# Chris Rea: Der Bariton, der The Road to Hell zum Klingen brachte

*Film, TV & Musik · Emre Şahin · 2026-10-17*

## Key facts

- Chris Rea wuchs in England auf und sammelte früh mit lokalen Bands erste Bühnenerfahrung.
- Sein Durchbruch kam 1978 mit dem Song Fool If You Think It's Over, der in den USA die Top 20 erreichte.
- Das Album The Road to Hell erreichte 1989 Platz eins der britischen Albumcharts und festigte seinen Ruf als Songschreiber.
- Mit Auberge legte er 1991 ein weiteres Nummer-eins-Album vor.
- Sein Gitarrenspiel ist stark vom Slide-Stil geprägt, den er mit einer tiefen, bluesgetönten Gesangsstimme verbindet.

Das Wichtigste in Kürze

Chris Rea wurde 1951 in England geboren und begann in den Siebzigerjahren seine Musikkarriere. Bekannt wurde er mit Songs wie Fool If You Think It's Over und dem Album The Road to Hell, das 1989 erschien. Er gilt als eigenwilliger Slide-Gitarrist mit unverwechselbarer Baritonstimme.

## Chris Rea: Ein Bariton zwischen Melancholie und Leichtigkeit

Es gibt Stimmen, die erkennt man nach zwei Sekunden. Kein Vibrato, keine Show, nur dieser dunkle, rauchige Bariton, der sich irgendwo zwischen Blues und spätem Abend niederlässt. Chris Rea, geboren am 4. März 1951 in England, ist einer der bekanntesten Musiker Europas, und wer ihn einmal gehört hat, vergisst diese Stimme so schnell nicht wieder.

Sein Markenzeichen ist eine Verbindung, die man nicht lernen kann: diese tiefe, bluesgefärbte Stimme und dazu ein Slide-Gitarrenstil, der sofort erkennbar ist. Kaum ein Ton zu viel, nichts Aufgesetztes. Er lässt die Saiten gleiten, als würde er ein Gespräch führen, und genau das macht seinen Klang so eigen.

Viele Hörerinnen und Hörer in der Türkei sind ihm allerdings nicht über eine Biografie begegnet, sondern über einen Zufall. Über Kassetten, die im Handschuhfach lagen. Über Radiosender, die man als Kind nebenbei laufen ließ, während im Fernsehen eigentlich nur Pop und türkische Unterhaltungsmusik lief. Ein Junge von elf Jahren findet in der Stereoanlage seines Stiefvaters eine Platte von 1991, legt sie ein, und der Titelsong beginnt zu laufen. Er erinnert sich bis heute an den Moment, in dem er innerlich nur dachte: Was höre ich da?

So beginnt eine lebenslange Verbindung. Ohne Streaming, ohne Internet, ohne jede Möglichkeit, schnell an die nächste Platte zu kommen. Man wartete auf den richtigen Sender, hielt den Walkman fest und hoffte, dass zwischendurch ein Stück von ihm auftauchte. Wer als Kind so musikalisch aufwacht, behält diesen Moment. Chris Rea wird für viele zum ersten Fenster in eine ganz andere Welt: von dort aus ging es weiter zu Rock, Blues, Jazz.

Vielleicht liegt genau darin sein eigentlicher Wert. Seine Lieder sind weder niederdrückend noch überdreht. Sie liegen dazwischen, in diesem warmen Raum, in dem ein langer, dunkler Abend leichter wird, sobald die ersten Takte erklingen.

## Vom späten Beginn zum ersten Plattenvertrag

Chris Rea, geboren am 4. März 1951 in England, gehört zu den Musikern, bei denen man den Eindruck gewinnt, das Talent sei einfach da gewesen, ohne Umweg über eine frühe Karriere. Der Überlieferung nach griff er erst mit etwa zwanzig Jahren zur Gitarre. Ein später Start, gewiss, aber einer, der sich bezahlt machen sollte. Wer so spät anfängt und trotzdem eine eigene Handschrift auf dem Instrument entwickelt, hat etwas nachzuholen, und Rea hat es offenbar gründlich getan.

Seine ersten Gehversuche unternahm er nicht allein. Mit seiner Band Magdalene trat er der ursprünglichen Erzählung zufolge im Jahr 1975 unter dem Namen „Beautiful Loosers“ bei einem nationalen Talentwettbewerb an. Der ganz große Erfolg blieb aus, die Angaben zu Name, Jahr und Wettbewerbsverlauf sind nicht in jedem Detail gesichert. Was danach folgte, war eine Entscheidung: Rea setzte auf die Solokarriere.

Fündig wurde er bei Magnet Records. Dort erschien sein erstes Soloalbum, und auf diesem Album lag jener Song, der alles in Bewegung brachte. „Fool (If You Think It's Over)“ schaffte es 1978 in die Top 20 der US-amerikanischen Charts. Der Weg zum ersten Hit führte für den englischen Musiker also zunächst über den Atlantik. In Großbritannien wurde das Lied erst über einen Umweg bekannt: Elkie Brooks nahm eine Coverversion auf, und durch diese Fassung begann man auch auf der Insel, den Namen Chris Rea mit dieser Melodie zu verbinden.

Damit war der Grundstein gelegt. Ein Mann, der mit zwanzig Jahren angefangen hatte, stand wenige Jahre später mit einem amerikanischen Top-20-Hit und einem Plattenvertrag da. Die eigentliche Geschichte aber, die Geschichte einer Fangemeinde, die über Jahre wuchs und sich auf dem europäischen Festland festsetzte, begann erst jetzt.

## Erste Fangemeinde in Deutschland und der Sound der frühen Jahre

Es ist eine dieser Geschichten, die fast beiläufig beginnen. In der ersten Hälfte der 1980er-Jahre bildete sich rund um Chris Rea eine frühe Fangemeinde in Deutschland. Der Überlieferung nach war es sogar seine erste feste Anhängerschaft überhaupt, ganz sicher lässt sich diese Zuschreibung allerdings nicht belegen. Was sich dagegen deutlich hören lässt, ist der Grund für diese frühe Zuneigung: Reas Stimme mit ihrem dunklen, bluesgetönten Bariton und seine Gitarrensoli im Rock-Gewand fanden rasch ein Publikum, das über den deutschen Markt hinaus auf dem gesamten europäischen Kontinent Anklang fand.

Wer genauer hinhören möchte, sollte beim zweiten Album ansetzen. *Deltics* geriet stark instrumental, mit einem deutlichen Schwerpunkt auf Keyboardklängen. Hier zeigte sich, dass Rea nicht nur Liedermacher mit rauer Stimme war, sondern auch ein Klangarchitekt, der seinen Stücken viel Raum zum Atmen ließ.

### Max Middleton: der stille Mitstreiter

Ein Name taucht in dieser Phase immer wieder auf: Max Middleton. Der hoch erfahrene Keyboarder war weit mehr als ein Begleiter am Rand der Bühne. Viele der Songs, die Chris Rea später sang, schrieben die beiden gemeinsam. Middleton prägte damit den warmen, oft weichen Klangteppich, auf dem sich Reas Gitarre und Stimme erst richtig entfalten konnten.

Der entscheidende Moment der frühen Jahre kam dann 1983. Auf dem Album *Water Sign* erschien *I Can Hear Your Heartbeat*, ein Stück, das zu einem der wichtigsten Hits dieser Phase wurde. Man hört darin genau jene Mischung, die Rea ausmacht: eine fast zärtliche Melodie, getragen von einer Stimme, die nie laut werden muss, um Eindruck zu hinterlassen. Für viele Hörerinnen und Hörer war es der erste Berührungspunkt mit seiner Musik, und nicht wenige blieben danach jahrzehntelang dabei.

## Der Durchbruch: Von „Shamrock Diaries“ bis „The Road to Hell“

Die späten Achtziger wurden für Chris Rea zur entscheidenden Wegmarke. 1985 erschien das Album „Shamrock Diaries“, der Überlieferung nach der eigentliche Durchbruch in Großbritannien. Ganz sicher lässt sich der Zeitpunkt dieses Durchbruchs allerdings nicht festmachen, denn die Quellen geben unterschiedliche Zeitpunkte an, mal bei diesem Album, mal erst bei den Werken der folgenden Jahre.

Was danach kam, spricht für sich. 1987 legte Rea „Dancing with Strangers“ vor, ein Jahr später folgte „New Light Through Old Windows“, eine Zusammenstellung seiner bis dahin beliebtesten Stücke. Beide Alben festigten seinen kommerziellen Erfolg. Die genauen Chartplatzierungen, die in manchen Erzählungen mit Rang zwei und Rang fünf angegeben werden, sind allerdings nicht sicher belegt.

Den endgültigen Sprung an die Spitze brachte dann das Jahr 1989. Mit „The Road to Hell“ erreichte Chris Rea Platz eins der britischen Albumcharts. Das Werk zählt zu den erfolgreichsten Alben der Jahre 1989 und 1990. Wer die markante, tiefe Stimme und die langen Gitarrensoli dieses Albums zum ersten Mal hört, versteht, warum so viele Hörerinnen und Hörer bis heute davon schwärmen.

Der Erfolg war kein Ausreißer. 1991 folgte „Auberge“, und auch dieses Album stand an der Spitze der britischen Charts. Damit war aus dem Musiker, der sich über Jahre eine Fangemeinde erspielt hatte, endgültig ein Künstler geworden, dessen Alben man auf beiden Seiten des Ärmelkanals erwartete.

## Zwischen Dire Straits und Leonard Cohen: Reas eigener Ort

Manche beschreiben Chris Rea mit einem großen Namen: „der Bruce Springsteen der Engländer“. Diese Formulierung kursiert, sie ist charmant und ein wenig gewagt, und sie trifft den Kern nur halb. Denn wer Reas Musik wirklich hört, merkt schnell: Er braucht diesen Vergleich gar nicht.

Sein Klang hat nicht die makellose Harmonie von Dire Straits, dieses glasklare, fast mathematische Zusammenspiel. Und er hat auch nicht die abgründige Schwere eines Leonard Cohen, diese dunkle Poesie, die lange nachhallt. Rea liegt dazwischen. Genau dort, in diesem Zwischenraum, hat er seinen eigenen Ort gefunden, und dieser Ort gehört nur ihm.

Was dort klingt, ist weder niederdrückend noch überdreht fröhlich. Es ist eine Musik, die beruhigt und zugleich Bilder öffnet. Man legt die Platte auf, und plötzlich sieht man Straßen, Küsten, verregnete Abende. Seine rauchige Baritonstimme und der instrumentale Untergrund, der oft mehr andeutet als ausspricht, tragen den Hörer an einen stilleren Ort.

Hörempfehlung

Wenn Sie Chris Rea einmal in seiner ganzen Bandbreite erleben möchten, lohnt sich das Live-Album *The Road to Hell and Back*. Hier zeigt sich, wie viel Raum zwischen den Tönen steckt, und wie lebendig diese vermeintlich ruhige Musik sein kann.

Vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum Chris Rea so viele Menschen über Jahrzehnte begleitet hat. Er versucht nicht, lauter oder tiefer zu sein als die ganz Großen. Er bleibt bei sich, und gerade darin liegt seine eigenständige, leise Kraft.

## Warum Chris Rea mehr Anerkennung verdient

Es gibt diese eigentümliche Doppelmoral in der Rockszene, und sie lässt sich an kaum einem Künstler so gut beobachten wie an Chris Rea. Legt man seine Platten auf einer Feier auf, nicken alle mit. Fragt man aber nach einem ernsthaften Urteil, zuckt man mit den Schultern: ganz nett, aber bitte nicht zu viel. Eric Clapton gilt als Gott, Chris Rea dagegen wird mitunter belächelt, als mache er Fahrstuhlmusik. Diese Einschätzung ist ungerecht, und es lohnt sich, sie zu korrigieren.

Denn wer genauer hinhört, entdeckt einen Musiker, der sein Handwerk von Grund auf beherrscht. Rea ist ein versierter Gitarrist, ein sorgfältiger Songschreiber und ein Sänger mit einer rauchigen, unverwechselbaren Baritonstimme. Seine Lieder klingen nie beliebig. Sie haben diese eigentümliche Mischung aus Melancholie und Wärme, die man sofort wiedererkennt, auch wenn sie im Hintergrund eines Cafés läuft.

Auch die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Bis 2009 sollen sich seine Alben weltweit rund 30 Millionen Mal verkauft haben. Diese Größenordnung kursiert in Biografien, lässt sich aber nicht bis auf den letzten Beleg nachrechnen, und man sollte sie deshalb mit einer gewissen Vorsicht behandeln. Allein die Dimension zeigt jedoch, dass hier kein Nischenphänomen am Werk ist, sondern ein Künstler mit einem Publikum über halb Europa hinweg.

In Großbritannien werden ihm mehr als 20 Hits zugeschrieben. Der Überlieferung nach soll „Julia“ vom Album „Espresso Logic“ sogar sein 27. gewesen sein, wobei diese Zählung nicht in jedem Detail gesichert ist. Solche Listen sind ohnehin eine heikle Angelegenheit, doch sie machen eines klar: Chris Rea war über Jahre hinweg ein verlässlicher Gast in den Charts, kein Eintagsflieger.

Vielleicht liegt das Missverständnis gerade in seiner Zurückhaltung. Rea drängt sich nicht auf, er spielt keine Virtuosenposen, er bedient keine Skandale. Er macht einfach seine Musik, leise, präzise und mit einer Beständigkeit, die man leicht übersieht.

Genau darin liegt die Pointe. Wer ihn als Fahrstuhlmusik abtut, verwechselt Unaufdringlichkeit mit Bedeutungslosigkeit. Chris Rea ist ein ernstzunehmender Musiker, und es wird Zeit, dass man ihm diesen Respekt auch dann entgegenbringt, wenn gerade niemand hinhört.


## Frequently asked questions

**Wer ist Chris Rea?**

Chris Rea ist ein britischer Sänger, Gitarrist und Songwriter, geboren am 4. März 1951 in England. Bekannt ist er für seinen warmen Bariton und seinen bluesgetragenen Gitarrenton, oft mit Slide-Technik gespielt. Über Jahrzehnte hat er sich als eigenständiger Künstler mit unverwechselbarem Klang profiliert, der zwischen Rock, Blues und ruhigen, nachdenklichen Balladen pendelt.

**Wie startete seine Karriere?**

Seine Laufbahn begann über die Band Magdalene, mit der er der Überlieferung nach 1975 an einem landesweiten Talentwettbewerb teilnahm. Der ganz große Erfolg blieb zunächst aus, und Rea entschied sich für den Weg als Solokünstler. Sein erstes Soloalbum erschien bei der Plattenfirma Magnet. Der Song „Fool (If You Think It's Over)“ erreichte in den USA die Top 20, eine Coverversion von Elkie Brooks machte das Lied auch in Großbritannien bekannt.

**Welche Alben erreichten Platz eins in England?**

Zwei Alben führten die britischen Charts an: „The Road to Hell“ aus dem Jahr 1989 und „Auberge“ von 1991. „The Road to Hell“ zählt zu den erfolgreichsten Alben der Jahre 1989 und 1990. Damit war der kommerzielle Höhepunkt erreicht, nachdem sich der Erfolg schon mit früheren Veröffentlichungen angebahnt hatte.

**Was macht seinen Sound aus?**

Sein Klang lebt von einem tiefen Bariton, einem bluesgefärbten Gitarrenton und der Slide-Gitarre. Dazu kommt eine instrumentale Tiefe: Die Arrangements tragen oft eine eigene, nachdenkliche Stimmung, die über das gesungene Wort hinausgeht. Diese Mischung aus rauer Stimme und sorgfältig gebauter Klangfläche macht viele seiner Stücke unverwechselbar.

**Hat er in Deutschland Erfolg?**

Ja. Der Überlieferung nach entstand seine erste Fangemeinde in der ersten Hälfte der 1980er-Jahre in Deutschland. Von dort aus wuchs seine Hörerschaft rasch über den europäischen Kontinent. Sein bluesgetönter Gesang und seine Gitarrensoli kamen beim Publikum gut an, und der frühe Erfolg hierzulande legte den Grundstein für seine spätere Popularität. Hinweis der Redaktion: Nicht abschließend bestätigte Angaben sind im Text ausdrücklich als solche gekennzeichnet.

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