# Jeanne d'Arc: Wegen Männerkleidung 1431 verbrannt

*Geschichte & Krieg · Kerem Aydın · 2026-08-13*

## Key facts

- Jeanne d'Arc wurde um das Jahr 1412 in Domrémy geboren, das genaue Geburtsjahr ist nicht exakt belegt. Sie behauptete, seit ihrem 13. Lebensjahr Stimmen von Heiligen zu hören.
- Am 8. Mai 1429 endete die Belagerung von Orléans mit einem französischen Sieg, der Jeanne d'Arc zur Legende machte.
- Karl VII. wurde am 17. Juli 1429 in der Kathedrale von Reims zum König von Frankreich gekrönt, nachdem Jeanne d'Arc ihn dorthin geführt hatte. Die Salbung selbst vollzog der Erzbischof von Reims.
- Der Prozess von 1431 war politisch motiviert, da die Engländer die Rechtmäßigkeit der Krönung Karls VII. anzweifeln wollten.
- Papst Benedikt XV. sprach Jeanne d'Arc am 16. Mai 1920 heilig, fast fünf Jahrhunderte nach ihrem Tod.

Das Wichtigste in Kürze

Jeanne d'Arc, eine junge Bäuerin aus dem lothringischen Domrémy, führte 1429 die französischen Truppen zum Sieg bei Orléans und ermöglichte die Krönung Karls VII. in Reims. Im Mai 1430 geriet sie in Gefangenschaft, wurde von einem kirchlichen Gericht verurteilt und am 30. Mai 1431 in Rouen verbrannt. Der unmittelbare Auslöser für die Hinrichtung war das erneute Tragen von Männerkleidung nach einem Widerruf, wobei die Verurteilung auf dem Vorwurf des Rückfalls in die Häresie beruhte.

## Einleitung: Die Heldin, die wegen ihrer Kleidung starb

Wenn Sie an Frankreich denken, was kommt Ihnen zuerst in den Sinn? Der Eiffelturm? Haute Couture? Der Anspruch, die Wiege der Zivilisation zu sein? Was wäre, wenn Sie erführen, dass genau dieses Land eine Frau bei lebendigem Leibe verbrannte, nur weil sie Männerkleidung trug? Nicht irgendeine Frau, wohlgemerkt. Sondern die Frau, die Frankreich vor der Besatzung rettete, eine Armee führte und einem König die Krone ermöglichte. Ihr Name: Jeanne d'Arc.

Die Geschichte der Jeanne d'Arc ist eine der schillerndsten und zugleich grausamsten des Mittelalters. Da ist ein junges Bauernmädchen, das behauptet, göttliche Stimmen zu hören. Das in Rüstung nach Orléans zieht, die Belagerung bricht und den Dauphin nach Reims führt. Und dann, nur zwei Jahre später, auf dem Scheiterhaufen von Rouen endet. Die offizielle Anklage lautete auf Rückfall in die Häresie. Doch der unmittelbare Auslöser für ihre Hinrichtung am 30. Mai 1431 war etwas scheinbar Banales: Sie hatte wieder Hosen angezogen.

Wie konnte eine Nationalheldin wegen eines Kleidungsstücks sterben? Diese Frage führt Sie ins Herz eines der bizarrsten Justizskandale der Geschichte. Es ist die Geschichte einer Frau, die für ihr Land kämpfte und dafür mit dem Tod bezahlte. Nicht wegen ihres Mutes, nicht wegen ihrer Siege, sondern wegen einer Stoffhose. Die Einzelheiten dieser **Jeanne d'Arc Hinrichtung wegen Männerkleidung** zeichnen ein erschütterndes Bild davon, wie Kirche und Politik im 15. Jahrhundert mit einer Frau umgingen, die sich den Regeln widersetzte.

## Vom Bauernmädchen zur Kriegerin: Wer war Jeanne d'Arc?

Bevor wir über die **Jeanne d'Arc Hinrichtung wegen Männerkleidung** sprechen, sollten wir die Frau dahinter kennenlernen. Jeanne d'Arc wurde um das Jahr 1412 in einem kleinen Dorf in Lothringen geboren, das genaue Geburtsjahr ist allerdings nicht exakt belegt. Zeitgenössische Quellen schwanken zwischen 1407 und 1412. Sie wuchs als einfaches Bauernmädchen auf, fernab von Höfen, Politik und militärischer Macht. Doch dieses Mädchen sollte die Geschicke Frankreichs für immer verändern.

Mit gerade einmal 13 Jahren erlebte Jeanne etwas, das ihr Leben vollkommen auf den Kopf stellte. Sie berichtete später vor Gericht, dass sie in diesem Alter zum ersten Mal göttliche Stimmen gehört habe. Diese Stimmen, so erzählte sie, erteilten ihr einen klaren Auftrag: Sie solle Frankreich von der englischen Besatzung befreien. Was sich für uns heute schwer vorstellbar anhört, war für das junge Mädchen eine unumstößliche Gewissheit. Die Prozessakten von Rouen aus dem Jahr 1431, die bis heute im französischen Nationalarchiv aufbewahrt werden, belegen diese Aussage Jeannes eindeutig.

Ihr Weg führte sie schließlich an den Hof des Dauphin Karl, des rechtmäßigen Thronfolgers Frankreichs. Stellen Sie sich diese Begegnung vor: Ein 17-jähriges Bauernmädchen aus der Provinz steht vor dem künftigen König und behauptet, einen göttlichen Auftrag zu haben. Karl VII. war zu diesem Zeitpunkt in einer verzweifelten Lage. England hatte weite Teile Frankreichs besetzt, und seine eigene Thronfolge war höchst umstritten. Dass er Jeanne überhaupt eine Audienz gewährte, war schon bemerkenswert. Doch Jeanne überzeugte ihn mit einer solchen Selbstgewissheit und solchem Charisma, dass der Dauphin ihr schließlich Truppen anvertraute.

Was dann geschah, war eine bewusste Entscheidung, die Jeanne später zum Verhängnis werden sollte. Für den Kampf legte sie ihre Frauenkleider ab und wählte stattdessen Rüstung, Schwert und Männerkleidung. Für sie war das keine Provokation, sondern schlichte praktische Notwendigkeit. Wie hätte sie sonst zu Pferd kämpfen, eine Rüstung tragen und eine Armee führen sollen? Diese pragmatische Entscheidung sollte Jahre später zum zentralen Anklagepunkt in einem der berüchtigtsten Prozesse der Geschichte werden.

## Orléans und Reims: Der Aufstieg einer Legende

Das Jahr 1429 fand Frankreich am Boden. Die Engländer belagerten die Stadt Orléans, das letzte große Bollwerk vor dem Zusammenbruch des Königreichs. In dieser aussichtslosen Lage trat eine junge Frau aus einem Dorf in Lothringen vor den Dauphin Karl und versprach, Frankreich zu retten. Was wie eine Verzweiflungstat eines Monarchen ohne Optionen wirkte, wurde zur bemerkenswertesten militärischen Wende des Hundertjährigen Krieges.

Jeanne d'Arc, die der Überlieferung nach im Alter von dreizehn Jahren erstmals göttliche Stimmen gehört haben soll, erhielt vom Dauphin eine Rüstung, ein Banner und eine kleine Streitmacht. Sie ritt nach Orléans, wo die englischen Belagerer seit Monaten die Stadt in Schach hielten. Innerhalb weniger Tage gelang ihr, was erfahrenen Feldherren zuvor verwehrt geblieben war: Sie führte die französischen Truppen zu einem entscheidenden Sieg. Am 8. Mai 1429 war die Belagerung von Orléans beendet. Der Sieg war kein Zufall, sondern das Ergebnis von Jeanne d'Arcs taktischem Geschick und ihrer Fähigkeit, die Truppen zu motivieren, die in ihr eine von Gott gesandte Führerin sahen.

Der Triumph von Orléans öffnete der jungen Frau die Tore zur höchsten Ehre des Königreichs. Karl VII. zog mit ihr nach Reims, der traditionellen Krönungsstadt der französischen Monarchen. Dort wurde er am 17. Juli 1429 zum König gesalbt und gekrönt. Jeanne d'Arc stand während der Zeremonie an seiner Seite, die Salbung selbst vollzog jedoch der Erzbischof von Reims. Ihre Anwesenheit bei diesem Staatsakt war von enormer symbolischer Bedeutung: Das Bauernmädchen, das noch wenige Monate zuvor Schafe gehütet hatte, stand nun neben dem gesalbten König von Frankreich.

Der Aufstieg war atemberaubend schnell. Innerhalb weniger Monate hatte sich Jeanne d'Arc vom namenlosen Landmädchen zur militärischen Führungsfigur und zur Symbolfigur des französischen Widerstands verwandelt. Doch dieser kometenhafte Aufstieg hatte seinen Preis. Am königlichen Hof wuchs der Neid. Adlige, die jahrelang für ihre Positionen gekämpft hatten, sahen sich von einer ungebildeten Bäuerin übertrumpft. Intrigen begannen sich zu spinnen, und die Zahl derer, die auf ihren Untergang hofften, wuchs mit jedem ihrer Erfolge. Der Ruhm, so sollte sich bald zeigen, war eine gefährliche Bürde.

## Gefangennahme und Prozess: Frankreichs Schweigen

Am 23. Mai 1430 endete Jeannes militärische Laufbahn abrupt vor den Toren von Compiègne, einer Stadt nördlich von Paris. Bei einem Ausfall gegen die belagernden Burgunder wurde die neunzehnjährige Kriegerin vom Pferd gerissen und gefangen genommen. Was danach geschah, gehört zu den bittersten Kapiteln des Hundertjährigen Krieges zwischen Frankreich und England.

Denn nun zeigte sich, wie schnell sich ein König von seiner Retterin abwendet. Karl VII., derselbe Herrscher, dem Jeanne d'Arc im Jahr zuvor zur Krönung in der Kathedrale von Reims verholfen hatte, unternahm nichts zu ihrer Rettung. Kein Lösegeld, kein Austausch, kein einziger diplomatischer Vorstoß. Berichten zufolge ließ der französische Hof die Frau, die Orléans entsetzt und das Blatt im Krieg gewendet hatte, einfach fallen. Die Burgunder verkauften ihre Gefangene wenig später an die Engländer, die in ihr die größte Bedrohung ihrer Besatzungsherrschaft sahen.

In Rouen, der Hauptstadt der von England kontrollierten Normandie, erwartete Jeanne d'Arc kein weltliches, sondern ein kirchliches Gericht. Die Anklage umfasste zunächst siebzig Artikel, die später auf zwölf Hauptanklagepunkte reduziert wurden. Der Vorwurf der Häresie, also der Abweichung vom kirchlichen Glauben, stand im Zentrum. Doch der unmittelbare Auslöser für die tödliche Verurteilung war ein anderer: der Rückfall in die Häresie durch erneutes Tragen von Männerkleidung.

Die Geschichte der **Jeanne d'Arc Hinrichtung wegen Männerkleidung** ist damit eng verwoben mit einer Frage, die uns heute bizarr erscheinen mag. Nachdem sie unter Druck zunächst der Männerkleidung abgeschworen hatte, griff sie in ihrer Zelle erneut zu Hose und Wams. Dieses Verhalten werteten die Richter als bewussten Rückfall in die verdammte Sünde. Am 30. Mai 1431 wurde Jeanne d'Arc auf dem Marktplatz von Rouen auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Frankreichs Schweigen hatte ihr den Weg auf den Scheiterhaufen geebnet. Ein König, der seine Krone ihrer Tapferkeit verdankte, ließ sie im Stich. Die Ironie der Geschichte: Ihre militärischen Erfolge, ihre Führungsqualitäten und ihre strategische Begabung waren nie Gegenstand der Anklage. Es war ein Kleidungsstück, das zur tödlichen Falle wurde.

## Der Scheiterhaufen und die Heuchelei der Nachwelt

Am 30. Mai 1431 starb Jeanne d'Arc auf dem Scheiterhaufen in Rouen. Die Ironie, die bis heute nachhallt: Heldentum, Kriegsführung und die Krönung eines Königs wurden ihr nicht zum Verhängnis. Ihre Kleidung war es.

Denken Sie einmal darüber nach. Diese Frau hatte eine belagerte Stadt befreit, ein Heer geführt und Karl VII. nach Reims geleitet, wo er zum König von Frankreich gesalbt wurde. All das geschah im Jahr 1429 und galt offenbar als hinnehmbar. Doch als sie nach ihrer Gefangennahme im Jahr 1430 vor ein kirchliches Gericht gestellt wurde, verdichtete sich die Anklage auf einen Punkt, der uns heute absurd erscheint: Sie trug weiterhin Männerkleidung. Berichten zufolge wurde sie zunächst verurteilt, dann lenkte sie ein und legte die Kleidung ab. Doch bald darauf trug sie sie erneut, was als Rückfall in die Häresie gewertet wurde. Die Hinrichtung folgte.

Die Aufzeichnungen des Prozesses von Rouen, die im französischen Nationalarchiv erhalten sind, belegen, dass die Anklage ursprünglich auf 70 Artikeln beruhte. In der Urteilsfindung spielten jedoch 12 Hauptartikel die entscheidende Rolle, und der unmittelbare Auslöser für das Todesurteil war das erneute Tragen von Männerkleidung. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Ein Land, das sich später als Wiege der Zivilisation feierte, verbrannte seine eigene Retterin wegen eines Kleidungsstücks.

Es dauerte 489 Jahre, bis die offizielle Wiedergutmachung erfolgte. Am 16. Mai 1920 sprach Papst Benedikt XV. Jeanne d'Arc heilig. Eine späte Geste, die eine unbequeme Frage aufwirft: War diese Ehrung ein Akt aufrichtiger Reue? Oder handelte es sich um eine politische Vereinnahmung, um das eigene Gewissen zu beruhigen und das nationale Narrativ zu glätten?

Die Antwort darauf bleibt der Deutung überlassen. Was jedoch feststeht, ist die anhaltende Symbolkraft. Jeanne d'Arc wird heute von unterschiedlichen Lagern beansprucht: als nationale Identifikationsfigur, als feministische Ikone, als gottgesandte Kriegerin. Jede Seite projiziert ihre eigenen Anliegen auf sie. Dabei gerät allzu oft in Vergessenheit, dass hinter der Legende eine junge Frau stand, die für ihre Überzeugung brannte, im wahrsten Sinne des Wortes.

### Welche Rolle spielte Jeanne d'Arc wirklich bei der Krönung Karls VII.?

Jeanne d'Arc krönte Karl VII. nicht selbst. Die Salbung und Krönung vollzog der Erzbischof von Reims, während Jeanne als Feldherrin neben dem neuen König stand. Ihre eigentliche Rolle war eine andere: Sie war die treibende Kraft, die den Zug nach Reims überhaupt erst möglich machte.

Im Sommer 1429 war Frankreich zerrissen. Der englische König beanspruchte den französischen Thron, und Karl VII. galt vielen als unrechtmäßiger Herrscher. Eine Krönung in Reims, der traditionellen Krönungsstadt der französischen Könige, hätte seine Legitimität unwiderruflich gestärkt. Doch der Weg dorthin führte durch feindliches Gebiet. Jeanne d'Arc, die bereits die Belagerung von Orléans im Mai 1429 beendet hatte, drängte den zögernden Karl unermüdlich zum Marsch auf Reims. Sie überzeugte ihn, dass ein gesalbter König die Herzen der Franzosen gewinnen würde.

Am 17. Juli 1429 wurde Karl VII. schließlich in der Kathedrale von Reims gesalbt und gekrönt. Die Zeremonie selbst leitete der Erzbischof, doch ohne Jeannes militärischen Erfolg und ihren politischen Weitblick wäre dieser Moment nie gekommen. Sie stand während des Gottesdienstes in ihrer Rüstung neben dem Altar, ein Bild, das Zeitgenossen tief beeindruckte. Die Chroniken des Enguerrand de Monstrelet belegen, dass nicht Jeanne die Krone auf Karls Haupt setzte, sondern der Erzbischof diesen Akt vollzog. Ihre Bedeutung lag nicht im Ritual, sondern in der Vorarbeit: Sie hatte die englischen Truppen zurückgedrängt, die Stadt Reims für den König gesichert und den Zug mit ihrem unbedingten Glauben an Karls rechtmäßigen Anspruch getragen.

Die Krönung war der Höhepunkt von Jeannes öffentlicher Karriere. Nur wenige Monate später, im Mai 1430, geriet sie in Gefangenschaft. Frankreichs König, dem sie die Krone gesichert hatte, unternahm nichts zu ihrer Rettung. Diese bittere Ironie gehört zu den dunkelsten Kapiteln der französischen Geschichte: Die Frau, die einem König den Thron ermöglichte, wurde von eben diesem König ihrem Schicksal überlassen.

Die Anklage lautete auf Rückfall in die Häresie. Nachdem Jeanne d'Arc am 24. Mai 1431 auf dem Friedhof von Saint-Ouen unter Druck einen Widerruf unterschrieben hatte, legte sie wenige Tage später wieder Männerkleidung an. Für die Inquisitoren war dies ein klares Zeichen, dass sie in ihren Irrtum zurückgefallen war. Die Konsequenz war der Tod auf dem Scheiterhaufen auf dem Alten Marktplatz von Rouen.

Doch die Geschichte beginnt viel früher und ist weit komplexer, als es die simple Formel von der Frau, die wegen ihrer Kleidung starb, vermuten lässt. Jeanne d'Arc war eine Bäuerin, die im Jahr 1429 behauptete, göttliche Aufträge zu erhalten. Sie sollte den Dauphin Karl nach Reims führen, damit er dort zum König gekrönt werde, und die Engländer aus Frankreich vertreiben.

Ihr Aufstieg war atemberaubend schnell. Im Februar 1429 gelang es ihr, in Chinon vor den Dauphin zu treten. Nur wenige Wochen später führte sie bereits Truppen an. Die Belagerung von Orléans war der Wendepunkt des Hundertjährigen Krieges. Die französischen Truppen, die zuvor demoralisiert waren, gewannen durch ihre Präsenz neuen Mut. Am 8. Mai 1429 zogen sich die Engländer zurück. Orléans war befreit.

Der Sieg hatte immense politische Bedeutung. Karl VII. konnte nun gestärkt nach Reims ziehen, um sich krönen zu lassen. Die Zeremonie am 17. Juli 1429 war ein Triumph für Jeanne d'Arc, die während der Krönung neben dem Altar stand. Ihr Auftrag schien erfüllt. Doch sie wollte weiterkämpfen und Paris zurückerobern. Dieser Versuch scheiterte, und im Mai 1430 geriet sie bei Compiègne in Gefangenschaft.

Was folgte, war ein Prozess, der bis heute als Justizskandal gilt. Die Engländer hatten ein massives Interesse daran, Jeanne d'Arc zu diskreditieren. Wenn man sie als Ketzerin und Hexe überführte, wäre die Krönung Karls VII. illegitim gewesen. Der Prozess wurde von Pierre Cauchon geleitet, einem Bischof, der auf englischer Seite stand. Die Anklagepunkte waren zahlreich: angebliche Häresie, Zauberei, ungehorsames Verhalten gegenüber der Kirche. Doch im Kern ging es um Politik.

Die Frage der Kleidung spielte dabei eine zentrale Rolle. Jeanne d'Arc trug aus praktischen Gründen Männerkleidung. Im Feldlager und im Kampf war dies notwendig, um sich zu schützen und als Soldatin zu funktionieren. Die Theologen des Prozesses sahen darin jedoch einen Verstoß gegen die göttliche Ordnung. Das Tragen von Männerkleidung galt als Verstoß gegen biblische Gebote. In den zwölf Artikeln der Anklageschrift wurde dieser Punkt prominent aufgeführt.

Interessant ist die Chronologie der Ereignisse im Mai 1431. Am 24. Mai unterschrieb Jeanne d'Arc den Widerruf, in dem sie ihre Taten verurteilte und versprach, wieder Frauenkleidung zu tragen. Doch bereits am 28. Mai stellte man fest, dass sie wieder Männerkleidung angelegt hatte. Die Gründe dafür sind bis heute nicht vollständig geklärt. Einige Historiker vermuten, dass ihr die Frauenkleidung weggenommen wurde oder dass sie sich bedroht fühlte. Andere sehen darin einen bewussten Akt des Widerstands. Wieder andere berichten, dass sie die Kleidung benötigte, um sich gegen Übergriffe ihrer Wächter zu schützen.

Der Rückfall machte den Prozess für die Inquisitoren einfach. Wer nach einem Widerruf erneut in die Häresie verfällt, dem droht die Exkommunikation und die Übergabe an die weltliche Gewalt. Am 30. Mai 1431 wurde Jeanne d'Arc auf dem Alten Marktplatz von Rouen verbrannt. Sie war etwa 19 Jahre alt. Ihre letzten Worte sollen ein Gebet gewesen sein, in dem sie Jesus anrief.

Die Ironie der Geschichte liegt in der Nachwirkung. Bereits 1456, nur 25 Jahre nach ihrem Tod, wurde sie durch ein Rehabilitationsverfahren vollständig freigesprochen. Papst Calixtus III. hob das Urteil auf. Karl VII., dem sie die Krone verschafft hatte, unternahm während ihrer Gefangenschaft nichts zu ihrer Rettung. Dieser Verrat gehört zu den dunkelsten Kapiteln der französischen Geschichte.

Im 19. und 20. Jahrhundert wurde Jeanne d'Arc zur nationalen Identifikationsfigur Frankreichs. Sie symbolisierte den Kampf gegen Unterdrückung und den Patriotismus. 1920 sprach Papst Benedikt XV. sie heilig. Heute gilt sie als eine der bedeutendsten Frauen der europäischen Geschichte. Ihr Schicksal wird oft als Beispiel für die Heuchelei der damaligen Gesellschaft angeführt: Sie wurde wegen einer Äußerlichkeit verurteilt, während die eigentlichen politischen Motive im Dunkeln blieben.

Die Geschichte von Jeanne d'Arc wirft Fragen auf, die bis heute relevant sind. War es wirklich die Kleidung, die sie auf den Scheiterhaufen brachte? Oder war es die Angst der Mächtigen vor einer Frau, die sich nicht in die vorgegebenen Rollen fügte? Die historischen Quellen legen nahe, dass die Männerkleidung nur der Vorwand war. Der eigentliche Grund war ihre politische Wirkung und die Bedrohung, die sie für die englischen Ansprüche auf den französischen Thron darstellte.

Für die Menschen ihrer Zeit war Jeanne d'Arc eine Widersprüchlichkeit. Sie war fromm und trug doch Waffen. Sie war jung und führte doch Armeen. Sie war eine Frau und nahm doch einen Platz ein, der Männern vorbehalten schien. Diese Widersprüche machten sie angreifbar, aber auch unvergesslich. Ihre Hinrichtung war ein Versuch, eine unbequeme Stimme zum Schweigen zu bringen. Dieser Versuch ist gründlich gescheitert.

Heute erinnern zahlreiche Denkmäler, Kirchen und Straßennamen in ganz Frankreich an die Jungfrau von Orléans. Der 8. Mai, der Tag der Befreiung von Orléans, wird dort bis heute als Nationalfeiertag begangen. Jeanne d'Arc ist längst mehr als eine historische Figur. Sie ist ein Mythos, ein Symbol und eine Inspiration für alle, die gegen Ungerechtigkeit kämpfen.

Anmerkung der Redaktion: Einzelheiten aus dem Prozessverlauf, insbesondere die genauen Umstände des erneuten Anlegens der Männerkleidung, sind in den historischen Quellen nicht vollständig eindeutig belegt und werden hier als solche dargestellt.


## Frequently asked questions

**Vom Bauernmädchen zur Kriegerin: Wer war Jeanne d'Arc?**

Bevor wir über die Jeanne d'Arc Hinrichtung wegen Männerkleidung sprechen, sollten wir die Frau dahinter kennenlernen. Jeanne d'Arc wurde um das Jahr 1412 in einem kleinen Dorf in Lothringen geboren, das genaue Geburtsjahr ist allerdings nicht exakt belegt. Zeitgenössische Quellen schwanken zwischen 1407 und 1412. Sie wuchs als einfaches Bauernmädchen auf, fernab von Höfen, Politik und militärischer Macht. Doch dieses Mädchen sollte die Geschicke Frankreichs für immer verändern. Mit gerade einmal 13 Jahren erlebte Jeanne etwas, das ihr Leben vollkommen auf den Kopf stellte. Sie berichtete später vor Gericht, dass sie in diesem Alter zum ersten Mal göttliche Stimmen gehört habe. Diese Stimmen, so erzählte sie, erteilten ihr einen klaren Auftrag: Sie solle Frankreich von der englischen Besatzung befreien. Was sich für uns heute schwer vorstellbar anhört, war für das junge Mädchen eine unumstößliche Gewissheit. Die Prozessakten von Rouen aus dem Jahr 1431, die bis heute im französischen Nationalarchiv aufbewahrt werden, belegen diese Aussage Jeannes eindeutig. Ihr Weg führte sie schließlich an den Hof des Dauphin Karl, des rechtmäßigen Thronfolgers Frankreichs. Stellen Sie sich diese Begegnung vor: Ein 17-jähriges Bauernmädchen aus der Provinz steht vor dem künftigen König und behauptet, einen göttlichen Auftrag zu haben. Karl VII. war zu diesem Zeitpunkt in einer verzweifelten Lage. England hatte weite Teile Frankreichs besetzt, und seine eigene Thronfolge war höchst umstritten. Dass er Jeanne überhaupt eine Audienz gewährte, war schon bemerkenswert. Doch Jeanne überzeugte ihn mit einer solchen Selbstgewissheit und solchem Charisma, dass der Dauphin ihr schließlich Truppen anvertraute.

**Welche Rolle spielte Jeanne d'Arc wirklich bei der Krönung Karls VII.?**

Jeanne d'Arc krönte Karl VII. nicht selbst. Die Salbung und Krönung vollzog der Erzbischof von Reims, während Jeanne als Feldherrin neben dem neuen König stand. Ihre eigentliche Rolle war eine andere: Sie war die treibende Kraft, die den Zug nach Reims überhaupt erst möglich machte. Im Sommer 1429 war Frankreich zerrissen. Der englische König beanspruchte den französischen Thron, und Karl VII. galt vielen als unrechtmäßiger Herrscher. Eine Krönung in Reims, der traditionellen Krönungsstadt der französischen Könige, hätte seine Legitimität unwiderruflich gestärkt. Doch der Weg dorthin führte durch feindliches Gebiet. Jeanne d'Arc, die bereits die Belagerung von Orléans im Mai 1429 beendet hatte, drängte den zögernden Karl unermüdlich zum Marsch auf Reims. Sie überzeugte ihn, dass ein gesalbter König die Herzen der Franzosen gewinnen würde. Am 17. Juli 1429 wurde Karl VII. schließlich in der Kathedrale von Reims gesalbt und gekrönt. Die Zeremonie selbst leitete der Erzbischof, doch ohne Jeannes militärischen Erfolg und ihren politischen Weitblick wäre dieser Moment nie gekommen. Sie stand während des Gottesdienstes in ihrer Rüstung neben dem Altar, ein Bild, das Zeitgenossen tief beeindruckte. Die Chroniken des Enguerrand de Monstrelet belegen, dass nicht Jeanne die Krone auf Karls Haupt setzte, sondern der Erzbischof diesen Akt vollzog. Ihre Bedeutung lag nicht im Ritual, sondern in der Vorarbeit: Sie hatte die englischen Truppen zurückgedrängt, die Stadt Reims für den König gesichert und den Zug mit ihrem unbedingten Glauben an Karls rechtmäßigen Anspruch getragen. Die Krönung war der Höhepunkt von Jeannes öffentlicher Karriere. Nur wenige Monate später, im Mai 1430, geriet sie in Gefangenschaft.

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