# Guy Fawkes: Wie sein Name zum Wort guy wurde

*Kultur, Kunst & Literatur · Zeynep Arslan-Wagner · 2026-10-05*

## Key facts

- Am 5. November 1605 entdeckten Wachen unter dem Parlament in London Fässer mit Schießpulver.
- Guy Fawkes wurde als Wächter des Sprengstoffs verhaftet.
- Jedes Jahr am 5. November erinnert England mit Feuerwerk und Freudenfeuern an die vereitelte Verschwörung.
- Der Begriff "guy" entwickelte sich im Englischen von einer Spottfigur zu einer neutralen Bezeichnung für eine Person.
- Die Guy-Fawkes-Maske aus dem Film "V for Vendetta" wurde zum Symbol der Aktivistenbewegung Anonymous.

Das Wichtigste in Kürze

Guy Fawkes gehörte 1605 zur Pulververschwörung, die das englische Parlament sprengen wollte. Der Plan scheiterte, Fawkes wurde verhaftet. Sein Name wandelte sich im Englischen zum Wort "guy" für eine Person. Seine Maske steht heute für Protest und Anonymität.

## Der Mann hinter der Maske

Sie kennen dieses Gesicht. Der spitz zulaufende weiße Kopf, der Schnurrbart, das schmale Lächeln: die Guy-Fawkes-Maske, wie sie durch den Film "V for Vendetta" weltweit ikonisch wurde. Doch hinter dieser Maske steckt weit mehr als eine Filmfigur. Denn Guy Fawkes hat nicht nur ein Bild hinterlassen, sondern auch ein Wort, das Sie vermutlich täglich benutzen, ohne je darüber nachzudenken.

Ja, genau: das englische Wort "guy".

Um diese zweite, sprachliche Spur zu verstehen, lohnt ein Blick zurück in das Jahr 1605. Am 5. November jenes Jahres versuchte eine Gruppe um Guy Fawkes, das englische Parlament in die Luft zu sprengen. Der sogenannte Gunpowder Plot, also das Schießpulver-Komplott, ist historisch gut belegt. Der Plan scheiterte, Fawkes wurde festgenommen.

Und genau hier beginnt eine Geschichte, die von Verschwörung über Spott bis hin zu einem ganz alltäglichen Wort reicht. Denn der gescheiterte Anschlag blieb nicht ohne Folgen, weder für die Politik noch für die Sprache.

Der Überlieferung nach nutzte König Jakob I. den vereitelten Anschlag als Vorwand, um gegen nicht konforme Gruppen vorzugehen und die anti-katholische Gesetzgebung zu verschärfen. Der 5. November wurde in Großbritannien zum Gedenktag, der bis heute als Guy Fawkes Night oder Bonfire Night mit Feuern und Feuerwerk gefeiert wird. Bei diesen Feierlichkeiten wurden historisch Puppen von Fawkes und anderen katholischen Figuren verbrannt, teils auch die des Papstes.

Und ausgerechnet aus diesem Brauch heraus begann "guy" seinen erstaunlichen Wandel. 1605 existierte das Wort in seiner heutigen Bedeutung noch nicht. Zunächst haftete ihm eine negative Konnotation an: Es stand für eine lächerliche oder verachtenswerte Person. Später wanderte der Begriff über den Atlantik, wo er in den USA seine abwertende Färbung verlor und zur neutralen Bezeichnung für einen Mann wurde. Diese amerikanische Verwendung wirkte anschließend nach Großbritannien zurück.

Heute wird sogar diskutiert, ob "guy" auch Gruppen mit Frauen einschließen kann. Die Reise dieses Wortes ist also noch nicht zu Ende, und sie begann mit einem Mann, dessen Name bis heute auf einer Maske weiterlebt.

## Was geschah am 5. November 1605 in London?

In der Nacht zum 5. November 1605 schlugen die Behörden in London zu. Unter dem Parlamentsgebäude entdeckten sie Fässer mit Schießpulver, versteckt unter dem Sitzungssaal des Oberhauses. Dort wartete ein Mann namens Guy Fawkes, der das Pulver bewachen und im entscheidenden Moment entzünden sollte. Der Plan einer kleinen Gruppe englischer Katholiken, das Parlament bei der Eröffnung durch König Jakob I. in die Luft zu sprengen, scheiterte in letzter Minute. Fawkes wurde festgenommen.

Was folgte, war weit mehr als die Verhaftung eines einzelnen Verschwörers. Jakob I., seit 1603 auf dem englischen Thron, nutzte den vereitelten Anschlag sofort politisch. Der Überlieferung nach diente ihm der Vorfall als willkommener Anlass, die Gesetze gegen katholische Gruppen im Land deutlich zu verschärfen. Wer sich dem Staatskirchentum nicht fügte, bekam die neue Härte unmittelbar zu spüren. Aus einem gescheiterten Attentat wurde so ein Werkzeug der Innenpolitik.

Eine weitergehende Deutung greift allerdings zu weit: Die Vorstellung, der Anschlag habe die Grundlagen eines vereinigten britischen Staates gelegt, ist eine überzogene Interpretation. Sie lässt sich aus den historischen Abläufen nicht belegen und wird von der Forschung entsprechend zurückhaltend behandelt. Fest steht die Verschärfung der antikatholischen Gesetzgebung, nicht die Gründung eines Staates in einer einzigen Nacht.

Und doch blieb dieser 5. November tief im Gedächtnis der Briten haften. Bis heute wird der Tag in Großbritannien als Guy Fawkes Night oder Bonfire Night gefeiert, mit Freudenfeuern und Feuerwerk. Aus der Erinnerung an einen gescheiterten Anschlag wurde ein Volksfest, und aus dem Namen des Mannes im Kellergewölbe wurde ein Wort, das heute in jeder englischen Unterhaltung auftaucht.

## Vom Attentäter zur Strohpuppe

Jedes Jahr am 5. November leuchten in ganz Großbritannien die Freudenfeuer. Man nennt diesen Abend die *Guy Fawkes Night* oder auch *Bonfire Night*. Noch heute versammeln sich die Menschen, zünden Feuerwerk und brennen große Lagerfeuer ab. Der Anlass ist ein Ereignis, das mehr als vier Jahrhunderte zurückliegt: Am 5. November 1605 versuchte eine Gruppe um Guy Fawkes, das englische Parlament in die Luft zu sprengen. Der Anschlag misslang, Fawkes wurde gefasst. Statt zu verschwinden, verwandelte sich das Datum in einen festen Feiertag, der bis in die Gegenwart gepflegt wird.

Und genau hier beginnt die eigentliche Geschichte des Wortes, um das es in diesem Abschnitt geht. Denn mit den Feierlichkeiten entstand ein Brauch, der zunächst wenig mit Freude zu tun hatte. Bei diesen Zusammenkünften wurden Puppen verbrannt, Abbilder von Fawkes und anderen katholischen Figuren. Der Überlieferung nach gehörte zeitweise sogar eine Puppe des Papstes dazu. Man stellte die Verurteilten nach, um sie symbolisch dem Feuer zu übergeben. Was heute nach ausgelassenem Volksfest klingt, war über weite Strecken ein Ritual der öffentlichen Verachtung.

### Die Puppe, die dem Wort den Namen gab

Aus diesem Brauch erklärt sich ein Wandel, der bis in unsere Sprache reicht. Weil bei den Feiern alljährlich eine Strohfigur verbrannt wurde, nannte man diese Figur bald schlicht einen *guy*. Das Wort stand zunächst für eine Puppe, für ein lebloses Abbild. Von dort war es kein weiter Weg zu einer zweiten, abwertenden Bedeutung: einem Mann, der lächerlich oder verachtenswert wirkte. Wer als *guy* bezeichnet wurde, war kein Freund, sondern eine Hohlfigur, ein Gegenstand des Spottes.

Diese abwertende Färbung hielt sich über Generationen. Sie zeigt, wie eng die Wortgeschichte mit der rituellen Verbrennung verwoben war. Die Puppe auf dem Feuer und der beschimpfte Mann trugen denselben Namen, und beide meinten zunächst dasselbe: etwas, das man verachtet und aus dem Weg räumt.

### Wie aus dem Spott ein neutrales Wort wurde

Doch das Wort blieb nicht in Großbritannien stehen. Irgendwann überquerte *guy* den Atlantik und landete im amerikanischen Englisch. Dort kümmerte man sich wenig um die negative Vergangenheit des Begriffs. Die Amerikaner griffen das Wort auf und benutzten es schlicht für einen Mann, ohne jeden Beiklang von Verachtung. Diese neutrale Verwendung wanderte später wieder zurück nach Großbritannien. So wurde ausgerechnet aus der Strohpuppe am Feuer eine alltägliche Bezeichnung für einen Menschen, die man heute ganz selbstverständlich gebraucht.

Und die Reise ist noch nicht beendet. Heute wird darüber diskutiert, ob sich mit *guy* auch gemischte Gruppen ansprechen lassen, in denen Frauen mitgemeint sind. Die Bedeutung verschiebt sich also weiter. Guy Fawkes selbst blieb von solchen Wandlungen nicht verschont. Vom kleinen Mitverschwörer einer katholischen Verschwörung wurde er zum Symbol des Terrorismus und schließlich zu einer ikonischen Figur in einer futuristischen Darstellung. Ein Name, ein Feuer, ein Wort, und alles drei erzählen dieselbe Geschichte vom Wandel.

## Wie aus dem Namen ein allgemeiner Begriff wurde

Denken Sie einmal darüber nach: Wenn Sie heute im Englischen von einem „guy“ sprechen, meinen Sie einfach einen Mann, einen Kerl, irgendeinen Menschen. Kaum jemand hört dabei noch den Namen eines Attentäters aus dem Jahr 1605 heraus. Genau das ist das Verblüffende an dieser Wortgeschichte. Aus dem Nachnamen eines Mannes, der das englische Parlament in die Luft sprengen wollte, wurde im Laufe der Jahrhunderte ein völlig unscheinbares Alltagswort.

Doch dieser Weg war alles andere als geradlinig. Im Jahr 1605, als die Verschwörung scheiterte, gab es das Wort „guy“ in seiner heutigen Bedeutung schlicht noch nicht. In den Jahren danach haftete ihm zunächst ein schlechter Ruf an. Bei den Feierlichkeiten am 5. November, dem Guy Fawkes Night oder auch Bonfire Night, wurden traditionell Puppen von Fawkes und anderen katholischen Figuren verbrannt, teils sogar die des Papstes. Wegen dieses Brauchs bezeichnete man mit „guy“ zuerst eine Puppe. Später wurde daraus eine abwertende Bezeichnung für einen Mann, und zwar für einen, den man gering schätzte.

Und dann geschah etwas Unerwartetes. Irgendwann überquerte das Wort den Atlantik und landete in Nordamerika. Dort kümmerte man sich wenig um die abwertende Färbung, die in England noch mitschwang. Die Amerikaner griffen einfach das Wort auf und benutzten „guy“ schlicht, um einen Mann zu bezeichnen. Diese neutrale Verwendung im amerikanischen Englisch wanderte später wieder zurück über den Ozean nach Großbritannien. Dort setzte sie sich durch, und seitdem steht „guy“ auch im britischen Sprachgebrauch ganz selbstverständlich für einen Menschen, eine Person.

Die Reise dieses Wortes ist übrigens noch nicht zu Ende. Bis heute wird diskutiert, ob man mit „guy“ auch eine Gruppe ansprechen kann, zu der Frauen gehören. Die Frage, ob „guys“ wirklich alle einschließt, beschäftigt Sprachbeobachter bis in die Gegenwart.

Und Guy Fawkes selbst? Seine Gestalt hat eine ebenso erstaunliche Wandlung durchgemacht. Vom kleinen Mitverschwörer einer katholischen Intrige wurde er zum Sinnbild des Terrorismus, dann zu einer kuriosen Figur in einem britischen Volksfest und schließlich zu einem ikonischen Bild in einer futuristischen Erzählung. Kaum ein Name hat eine solche Karriere hingelegt. Man könnte sagen: Der Mann hat am Ende gewonnen.

## Ein Wort im Wandel: Schließt „guy" heute Frauen ein?

Wer heute in einer gemischten Runde „Hey guys" sagt, meint selten nur Männer. Genau darum dreht sich eine Debatte, die bis heute nicht abgeschlossen ist: Kann das Wort „guy" auch Frauen einschließen? Die kurze Antwort lautet: In der Praxis ja, im Sprachgefühl vieler Menschen aber nur mit Einschränkungen. Und damit zeigt sich, dass die Geschichte dieses Wortes noch lange nicht zu Ende erzählt ist.

Die Anrede „guys" für gemischte Gruppen ist ein Phänomen, das Sprachbeobachter aktuell verfolgen. Im gesprochenen Englisch greifen viele Sprecher ganz selbstverständlich darauf zurück, wenn sie eine Gruppe ansprechen, in der Frauen und Männer sitzen. Der Singular dagegen bleibt hartnäckig männlich besetzt. „He's a nice guy" beschreibt weiterhin einen Mann, nicht eine Person allgemein. Diese Schieflage ist der Kern der Diskussion.

Bemerkenswert ist, wie jung das Wort in seiner heutigen, freundlichen Bedeutung eigentlich ist. Im Jahr 1605 existierte „guy" in diesem Sinn noch gar nicht. Nach der Vereitelung des Gunpowder Plot, des berühmten Sprengstoffanschlags auf das englische Parlament vom 5. November 1605, haftete dem Namen Guy Fawkes zunächst etwas Schlechtes an. Der Überlieferung nach wurde „guy" zur abwertenden Bezeichnung für eine lächerliche oder verachtenswerte Person, benannt nach dem Mann, dessen Puppe man Jahr für Jahr ins Feuer warf.

Erst der Weg über den Atlantik veränderte alles. In den USA verlor das Wort seine negative Färbung und wurde zur schlichten Bezeichnung für einen Mann. Diese amerikanische Verwendung wanderte später zurück nach Großbritannien und setzte sich dort als neutrales Wort für einen Menschen durch. Was als Spottname begann, war plötzlich alltagstauglich.

Und genau an diesem Punkt steht die Sprache heute wieder. Die Frage, ob „guy" Frauen mitmeint, ist kein abgeschlossenes Kapitel, sondern eine offene Baustelle. Wörter leben, solange Menschen sie benutzen, und sie verändern ihre Bedeutung, sobald sich der Gebrauch verschiebt. Ob „guy" eines Tages vollständig geschlechtsneutral wird, entscheiden nicht Wörterbücher, sondern die Sprecher selbst.

## Vom Randakteur zur Popikone

Wer war Guy Fawkes wirklich? Ein Mann, der am 5. November 1605 gemeinsam mit einer kleinen Gruppe von Verschwörern das englische Parlament in die Luft sprengen wollte. Ein Attentäter, der scheiterte und gefasst wurde. Und doch ist genau dieser gescheiterte Verschwörer heute auf der ganzen Welt bekannt, allerdings nicht wegen seines Anschlags, sondern wegen seines Gesichts.

Denn dieses Gesicht hat eine erstaunliche Karriere gemacht. Zunächst stand es für das Böse schlechthin: Für die katholische Verschwörung, für den Anschlag auf das Parlament, für den Terror. Doch im Laufe der Jahrhunderte kippte die Bedeutung. Aus dem Feind des Staates wurde eine Figur, mit der sich Menschen identifizieren, die selbst gegen die Macht aufbegehren wollen.

### Die Maske als neues Gesicht des Widerstands

Den entscheidenden Wendepunkt markiert eine Graphic Novel des britischen Autors Alan Moore. In *V for Vendetta* trägt der geheimnisvolle Widerstandskämpfer V eine weiße Maske mit Schnurrbart und spitzem Kinn, das Antlitz von Guy Fawkes. Aus dem historischen Attentäter wird hier eine futuristische Ikone, ein Kämpfer gegen ein totalitäres Regime. Die Bildsprache ist unmissverständlich: Wer diese Maske trägt, steht für Auflehnung gegen Unterdrückung.

Diese Umdeutung blieb nicht auf das Papier beschränkt. Als die Anonymous-Bewegung weltweit mit Demonstrationen und digitalen Angriffen von sich reden machte, griff sie genau diese Maske auf. Plötzlich tauchte das Gesicht von Guy Fawkes auf den Straßen von Großbritannien, in den USA und in vielen anderen Ländern auf. Aus einem Symbol des Terrorismus war ein Symbol des Protests geworden. Die Maske wurde zum Markenzeichen einer ganzen Bewegung, die sich gegen Überwachung, Zensur und Machtmissbrauch richtete.

### Vom Verlierer zum Weltstar

So hat Guy Fawkes eine Verwandlung durchgemacht, die ihresgleichen sucht. Er begann als kleiner Akteur einer katholischen Verschwörung, die scheiterte. Er wurde zum Symbol des Terrors, dann zu einer schrägen Figur in einer britischen Feier, dann zu einem futuristischen Helden einer Graphic Novel und schließlich zur Maske einer globalen Protestbewegung. Kaum eine historische Person hat eine so wechselvolle Karriere hingelegt.

Und das Bemerkenswerteste daran: Diese Verwandlung ist noch nicht abgeschlossen. Solange Menschen sich gegen Macht und Kontrolle zur Wehr setzen, wird das Gesicht von Guy Fawkes weiterleben, als Zeichen dafür, dass selbst der Verlierer der Geschichte zum Symbol des Widerstands werden kann. Man könnte sagen: Am Ende hat der Mann doch noch gewonnen.

Hinweis der Redaktion: Nicht bestätigte Details werden im Text ausdrücklich als unsicher gekennzeichnet.


## Frequently asked questions

**Was geschah am 5. November 1605 in London?**

In der Nacht zum 5. November 1605 schlugen die Behörden in London zu. Unter dem Parlamentsgebäude entdeckten sie Fässer mit Schießpulver, versteckt unter dem Sitzungssaal des Oberhauses. Dort wartete ein Mann namens Guy Fawkes, der das Pulver bewachen und im entscheidenden Moment entzünden sollte. Der Plan einer kleinen Gruppe englischer Katholiken, das Parlament bei der Eröffnung durch König Jakob I. in die Luft zu sprengen, scheiterte in letzter Minute. Fawkes wurde festgenommen. Was folgte, war weit mehr als die Verhaftung eines einzelnen Verschwörers. Jakob I., seit 1603 auf dem englischen Thron, nutzte den vereitelten Anschlag sofort politisch. Der Überlieferung nach diente ihm der Vorfall als willkommener Anlass, die Gesetze gegen katholische Gruppen im Land deutlich zu verschärfen. Wer sich dem Staatskirchentum nicht fügte, bekam die neue Härte unmittelbar zu spüren. Aus einem gescheiterten Attentat wurde so ein Werkzeug der Innenpolitik. Eine weitergehende Deutung greift allerdings zu weit: Die Vorstellung, der Anschlag habe die Grundlagen eines vereinigten britischen Staates gelegt, ist eine überzogene Interpretation. Sie lässt sich aus den historischen Abläufen nicht belegen und wird von der Forschung entsprechend zurückhaltend behandelt. Fest steht die Verschärfung der antikatholischen Gesetzgebung, nicht die Gründung eines Staates in einer einzigen Nacht. Und doch blieb dieser 5. November tief im Gedächtnis der Briten haften. Bis heute wird der Tag in Großbritannien als Guy Fawkes Night oder Bonfire Night gefeiert, mit Freudenfeuern und Feuerwerk. Aus der Erinnerung an einen gescheiterten Anschlag wurde ein Volksfest, und aus dem Namen des Mannes im Kellergewölbe wurde ein Wort, das heute in jeder englischen Unterhaltung auftaucht.

**Ein Wort im Wandel: Schließt „guy" heute Frauen ein?**

Wer heute in einer gemischten Runde „Hey guys" sagt, meint selten nur Männer. Genau darum dreht sich eine Debatte, die bis heute nicht abgeschlossen ist: Kann das Wort „guy" auch Frauen einschließen? Die kurze Antwort lautet: In der Praxis ja, im Sprachgefühl vieler Menschen aber nur mit Einschränkungen. Und damit zeigt sich, dass die Geschichte dieses Wortes noch lange nicht zu Ende erzählt ist. Die Anrede „guys" für gemischte Gruppen ist ein Phänomen, das Sprachbeobachter aktuell verfolgen. Im gesprochenen Englisch greifen viele Sprecher ganz selbstverständlich darauf zurück, wenn sie eine Gruppe ansprechen, in der Frauen und Männer sitzen. Der Singular dagegen bleibt hartnäckig männlich besetzt. „He's a nice guy" beschreibt weiterhin einen Mann, nicht eine Person allgemein. Diese Schieflage ist der Kern der Diskussion. Bemerkenswert ist, wie jung das Wort in seiner heutigen, freundlichen Bedeutung eigentlich ist. Im Jahr 1605 existierte „guy" in diesem Sinn noch gar nicht. Nach der Vereitelung des Gunpowder Plot, des berühmten Sprengstoffanschlags auf das englische Parlament vom 5. November 1605, haftete dem Namen Guy Fawkes zunächst etwas Schlechtes an. Der Überlieferung nach wurde „guy" zur abwertenden Bezeichnung für eine lächerliche oder verachtenswerte Person, benannt nach dem Mann, dessen Puppe man Jahr für Jahr ins Feuer warf. Erst der Weg über den Atlantik veränderte alles. In den USA verlor das Wort seine negative Färbung und wurde zur schlichten Bezeichnung für einen Mann. Diese amerikanische Verwendung wanderte später zurück nach Großbritannien und setzte sich dort als neutrales Wort für einen Menschen durch. Was als Spottname begann, war plötzlich alltagstauglich. Und genau an diesem Punkt steht die Sprache heute wieder.

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