# Cocoanut Grove Brand 1942: 492 Tote in Boston

*Geschichte & Krieg · Kerem Aydın · 2026-10-01*

## Key facts

- Der Cocoanut Grove in Boston war am Abend des 28. November 1942 bis auf den letzten Platz gefüllt.
- Als Brandursache gilt ein Streichholz, das ein Kellner in der Melody Lounge anzündete und das einen künstlichen Palmenbaum entflammte.
- Die Opferzahl lag bei 492 Toten, womit der Brand zu den schwersten Nachtclubkatastrophen der USA zählt.
- Viele Menschen starben an Rauchgasvergiftung, und die Drehtür am Haupteingang erwies sich als tödliche Barriere.
- Der Clubbetreiber Barnet Welansky wurde später wegen fahrlässiger Tötung verurteilt.

Das Wichtigste in Kürze

Der Cocoanut Grove Brand 1942 brach am 28. November 1942 in einem stark besuchten Nachtclub in Boston aus. 492 Menschen kamen ums Leben. Als Auslöser gilt ein entzündetes Streichholz in einem Loungebereich. Viele Opfer erstickten, weil Ausgänge versperrt oder nach innen öffnend waren.

## Ein Abend im Cocoanut Grove und ein Streichholz, das alles veränderte

Es war der Abend des 28. November 1942, ein Samstag, und in Boston, Massachusetts, füllte sich ein Lokal, das in dieser Stadt eigentlich gar nicht hätte existieren dürfen. Der Cocoanut Grove Brand 1942 gilt bis heute als die tödlichste Nachtclubbrandkatastrophe der amerikanischen Geschichte. 492 Menschen starben, rund 130 weitere wurden verletzt. Was als fröhlicher Ausklang des Wochenendes begann, endete in einer der schwersten Feuerkatastrophen, die die Vereinigten Staaten je erlebt haben.

Stellen Sie sich den Cocoanut Grove als einen dieser Orte vor, an denen man einfach dabei gewesen sein musste. Ein Restaurant und Supper Club, nur wenige Schritte vom Park Square im Herzen der Stadt entfernt. Offiziell gab es in Boston keine Nachtclubs, deshalb nannte man das Etablissement schlicht ein Restaurant mit abendlicher Unterhaltung. Der Überlieferung nach entstand das Gebäude in den 1920er Jahren, wobei das genaue Baujahr nicht sicher belegt ist. In den Jahren der Prohibition war das Haus ein Anziehungspunkt ersten Ranges, in den 1930er Jahren wurde es ruhiger, und mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs kehrte der Trubel zurück. Seit drei Jahren gehörte der Club einem Anwalt namens Barnet Welansky.

Wer damals in Boston ausging, kannte den Grove. Das Gebäude war eingeschossig, darunter lag ein Kellergewölbe. Dort unten befand sich die Melody Lounge, ein Barbereich, dazu Küche, Kühlräume und Lagerflächen. Im Erdgeschoss erwarteten die Gäste ein großer Speisesaal, ein Ballsaal und mehrere separate Bars. Über dem Speisesaal ließ sich bei warmem Wetter ein Dach öffnen, sodass man Mond und Sterne über sich sah. Der Haupteingang lag an der Piedmont Street und bestand aus einer Drehtür. Eine elegante Lösung, dachte man damals. In jener Nacht wurde sie zum Verhängnis.

Gegen 22:15 Uhr geschah dann das, was die Behörden später als offiziell akzeptierte Brandursache festhielten. Ein Busboy sollte im Keller der Melody Lounge eine Glühbirne auswechseln. Sie saß oben in einer künstlichen Palme, einer von vielen Dekorationsstücken, die den Raum in eine exotische Kulisse verwandelten. Weil es in dieser Ecke zu dunkel war, um die Fassung der Birne überhaupt zu finden, zündete der junge Mann ein Streichholz an.

Zunächst schien nichts Dramatisches zu geschehen. Gäste bemerkten ein Flackern an der Palme, ein seltsames Schimmern, und sie sahen, wie sich die Farbe der Dekoration veränderte, als hätte jemand einen Schleier darübergelegt. Von einer offenen Flamme war noch nichts zu erkennen. Dann, nur wenige Augenblicke später, stand die künstliche Palme lichterloh in Brand.

Die Barkeeper reagierten sofort und so, wie man es in solchen Momenten tut. Sie griffen nach Wasser, nach Flaschen mit Sodawasser, versuchten die Flammen damit zu ersticken. Es war ein verzweifelter, fast hilfloser Versuch. Das Material der Dekoration brannte zu schnell, und der Rauch breitete sich in dem fensterlosen Kellerraum aus wie eine unsichtbare Wand.

Gäste drängten zu der einzigen öffentlichen Treppe der Melody Lounge, die hinauf in das Foyer im Erdgeschoss führte. Sie war kaum mehr als vier Fuß breit. Während ringsum Möbel Feuer fingen, rollte eine Wand aus Flammen und giftigen Gasen durch den Raum, direkt auf die Treppe zu. Was in den folgenden Minuten geschah, sollte Hunderte Menschen das Leben kosten. Doch das ist eine Geschichte, die einen eigenen Abschnitt verdient.

## Wie sich das Feuer in Sekunden ausbreitete und warum die Fluchtwege zur Falle wurden

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen entspannt bei einem Drink, und wenige Meter entfernt flammt eine dekorative Palme auf. Genau das geschah an jenem Abend in der Melody Lounge, dem Barbereich im Untergeschoss des Cocoanut Grove. Was in den ersten Sekunden wie ein harmloser Schwelbrand wirkte, entwickelte sich zum Cocoanut Grove Brand 1942, einer der verheerendsten Katastrophen in der Geschichte der Vereinigten Staaten.

Die Melody Lounge lag im Souterrain, unterhalb des eigentlichen Gebäudes. In dieser Nacht hatte ein Küchengehilfe den Auftrag, eine defekte Glühbirne in einer künstlichen Palme in einer dunklen Ecke auszutauschen. Weil dort kaum Licht hinkam, entzündete er ein Streichholz, um die Fassung zu finden. Die Flamme griff auf das brennbare Palmenlaub über. Zunächst glaubten viele Gäste an einen dekorativen Effekt, an ein Flackern der Beleuchtung. Doch schon nach wenigen Minuten stand die Palme lichterloh in Flammen.

Barkeeper versuchten noch, mit Wasser und Sodawasserflaschen gegenzuhalten. Vergeblich. Als weitere Möbel Feuer fingen, fegte ein Feuerball aus Flammen und giftigen Gasen quer durch den Raum und direkt auf die Treppe zum Erdgeschoss zu. Diese Treppe war der einzige öffentliche Ausgang der Melody Lounge, und sie war nur etwa vier Fuß breit. Ein einziger schmaler Gang also, für Hunderte Menschen, die nun gleichzeitig nach oben drängten.

Oben an der Treppe wartete die nächste tödliche Hürde: Die Notausgangstür ließ sich nicht öffnen. Panik brach aus. Der Feuerball schoss die Stufen hinauf und explodierte förmlich in die Lobby, wo Garderoben, Toiletten und der Haupteingang lagen. Zwischen den Schreien der Gäste wurde der Weg nach draußen zum Nadelöhr.

### Die Drehtür wird zum Verhängnis

Der Haupteingang des Cocoanut Grove führte über eine Drehtür an der Piedmont Street. Einige wenige Menschen schafften es zunächst nach draußen. Dann verkeilte sich die Drehtür unter dem Druck der panischen Menge. Draußen stehende Beobachter mussten hilflos mit ansehen, wie Angehörige und Freunde in dem Gedränge hinter dem blockierten Eingang eingeklemmt wurden. Sie konnten nichts tun, außer zuzusehen.

Parallel dazu erreichten die Flammen den Speisesaal im Erdgeschoss. Dort hielten sich viele Gäste auf und warteten auf die 22-Uhr-Show. Auch hier brach Panik aus, und die Menschen suchten fieberhaft nach einem Ausgang. Doch viele Ausgänge waren verschlossen, in der Dunkelheit und im Chaos nicht auffindbar oder schlicht unzugänglich. Das Feuer hatte das Gebäude inzwischen vollständig im Griff, begleitet von einem gewaltigen Temperaturanstieg und hohen Konzentrationen giftiger Gase.

### Eine Tür, die zur tödlichen Falle wurde

Es gab einen Ausweg, der eigentlich Rettung hätte bringen können. Im sogenannten New Lounge war eine neue Tür eingebaut worden, die offiziell jedoch nicht genehmigt war. Einigen Gästen gelang durch sie tatsächlich die Flucht. Doch weil diese Tür nach innen aufging, drückte der Ansturm der Fliehenden sie wieder zu. Der Weg, der Leben hätte retten können, blockierte sich selbst.

Andere wiederum überlebten, weil sie sich im Gebäude auskannten. Mitarbeiter entkamen über Fenster in den hinteren Bereichen, deren Lage ihnen vertraut war. Einige Gäste versuchten, in dunklen Flure den Angestellten zu folgen, andere versteckten sich in großen Kühlschränken und Fleischkammern. Manche fanden im Speisesaal verborgene Nebentüren. Doch für sehr viele kam jede Hilfe zu spät, denn das Feuer breitete sich zu schnell aus, die Hitze war zu groß und der Rauch zu giftig.

So wurde aus einem festlichen Abend eine Tragödie, in der ausgerechnet die Fluchtwege zu den gefährlichsten Stellen des Gebäudes wurden.

## Die Rettung: Zufall, Überforderung und ein beispielloser Einsatz

Es war ein Zufall, der an diesem Abend des 28. November 1942 vielleicht den Unterschied machte. Gegen 22:15 Uhr, also ungefähr zur selben Zeit, in der sich im **Cocoanut Grove** die Katastrophe zusammenbraute, entdeckte die Feuerwehr von Boston rund drei Blocks entfernt in der Stuart Street einen brennenden Wagen. Die Männer löschten das Feuer schnell. Und dann bemerkte einer von ihnen etwas, das nicht zu diesem Einsatz gehörte: Rauch, der aus dem Cocoanut Grove aufstieg.

Als die Feuerwehrleute am Gebäude eintrafen, quoll dichter Qualm aus allen Öffnungen. Gäste und Angestellte rannten ins Freie, viele von ihnen in Panik. Um 22:20 Uhr erreichte die Alarmzentrale von Boston eine Meldung, die offenbar ein Passant zwischen der Church Street und der Winchester Street abgesetzt hatte. Die genaue Nummer des Alarmkastens ist in den Aufzeichnungen nicht zweifelsfrei gesichert, doch die Überlieferung nennt Box 1521.

Der Feuerwehrchef vor Ort traf eine folgenschwere Entscheidung. Er wies seinen Stellvertreter an, den zweiten Alarm zu überspringen und über Box 1521 sogleich den dritten Alarm auszulösen. Dieser wurde um 22:23 Uhr übermittelt. Nur eine Minute später, um 22:24 Uhr, folgte der vierte Alarm, und um 23:02 Uhr ging der fünfte hinaus. Die genauen Uhrzeiten und die Zuordnung der einzelnen Alarme lassen sich allerdings nicht in jedem Detail zuverlässig bestätigen.

Die engen Gassen rund um den Club füllten sich rasch mit Feuerwehrfahrzeugen und Rettungswagen. Das Feuer selbst war in wenigen Minuten niedergeschlagen. Was blieb, war das Ausmaß der Verwüstung, und das war kaum zu fassen.

### Ein Anblick, den die Retter nie vergaßen

Viele Gäste, die sich noch selbst hatten befreien können, brachen auf der Straße zusammen. An zahlreichen Ausgängen lagen Lebende und Tote übereinander, und für die Helfer war es oft ebenso schwer, in das Gebäude hineinzukommen, wie für die Eingeschlossenen, hinauszugelangen. Die Retter brauchten eine Weile, bis sie überhaupt begriffen, welches Grauen sich im Inneren abspielte.

Die Nachricht von der Größe des Unglücks löste eine Welle der Hilfe aus. Personal von Marine, Armee, Küstenwache und Nationalgarde wurde zur Evakuierung und Bergung der Verletzten gerufen. Zeitungsverteilungswagen, Taxis und praktisch jedes verfügbare Fahrzeug wurden zum Transport der Opfer eingesetzt.

### Eine Übung, die zur bitteren Realität wurde

In einer fast unheimlichen Fügung hatten die Krankenhäuser der Region nur eine Woche vor dem Brand eine Katastrophenübung abgehalten. Und doch sollte die Wirklichkeit jede Vorbereitung übertreffen. Die meisten Verletzten wurden ins Boston City Hospital gebracht, viele weitere ins Massachusetts General Hospital.

Was das Boston City Hospital in der ersten Stunde leistete, sprengte jeden Maßstab: Rund 300 Verletzte wurden aufgenommen, im Durchschnitt alle elf Sekunden ein Mensch. Diese Behandlungsrate übertraf sogar jene, die man während des London Blitz verzeichnet hatte. Das Massachusetts General Hospital nahm innerhalb von zwei Stunden 114 Opfer auf. In beiden Häusern wurden dienstfreie Mitarbeiter herbeigerufen, und Freiwillige leisteten zusätzliche Unterstützung.

### Ein provisorisches Leichenschauhaus und ein grausamer Irrtum

In einer Garage für Filmverteilung richteten die Behörden ein behelfsmäßiges Leichenschauhaus ein. Hier zeigt sich das ganze Ausmaß der Verwirrung jener Nacht: Einige Opfer, die man bereits für tot gehalten hatte, waren noch am Leben. Sie wurden ins Krankenhaus transportiert und überlebten tatsächlich.

Mitarbeiter und Freiwillige arbeiteten in den Leichenhallen daran, die Toten zu identifizieren. Besonders schwierig war dies bei den weiblichen Opfern. Ausweise wurden in der Panik des Brandes meist in den Taschen oder Handtaschen der Besitzerinnen verwahrt, und diese waren in dem Durcheinander verloren gegangen. So fehlte oft das einzige, was einen Namen hätte belegen können.

## Penicillin, Prozess und die Frage nach der Verantwortung

Stellen Sie sich vor, Sie stehen in einem überfüllten Krankenhausflur in Boston, wenige Stunden nach dem Cocoanut Grove Brand 1942. Hunderte Menschen mit schwersten Verbrennungen und inneren Verletzungen werden hereingebracht. Das medizinische Personal steht vor einer Aufgabe, für die es kaum Erfahrungswerte gab. Genau in dieser Nacht entstanden Behandlungsmethoden, die die Medizin verändern sollten.

Die schiere Zahl der Verwundeten zwang die Ärzte und Pflegekräfte, auf neu entwickelte Verfahren zurückzugreifen. Einige davon waren gründlich erprobt, andere noch nie in dieser Größenordnung angewendet worden. Der Überlieferung nach erfolgte am 2. Dezember 1942 im Massachusetts General Hospital die erste dokumentierte allgemeine Anwendung von Penicillin bei Verbrennungspatienten. Das genaue Datum und die Bezeichnung als erste allgemeine Anwendung gelten allerdings als unsicher. Fest steht: Der Brand wurde für die junge Antibiotika-Forschung zu einem ungeplanten, aber folgenreichen Prüfstein.

### Die Untersuchung beginnt

Während die Krankenhäuser noch um das Leben ihrer Patienten kämpften, lief bereits die Aufarbeitung an. Die Untersuchung von Feuerwehrkommissar William Reilly begann am Sonntag, dem 29. November 1942, nur einen Tag nach der Katastrophe. Reilly ließ zahlreiche Zeugen vernehmen, um die Ursache und den Verlauf des Unglücks zu rekonstruieren. Die Aussagen ergaben ein uneinheitliches Bild.

Die meisten Zeugen hielten den Busboy für verantwortlich, jenen jungen Angestellten, der in der Melody Lounge ein Streichholz entzündet hatte, um eine Glühbirne zu wechseln. Einige wenige vermuteten dagegen eine elektrische Ursache. Diese Stimmen blieben in der Minderheit, doch sie zeigen, wie schwer sich die genauen Umstände rekonstruieren ließen.

### Anklage und Urteil

Eine Grand Jury erhob schließlich Anklage gegen zehn Personen. Doch am Ende wurde nur ein einziger verurteilt: der Betreiber Barney Welansky. Der Überlieferung nach erhielt er eine Haftstrafe von 12 bis 15 Jahren im Staatsgefängnis von Charlestown. Die genaue Strafdauer und die Umstände seiner späteren Begnadigung sind allerdings nicht sicher belegt.

Nach etwa dreieinhalb Jahren Haft wurde Welansky von Gouverneur Maurice Tobin begnadigt, da er an fortgeschrittenem Krebs litt. Er starb wenige Monate nach seiner Entlassung im Jahr 1947 im Alter von 50 Jahren. Auch hier gilt: Sterbejahr und Alter lassen sich nicht mit letzter Sicherheit verifizieren. Was bleibt, ist das Bild eines Mannes, der für eine Katastrophe verantwortlich gemacht wurde, deren Ursachen weit über eine einzelne Person hinausreichten.

### Die Zahlen und ihre Korrektur

Kommissar Reilly gab zunächst 490 Tote und 166 Verletzte an. Bei der Zahl der Verletzten handelte es sich um jene Personen, die im Krankenhaus behandelt und später entlassen wurden. Viele weitere Gäste erlitten Verletzungen, ohne jemals in eine Klinik gebracht zu werden. Im Laufe der Jahre wurde die anerkannte Opferzahl auf 492 korrigiert.

Diese Zahl macht den Cocoanut Grove Brand 1942 zu einer der tödlichsten Brandkatastrophen in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Hinter ihr stehen 492 einzelne Schicksale, und hinter den Akten der Untersuchung die unbequeme Frage, wer für so viel Leid die Verantwortung trägt.

## Was sich nach dem Brand änderte und was vom Namen blieb

Der Cocoanut Grove Brand 1942 hat Boston nicht nur eine Nacht lang erschüttert, sondern das Baurecht einer ganzen Nation verändert. Wer heute durch eine Hotelhalle geht und an der Drehtür vorbei zum gekennzeichneten Notausgang läuft, bewegt sich in einer Welt, die dieser Brand mitgeformt hat.

Die Vorschriften änderten sich spürbar. In Boston und in vielen anderen Städten wurden **Drehtüren verboten**. Man hatte am 28. November 1942 gesehen, was geschieht, wenn hunderte Menschen gleichzeitig durch dieselbe drehende Öffnung drängen: Sie verkeilt sich, und hinter ihr türmt sich die Menge. Ausgangstüren mussten von nun an klar gekennzeichnet sein, sich von innen jederzeit öffnen lassen und frei bleiben, ohne Vorhänge, ohne Decken, ohne Möbel oder abgestelltes Arbeitsmaterial davor. Notbeleuchtung und Sprinkleranlagen wurden vorgeschrieben. Und für Dekorationen und Baumaterialien galt fortan: feuerfest.

Diese Regeln waren kein bürokratischer Reflex. Sie waren die Lehre aus einer Nacht, in der Menschen in dunklen Hinterkorridoren nach Ausgängen suchten, die verschlossen, verhängt oder schlicht nicht zu finden waren.

### Was vom Namen blieb

Hartnäckig hält sich bis heute ein Gerücht: Der Name „Cocoanut Grove“ sei in Boston offiziell verboten worden. Das ist falsch. Ein solches Verbot hat es nie gegeben. Allerdings, und das ist der eigentümliche Kern dieser Geschichte, hat seit dem Brand offenbar kein Unternehmen mehr versucht, diesen Namen zu führen oder eine Lizenz dafür zu beantragen. Ob das tatsächlich nie geschah, lässt sich nicht mit letzter Sicherheit bestätigen. Der Name blieb also nicht, weil man ihn untersagte, sondern weil ihn niemand mehr wollte.

### Ein Maßstab, der lange Bestand hatte

Um die Dimension des Unglücks zu begreifen, hilft ein Blick auf das, was davor und danach kam. Vor dem Cocoanut Grove Brand 1942 galt der Brand des Iroquois-Theaters in Chicago aus dem Jahr 1903 mit etwa 602 bis 603 Toten als die tödlichste Brandkatastrophe der Vereinigten Staaten. Bei den Anschlägen vom 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York starben etwa 2.750 Menschen. Doch dort wirkten Feuer und Einsturz zusammen, es war keine reine Brandkatastrophe. Gemessen an der Zahl der Menschen, die in einem einzigen Gebäude durch Feuer ums Leben kamen, blieb der Cocoanut Grove über Jahrzehnte ein Maßstab des Schreckens.

Was eine Stadt aus einer solchen Nacht lernt, zeigt sich nicht in Denkmälern, sondern in den Türen, die sich heute von innen öffnen lassen. Die eigentliche Hinterlassenschaft des Cocoanut Grove Brand 1942 ist unsichtbar und allgegenwärtig zugleich.


## Frequently asked questions

**Was geschah beim Cocoanut Grove Brand 1942 in Boston?**

Am Abend des 28. November 1942 geriet der Nachtclub Cocoanut Grove im Zentrum von Boston in Brand. Das Feuer brach gegen 22:15 Uhr in der Melody Lounge im Untergeschoss aus und erfasste innerhalb weniger Minuten das gesamte Gebäude. Bis heute gilt das Unglück als die tödlichste Nachtclubbrandkatastrophe der amerikanischen Geschichte.

**Wie viele Menschen starben beim Cocoanut Grove Feuer?**

Die anerkannte Opferzahl liegt bei 492 Toten, rund 130 Menschen wurden verletzt. Der Feuerkommissar William Reilly nannte zunächst 490 Tote und 166 Verletzte. Im Laufe der Jahre stieg die offiziell bestätigte Zahl der Todesopfer auf 492. Damit übertrifft diese Katastrophe die Opferzahl des Iroquois-Theater-Brands von 1903 in Chicago mit seinen etwa 602 bis 603 Toten zwar nicht, liegt aber knapp darunter.

**Warum breitete sich das Feuer im Cocoanut Grove so schnell aus?**

Auslöser war ein Streichholz: Ein Kellner (Busboy) entzündete es gegen 22:15 Uhr, um in der dunklen Melody Lounge eine Glühbirne in einer künstlichen Palme zu wechseln. Die trockene Dekoration fing sofort Feuer, und innerhalb von Minuten breitete sich eine Feuerwalze aus Flammen und giftigen Gasen über die Treppe bis in das Foyer und den Speisesaal aus.

**Wer war Barnet Welansky und welche Strafe erhielt er?**

Barnet Welansky war ein Anwalt und seit drei Jahren Eigentümer des Cocoanut Grove. Nach dem Brand wurde er als einziger Angeklagter verurteilt und zu zwölf bis fünfzehn Jahren Haft im Staatsgefängnis von Charlestown verurteilt. Der Überlieferung nach wurde er nach etwa dreieinhalb Jahren Haft von Gouverneur Maurice Tobin begnadigt, da er an fortgeschrittenem Krebs litt. Er starb 1947 im Alter von 50 Jahren, wenige Monate nach seiner Entlassung.

**Wie wurde Penicillin erstmals bei Brandopfern eingesetzt?**

Die Behandlung der zahlreichen Verbrennungen und inneren Verletzungen zwang das medizinische Personal, neue Pflegemethoden anzuwenden. Der Überlieferung nach erfolgte der erste dokumentierte allgemeine Einsatz von Penicillin bei Brandopfern am 2. Dezember 1942 im Massachusetts General Hospital. Viele der Verletzten wurden zunächst ins Boston City Hospital gebracht, das innerhalb einer Stunde rund 300 Opfer aufnahm.

**Welche Brandschutzvorschriften änderten sich nach der Katastrophe?**

Nach dem Brand wurden die Bauvorschriften in Boston und anderen Städten grundlegend verschärft. Drehtüren wurden verboten. Notausgänge mussten klar gekennzeichnet, von innen zu öffnen und frei von Vorhängen, Möbeln oder Arbeitsmaterialien sein. Zudem wurden Notbeleuchtung und Sprinkleranlagen vorgeschrieben sowie feuerfeste Dekorations- und Baumaterialien verlangt.

**Warum waren die Ausgänge im Cocoanut Grove blockiert?**

Viele Ausgänge waren verschlossen, und der Haupteingang bestand aus einer Drehtür, die unter dem Druck der panisch fliehenden Menge blockierte. Ein neu installierter, offiziell nicht genehmigter Notausgang im sogenannten New Room öffnete nach innen und wurde durch den Ansturm der Fliehenden zugedrückt. So blieb vielen Gästen der Weg ins Freie versperrt.

**Was passierte mit dem Namen Cocoanut Grove nach dem Brand?**

Der Überlieferung nach soll der Name „Cocoanut Grove" in Boston verboten worden sein. Dieses Gerücht stimmt wahrscheinlich nicht. Allerdings hat seit dem Brand kein Unternehmen mehr versucht, diesen Namen zu verwenden oder eine Lizenz dafür zu beantragen. Hinweis der Redaktion: Nicht abschließend bestätigte Details werden im Text ausdrücklich als unbestätigt gekennzeichnet.

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