# Euro NCAP: Fünf Sterne nur mit physischen Tasten

*Wissenschaft & Technik · Ayşe Demir-Müller · 2026-10-30*

## Key facts

- Ab 2026 will Euro NCAP die Fünf-Sterne-Bewertung an das Vorhandensein physischer Bedienelemente für sicherheitsrelevante Funktionen knüpfen.
- Im Gespräch sind unter anderem Blinker, Warnblinkanlage und Scheibenwischer; die genaue Liste ist nicht bestätigt.
- Ab 2029 sollen weitere, verschärfte Tests zur Ablenkung durch Touchscreens hinzukommen.
- Die Bewertung von Euro NCAP ist freiwillig, beeinflusst aber Kaufentscheidungen und Herstellerstrategien in Europa stark.
- Einige Hersteller setzen bereits wieder auf physische Tasten oder kombinieren Sprachsteuerung mit klassischen Schaltern.

Das Wichtigste in Kürze

Euro NCAP ändert seine Bewertung: Ab 2026 sollen fünf Sterne nur noch möglich sein, wenn zentrale Funktionen über physische Bedienelemente erreichbar sind. Welche Funktionen genau betroffen sind, ist noch nicht vollständig bestätigt. Ab 2029 sollen zusätzlich strengere Anforderungen an die Bedienung während der Fahrt greifen, auch dieser Schritt gilt als geplant, aber nicht offiziell bestätigt.

## Der Umschwung bei Euro NCAP: Fünf Sterne nur noch mit echten Tasten

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen bei Tempo 120 auf der Autobahn, ein Regenschauer zieht auf, und Sie suchen den Scheibenwischer. Früher ein Griff, ein Klick. Heute ein Blick auf den Bildschirm, ein Wischen, ein zweiter Blick. Genau hier setzt Euro NCAP an, das europäische Programm für Crashtests und Fahrzeugsicherheit. Ab 2026 will die Organisation keine Fünf-Sterne-Bewertung mehr an Fahrzeuge vergeben, deren Funktionen ausschließlich über den Touchscreen laufen. Die Touchscreen-Bedienung steht damit im Mittelpunkt einer der wichtigsten Sicherheitsdebatten der Autoindustrie.

Laut dem zugrunde liegenden Bericht betrifft das Kernfunktionen wie den Blinker, die Warnblinkanlage oder die Scheibenwischer. Die genaue Liste der betroffenen Funktionen ist allerdings nicht vollständig bestätigt, hier bleibt die Kommunikation der Organisation abzuwarten. Und noch etwas ist wichtig festzuhalten: Es geht nicht um ein Verbot. Niemand wird gezwungen, Knöpfe einzubauen. Es geht um die Bewertung, und die trifft die Hersteller an einer empfindlichen Stelle.

### Bewertung statt Verbot: der eigentliche Mechanismus

Fünf Sterne sind für viele Hersteller kein schmückendes Beiwerk, sondern ein Verkaufsargument, mit dem sich ganze Modellreihen bewerben lassen. Wer auf reine Glasflächen setzt und die Bestnote verliert, spürt das im Marketing und im Showroom. Die Bewertung wirkt also indirekt wie eine sanfte Pflicht, ohne dass eine Behörde eingreifen müsste.

Berichten zufolge plant Euro NCAP zudem, die Tests bis 2029 weiter zu verschärfen. Dann könnten auch Punktabzüge für Fahrzeuge hinzukommen, die Klimaregelung oder Lautstärke nur noch über den Bildschirm erlauben. Ob dieser zweite Schritt in genau dieser Form kommt, ist derzeit nicht gesichert.

Beim EU-Parlament wurde zu dieser Entscheidung Berichten zufolge eine Anfrage gestellt. Die Antwort soll zurückhaltend ausgefallen sein: Eine regulatorische Verpflichtung in dieser Richtung sei derzeit nicht vorgesehen. Unabhängig bestätigt ist dieser Vorgang nicht. Euro NCAP bleibt damit, was es ist, ein privates Bewertungsprogramm mit großer öffentlicher Wirkung, aber ohne Gesetzeskraft.

> Ein Hersteller, der die begehrte Bestnote will, muss wieder Tasten anfassen. Das ist der ganze Hebel.

Warum diese Debatte überhaupt so hitzig geführt wird, hat einen einfachen Grund: Ablenkung im Auto ist kein abstraktes Risiko. Der Bericht nennt die Schätzung, dass etwa jeder vierte Unfall auf Unaufmerksamkeit im Fahrzeuginneren zurückgeht. Je nachdem, wie Ablenkung definiert und erfasst wird, schwanken solche Anteile allerdings erheblich. Eine ältere Untersuchung kam zudem zu einem eindrücklichen Vergleich: Wer sich mit dem Apple-CarPlay-Menü beschäftigt, sei deutlich stärker abgelenkt als jemand, der leicht alkoholisiert fährt. Der exakte Faktor ist nicht gesichert, doch die Richtung ist eindeutig.

Die naheliegende Folge: Die Rückkehr zu physischen Tasten gilt als wahrscheinlich, obwohl keine gesetzliche Pflicht besteht. Der Grund liegt im Kalkül der Hersteller, die auf die Fünf-Sterne-Bewertung angewiesen sind. Manche Hersteller gehen noch weiter. Mercedes-Benz hat nach eigenen Angaben Systeme auf den Weg gebracht, die Sprachbefehle über natürliche Konversation verstehen sollen. Ob Tasten, Sprache oder eine Mischung aus beidem, eines scheint sicher: Die Dominanz der großen Glasflächen und das Dickicht der Menüs werden abnehmen.

## Warum der Touchscreen beim Fahren zum Risiko wird

Wer während der Fahrt ein paar Grad mehr Heizung möchte, tippt heute oft auf eine Glasfläche. Genau darin liegt das Problem: Der Blick wandert vom Verkehr auf das Menü, die Hand sucht eine Schaltfläche, die sich nicht erfühlen lässt. Euro NCAP, das europäische Programm für Crashtests und Fahrzeugsicherheit, will deshalb erreichen, dass Fahrzeuge ab dem Modelljahr 2026 keine Fünf-Sterne-Bewertung mehr erhalten, wenn sich Kernfunktionen wie Warnblinkanlage, Blinker oder Scheibenwischer ausschließlich über den Bildschirm bedienen lassen. Der eigentliche Treiber dieser neuen Regeln ist die Ablenkung, und die wird in der öffentlichen Wahrnehmung häufig unterschätzt.

Wie groß das Ausmaß ist, dazu kursieren unterschiedliche Zahlen. Der ursprünglichen Erzählung zufolge geht etwa jeder vierte Unfall auf Ablenkung im Fahrzeuginneren zurück. Diese Größenordnung ist als berichtete Schätzung zu verstehen: Je nachdem, wie Ablenkung definiert und erfasst wird, schwanken solche Anteile erheblich. Festhalten lässt sich dennoch, dass die Aufmerksamkeit am Steuer ein knappes Gut ist und jede zusätzliche Bedienhandlung sie beansprucht.

Besonders aufschlussreich ist ein älterer Vergleich, der häufig zitiert wird. Einer Studie zufolge, die vor rund fünf Jahren entstand, soll die Ablenkung beim Hantieren mit dem Apple-CarPlay-Menü deutlich höher liegen als beim Fahren mit leichter Alkoholisierung. Der exakte Faktor ist nicht gesichert, und man sollte ihn nicht als feste Größe behandeln. Die Richtung der Befunde aber ist eindeutig: Ein Menü, durch das man sich tippt, bindet mehr Aufmerksamkeit als viele annehmen.

### Was Ablenkung so gefährlich macht

- Der Blick verlässt die Straße, während die Finger ein Menü suchen.
- Ohne fühlbare Tasten fehlt die Rückmeldung, ob der richtige Punkt getroffen wurde.
- Selbst kurze Unterbrechungen summieren sich bei Tempo 100 zu vielen zurückgelegten Metern.

Der Kern der Sache ist damit benannt: Touchscreen-Bedienung bindet Aufmerksamkeit stärker, als es die glatte Oberfläche vermuten lässt. Sie verlangt einen präzisen Blick, eine ruhige Hand und oft mehrere Schritte bis zur gewünschten Funktion. Physische Tasten lassen sich dagegen blind finden, und genau dieser Unterschied steht hinter der Entscheidung von Euro NCAP.

Ob daraus eine gesetzliche Pflicht wird, ist offen. Euro NCAP ist ein privates Bewertungsprogramm, kein Gesetzgeber. Der Überlieferung nach wurde beim EU-Parlament eine Anfrage zu dieser Entscheidung gestellt, und die Antwort deutete darauf hin, dass derzeit keine regulatorische Verpflichtung geplant ist. Der Druck kommt also von anderer Seite: von Herstellern, die auf die begehrten fünf Sterne angewiesen sind.

> Nicht das Verbot bewegt die Branche, sondern die Aussicht auf ein gutes Testergebnis.

Genau hier liegt die wahrscheinlichste Wirkung der neuen Ausrichtung von Euro NCAP bei Touchscreens. Auch wenn niemand zu Tasten gezwungen wird, dürften die meisten Hersteller die Bewertung ernst nehmen und ihre Bedienkonzepte überdenken. Manche setzen zusätzlich auf Sprache: Mercedes-Benz arbeitet nach eigenen Angaben an KI-gestützten Systemen, die Befehle im natürlichen Gespräch verstehen sollen. Ob Tasten, Sprache oder eine Mischung aus beidem, die Richtung ist klar. Die schweren Menüs und die Dominanz des Bildschirms werden in den kommenden Jahren an Gewicht verlieren.

## Der Fahrplan: 2026 beginnt, 2029 wird es strenger

Wer heute ein neues Auto konfiguriert, kennt das Bild: ein großes Glasdisplay in der Mitte, darunter glatte Flächen, fast keine Tasten. Genau dorthin zielt die Entscheidung von Euro NCAP, dem europäischen Programm für Crashtests. Ab 2026 sollen Fahrzeuge keine Fünf-Sterne-Bewertung mehr erhalten, wenn sich bestimmte Kernfunktionen ausschließlich über den Touchscreen bedienen lassen. Die Rede ist von Licht, Blinker, Warnblinkanlage und Scheibenwischer.

Das ist zunächst ein überschaubarer Kreis. Es sind jene Funktionen, die Sie während der Fahrt blind und in Sekundenbruchteilen erreichen müssen. Wer bei 100 km/h auf der Autobahn erst ein Menü aufrufen muss, um den Blinker zu setzen oder die Scheibenwischer einzuschalten, hat den Blick von der Straße genommen. Genau diesen Moment misst die Bewertung.

### Was sich 2026 konkret ändert

Die erste Stufe konzentriert sich auf die unmittelbare Fahrzeugkontrolle. Licht, Fahrtrichtungsanzeiger, Warnblinker und Scheibenwischer sollen wieder über physische Bedienelemente erreichbar sein. Die Touchscreen-Bedienung verliert damit bei diesen vier Punkten an Bedeutung. Für Hersteller bedeutet das einen echten Eingriff in die Innenraumarchitektur, denn viele aktuelle Modelle haben diese Schalter längst eingespart.

### Die zweite Stufe ab 2029

Berichten zufolge soll die Bewertung ab 2029 ausgeweitet werden. Im Gespräch sind dann auch die Klimaregelung und die Lautstärke, für die es Punktabzüge geben könnte, wenn sie nur noch im Touchscreen-Menü stecken. Diese Ausweitung ist bislang als geplante Verschärfung überliefert und nicht offiziell bestätigt. Sie zeigt aber die Richtung: Es geht nicht um ein Verbot von Bildschirmen, sondern um die Frage, wie tief alltägliche Handgriffe im Menü vergraben sind.

> Die Logik dahinter ist so einfach wie konsequent: Je mehr alltägliche Funktionen nur noch im Menü stecken, desto größer der Eingriff. Wer für die Temperatur drei Mal tippen muss, ist länger abgelenkt als jemand, der an einem Drehregler zieht.

Für Sie als Fahrerin oder Fahrer heißt das: Die Sterne-Bewertung, die beim Autokauf gern als Qualitätssiegel zitiert wird, bekommt eine neue Dimension. Sie misst künftig nicht nur, wie gut ein Wagen einen Aufprall übersteht, sondern auch, wie wenig er Sie beim Fahren vom Wesentlichen ablenkt. Und weil die meisten Hersteller auf die Fünf-Sterne-Bewertung Wert legen, dürfte sich der Druck auf die Innenräume deutlich früher bemerkbar machen als jede gesetzliche Vorgabe.

## Kein Gesetz, aber starker Marktdruck: Warum Hersteller umdenken

Eine gesetzliche Pflicht für physische Tasten gibt es nicht. Auf eine Anfrage beim EU-Parlament zur Euro-NCAP-Entscheidung kam Berichten zufolge die Antwort, dass derzeit keine solche regulatorische Vorgabe geplant sei. Dieser Vorgang ist allerdings nicht unabhängig bestätigt. Fest steht: Euro NCAP ist ein privates Bewertungsprogramm. Niemand wird per Verordnung gezwungen, die Touchscreen-Strategie von Euro NCAP zu ändern.

Und trotzdem bewegt sich etwas. Der Mechanismus dahinter ist so einfach wie wirkungsvoll: Eine freiwillige Bewertung erzeugt Verhaltensdruck. Wer in Europa Autos verkaufen will, möchte die begehrten fünf Sterne. Fällt ein Modell hier durch, liest man das in Prospekten und Testberichten. Die Hersteller wissen das.

Deshalb gilt die Rückkehr zu physischen Tasten vielen Beobachtern als wahrscheinlich. Viele Hersteller schätzen die Fünf-Sterne-Auszeichnung als Marketingfaktor. Das ist eine Einschätzung, keine gesicherte Prognose. Doch die Richtung ist klar erkennbar: Die Dominanz des großen Bildschirms und das Dickicht der Menüs dürften abnehmen.

Parallel arbeiten die Hersteller an Alternativen. Mercedes-Benz hat nach eigenen Angaben Systeme auf den Weg gebracht, die Sprachbefehle über natürliche Konversation verstehen. Man spricht mit dem Auto, statt sich durch Untermenüs zu tippen. Das klingt elegant, löst aber nicht jedes Problem: Auch ein gesprochener Befehl kostet Aufmerksamkeit.

> Der eigentliche Hebel ist also nicht der Gesetzgeber, sondern der Markt. Wer Sterne will, baut wieder Knöpfe ein.

Für Sie als Fahrerin oder Fahrer bedeutet das konkret: In den kommenden Modelljahren dürften Funktionen, die Sie blind ertasten können, wieder selbstverständlicher werden. Ein Drehregler für die Lautstärke, ein echter Schalter für die Klimaanlage. Kleine Dinge, die im Alltag viel ausmachen.

## Europa und USA: zwei Maßstäbe, ein Problem

Wer in Europa ein neues Auto kauft, verlässt sich gern auf die Sterne von Euro NCAP. Dieses unabhängige Bewertungsprogramm vergibt seine begehrten fünf Sterne, und die Hersteller richten ihre Entwicklung danach aus. In den USA existiert mit dem US NCAP ein eigenes Programm, das nach anderen Kriterien prüft. Beide verfolgen dasselbe Ziel, nämlich mehr Sicherheit auf den Straßen, doch sie messen unterschiedlich. Genau hier beginnt eine Debatte, die für Hersteller und Käufer gleichermaßen spannend ist.

Euro NCAP

Ein europäisches Bewertungsprogramm, das ab 2026 physische Bedienelemente für zentrale Funktionen verlangt. Die Sterne haben für die meisten Hersteller hohes Gewicht.

US NCAP

Das amerikanische Gegenstück, eigenständig aufgestellt und mit anderen Prüfmaßstäben. Eine Angleichung an die europäischen Vorgaben wird gefordert.

Dass eine Harmonisierung sinnvoll wäre, darüber herrscht in der Fachwelt weitgehend Einigkeit. Ein einheitlicher Standard würde Entwicklungsarbeit vereinfachen und Verbrauchern den Vergleich erleichtern. Der Weg dorthin ist jedoch steinig, denn beide Programme sind historisch gewachsen und folgen ihren eigenen Logiken.

Der ursprünglichen Erzählung zufolge gibt es für die zögerliche Haltung des US NCAP eine pikante Vermutung. Sie besagt, das amerikanische Programm könne kaum Sicherheitspunkte abziehen, weil man es sich mit Tesla nicht verderben wolle. Diese Begründung ist ausdrücklich spekulativ und sollte auch so gelesen werden. Belege für eine solche Rücksichtnahme liegen nicht vor. Sie zeigt aber, wie sehr die Debatte um die Touchscreen-Bedienung und ihre Folgen inzwischen von Marktinteressen überlagert wird.

Für Hersteller bedeutet die aktuelle Lage vor allem eines: unterschiedliche Anforderungen je nach Markt. Ein Modell, das in Europa mit Blick auf die Sterne mit physischen Tasten ausgestattet wird, kann in den USA weiterhin auf eine reine Touchscreen-Bedienung setzen. Diese Doppelgleisigkeit kostet Geld und erschwert die Produktplanung. Gleichzeitig wächst der Druck, sich dem strengeren europäischen Kurs anzunähern, weil die europäische Bewertung international als Qualitätsmerkmal gilt.

> Zwei Programme, zwei Maßstäbe, ein gemeinsames Ziel. Bis die Regeln wirklich zusammenwachsen, bleibt die Sicherheitsbewertung ein Stück weit eine Frage des Marktes.

Ob sich die beiden Systeme tatsächlich annähern, ist offen. Klar ist nur, dass die Diskussion um die Bedienung im Auto längst nicht mehr an der europäischen Grenze haltmacht.

Hinweis der Redaktion: Nicht bestätigte Details zu den künftigen Prüfkriterien und Terminen werden in diesem Beitrag ausdrücklich als vorläufig oder unbestätigt gekennzeichnet.


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