# Deadpool & Wolverine: Lob für das Fox-Universum

*Film, TV & Musik · Emre Şahin · 2026-10-18*

## Key facts

- Der Film verbindet die Figur Deadpool mit einer alternativen Version von Wolverine, die nicht jener Logan aus den früheren Fox-Filmen ist.
- Im Zentrum steht das sogenannte Anchor Being, eine Figur, deren Existenz den Fortbestand einer ganzen Zeitlinie sichert.
- Die Antagonistin Cassandra Nova tritt als mächtige telepathische Gegenspielerin auf und bringt die Handlung in Bewegung.
- Zahlreiche Cameos erinnern an Figuren aus dem Fox-X-Men-Universum und geben ihnen einen späten Auftritt.
- Das Deadpool Corps sorgt für eine der auffälligsten Massenszenen des Films und spiegelt den Humor der Hauptfigur.

Das Wichtigste in Kürze

Deadpool & Wolverine ist ein Marvel-Film von Regisseur Shawn Levy, der 2024 in die Kinos kam. Wade Wilson rekrutiert eine Variante von Logan, um seine Zeitlinie zu retten. Der Streifen führt das Konzept des Anchor Being ein und lässt zahlreiche Figuren aus dem Fox-Universum auftreten.

## Deadpool & Wolverine: Der Film, der das Fox-Universum feiert

Stellen Sie sich ein Kinojahr vor, in dem Marvel Studios nur einen einzigen Film auf die Leinwand bringt. Genau das war 2024. Während andere Projekte verschoben wurden, um ihnen mehr Feinschliff zu gönnen, lief **Deadpool & Wolverine** mit einer reibungslos verlaufenen Postproduktion als einzige Kino-Produktion des Studios. Und dieser Film ist weit mehr als nur der nächste Auftritt des schnauzbärtigen Söldners mit der losen Zunge.

Wer die Geschichte des Marvel-Kinos ein wenig kennt, weiß: Hier wird ein ganzes Kapitel abgeschlossen. Denn **Deadpool & Wolverine** ist zugleich ein liebevoller Kommentar zu dem X-Men-Universum, das 20th Century Fox über Jahrzehnte aufgebaut hat, dem sogenannten Earth-10005. Um zu verstehen, warum dieser Film so viel mehr ist als eine laute Actionkomödie, lohnt ein Blick zurück auf das, was Fox hinterlässt.

Ich bin seit vielen Jahren leidenschaftlicher Marvel-Leser, und ich will es offen sagen: Mit der Zeitlinie der Fox-X-Men-Filme bin ich nie warm geworden. Kaum eine Reihe hat ihre eigene Kontinuität so gründlich zerlegt. Dieselben Figuren wurden mal von zwei, mal von drei verschiedenen Schauspielern gespielt, und selbst zwischen Filmen, die nur ein Jahr auseinanderlagen, passten Handlung und Charaktere oft nicht zusammen. Umso bemerkenswerter ist es, was dieser Film daraus macht.

Denn statt das alte Fox-Universum einfach beiseitezuwischen, behandelt es Marvel Studios mit Respekt. Es ist ein würdevoller Abschied und ein Neuanfang zugleich. Genau darin liegt die These, die sich durch den ganzen Film zieht: Man kann ein Kapitel ehren, indem man es zu Ende erzählt, ohne es zu verleugnen.

## Von Blade bis X-Men: Wie das Superheldenkino erwachsen wurde

Bevor das Marvel-Kino zu dem wurde, was es heute ist, musste es erst einmal beweisen, dass Superhelden mehr sein können als Männer in bunten Kostümen. Ende der Neunziger war diese Frage alles andere als geklärt. Zwar hatten Superman (1978) und Batman (1989) vorgemacht, dass sich mit Comicfiguren ernsthafte Geschichten erzählen lassen, doch im Lauf ihrer Reihen hatten beide Figuren viel von ihrer anfänglichen Wucht verloren. Es brauchte einen neuen Impuls, und der kam aus einer unerwarteten Richtung: aus der Dunkelheit.

### Blade (1998): der düstere Anfang

1998 brachte Blade einen Ton ins Kino, den man von Marvel bis dahin nicht kannte. Der Film ist hart, finster und unmissverständlich für ein erwachsenes Publikum gemacht. Hier durfte eine Figur wirklich Tiefe bekommen, hier gab es eine Geschichte mit Abgründen, keine harmlose Kostümparade. Für viele, die das Genre seit Jahren verfolgen, markiert genau dieser Film den eigentlichen Beginn des modernen Marvel-Kinos. Man kann Blade als den Moment lesen, in dem klar wurde: Superhelden lassen sich auch als ernsthafte, atmosphärische Erzählungen denken.

### X-Men (2000): ernster als so mancher heutige Blockbuster

Im Juli 2000 folgte dann der erste X-Men-Film von Fox. Optisch vielleicht nicht ganz so rau wie Blade, wirkte er im Vergleich zu heutigen Produktionen dennoch überraschend streng. Die Geschichte war dichter erzählt, die Atmosphäre schwerer, und wer genauer hinsah, fand reichlich Stoff zum Nachdenken. Kurz gesagt: ein Film, in dem auch erwachsene Zuschauer viel für sich entdecken konnten. Damit war der Weg geebnet, und Sony machte ihn endgültig frei.

### Spider-Man (2002): der Siegeszug beginnt

Als Sony 2002 Spider-Man in die Kinos brachte, war der Bann gebrochen. Von diesem Moment an eroberten die Superhelden die Leinwand im großen Stil. Was mit einem düsteren Vampirfilm begonnen hatte, war nun ein Publikumserfolg, der das Kino der folgenden Jahre prägen sollte. Und genau auf diesem Fundament steht auch ein Film wie Deadpool & Wolverine, der Jahre später noch einmal zeigt, wie weit diese Reise gegangen ist.

## Die Fox-Men-Filme: Eine Geschichte voller Brüche

Um zu verstehen, warum **Deadpool & Wolverine** so viel mehr ist als nur ein weiterer Superheldenfilm, lohnt ein Blick zurück auf das Universum, aus dem er stammt. Die X-Men-Filme von 20th Century Fox, im Folgenden kurz Fox-Men genannt, gehören zu den einflussreichsten Beiträgen des Genres. Zugleich erzählen sie eine Geschichte von künstlerischen und erzählerischen Fehltritten, die sich über zwei Jahrzehnte zieht.

Denn eines lässt sich festhalten: Die Fox-Men-Reihe hat ihre stärksten Momente am Anfang, und danach wird es unruhig. Wer die Filme als zusammenhängendes Ganzes betrachtet, stößt schnell auf Brüche, die sich nicht mehr kitten lassen.

### Ein starker Beginn, dann der Einbruch

Der erste *X-Men*-Film kam im Jahr 2000 in die Kinos und traf einen Nerv. Er war härter, dichter und atmosphärischer als vieles, was das Genre bis dahin kannte, und ernst genug, dass auch ein erwachsenes Publikum zwischen den Zeilen lesen konnte. Zwei Jahre später setzte Sony mit *Spider-Man* (2002) noch eins drauf. Die Superhelden hatten das Kino endgültig erobert.

Nach *X-Men* und *X2* folgte 2006 *X-Men: The Last Stand*, und hier kippt die Stimmung. Bryan Singer, der die ersten beiden Teile geprägt hatte, verließ die Reihe, um *Superman Returns* zu drehen. Brett Ratner übernahm die Regie, und das Ergebnis gilt als herbe Enttäuschung. Erschwerend kam hinzu, dass der Film zahlreiche Figuren sterben ließ und sich damit selbst die Tür für eine Fortsetzung verengte.

### Der Tiefpunkt namens Origins

Fox hatte für die Zeit nach *The Last Stand* eigentlich große Pläne. Ein Wolverine-Spin-off war angedacht, ein Magneto-Film ebenfalls. *X-Men Origins: Wolverine* kam 2009 in die Kinos, und er wurde mindestens so schwach aufgenommen wie sein Vorgänger. Schwerer wog noch, dass der Film die Kontinuität der ersten drei Fox-Men-Filme in erheblichem Maße durcheinanderbrachte.

Immerhin eine gute Entscheidung fiel in diesem Zusammenhang: Ryan Reynolds wurde als Deadpool besetzt. Mehr Positives lässt sich über diesen Film kaum sagen, und der geplante Magneto-Film wurde wegen des gescheiterten Origins-Konzepts nie verwirklicht.

### Neustart mit First Class

2011 wagte Fox den Neuanfang. *X-Men: First Class* siedelte die Handlung vor allen bisherigen Filmen an und übernahm dabei Elemente des verworfenen Magneto-Projekts. Der Plan dahinter war ambitioniert: Jeder Film sollte rund ein Jahrzehnt voranschreiten und so auf die Gegenwart der ursprünglichen Reihe zulaufen. So spielte *X-Men: Days of Future Past* in den 1970er-Jahren, *X-Men: Apocalypse* in den 1980er-Jahren und *X-Men: Dark Phoenix* in den 1990er-Jahren.

Daneben entstanden Ableger wie *The Wolverine*, *Deadpool*, *The New Mutants*, *Deadpool 2* und *Logan*. Der Plan klang nicht schlecht. Doch eine filmische Welt lebt von Konsistenz, und genau daran scheiterte die Reihe.

### Eine Zeitlinie, die niemand mehr überblickt

Die Zeitlinie der Fox-Men-Filme dürfte eine der verworrensten sein, die eine große Filmreihe je hervorgebracht hat. Dieselbe Figur wurde mal von zwei, mal von drei verschiedenen Schauspielern verkörpert. Die erzählerische Kontinuität wurde kaum bedacht, und selbst zwischen Filmen, die nur ein Jahr auseinanderlagen, fehlte es an innerer Stimmigkeit bei Handlung und Figuren. Dazu kamen unzählige verworfene Projekte, etwa ein Gambit-Film oder eine Fortsetzung von *Dark Phoenix*, und der Versuch, die Reihe mit den Fantastic Four zu verbinden, der nicht aufging.

Am Ende bleibt ein Kanon, der in viele Scherben zerfällt. Mit *X-Men: Dark Phoenix* und *The New Mutants* endete die Fox-Ära schließlich sowohl wirtschaftlich als auch qualitativ auf einem Tiefpunkt.

> Wer die Fox-Men-Filme heute aneinanderreiht, sieht vor allem eines: wie viel Potenzial in einer Reihe stecken kann, die sich selbst immer wieder im Weg stand.

Genau diese Geschichte der Brüche ist es, die **Deadpool & Wolverine** später aufgreift und auf überraschend liebevolle Weise zu einem Abschluss bringt. Doch bevor es so weit ist, musste erst ein anderes Studio das Ruder übernehmen. Wie es dazu kam und was Disney mit den X-Men vorhatte, darum geht es im nächsten Abschnitt.

## Disney übernimmt Fox: Die X-Men kommen ins MCU

Stellen Sie sich einen Wendepunkt vor, der jahrelang undenkbar schien. Im Jahr 2019 übernimmt Disney den Studio-Riesen 20th Century Fox, und damit wechseln die Rechte an den X-Men und an den Fantastic Four zurück zu Marvel Studios. Für viele Fans war das der Moment, auf den sie seit fast zwei Jahrzehnten gewartet hatten. Denn nun konnten Figuren, die zuvor in einem eigenen Fox-Universum lebten, endlich dort auftauchen, wo sie eigentlich hingehörten: im MCU.

Doch Marvel Studios tat das Klügste, was man in dieser Situation tun konnte. Man überstürzte nichts. Man erzählte die eigenen Geschichten weiter und bereitete den Übergang behutsam vor.

### Kleine Auftritte als leise Vorboten

Den ersten Schritt machte die Serie *WandaVision*. Dort tauchte plötzlich der Quicksilver aus dem Fox-Universum auf, gespielt von Evan Peters. Ein kleiner Twist, der das Publikum gezielt aufs Glatteis führte. Es folgte *Doctor Strange in the Multiverse of Madness*: In dieser Geschichte begegnen wir Professor Xavier von Earth-838, wieder verkörpert von Patrick Stewart. Und in der Abspannszene von *The Marvels* erscheint Beast aus einem bislang unbekannten Universum. Drei kurze Momente, die eines deutlich machten: Die Türen zwischen den Welten standen jetzt offen.

### Der eigentliche Durchbruch

Wirklich zusammen fiel alles mit **Deadpool & Wolverine**. Kein anderes Werk hat das Fox-Universum so direkt in das MCU integriert wie dieser Film. Er knüpft an die Abspannszenen von *Deadpool 2* an und macht aus der Übernahme ein Ereignis, das man sehen und feiern kann. Für Marvel Studios war das ohnehin ein besonderes Jahr: 2024 war der Film die einzige Produktion, die das Studio in die Kinos brachte. Die übrigen Projekte wurden verschoben, damit man sie sorgfältiger ausarbeiten konnte.

Was diesen Film so besonders macht, ist der Respekt, mit dem er auf die Fox-Ära zurückblickt. Kevin Feige, der heute das Marvel-Universum lenkt, begann seine Laufbahn als Produzent ausgerechnet mit den X-Men-Filmen von Fox. Diese Verbindung spürt man in jeder Einstellung. Man wollte das alte Universum nicht einfach abwickeln, sondern ihm einen würdigen Abschied bereiten, bevor die Figuren ihren Weg ins MCU antreten.

> Die X-Men kamen also nicht mit einem lauten Knall, sondern Schritt für Schritt. Erst ein Cameo hier, dann eine Abspannszene dort, bis **Deadpool & Wolverine** schließlich die Tür weit aufstieß.

## Die Handlung: Anchor Being und die Rettung von Earth-10005

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Kino, und der Film beginnt genau dort, wo die Abspannszenen von *Deadpool 2* aufgehört haben. Wade Wilson hat noch immer die Zeitmaschine in der Hand und richtet damit munteren Schaden an. Sein erster Weg führt ihn nach Earth-616, in die Haupterzähllinie des MCU. Dort klopft er bei den Avengers an und möchte Mitglied werden. Happy Hogan schickt ihn jedoch freundlich, aber bestimmt wieder nach Hause. Es ist ein kurzer Abstecher, kaum mehr als drei, vier Minuten Leinwandzeit, und doch öffnet er eine Tür, die für den Rest des Films entscheidend ist.

Zurück in seiner eigenen Welt, Earth-10005, dem Fox-Universum der X-Men, wird Deadpool von der TVA aufgegriffen. Die Time Variance Authority ist die gemeinsame Behörde für das gesamte Multiversum, und dort trifft er auf einen Beamten namens Mr. Paradox. Dieser hat eine unangenehme Nachricht: Earth-10005 ist dem Untergang geweiht. Nicht durch einen Bösewicht, nicht durch eine Bombe, sondern weil sein sogenanntes Anchor Being gestorben ist.

### Was ein Anchor Being ist und warum Wolverine so wichtig wird

Der Begriff des Anchor Being wird in *Deadpool & Wolverine* neu in das MCU eingeführt. Gemeint ist eine einzelne Figur, die das gesamte Universum trägt und zusammenhält. Für Earth-10005 ist das Wolverine, also Hugh Jackmans Figur, die seit dem ersten X-Men-Film von 2000 das Zentrum dieser Reihe bildete. Mit seinem Tod beginnt der Verfall der gesamten Realität. Das ist ein erzählerisch gewagter Gedanke, und der Film weiß das durchaus für sich zu nutzen.

Mr. Paradox will diesen Verfall nicht abwarten. Der Untergang von Earth-10005 würde ohnehin geschehen, aber erst in Tausenden von Jahren. Also plant er, den Prozess kurzerhand zu beschleunigen und das Universum vorzeitig kollabieren zu lassen. Deadpool selbst möchte er dabei retten und in die heilige Zeitlinie, also nach Earth-616, mitnehmen. Das Angebot klingt verlockend, doch Wade lehnt ab. Seine Freunde, seine Familie, alles, was ihm etwas bedeutet, lebt in Earth-10005. Er will dieses Universum nicht einfach aufgeben.

### Ein Plan, der die Regeln des Multiversums auf den Kopf stellt

Also fasst Deadpool einen Entschluss, der ebenso verrückt wie naheliegend ist: Wenn sein Universum einen lebenden Wolverine braucht, dann besorgt er sich eben einen. Er reist durch die alternativen Zeitlinien und sucht nach einer Version von Logan, die er mit nach Earth-10005 nehmen kann. Was er dabei findet, ist kein strahlender Held, sondern ein gebrochener Mann. Dieser Wolverine hat in seiner eigenen Welt versagt und seine X-Men verloren. Deadpool muss ihn erst davon überzeugen, dass es sich lohnt, noch einmal für etwas zu kämpfen.

Genau hier zeigt sich, wie geschickt der Film seine beiden Hauptfiguren miteinander verschränkt. Der eine sucht seinen Platz als Superheld und die Anerkennung der Menschen, die er liebt. Der andere hat diesen Platz längst verloren und muss ihn erst wiederfinden. *Deadpool & Wolverine* erzählt im Kern die Geschichte zweier Männer, die auf sehr unterschiedliche Weise nach einem neuen Sinn für ihr Dasein suchen.

## Meta-Ebenen: Wolverine als Anchor Being und die Rettung des Fox-Universums

Stellen Sie sich vor, ein ganzes Filmuniversum hängt am Leben eines einzigen Helden. Genau das behauptet *Deadpool & Wolverine*, und diese Idee ist erzählerisch klüger, als sie im ersten Moment wirkt. Denn Wolverine war für das Fox-Universum weit mehr als eine Figur unter vielen: Er war das Zugpferd der X-Men-Reihe. Ihn zum sogenannten Anchor Being zu machen, also zum tragenden Wesen, an dem die Existenz einer ganzen Welt hängt, ist deshalb nicht nur eine hübsche Erfindung. Es ist die logische Konsequenz aus der Geschichte dieser Filme.

### Warum Wolverine der perfekte Anker ist

Schauen Sie sich die Fox-Ära genauer an, und ein Muster tritt deutlich hervor. Nach dem ersten *X-Men*-Film aus dem Jahr 2000 rückte das Studio die Reihe immer stärker auf eine einzige Figur. Viele dieser Filme fühlten sich weniger wie Ensemble-Geschichten an, sondern eher wie Wolverine-Filme, in denen die übrigen Mutanten unterstützend mitwirkten. Wenn ein Universum also einen Anker braucht, dann liegt kaum jemand näher als Hugh Jackmans Logan. Die Meta-Ebene und die Handlung greifen hier sauber ineinander.

### Eine Hommage statt eines Abschiedsbriefs

Der zweite kluge Schachzug betrifft die Haltung gegenüber dem alten Fox-Universum. Man hätte diese Welt einfach fallen lassen können, doch der Film entscheidet sich für das Gegenteil. Er stärkt sie, statt sie zu verwerfen. Wer die Jahre verfolgt hat, erinnert sich: Als Disney Fox übernahm und Marvel Studios damit Zugriff auf die X-Men und die Fantastic Four bekam, wünschten sich viele, darunter auch der ursprüngliche Kommentator dieser Geschichte, ein Ende des Fox-Kosmos und einen frischen Start im MCU. Der Film greift genau diese Sehnsucht auf und beantwortet sie überraschend zärtlich.

Dahinter steht eine Haltung, die man durchaus Respekt nennen darf. Kevin Feige, der heute das Marvel-Studio lenkt, begann seine Laufbahn als Produzent ausgerechnet mit den X-Men-Filmen von Fox. Wer diese Ära nun feiert, feiert also auch ein Stück der eigenen Herkunft.

### Logans Tod bleibt unangetastet

Und dann ist da noch die heikelste Frage: Was passiert mit dem ergreifenden Ende von *Logan*? Der Film von 2017 hatte Wolverine sterben lassen, und zwar mit einer Wucht, die in Comicverfilmungen selten ist. *Deadpool & Wolverine* entwertet diesen Abschied nicht. Er behandelt ihn mit Sorgfalt und lässt ihm seinen Wert. Statt die alte Tragödie zu überschreiben, holt der Film einen anderen Logan aus einer anderen Welt ins Spiel. Auf diese Weise bleibt das Original unberührt, und der neue Wolverine darf trotzdem seinen eigenen Weg gehen.

### Was der Film damit erreicht

So entsteht ein Gleichgewicht, das man nicht unterschätzen sollte. Der Film bedient die Neugier auf das Neue, ohne das Alte zu verraten. Er macht Wolverine zum erzählerischen Herzstück eines Universums, das ihm jahrelang ohnehin gehörte. Und er verabschiedet eine Ära nicht mit einem Achselzucken, sondern mit einer Verbeugung. Für ein Publikum, das mit diesen Figuren groß geworden ist, ist das ein feiner, kluger Ton.

## Das Anchor-Being-Konzept: Kühn, aber nicht ganz ausgereift

Mit *Deadpool & Wolverine* hat das Marvel Cinematic Universe ein neues Erzählprinzip erhalten, das sogenannte Anchor Being. Die Idee dahinter: Die Existenz eines ganzen Universums hängt am Leben einer einzigen Figur. Für Earth-10005, die Welt der alten Fox-X-Men-Filme, ist diese Figur Wolverine. Klingt dramatisch, ist es auch. Und genau hier setzt die Skepsis an.

Denn so wirkungsvoll der Kniff im Film auch inszeniert sein mag, ganz rund will das Konzept nicht werden. Dass das Schicksal unzähliger Figuren, ganzer Generationen von Heldinnen und Helden, an einem Einzelnen hängt, ist eine erzählerische Entscheidung, die man mögen kann oder nicht. Wer sich für die Feinheiten des Worldbuildings interessiert, wird schnell auf offene Fragen stoßen.

### Wo die Logik ins Rutschen gerät

Nehmen Sie nur den Auslöser des Verfalls. Ist es der natürliche Tod des Anchor Being, der den Untergang eines Universums in Gang setzt? Oder reicht schon ein vorzeitiges Ableben? Der Film lässt das offen. Und selbst wenn man die Regel akzeptiert, bleibt eine zweite Unklarheit: Warum zieht sich dieser Verfall über Jahrtausende hin? Wenn der Kollaps ohnehin erst in ferner Zukunft vollendet ist, verliert der Wettlauf der Figuren um ihre Rettung einen guten Teil seiner Dringlichkeit. Mr. Paradox, der TVA-Beamte, will diesen Prozess zwar beschleunigen, doch die Aussicht auf ein Ende in tausend Jahren nimmt dem Konflikt spürbar die Schärfe.

Man darf gespannt sein, wie andere Produktionen mit dieser Regel umgehen werden. Denn eines ist klar: Ein so mächtiges Erzählwerkzeug lässt sich nicht einführen, ohne dass es später Folgen zeitigt.

### Wer könnte das Anchor Being des MCU sein?

Die naheliegende Frage stellt sich fast von selbst. Wenn jedes Universum ein solches Ankerwesen besitzt, wer ist es dann für die Sacred Timeline, also Earth-616? Die Fantasie kennt viele Kandidaten. Spider-Man wäre eine naheliegende Wahl, Doctor Strange ebenso, und auch Iron Man drängt sich auf, immerhin war er lange das Gesicht der Reihe. Denkbar wäre aber auch ein ganz anderer Weg: ein humorvoller Bruch mit der Erwartung, bei dem eine völlig unerwartete Figur zum Anker wird. Zuzutrauen wäre es den Verantwortlichen durchaus.

Und dann gibt es noch die reizvollere, kompliziertere Variante. Könnte nicht ein Mitglied der Fantastic Four diese Rolle spielen? *The Fantastic Four: First Steps* spielt bekanntlich nicht in der Haupterzähllinie des MCU, sondern in einem retrofuturistischen Universum. Sollte eine dieser Figuren das Anchor Being sein, ließe sich daraus eine ebenso elegante wie weitreichende Verknüpfung spinnen: Die Vier müssten eigentlich Teil der Sacred Timeline sein, und ihr Fehlen könnte den drohenden Verfall erklären. Zugleich würden sie für kommende Großereignisse wie *Avengers: Doomsday* und *Avengers: Secret Wars* zu Schlüsselfiguren. Ob das der Plan ist, bleibt Spekulation. Reizvoll wäre es allemal.

> Ein Universum an eine einzige Figur zu binden, ist ein kühner erzählerischer Griff. Ob er trägt, entscheidet sich erst in den Filmen, die noch kommen.

## Cassandra Nova und die Cameos: Ein Bösewicht mit Potenzial

Stellen Sie sich eine Gegenspielerin vor, die mit einem einzigen Fingerzeig eine ganze Welt aus den Angeln hebt. Genau so tritt Cassandra Nova in **Deadpool & Wolverine** auf, und wer die Comics kennt, weiß: Diese Frau ist keine gewöhnliche Schurkin. Sie ist die Zwillingsschwester von Professor Charles Xavier, und sie hat nichts von der Güte ihres Bruders geerbt. In der Verfilmung bekommt sie eine Bühne, die ihr zweifellos gebührt, auch wenn man sich beim Zuschauen unweigerlich denkt: Da wäre noch mehr drin gewesen.

### Gelobt, aber mit Luft nach oben

Cassandra Nova funktioniert als Bedrohung. In jeder Szene, in der sie zu sehen ist, handelt sie, treibt die Handlung voran und zwingt die Figuren um sie herum, sich zu behaupten. Das ist mehr, als man von so manchem Bösewicht behaupten kann, der nur für ein paar Minuten auftaucht und dann wieder verschwindet. Und doch bleibt ein leises Bedauern zurück. Man hätte ihr deutlich mehr Leinwandzeit gewünscht, denn ihr Potenzial wirkt längst nicht ausgeschöpft. Sie ist eine Figur, die man gern länger beobachtet hätte, und die Geschichte hätte davon nur profitiert.

### Ein Wiedersehen mit alten Bekannten

Wer die X-Men-Filme von 20th Century Fox verfolgt hat, wird im Kino einiges wiedererkennen. Gleich mehrere Schurken aus jener Ära tauchen auf, und das ist durchaus ein Vergnügen für alle, die mit diesen Filmen aufgewachsen sind. Pyro bekommt dabei einen etwas größeren Auftritt, während Figuren wie Blob, Sabretooth, Lady Deathstrike, Toad, Azazel und Juggernaut eher am Rand auftauchen. Mal sind es dieselben Darsteller wie damals, mal neue Gesichter. Wer genau hinschaut, erkennt die eine oder andere vertraute Silhouette wieder.

### Was ist ein Cameo, und was nicht?

Hier lohnt sich eine kleine Klarstellung, denn im Netz wird der Begriff Cameo gern großzügig verwendet. Ein kurzer, überraschender Auftritt, der die Handlung nicht trägt, ist das eine. Doch gerade in diesem Film tummeln sich so viele bekannte Gesichter, dass eine saubere Trennung schwerfällt. Figuren wie Johnny Storm, Blade, Elektra, Gambit und X-23 sind jedenfalls weit mehr als flüchtige Gastauftritte, und auch ein Auftritt wie der von Henry Cavill ist nur ein Baustein in einem ganzen Reigen.

Wer all die vertrauten Gesichter als bloße Cameos abtut, wird dem Film nicht gerecht. Viele von ihnen tragen die Geschichte als ernstzunehmende Nebenrollen mit, haben spürbare Leinwandzeit und greifen entscheidend ins Geschehen ein.

### Ein Bösewicht, der im Gedächtnis bleibt

Am Ende bleibt der Eindruck einer starken Gegenspielerin, die dem Film eine echte Bedrohung verleiht. Cassandra Nova ist keine Schurkin von der Stange, und das spürt man in jeder ihrer Szenen. Dass man am Ende gern mehr von ihr gesehen hätte, ist vielleicht das schönste Kompliment, das man einer Bösewichtin machen kann. Ein wenig mehr Raum für sie, und **Deadpool & Wolverine** hätte in dieser Hinsicht nahezu perfekt abgeliefert.

## Deadpool Corps und das klassische Wolverine-Kostüm

Im Höhepunkt von **Deadpool & Wolverine** wird es plötzlich voll auf der Leinwand. Das Deadpool Corps tritt auf, eine ganze Schar von Varianten des Titelhelden, und viele der Gesichter dahinter dürften Ihnen bekannt vorkommen. Für Ryan Reynolds war diese Szene alles andere als eine gewöhnliche Stunt-Einlage. Sie ist ein Familientreffen.

Denn im Deadpool Corps versammeln sich Menschen, die dem Hauptdarsteller privat nahestehen. Seine Ehefrau Blake Lively schlüpft in die Rolle der Ladypool. Und auch die eigenen Kinder sind mit von der Partie: Inez und Olin Reynolds übernehmen die Figuren Kidpool und Babypool. Man darf sich das ruhig so vorstellen: ein Ehemann und Vater, der seine Liebsten in schrille Superheldenkostüme steckt und mit ihnen gemeinsam über die Leinwand tobt. Diese Mischung aus Slapstick und Familiensinn passt zu einem Film, der ohnehin ständig zwischen Klamauk und ehrlicher Zuneigung pendelt.

Doch das eigentliche visuelle Highlight dieser Szene wartet auf einen ganz anderen Darsteller. Hugh Jackman trägt erstmals das klassische gelb-blaue Wolverine-Kostüm. Für alle, die mit den Comics groß geworden sind, ist das ein Moment, auf den sie jahrelang gewartet haben.

Um zu verstehen, warum das so viel bedeutet, lohnt ein kurzer Blick zurück. Die X-Men-Filme von 20th Century Fox taten sich über viele Jahre schwer mit den Originalkostümen ihrer Figuren. Statt der bunten, comicgetreuen Gewänder gab es meist dunkles Leder in gedeckten Tönen. Man wollte erwachsen und seriös wirken, nicht wie eine bebilderte Erzählung für Kinder. Nur bei ein oder zwei Figuren wagte man sich an die vertrauten Farben heran. Das gelb-blaue Kostüm des Wolverine aber blieb lange unangetastet, ein blinder Fleck, den die Reihe über Jahre mit sich herumschleppte.

In **Deadpool & Wolverine** ist diese Zurückhaltung wie weggeblasen. Jackman steht in voller Montur da, in genau jenem Gelb und Blau, das die Leserinnen und Leser seit Jahrzehnten aus den Heften kennen. Und man sieht sofort: Diese Kostüme stehen den Darstellern. Sie wirken nicht albern, sie wirken wie eine späte, verdiente Hommage an die Vorlagen. Vielleicht ist das der schönste Nebeneffekt des ganzen Films. Ein Studioprojekt, das sich jahrelang gegen das Offensichtliche gesträubt hatte, holt zum Schluss genau das nach, was die Fans sich immer gewünscht haben.

## Fazit: Ein wichtiger Schritt für das MCU, aber nicht der Heilsbringer

Man darf es ruhig deutlich sagen: **Deadpool & Wolverine** war für Marvel Studios im Jahr 2024 mehr als nur ein Kassenhit. Nach enttäuschenden Produktionen wie der Serie *Secret Invasion*, dem Film *The Marvels* und der Serie *Echo* kam hier endlich wieder ein Lichtblick, und zwar sowohl inhaltlich als auch an den Kinokassen. Der Film hat diese Lücke mit einer Selbstverständlichkeit gefüllt, die man dem Studio zuletzt kaum noch zugetraut hätte.

Wer die vergangenen Jahre verfolgt hat, erkennt das Muster. Phase 5 schwankt zwischen Höhen und Tiefen, und das ziemlich unregelmäßig. *Ant-Man and the Wasp: Quantumania* geriet zur großen Enttäuschung, *Guardians of the Galaxy Vol. 3* wurde dagegen von vielen als einer der besten MCU-Filme überhaupt gefeiert, und danach folgte mit *The Marvels* ein echter Flop. Ein Auf und Ab, das an den Nerven zehrt. Mit Deadpool & Wolverine hat sich das Studio nun wieder gefangen, zumindest für den Moment.

Doch genau hier liegt die Zurückhaltung. Der nächste Schritt ist *Captain America: Brave New World*, und die Erwartungen daran sind gedämpft. Ob der Film das neu gewonnene Vertrauen trägt, ist offen. Die eigentliche Wende, so die Einschätzung, könnte erst mit *Thunderbolts* kommen. Dort, so die Hoffnung, findet das MCU vielleicht wieder zu jenem Rhythmus zurück, der es einst so stark gemacht hat.

Deadpool & Wolverine ist damit kein Befreier, aber ein Stabilisator: ein Film, der das Schiff wieder auf Kurs bringt, ohne schon das Ziel zu sein.


## Frequently asked questions

**Was bedeutet das Anchor Being?**

Ein Anchor Being ist eine Schlüsselfigur, an deren Existenz das Fortbestehen eines gesamten Universums hängt. Stirbt diese Figur, gerät ihre Welt in einen schleichenden Zerfall. Im Film ist Wolverine das Anchor Being von Earth-10005, dem Fox-Universum, und sein Tod setzt genau diesen Untergang in Gang.

**Wer ist Cassandra Nova?**

Cassandra Nova ist die Gegenspielerin von Deadpool & Wolverine, verkörpert von Emma Corrin. Sie verfügt über enorme telepathische Fähigkeiten und ist aufs Engste mit Professor X verbunden: In den Comics gilt sie als seine Zwillingsschwester. Im Film tritt sie als bedrohliche Macht auf, die die Helden vor eine harte Prüfung stellt.

**Warum wird das Fox-X-Men-Universum gefeiert?**

Der Film verabschiedet die Ära der Fox-X-Men nicht mit Verachtung, sondern mit Respekt. Er würdigt das Vermächtnis dieser Filme und bewahrt die Würde von Logans Tod aus „Logan“ von 2017. Dahinter steht auch eine persönliche Verbindung: Kevin Feige begann seine Laufbahn als Produzent mit ebendiesen X-Men-Filmen.

**Wie viele Cameos gibt es?**

Zahlreiche Figuren aus früheren Fox-Filmen tauchen auf, darunter Pyro, Blob, Sabretooth und Toad. Dazu kommen bekannte Gesichter wie Henry Cavill, Channing Tatum, Wesley Snipes und Jennifer Garner. Figuren wie Johnny Storm, Blade, Elektra, Gambit und X-23 sind dagegen echte Nebenrollen mit spürbarer Screentime und Wirkung auf die Handlung.

**Was ist das Deadpool Corps?**

Das Deadpool Corps ist eine Armee aus unzähligen Deadpool-Varianten, die im Höhepunkt des Films auftritt. Viele davon werden von bekannten Gesichtern gespielt. Blake Lively, im echten Leben die Ehefrau von Ryan Reynolds, ist als Ladypool zu sehen, und die gemeinsamen Kinder Inez und Olin übernehmen Kidpool und Babypool.

**Hat der Film das MCU gerettet?**

Deadpool & Wolverine war 2024 der einzige Film, den Marvel Studios in die Kinos brachte, und nach enttäuschenden Produktionen wie „The Marvels“ ein wichtiger Schritt zurück zur alten Form. Ob er das MCU dauerhaft rettet, bleibt abzuwarten. Die nächsten Filme werden zeigen, ob der Aufschwung hält.

**Warum ist Wolverine das Anchor Being?**

Weil Wolverine über Jahre die zentrale Figur der Fox-X-Men-Filme war. Nach dem ersten X-Men-Film von 2000 rückte Hugh Jackmans Figur immer stärker in den Mittelpunkt, viele Werke wirkten eher wie Wolverine- als wie X-Men-Filme. Ihn zum Anchor Being von Earth-10005 zu machen, ist deshalb ebenso logisch wie stimmig.

**Was passiert mit Earth-10005?**

Entgegen mancher Erwartung wird Earth-10005 nicht zerstört. Der Film stärkt dieses Universum vielmehr und verabschiedet es mit Wertschätzung statt mit einem endgültigen Aus. Damit ehrt Deadpool & Wolverine die Fox-Ära und hält sich zugleich die Tür für künftige Auftritte offen. Hinweis der Redaktion: Nicht bestätigte Details werden im Text ausdrücklich als solche gekennzeichnet und nicht als gesicherte Fakten dargestellt.

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