# Hitlers Weg in den Zweiten Weltkrieg: Vom Putsch 1923 bis Polen 1939

*Geschichte & Krieg · Kerem Aydın · 2026-09-11*

## Key facts

- Am 8. und 9. November 1923 versuchte Hitler in München vergeblich, die Regierung zu stürzen.
- Am 30. Januar 1933 wurde Hitler zum Reichskanzler ernannt, der entscheidende Schritt zur Diktatur.
- 1936 ließ er das entmilitarisierte Rheinland besetzen, ohne dass Frankreich oder Großbritannien eingriffen.
- Im März 1938 erfolgte der Anschluss Österreichs, im September 1938 folgte das Münchner Abkommen.
- Am 1. September 1939 begann mit dem Angriff auf Polen der Zweite Weltkrieg.

Das Wichtigste in Kürze

Adolf Hitler scheiterte 1923 mit einem Putsch in München und kam 1933 auf legalem Weg an die Regierung. Bis 1939 brach er den Versailler Vertrag, besetzte das Rheinland, ließ Österreich und Teile der Tschechoslowakei einverleiben und griff Polen an. Der Überfall am 1. September 1939 löste den Zweiten Weltkrieg aus.

## Hitlers Weg in den Zweiten Weltkrieg: Vom Putsch 1923 bis Polen 1939

Als der Erste Weltkrieg im November 1918 zu Ende ging, lag ein 29-jähriger Infanterist namens Adolf Hitler in einem Lazarett in Pasewalk in Pommern. Eine Gasvergiftung hatte ihn zeitweise erblinden lassen. Was er dort hörte, traf ihn wie ein Schock: Das Deutsche Reich hatte kapituliert. Viereinhalb Jahre hatte man gekämpft, dem Sieg so nahe gestanden. Und nun das.

Dabei sah die Lage auf dem Papier lange gar nicht so schlecht aus. Noch Ende 1918 hielt das Reich im Westen besetzte Gebiete in Belgien und Nordfrankreich. Den Ausschlag gab etwas anderes: Die große Frühjahrsoffensive an der Westfront, ab dem 21. März 1918 unter Erich Ludendorff geführt, verfehlte ihr strategisches Ziel. Im November 1918 brach alles zusammen. Matrosen, die man während des Krieges an den Rand gedrängt hatte, meuterten, Arbeiter streikten, die kaiserliche Regierung verlor die Nerven. Das Heft des Handelns ging an eine neue Koalition aus Linken und ihren Verbündeten über, und diese Regierung unterzeichnete am 11. November 1918 den Waffenstillstand mit den Alliierten.

### Ein Waffenstillstand, der kein Frieden war

Mit dem Schweigen der Waffen endete das Leiden der deutschen Bevölkerung keineswegs. Die Briten hielten ihre Seeblockade bis Juni 1919 aufrecht. Die Folgen waren bitter: Mangelernährung, Vitaminmangel, bei Kindern trat gehäuft Rachitis auf, sichtbar an krummen Beinen und verformten Knien. Auf der anderen Seite standen die Franzosen, geprägt vom Trauma von Verdun, wo das Rückgrat ihrer Armee zerbrochen war. Sie forderten unter dem Titel "Wiedergutmachung" Summen, die kaum zu stemmen waren. 1921 setzte die Reparationskommission eine Gesamtsumme von 132 Milliarden Goldmark fest. Die letzten Tranchen im Zusammenhang mit dieser Abwicklung wurden erst im Jahr 2010 beglichen. Hinter der Härte stand ein klares Kalkül: Deutschland sollte sich wirtschaftlich nicht erholen und nicht wieder aufrüsten können.

Die Pariser Friedenskonferenz begann am 18. Januar 1919. Den Deutschen wurde der Vertragstext am 7. Mai 1919 vorgelegt, am 23. Juni 1919 nahm das deutsche Parlament ihn an, am 28. Juni 1919 wurde er im Pariser Vorort Versailles unterzeichnet. Der französische General Ferdinand Foch beobachtete das Geschehen genau und fand Worte, die wie eine Prophezeiung klingen sollten: Das sei kein Frieden, sondern ein Waffenstillstand für zwanzig Jahre.

### Vom Spitzel zum Agitator

In den frühen 1920er Jahren setzte die Reichswehr Hitler in München als Spitzel ein. Bei einer dieser Beobachtungen landete er in einer Versammlung der Deutschen Arbeiterpartei, einer unbedeutenden Splittergruppe. Dort entdeckte er, was ihm bis dahin niemand zugetraut hätte: seine Stimme. Im September 1919 trat er in die Partei ein. Was heute auf alten Aufnahmen befremdlich wirkt, entfaltete damals eine enorme Sogkraft. Ein ganzer Staat sollte sich davon in wenigen Jahren in einen totalen Krieg ziehen lassen.

Ein zweites Standbein war der Antisemitismus. In Teilen der Bevölkerung kam er an, denn viele Juden hatten die Nachkriegskrise wirtschaftlich besser überstanden als andere. Hitler sprach von einem Vergeltungskrieg und einer nationalistischen Regierung, die das korrupte Parlament ablösen sollte. Gegen Juden, die in der Finanzwelt und in liberalen Medien stark vertreten waren, ließ sich daraus mühelos Propaganda bauen.

Sein Vorbild war Benito Mussolini. Nach italienischem Muster unternahm Hitler 1923 seinen ersten Versuch, die Macht gewaltsam zu erlangen. Der Putschversuch vom 8. und 9. November 1923 in München scheiterte. Bei einer Schießerei mit der Polizei wurde Hitler verletzt, zwei Tage später verhaftet und wegen Hochverrats angeklagt. Der Prozess dauerte 24 Tage. Man verurteilte ihn zu fünf Jahren Festungshaft, von denen er in Landsberg nur einen kleinen Teil verbüßte. Untätig blieb er dort nicht: Er diktierte "Mein Kampf". Darin zog er seine Lehren. Deutschland dürfe nie wieder einen Zweifrontenkrieg führen. Der wahre Feind sei Russland, und ihn zu besiegen bedeute, im Osten neuen Lebensraum und Rohstoffquellen zu gewinnen.

### Die Krise als Sprungbrett

1929 begann sich das Blatt zu wenden. Die Weltwirtschaftskrise stürzte die Weimarer Republik in den Abgrund, die letzte tatsächlich parlamentarische Regierung zerbrach. Die Mark geriet unter Druck und verlor ihre Konvertibilität. Der nationale Handel brach um zwei Drittel ein. Da Deutschland stark vom Export lebte, standen binnen kurzer Zeit sechs Millionen Menschen ohne Arbeit da. In Berlin herrschte Chaos. In dieser aufgeheizten Stimmung kam nach der Reichstagswahl von 1932 eine Vereinbarung mit den Konservativen zustande, und am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler Reichskanzler.

Sein erstes wichtiges Treffen galt den Generälen. Ohne Zeitverlust, so seine Botschaft, müsse wieder aufgerüstet werden. Das schaffe Arbeitsplätze in der Industrie und beschäftige einen Teil der Erwerbslosen. Der Plan verstieß gegen den Versailler Vertrag, doch Hitler kalkulierte kühl: Eine kriegsmüde Welt würde nicht eingreifen. Die Zeit gab ihm recht. Die deutsche Luftfahrtindustrie wuchs nach zeitgenössischen Angaben von 3.000 Beschäftigten und einigen Dutzend Flugzeugen pro Jahr auf 250.000 Beschäftigte und 3.000 Kriegsflugzeuge jährlich bis 1939. Zusammen mit dem Aufschwung in der Landwirtschaft sank die Arbeitslosigkeit bis 1936 deutlich, auch wenn die Statistik geschönt war und von einer vollständigen Beseitigung der Arbeitslosigkeit keine Rede sein konnte.

Hitler war populär, und diese Popularität nutzte er als Schutzschild. Die Judenfeindschaft erhielt eine gesetzliche Grundlage. Es entstanden Konzentrationslager mit unterschiedlichen Kapazitäten. Hunderttausende Juden wurden vertrieben, ihr Vermögen beschlagnahmt. Im Sommer 1936 nutzte Hitler die Olympischen Spiele in Berlin als Kulisse, um seine wahren Absichten zu verbergen. Stalins Fünfjahresplan deutete er als Warnsignal und startete ein umfassendes Rüstungsprogramm, das Deutschland in vier Jahren für einen Verteidigungs- und in sieben Jahren für einen Angriffskrieg bereit machen sollte. Das war ein Vabanquespiel: Deutschland fehlten die Rohstoffe, und es fehlte an Devisen für Öl, Kautschuk und Nichteisenmetalle. Für synthetisches Öl und synthetischen Kautschuk lief ein teures Forschungsprogramm. Unter Hermann Göring, dem Befehlshaber der Luftwaffe und Leiter des Vierjahresplans, wurde ein riesiger metallurgischer Komplex errichtet. Die totalitäre Struktur vertiefte sich: 1936 wurde die Gestapo mit der SS unter Heinrich Himmler zusammengeführt. Der Spanische Bürgerkrieg und die Spannungen im Pazifik verstärkten Hitlers Eindruck, dass seine Stunde näher rückte.

### Rheinland, Österreich, München

Den ersten Schritt tat er im Rheinland, auf dem westlich des Rheins gelegenen deutschen Gebiet. Nach dem Krieg wollten die Franzosen die Region annektieren, waren damit aber gescheitert. Stattdessen wurde sie entmilitarisiert. Am 7. März 1936 marschierten deutsche Truppen ein. Frankreich und Großbritannien griffen nicht ein. Die Briten setzten sogar auf die sogenannte Beschwichtigungspolitik: Man wollte Hitler geben, was er verlangte, um ihn von weiteren Abenteuern abzubringen. Im November 1937 reiste der britische Außenminister Lord Halifax nach Berlin und deutete Hitler gegenüber an, dass Großbritannien friedlichen Änderungen der Nachkriegsverträge nicht entgegenstehen werde.

Zwischen dem 11. und 13. März 1938 annektierte das nationalsozialistische Deutschland Österreich, ein Vorgang von drei Tagen. Kaum jemand regte sich. Der Überlieferung nach begrüßte auch Karl Renner, einst sozialistischer Staatspräsident Österreichs, den Anschluss öffentlich; die pauschale Rede von einer Begeisterung für die Nationalsozialisten greift dabei zu kurz. Österreich wurde eine deutsche Provinz, und Wiens Viertelmillion Juden wurde Opfer schwerer Demütigungen, Gewalt und Plünderungen.

Als Nächstes nahm Hitler die Tschechoslowakei ins Visier. Dort lebten rund drei Millionen Deutsche, überwiegend im Sudetenland nahe der deutschen Grenze. Das Land war ein Produkt der Nachkriegsverträge, und die Tschechen vertrauten auf ihr Bündnis mit Frankreich. Doch die Beschwichtigungspolitik trat erneut auf den Plan. Im September 1938 flog der britische Premierminister Neville Chamberlain auf Vorschlag Mussolinis nach München zu einer Konferenz mit Hitler. Die Tschechoslowakei war nicht eingeladen, ebenso wenig ihr größter Verbündeter, die Sowjetunion. Chamberlain sah keinen Anlass, Hitler die deutsch besiedelten Gebiete der Tschechoslowakei zu verweigern. Die Tschechen wurden nicht einmal gefragt, obwohl dort auch andere Völker lebten. Das Münchner Abkommen ging als beschämendes und feiges Verhalten in die Geschichte ein. Chamberlain aber feierte man eine Zeit lang als den Mann, der den Krieg verhindert hatte.

### Churchill, die Pogromnacht und der Krieg

Der schärfste Kritiker der Londoner Politik war Winston Churchill. Er wurde am 30. November 1874 in Blenheim Palace geboren, dem historischen Anwesen seines Vorfahren, des Herzogs von Marlborough. In jungen Jahren liberal, rückte er später auf eine imperiale Linie. Er kannte die glanzvollsten Zeiten der britischen Geschichte aus eigener Anschauung. Als Konservativer der 1930er Jahre verachtete er Hitler aufrichtig und warnte wieder und wieder, Zugeständnisse würden ihn nur weiter anstacheln. Kaum jemand hörte hin. Nun aber rückte er ins Zentrum der Ereignisse.

In der Nacht vom 9. November 1938 und am folgenden Morgen kam es in Deutschland und Österreich zu schweren Ausschreitungen gegen Juden. Geschäfte wurden geplündert, Synagogen niedergebrannt, 91 Juden getötet, Tausende in Konzentrationslager verschleppt. München beschwichtigte Hitler nicht länger. Das nationalsozialistische Deutschland wurde aggressiver und schloss sich mit Japan und Italien zu einem faschistischen Block zusammen. Angesichts der ausbleibenden Reaktionen auf seine Verbrechen gab sich Hitler im eigenen Echo der Vorstellung von der Weltherrschaft hin. Im März 1939 besetzte Deutschland den Rest der Tschechoslowakei. Es folgten der Pakt mit der Sowjetunion und am 1. September 1939 der Überfall auf Polen. Am 3. September 1939 übermittelten die Briten gegen 9 Uhr ihr Ultimatum, Frankreich zog am selben Tag um 17 Uhr nach. Die Würfel waren gefallen, der Zweite Weltkrieg hatte begonnen.

Der März 1939 war für die Briten ein Wendepunkt: Nie wieder wollten sie den Nationalsozialisten vertrauen. Rückblickend wirkt das alles wie ein Taumel. Die Fähigkeiten eines alten Volkes, das sich aus welchen Gründen auch immer einem Mann anvertraut hatte, stürzten die Menschheit in einen universalen Untergang. Wer das Jahr 1939 erlebte, wird sagen, der Krieg mit Deutschland habe in jenem Sommer längst begonnen, und sein Anlass sei kein einzelnes Ereignis gewesen.

Hinweis der Redaktion: Nicht abschließend belegte Angaben sind im Text ausdrücklich als unsicher gekennzeichnet.


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