffs, die an das Debütalbum erinnern. Der Begriff "Célebutante" bezeichnet jemanden, der durch die Nähe zu Prominenten berühmt wird. Mustaine kritisiert damit Menschen, die skrupellos nach Ruhm streben. Er findet, dass Stars früher stolzer waren und die neue Generation alles kaputt gemacht habe. Dieser Song gehört zu den Highlights des Albums, auch wenn er aufgrund seiner Position in der Tracklist leicht übersehen wird.

### 11) Mission to Mars

Der Song erinnert leider an "Super Collider", das von vielen Fans als das schwächste Album der Band angesehen wird. Das Intro ist gelungen, aber insgesamt bleibt der Track ein Füllstück. Mustaine selbst erklärt die ungewöhnliche Konzeption: "Ich dachte darüber nach, wie ich diesen Song unterhaltsam gestalten könnte, und die Musik wirkte so beängstigend auf mich, dass ich dachte, es wäre cool, von der Erde zum Mars zu fliehen. Wir haben nicht auf der Erde angefangen und sind zum Mars gegangen. Wir haben auf dem Mars angefangen, sind zur Erde gegangen und dann zurück zum Mars."

### 12) We'll Be Back

Der größte Hit des Albums steht am Ende. Als erste Single wurde dieser Song bereits im Juni 2022 veröffentlicht und sorgte für große Begeisterung. Die aggressiven Riffs erinnern an "Endgame", aber wirken diesmal noch wirkungsvoller. Die Eröffnung hat etwas von "Good Mourning/Black Friday", der Refrain ist eine gelungene Umsetzung des klassischen 2000er-Megadeth-Schemas. Mustaine schrieb diesen Song als Antwort auf alle Zweifler der Band. Es ist ein Stück, das in einer Best-of-Zusammenstellung problemlos seinen Platz finden würde.

Zusammenfassend lässt sich sagen: "The Sick, the Dying... and the Dead!" ist ein Album, das die Stärken und Schwächen der Post-2000er-Ära von Megadeth widerspiegelt. Kiko Loureiro glänzt mit seinen Soli und gibt der Band frische Impulse, während Dirk Verbeuren sich erstaunlich zurückhält und seine Fähigkeiten nicht voll ausspielt. Steve DiGiorgios Bassarbeit ist hervorragend, auch wenn man sich gewünscht hätte, dass er festes Mitglied geworden wäre. Das Album ist nicht perfekt, aber es wurde mit Herzblut gemacht und zeigt, dass eine Band, die bald ihr 40-jähriges Jubiläum feiert, ihre Fans immer noch begeistern kann.

Hinweis der Redaktion: Einzelne Aussagen von Dave Mustaine über die Hintergründe bestimmter Songs sind als solche gekennzeichnet und wurden nicht unabhängig verifiziert.


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