# Libanesischer Bürgerkrieg 1975-1990: Ursachen und Verlauf

*Geschichte & Krieg · Kerem Aydın · 2026-09-06*

## Key facts

- Der Bürgerkrieg begann am 13. April 1975.
- Die Frontlinien verliefen zunächst zwischen christlichen Milizen wie der Kataib-Partei und der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) sowie deren libanesischen Verbündeten.
- Syrien intervenierte 1976 militärisch und blieb als dominierende Kraft im Libanon präsent.
- Die israelische Invasion 1982 führte zur Vertreibung der PLO aus Beirut; in den 1980er Jahren entstand aus einer Abspaltung der Amal-Bewegung die Hisbollah.
- Das Taif-Abkommen von 1989 legte den Grundstein für den Waffenstillstand und veränderte die Machtverteilung im Land.

Das Wichtigste in Kürze

Zwischen 1975 und 1990 kämpften im Libanon verschiedene Milizen um Macht und Einfluss, wobei der Konflikt durch die Präsenz der PLO, die Intervention Syriens und später Israels sowie interne Spannungen zwischen Christen, Sunniten, Schiiten und Drusen angeheizt wurde. Das Taif-Abkommen von 1989 beendete die Kämpfe und veränderte die Machtverteilung im Land.

## Libanesischer Bürgerkrieg 1975-1990: Ursachen und Verlauf

Der Libanesische Bürgerkrieg dauerte vom 13. April 1975 bis zum 13. Oktober 1990 und verwandelte das Land, das einst als "Schweiz des Nahen Ostens" galt, in ein Schlachtfeld. Zwischen 150.000 und 230.000 Menschen verloren in diesen fünfzehn Jahren ihr Leben, Millionen wurden zu Flüchtlingen. Was als innerer Konflikt begann, wurde schnell zu einem Stellvertreterkrieg regionaler Mächte.

Die Wurzeln des Konflikts reichen jedoch weiter zurück. Bereits 1958 landeten US-Truppen in Beirut, als der Libanon im Sog des Kalten Krieges zu zerfallen drohte. Die damalige Libanon-Krise zeigte, wie fragil das konfessionelle Gleichgewicht des Landes war. Doch der eigentliche Sprengstoff kam mit der Gründung des Staates Israel: Zahlreiche palästinensische Flüchtlinge strömten in den Libanon und veränderten die demografische und politische Landschaft nachhaltig.

Ein entscheidender Wendepunkt war das Kairoer Abkommen von 1969. Unter massivem arabischem Druck räumte der Libanon der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) weitgehende Autonomie über die Flüchtlingslager ein. Die PLO gewann im Südlibanon zunehmend an Einfluss. Als 1970 nach dem "Schwarzen September" in Jordanien weitere Kämpfer der PLO in den Libanon flohen, eskalierte die Lage endgültig. Radikale Gruppen setzten eigene Regeln durch, und viele schiitische Dorfbewohner fragten sich, wie sie Teil dieser Geschichte geworden waren.

### Die Eskalation und der Riyadh-Gipfel 1976

1976 standen sich die muslimisch dominierte Libanesische Nationalbewegung und christliche Milizen unversöhnlich gegenüber. Die Arabische Liga versuchte zu vermitteln, doch niemand hörte zu. Syrien marschierte unter dem Vorwand ein, Frieden zu stiften, während Israel die Gelegenheit nutzte und den Süden beanspruchte.

Am 17. und 18. Oktober 1976 trafen sich die Staats- und Regierungschefs des Libanon, Syriens, Ägyptens, Kuwaits und Saudi-Arabiens in Riyadh. Das Ziel war eine Nahost-Lösung, bei der jeder ein wenig gewinnt und niemand wirklich zufrieden ist. Drei Punkte wurden beschlossen: Ein Waffenstillstand sollte ab dem 21. Oktober gelten und alle Parteien zu ihren Positionen vom April 1975 zurückkehren. Die Realität sah freilich anders aus, denn niemand kehrte zurück und die Kämpfe flackerten schnell wieder auf.

Zudem wurde eine 30.000 Mann starke "Arabische Friedenstruppe" angekündigt. Der Name klang nach neutraler Vermittlung, doch die Truppe bestand fast ausschließlich aus syrischen Soldaten. Was als Friedensmission gedacht war, entpuppte sich als Instrument syrischer Kontrolle über den Libanon. Die PLO durfte zwar im Land bleiben, sollte aber die Souveränität des Libanon respektieren. Diese Formel erwies sich in der Praxis als wirkungslos.

### Die israelische Intervention und die "Sicherheitszone"

Israel zog daraufhin eigene Schlüsse und besetzte den Südlibanon. Die sogenannte Sicherheitszone umfasste einen schmalen Streifen entlang der Grenze, nicht das gesamte Gebiet bis zum Litani-Fluss. Der Name versprach Schutz, doch Sicherheit fand dort niemand.

1982 weitete Israel die Operationen aus und belagerte Beirut. Unter diesem Druck erklärte sich die PLO zum Abzug bereit. Am 21. August 1982 verließen die Kämpfer den Libanon, Berichten zufolge unter dem Schutz einer Friedenstruppe aus amerikanischen, französischen und italienischen Soldaten. Die Stärke dieser Truppe wurde später aufgestockt, zunächst waren es etwa 2.000 Mann. Die Bilder erinnerten an eine Hollywood-Inszenierung: Schiffe legten ab, die PLO ging, und für einen Moment glaubten viele, der Krieg sei vorbei. Doch er ging weiter.

1985 begann Israel mit einem schrittweisen Rückzug aus dem Libanon. Kaum hatten sich die israelischen Truppen zurückgezogen, flammten die Kämpfe zwischen muslimischen und christlichen Milizen erneut auf. Syrien nutzte die Gelegenheit, sich erneut als Vermittler zu positionieren, und der Iran meldete ebenfalls Ansprüche an. Jede Seite verfolgte eigene Interessen, Frieden war nur ein Vorwand.

### Das Taif-Abkommen und das Ende des Krieges

1989 schien eine Lösung greifbar: Das Taif-Abkommen wurde unterzeichnet und sollte die Machtverhältnisse neu ordnen. Doch Michel Aoun, der damalige Armeechef und Chef einer Übergangsregierung, weigerte sich, das Abkommen anzuerkennen. Im Oktober 1990 marschierten syrische Panzer ein und beendeten seinen Widerstand gewaltsam. Aoun floh in die französische Botschaft und später nach Frankreich. Der Libanesische Bürgerkrieg fand damit sein offizielles Ende, nicht jedoch die inneren Konflikte.

1991 verabschiedete das Parlament eine Generalamnestie, die allen Bürgern Vergebung für Kriegsverbrechen gewährte. Doch die Wunden waren zu tief. Berichten zufolge explodierte im selben Jahr eine Bombe im Beiruter Stadtteil Basta, bei der 30 Menschen starben und 120 verletzt wurden. Verlässliche Quellen für diesen Vorfall fehlen jedoch. Der Krieg war vorbei, doch das Trauma blieb allgegenwärtig.

Die Nachkriegszeit brachte keine echte Befreiung: Syrien kontrollierte den Libanon faktisch, christliche Führer wurden ins Exil getrieben oder fielen Attentaten zum Opfer. Was blieb, war ein Land, das zur Hälfte aus Ruinen und zur Hälfte aus Erinnerungen bestand. Die Beiruter Innenstadt war schwer beschädigt, wenn auch nicht vollständig zerstört, wie oft behauptet wird. Der Libanesische Bürgerkrieg hinterließ eine Gesellschaft, die bis heute mit den Folgen ringt.

Hinweis der Redaktion: Einzelne Ereignisse und Zahlenangaben in diesem Beitrag basieren auf unterschiedlichen historischen Quellen und können im Detail variieren; unbestätigte Informationen werden als solche kenntlich gemacht.


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