# Hick'sches Gesetz: Warum zu viele Optionen lähmen

*Gesellschaft, Psychologie & Leben · Elif Korkmaz · 2026-09-20*

## Key facts

- Das Hick'sche Gesetz stellt einen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Optionen und der Zeit her, die eine Entscheidung benötigt.
- William Edmund Hick führte seine Experimente 1952 durch und veröffentlichte sie im selben Jahr.
- Die Jam-Studie von Sheena Iyengar aus dem Jahr 2000 zeigte, dass eine größere Auswahl an Marmeladensorten nicht automatisch zu mehr Käufen führt.
- Das Gehirn greift bei vielen Optionen auf Heuristiken zurück, um Energie zu sparen, was Entscheidungen verlangsamen oder blockieren kann.
- Im Alltag lässt sich Auswahlüberforderung durch eine bewusste Begrenzung der Optionen reduzieren.

Das Wichtigste in Kürze

Das Hick'sche Gesetz besagt, dass die Reaktionszeit mit der Zahl der Wahlmöglichkeiten zunimmt. William Edmund Hick veröffentlichte seine Befunde 1952 in Großbritannien. Rund fünfzig Jahre später untersuchte die Psychologin Sheena Iyengar 2000 in Menlo Park, wie sich eine große Auswahl auf Kaufentscheidungen auswirkt. Beide Arbeiten gelten als Grundlage der modernen Forschung zum Auswahlparadoxon.

## Ein Freitagabend, ein voller Streaming-Katalog

Es ist Freitagabend, die Woche war lang, und Sie wollen nur eines: sich zurücklehnen und einen guten Film sehen. Sie öffnen die Streaming-Plattform. Komödien, Dramen, Thriller, alles liegt nebeneinander auf dem Bildschirm. Sie wischen weiter, und mit jeder Bewegung wächst die Liste. Aus einer überschaubaren Auswahl wird ein endloses Band aus Möglichkeiten.

Was in den ersten Minuten noch verlockend wirkt, kippt irgendwann ins Gegenteil. Die Frage „Was schaue ich bloß?" lässt Sie nicht mehr los, und je länger Sie suchen, desto schwerer fällt die Entscheidung. Sie scrollen weiter, lesen Kurzbeschreibungen, springen zurück. Die Minuten vergehen. Am Ende geben Sie auf, schalten den Fernseher aus und verschieben den Filmabend auf ein anderes Mal. Zurück bleibt ein schwarzer Bildschirm. Die Entscheidungsmüdigkeit hat gewonnen.

Dieses kleine Scheitern vor dem eigenen Sofa ist kein persönlicher Makel. Dahinter steckt ein psychologisches Muster, das Forscher bereits in den 1950er Jahren beschrieben haben. Es trägt den Namen **Hick'sches Gesetz**, und es erklärt, warum mehr Auswahl uns nicht schneller, sondern langsamer macht.

Das Hick'sche Gesetz beschreibt einen logarithmischen Zusammenhang zwischen der Anzahl gleich wahrscheinlicher Optionen und der Zeit, die wir für eine Entscheidung brauchen. Anders gesagt: Je mehr Möglichkeiten mit gleicher Chance vor uns liegen, desto länger dauert unsere Reaktion. Der englische Psychologe William Edmund Hick veröffentlichte diese Erkenntnis 1952 in seinem Aufsatz „On the Rate of Gain of Information". Was damals als nüchterne Messung von Reaktionszeiten begann, beschreibt heute einen ganz gewöhnlichen Freitagabend.

Denn genau das passiert, während Sie durch den Katalog wischen. Drei Filme zur Auswahl lassen sich schnell gegeneinander abwägen. Bei dreihundert wird aus einer angenehmen Wahl eine anstrengende Prüfung. Die Liste wächst, die Entscheidung aber wird nicht leichter, sondern schwerer. Und irgendwann bleibt der Bildschirm schwarz.

## Was das Hick'sche Gesetz besagt

Stellen Sie sich vor, es ist Freitagabend. Die Woche war lang, und Sie möchten einfach nur einen Film sehen. Sie öffnen die Streaming-App, und plötzlich sind da hunderte Titel. Komödien, Dramen, Thriller, alles untereinander. Sie scrollen, die Liste wird länger, und nach ein paar Minuten wissen Sie weniger als am Anfang. Vielleicht schließen Sie die App sogar wieder, ohne etwas gesehen zu haben. Genau dieses Gefühl hat einen Namen, und es hat eine Formel.

Das **Hick'sche Gesetz** beschreibt, wie lange wir brauchen, um uns zwischen mehreren Möglichkeiten zu entscheiden. Seine Kernaussage lautet: Die Reaktionszeit steigt logarithmisch mit der Zahl der gleich wahrscheinlichen Optionen. Das klingt technisch, ist aber im Alltag ständig spürbar. Drei Filme zur Auswahl wirken attraktiver als hunderte. Bei drei wissen Sie, woran Sie sind. Bei hunderten verlieren Sie sich.

### Ein britischer Psychologe und ein Artikel von 1952

Hinter dem Gesetz steht William Edmund Hick, ein britischer Psychologe, der in der Mitte des 20. Jahrhunderts zu experimenteller Psychologie und Ergonomie forschte. Im Jahr 1952 veröffentlichte er seine Arbeit mit dem Titel *On the Rate of Gain of Information*. Darin untersuchte er, wie Menschen auf Signale reagieren, wenn mehrere davon möglich sind.

Sein Versuchsaufbau war denkbar einfach und gerade deshalb so aussagekräftig. Rund um die Versuchspersonen waren zehn Lampen angebracht, jede mit einer eigenen Taste verbunden. Leuchtete eine Lampe auf, sollte die Person die passende Taste drücken. In den ersten Durchgängen zählte vor allem die Genauigkeit, im letzten Durchgang dann die Geschwindigkeit. Hick konnte die Reaktionszeiten dadurch sehr präzise messen.

Das Ergebnis war eindeutig. Je mehr Lampen im Spiel waren, desto langsamer wurden die Reaktionen. Und dieser Anstieg verlief nicht geradlinig, sondern logarithmisch. Anders gesagt: Jede zusätzliche Option kostet Zeit, aber die Kurve flacht mit der Zeit ab. Sie steigt weiter, nur eben immer flacher.

### Warum die Kurve nicht gerade nach oben läuft

Der Unterschied zwischen doppelt so vielen Optionen und doppelt so viel Wartezeit ist entscheidend. Verdoppelt sich die Zahl der gleich wahrscheinlichen Möglichkeiten, wächst die Entscheidungszeit nicht im selben Verhältnis, sondern nur um einen festen, immer gleichen Betrag. Deshalb sprechen Fachleute von einem logarithmischen Zusammenhang.

Für den Alltag heißt das: Der Sprung von zwei auf vier Optionen tut spürbar weh. Der Sprung von zweihundert auf vierhundert fällt kaum noch ins Gewicht. Das erklärt, warum uns drei Filme leichter fallen als dreißig, während uns der Unterschied zwischen dreihundert und sechshundert kaum auffällt. Die erste Verdopplung kostet am meisten.

> Weniger ist nicht immer ein Verzicht. Manchmal ist es der schnellste Weg zu einer Entscheidung, die Sie auch wirklich treffen.

Was in Hicks Experiment mit Lampen und Tasten begann, begegnet uns heute überall dort, wo Auswahl zur Last wird. Ob im Supermarktregal, im Onlineshop oder in der Mediathek: Die Mechanik dahinter ist dieselbe. Und sie lässt sich sogar in Zahlen fassen, was uns im nächsten Abschnitt zu einem Marmeladenstand in Kalifornien führt.

## Zehn Lampen, zehn Tasten: Hicks Experiment

Um zu verstehen, wie das Hick'sche Gesetz entstand, lohnt sich ein Blick in das Labor des britischen Psychologen William Edmund Hick. In der Mitte des 20. Jahrhunderts war Hick ein Pionier der experimentellen Psychologie und der Ergonomie, also der Lehre von der Anpassung der Arbeit an den Menschen. Für seine Untersuchung baute er einen Versuchsaufbau, der so einfach wie wirkungsvoll war.

Stellen Sie sich den Raum vor: Vor den Teilnehmenden, den sogenannten Versuchspersonen, lag ein Feld mit zehn Tasten. Über jeder einzelnen Taste leuchtete eine eigene Lampe. Jede Lampe war also genau einer Taste zugeordnet, und zwar so, dass die Finger bequem danach greifen konnten. Diese Anordnung erlaubte es Hick, die Reaktionszeiten mit großer Genauigkeit zu messen.

Die Aufgabe klang simpel. Sobald eine Lampe aufleuchtete, sollte die Person die dazugehörige Taste drücken. Doch Hick variierte die Bedingungen. In den ersten Durchgängen lautete die Anweisung, möglichst **korrekt** zu antworten. Im letzten Durchgang hingegen sollten die Teilnehmenden möglichst **schnell** reagieren. So konnte er prüfen, ob sich das Ergebnis ändert, je nachdem, worauf der Fokus lag.

Und das Ergebnis war bemerkenswert eindeutig. Je mehr Lampen aufleuchteten, desto langsamer wurden die Reaktionen. Egal ob die Menschen auf Genauigkeit oder auf Geschwindigkeit getrimmt waren, die Reaktionszeit stieg mit der Anzahl der Möglichkeiten. Dieser Zusammenhang war nicht geradlinig, sondern logarithmisch: Mit jeder Verdopplung der Optionen wuchs die Entscheidungszeit um einen festen Betrag. Genau das ist der Kern des **Hick'schen Gesetzes**.

Der Steigungsparameter b wird in der Literatur häufig mit etwa 0,15 Sekunden pro zusätzlicher Option angegeben. Der genaue Wert schwankt jedoch von Untersuchung zu Untersuchung, und ein fester Wert wie 0,155 Sekunden ist nicht gesichert. Festhalten lässt sich dennoch: Jede weitere gleich wahrscheinliche Möglichkeit kostet das Gehirn messbar Zeit. Hicks Experiment liefert damit den anschaulichen Beweis für ein Prinzip, das uns im Alltag ständig begegnet.

## Die Formel und ein Beispiel mit dem Handy-Alarm

Aus Hicks Versuchsreihe wurde eine Gleichung, die sich in einer einzigen Zeile notieren lässt. Sie lautet: **RT = a + b × log₂(n)**. Dabei steht RT für die Reaktionszeit, also die Zeit, die Sie bis zur Entscheidung und zum Tastendruck benötigen. Das *n* in der Klammer ist die Anzahl der gleich wahrscheinlichen Optionen. Der Logarithmus zur Basis 2 sorgt dafür, dass jede Verdopplung der Möglichkeiten nur einen festen Betrag hinzufügt, nicht das Doppelte.

Die beiden übrigen Größen sind ebenso anschaulich. Der Wert *a* beschreibt jene feste Grundzeit, die mit der eigentlichen Wahl nichts zu tun hat: das Erkennen des Signals, das Anheben der Hand, das Ansteuern der Taste. Der Parameter *b* hingegen steht für den Aufwand, den eine einzelne Option im Kopf verursacht, also für die mentale Bewertung jeder Alternative. In der Forschungsliteratur liegt *b* meist bei etwa 0,15 Sekunden pro Bit. Ein exakter Wert von 0,155 Sekunden gilt als berichtet, nicht als gesichert.

### Rechnen wir es an einem Alarm durch

Stellen Sie sich vor, Ihr Handy beginnt in der Früh zu klingeln. Bis Sie begriffen haben, dass es sich um den Wecker handelt und nicht um einen Anruf, vergehen drei Sekunden. Damit ist *a* = 3 festgelegt. Nun kommt es darauf an, wie viele Tasten Ihnen zur Verfügung stehen, um den Alarm abzustellen.

Nehmen wir zunächst vier Tasten an, also *n* = 4. Der Logarithmus zur Basis 2 von 4 ergibt 2, denn 2² ist 4. Eingesetzt in die Formel:

| Anzahl der Tasten (n) | Rechenweg | Reaktionszeit (RT) |
|---|---|---|
| 4 | 3 + 0,15 × log₂(4) | 3,30 Sekunden |
| 8 | 3 + 0,15 × log₂(8) | 3,45 Sekunden |

Sie brauchen in diesem Fall also rund 3,3 Sekunden, bis der Alarm verstummt. Verdoppeln wir die Möglichkeiten auf acht Tasten, ergibt log₂(8) den Wert 3, denn 2³ ist 8. Daraus folgt eine Reaktionszeit von etwa 3,45 Sekunden. Der Zuwachs fällt kleiner aus, als man vermuten möchte, denn jede Verdopplung der Optionen fügt nur einen festen Betrag hinzu.

Genau darin liegt die eigentliche Aussage des Hick'schen Gesetzes. Jede zusätzliche Option kostet messbar Zeit, und dieser Zuwachs verschwindet nicht, sondern summiert sich mit jeder weiteren Möglichkeit. Was auf dem Papier wie eine kleine Verzögerung wirkt, macht sich im Alltag deutlich bemerkbar: Der Griff zum Wecker wird langsamer, je mehr Knöpfe das Gerät anbietet.

> Jede zusätzliche Option kostet messbar Zeit.

Dieses Muster lässt sich auf weit mehr übertragen als auf ein klingelndes Telefon. Sobald mehrere Wege zum selben Ziel führen und alle gleich plausibel erscheinen, greift dieselbe Rechnung. Die Formel liefert damit eine nüchterne Erklärung für ein Gefühl, das viele kennen: Je größer die Auswahl, desto länger dauert es, bis man sich endlich bewegt.

## Der Marmeladenstand in Menlo Park

Stellen Sie sich vor, Sie schieben Ihren Einkaufswagen durch einen gut besuchten Supermarkt in Menlo Park, Kalifornien. Vor Ihnen steht ein kleiner Tisch, darauf gläserne Aufstriche in Reih und Glied. Eine freundliche Person reicht Ihnen ein Probierlöffelchen. Sie kosten, nicken, gehen weiter. Was nach einer beiläufigen Szene klingt, wurde zum wohl bekanntesten Beleg dafür, dass zu viel Auswahl uns lähmen kann. Denn genau hier, an diesem Stand, führten die Psychologinnen und Psychologen Sheena Iyengar und Mark Lepper im Jahr 2000 eine Feldstudie durch, die bis heute in jedem Lehrbuch zur Entscheidungspsychologie steht.

Das Versuchsdesign war so einfach wie elegant. Über mehrere Tage hinweg wechselten die Forschenden das Angebot auf dem Tisch. Einmal luden 24 verschiedene Marmeladensorten zum Probieren ein, ein andermal nur sechs. Sonst blieb alles gleich: derselbe Ort, dieselbe Ansprache, dieselbe freundliche Verkäufermimik. So ließ sich sauber messen, was allein die Menge der Optionen mit uns macht. Und die Zahlen, die dabei herauskamen, sind bis heute verblüffend.

| Angebot am Stand | Blieben stehen | Kauften tatsächlich |
|---|---|---|
| 24 Marmeladensorten | etwa 60 % | rund 3 % |
| 6 Marmeladensorten | etwa 40 % | rund 30 % |

Lesen Sie diese Zahlen einmal langsam. Beim großen Sortiment blieben zwar deutlich mehr Menschen stehen, nämlich etwa 60 Prozent. Doch nur rund 3 Prozent von ihnen griffen am Ende wirklich zu. Beim kleinen Sortiment war es genau umgekehrt: Nur etwa 40 Prozent blieben stehen, aber rund 30 Prozent kauften. Der überfüllte Tisch zog also mehr Blicke auf sich und brachte trotzdem weniger Umsatz. Der schlanke Tisch wirkte unscheinbarer und verkaufte am Ende das Zehnfache.

Noch erstaunlicher ist ein Detail, das leicht untergeht. Egal ob sechs oder 24 Gläser auf dem Tisch standen, die Kundinnen und Kunden probierten im Schnitt nur ein bis zwei Sorten. Der große Berg an Möglichkeiten wurde also gar nicht ausgeschöpft. Er stand einfach da, machte Eindruck und lähmte. Genau hier zeigt sich das Auswahlparadox in seiner reinsten Form: Mehr Optionen fühlen sich nach mehr Freiheit an, kosten aber Entscheidungsenergie, ohne dass wir sie tatsächlich nutzen.

Rechnen wir das Ganze einmal auf 100 Passanten hoch, dann wird der Effekt greifbar. Beim Stand mit 24 Sorten blieben 60 Menschen stehen, doch nur 2 kauften. Beim Stand mit 6 Sorten blieben 40 Menschen stehen, und 12 kauften. Sechsmal so viele Käufe, bei deutlich weniger Interesse. Der kleine Tisch war der klare Sieger.

> Weniger Auswahl bedeutet nicht weniger Aufmerksamkeit. Sie bedeutet mehr Entscheidungen.

Was hier so anschaulich mit Marmelade funktioniert, ist im Kern dieselbe Logik, die das **Hick'sche Gesetz** beschreibt: Je mehr gleichwertige Optionen vor uns liegen, desto länger brauchen wir, um uns zu entscheiden. Der Marmeladenstand in Menlo Park liefert dafür den alltagsnahen Beweis. Er zeigt nicht nur, dass wir länger überlegen, sondern dass wir bei zu großer Auswahl am Ende sogar ganz aufhören, uns zu entscheiden.

Vielleicht erkennen Sie sich selbst wieder. Am Freitagabend, auf der Suche nach einem Film, scrollen Sie durch ein schier endloses Angebot und bleiben am Ende ohne Auswahl sitzen. Die Parallele zum Marmeladentisch ist kein Zufall. Sie ist die gleiche Geschichte, nur in einem anderen Regal.

## Warum das Gehirn bei zu vielen Optionen Energie spart

Stellen Sie sich vor, Sie stehen morgens vor Ihrem Kleiderschrank und vor Ihnen hängen vierzig Hemden. Vermutlich greifen Sie nicht zu dem einen perfekten Stück, sondern zu dem, das ganz vorne hängt. Genau so arbeitet Ihr Gehirn. Es sucht nicht die beste Entscheidung, sondern die schnellste. Und das aus einem sehr handfesten Grund.

Unser Gehirn ist ein wahrer Energiefresser. Es macht nur etwa zwei Prozent unseres Körpergewichts aus, verbraucht aber rund zwanzig Prozent des Sauerstoffs und der Energie. Kein anderes Organ arbeitet so teuer. Damit dieser Aufwand bezahlbar bleibt, greift das Gehirn ständig zu mentalen Abkürzungen, den sogenannten Heuristiken. Das sind Faustregeln, die schnell zu einem brauchbaren Ergebnis führen, ohne jeden einzelnen Gesichtspunkt durchzurechnen.

Hinzu kommt eine zweite Einschränkung: Das Gehirn kann sich gleichzeitig nur auf ein oder zwei Dinge konzentrieren. Alles andere läuft im Hintergrund mit, ohne wirklich ins Bewusstsein zu treten. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum das **Hick'sche Gesetz** im Alltag so spürbar ist. Je mehr gleichwertige Möglichkeiten sich auftürmen, desto länger braucht unser Denken, bis es sich festlegt.

### Warum zu viele Optionen uns lähmen

Öffnen Sie an einem Freitagabend eine Streaming-Plattform, und Sie kennen das Gefühl. Komödien, Dramen, Krimis, alles erscheint auf einen Schlag. Mit jedem Wischen wächst die Liste. Nach einigen Minuten kippt die Vorfreude in Erschöpfung. Sie schließen die App, ohne einen Film gesehen zu haben. Die Wahl selbst hat Sie müde gemacht.

Dasselbe Muster begegnet uns beim Online-Einkauf. Auf großen Plattformen finden sich Zehntausende Handyhüllen. Kein Mensch kann diese Menge ernsthaft vergleichen. Statt zu prüfen, was wirklich passt, sucht das Gehirn nach Entlastung. Es liest Rezensionen, fragt Freunde um Rat oder verlässt sich auf die Empfehlung einer Person, der es vertraut. Das ist keine Faulheit, sondern eine kluge Sparmaßnahme.

### Was uns das Gehirn im Alltag empfiehlt

Die gute Nachricht: Sie können diesem Mechanismus bewusst entgegenarbeiten. Der Trick besteht nicht darin, noch schneller zu vergleichen, sondern die Auswahl von vornherein zu verkleinern.

#### Drei Strategien, die Ihr Kopf Ihnen danken wird

- Legen Sie vorab fest, was Ihnen wirklich wichtig ist. Wer zwei Kriterien hat, muss nicht zwanzig abwägen.
- Gruppieren Sie die Möglichkeiten und wählen Sie zuerst die Gruppe, dann das konkrete Angebot.
- Vertrauen Sie bewährten Empfehlungen, statt jede Option selbst zu prüfen. Entlastung ist kein Zeichen von Schwäche.

Wer so vorgeht, spart nicht nur Zeit. Er spart vor allem die Energie, die sein Gehirn ohnehin schon in hohem Maße beansprucht. Drei Filme zur Auswahl wirken angenehmer als dreihundert. Und manchmal ist die kleinere Auswahl genau die, bei der wir endlich ins Handeln kommen.

## Weniger Optionen, leichtere Entscheidungen

Wenn das **Hick'sche Gesetz** eines klar zeigt, dann dies: Jede zusätzliche Option kostet Sie Zeit, und zwar nicht linear, sondern logarithmisch. Die praktische Konsequenz daraus ist so einfach wie wirksam. Reduzieren Sie die Zahl der Möglichkeiten bewusst, bevor Sie sich entscheiden. Wer aus drei Filmen wählt, entscheidet schneller und zufriedener als jemand, der sich durch ein Katalog mit hunderten Titeln kämpft.

Am wirksamsten gelingt das nicht durch bloßes Streichen, sondern durch Struktur. Sortieren Sie Ihre Optionen nach Prioritäten und bilden Sie die Schnittmenge, statt alles gleichzeitig gegeneinander abzuwägen. Ein anschauliches Beispiel aus dem Alltag: Eine Schülerin steht nach ihrem Abschluss vor der Wahl einer weiterführenden Schule. Die Liste ist endlos, denn sie hängt von Notendurchschnitt, Wohnort und Schulprofil ab. Sobald sie aber eingrenzt, welchen Beruf sie anstrebt, welche Schulform dafür infrage kommt und wie gut die Schule erreichbar ist, schrumpft die Auswahl drastisch. Aus Dutzenden bleiben drei oder vier realistische Kandidaten. Genau diese Schnittmenge macht die Entscheidung leichter.

Dass unser Gehirn bei zu vielen Reizen an seine Grenzen stößt, hat einen biologischen Grund. Es macht nur etwa zwei Prozent unseres Körpergewichts aus, verbraucht aber rund zwanzig Prozent des Sauerstoffs und der Energie. Um Energie zu sparen, greift es ständig auf mentale Abkürzungen zurück. Deshalb ist es auf ein oder zwei Dinge gleichzeitig ausgelegt, nicht auf zwanzig. Wer also die Auswahl verkleinert, arbeitet mit seinem Gehirn und nicht gegen es.

### Der philosophische Ausklang

In der Rezeption wird auch Jean-Paul Sartre mit dieser Spannung in Verbindung gebracht. Der Existenzialismus verknüpft die Freiheit der Wahl mit einem Gefühl der Angst, so wird Sartre gedeutet. Diese Angst vor der eigenen Freiheit könne lähmen. Wichtig ist die Einordnung: Der Begriff der Entscheidungslähmung stammt nicht von Sartre selbst, er ist eine moderne Zuschreibung. Der philosophische Kern bleibt dennoch bedenkenswert. Absolute Freiheit kann erdrückend wirken.

Doch die andere Seite ist ebenso wahr. Ein Leben ganz ohne Wahlmöglichkeiten, fremdbestimmt und eingeengt, empfinden wir als bedrückend. Zwischen diesen beiden Polen pendeln wir ständig. Wir klagen über zu viele Optionen und über zu wenige, über die Qual der Wahl und über die Enge der Fremdbestimmung. Vielleicht liegt die eigentliche Kunst nicht darin, sich für einen der Pole zu entscheiden, sondern darin, das richtige Maß zu finden. Und genau dort hilft Ihnen das Hick'sche Gesetz: Es erinnert Sie daran, dass weniger Optionen oft mehr Klarheit bedeuten.


## Frequently asked questions

**Was besagt das Hick'sche Gesetz einfach erklärt?**

Das Hick'sche Gesetz beschreibt, dass unsere Reaktionszeit nicht geradlinig, sondern logarithmisch mit der Zahl gleich wahrscheinlicher Optionen steigt. Verdoppeln Sie die Auswahl, verlängert sich die Entscheidung also nur um einen festen Betrag, nicht um das Doppelte. Genau diese mathematische Beziehung macht das Hick'sche Gesetz so elegant und praktisch anwendbar.

**Wer war William Edmund Hick und was hat er 1952 herausgefunden?**

William Edmund Hick war ein britischer Psychologe, der in der Mitte des 20. Jahrhunderts in der experimentellen Psychologie und der Ergonomie forschte. Im Jahr 1952 veröffentlichte er den Artikel „On the Rate of Gain of Information“. Darin wies er nach, dass die Reaktionszeit mit der Zahl gleich wahrscheinlicher Reize logarithmisch zunimmt.

**Warum kaufen Menschen bei zu großer Auswahl weniger?**

Die Jam-Studie von Sheena Iyengar und Mark Lepper aus dem Jahr 2000 liefert dazu ein eindrucksvolles Bild. An einem Stand mit 24 Marmeladensorten blieben etwa 60 Prozent der Kundinnen und Kunden stehen, doch nur rund 3 Prozent kauften. Bei sechs Sorten blieben etwa 40 Prozent stehen, aber rund 30 Prozent kauften tatsächlich.

**Was zeigte die Jam-Studie von Iyengar und Lepper aus dem Jahr 2000?**

Die Psychologen Sheena Iyengar und Mark Lepper bauten im Jahr 2000 in einem Supermarkt im kalifornischen Menlo Park einen Verkaufsstand auf. Ein größeres Sortiment zog zwar mehr Interesse auf sich, führte aber zu deutlich weniger Käufen. Mehr Auswahl wirkte also anziehend, lähmte am Ende jedoch die Kaufentscheidung.

**Wie berechnet man die Entscheidungszeit mit der Hick-Formel?**

Die Formel lautet RT = a + b × log₂(n). Dabei steht a für die feste Grundzeit, die nichts mit der Auswahl zu tun hat, b für die Zeit pro Bewertung einer Option und n für die Zahl der gleich wahrscheinlichen Möglichkeiten. In der Literatur wird b häufig mit etwa 0,15 Sekunden pro zusätzlicher Option angegeben.

**Warum spart das Gehirn mit Heuristiken Energie?**

Das Gehirn macht nur etwa 2 Prozent unseres Körpergewichts aus, verbraucht aber rund 20 Prozent des Sauerstoffs und der Energie. Um diesen hohen Aufwand zu senken, greift es auf mentale Abkürzungen zurück, die sogenannten Heuristiken. Sie helfen uns, schnelle Entscheidungen zu treffen, ohne jedes Detail einzeln durchzurechnen.

**Was versteht man unter Choice Overload oder Auswahlüberlastung?**

Unter Choice Overload, also Auswahlüberlastung, versteht man die Überforderung durch zu viele Optionen. Diese Überfülle verzögert Entscheidungen oder blockiert sie sogar ganz. Statt einer klaren Wahl entsteht das Gefühl, gar nicht mehr wählen zu können, und nicht selten geben wir dann ganz auf.

**Wie hilft es, die Anzahl der Optionen zu reduzieren?**

Weniger Optionen verkürzen die Entscheidungszeit und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass tatsächlich gewählt wird. Die Jam-Studie zeigt das deutlich: Bei sechs Sorten kauften rund 30 Prozent, bei 24 Sorten nur etwa 3 Prozent. Eine überschaubare Auswahl macht es Ihnen also leichter, ins Handeln zu kommen. Hinweis der Redaktion: Nicht in allen Details bestätigte Angaben sind im Text ausdrücklich als unsicher gekennzeichnet.

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