# Chicxulub: Der Asteroid liegt noch heute unter uns

*Wissenschaft & Technik · Ayşe Demir-Müller · 2026-09-25*

## Key facts

- Der Chicxulub-Einschlag ereignete sich vor rund 66 Millionen Jahren nahe der Halbinsel Yucatán im heutigen Mexiko.
- Beim Aufprall verdampfte der Asteroid weitgehend zu heißem Plasma und verteilte seine Materie über den gesamten Globus.
- Die Kreide-Paläogen-Grenze ist eine weltweit nachweisbare Gesteinsschicht mit ungewöhnlich hohem Iridiumgehalt.
- Iridium ist auf der Erde selten, in Asteroiden jedoch häufig, was auf einen außerirdischen Ursprung der Schicht hindeutet.
- Möglicherweise sind feinste Partikel dieser Materie bis heute in Staub und Luft vorhanden.

Das Wichtigste in Kürze

Der Chicxulub-Asteroid traf vor etwa 66 Millionen Jahren im heutigen Mexiko auf die Erde und löste das Aussterben der Dinosaurier aus. Beim Einschlag verdampfte er weitgehend zu Plasma, das sich weltweit verteilte. Diese Materie bildet die iridiumreiche Kreide-Paläogen-Grenze in den Gesteinsschichten und ist bis heute in winzigen Spuren im Boden gegenwärtig, möglicherweise auch in Staub und Luft.

## Ein Berg aus Stein, der zu Licht wurde

Stellen Sie sich vor, ein Berg kommt vom Himmel. Nicht langsam, nicht in Trümmern, sondern als ein einziger, kompakter Körper von der Größe einer Großstadt. Der **Chicxulub-Asteroid**, jener Brocken, der vor rund 66 Millionen Jahren das Schicksal der Dinosaurier besiegelte, war nach heutiger Auffassung etwa 10 bis 15 Kilometer dick. Er raste mit ungefähr 20 Kilometern pro Sekunde heran, wobei die Modelle je nach Annahme Werte zwischen 15 und 25 Kilometern pro Sekunde nennen.

Zwanzig Kilometer pro Sekunde. Das sind 72.000 Stundenkilometer. In der Zeit, die Sie brauchen, um diese Zeile zu lesen, hätte er die Strecke von Hamburg nach München bereits hinter sich gelassen.

Was dann geschah, lässt sich mit gewöhnlichen Worten kaum fassen. In dem Moment, in dem der Asteroid auf die Erdoberfläche traf, verwandelte sich seine Bewegungsenergie binnen Sekundenbruchteilen in Wärme. Die Materie verdampfte. Der Überlieferung nach soll ein großer Teil des festen Körpers dabei unmittelbar in den Plasmazustand übergegangen sein, ohne zuvor überhaupt flüssig zu werden. Ob das für die gesamte Masse des Einschlagkörpers zutrifft, ist physikalisch allerdings nicht gesichert. Es bleibt eine eindrückliche Erzählung, kein bewiesener Vorgang.

Klar ist: Die freigesetzte Energie war gewaltig. Sie wird in populären Darstellungen mit der Sprengkraft von etwa 100 Millionen Megatonnen TNT verglichen. Zum Maßstab: Die Hiroshima-Bombe wirkt daneben wie ein Knaller am Silvesterabend.

Und die Materie des Berges? Sie ist nicht verschwunden. Nach dem Prinzip der Erhaltung der Masse konnte sie nicht einfach verpuffen. Sie verteilte sich in der Atmosphäre, legte sich wie eine Decke um die ganze Erde, schnitt das Sonnenlicht ab und rieselte schließlich als feiner Staub wieder herab. Ein Teil dieses Materials ist bis heute in der sogenannten K-Pg-Grenze nachweisbar, jener dünnen, iridiumreichen Schicht, die Geologen weltweit in den Ablagerungen finden.

Das heißt im Umkehrschluss: Sie müssen den Asteroiden nicht suchen. Vermutlich stehen Sie gerade darauf.

## Eine Energie, die jede Vorstellung sprengt

Stellen Sie sich vor, ein Berg von der Größe einer Kleinstadt rast mit etwa 20 Kilometern pro Sekunde in unsere Atmosphäre. In dieser einen Sekunde legt er die Strecke von München nach Augsburg zurück. Was dann geschieht, lässt sich mit Worten kaum fassen. Der Chicxulub-Asteroid, jener Brocken mit einem Durchmesser von rund 10 bis 15 Kilometern, verwandelte schlagartig seine gesamte Bewegungsenergie in Wärme. Die Materie hatte nicht einmal Zeit, flüssig zu werden. Der Überlieferung nach ging ein großer Teil von ihr direkt in den Plasmazustand über und verdampfte.

Wie gewaltig diese Explosion tatsächlich war, zeigen die Schätzungen: Fachleute gehen von einer freigesetzten Energie in der Größenordnung von rund 100 Millionen Megatonnen TNT aus. Diese Zahl ist ausdrücklich eine Näherung, ein Modellwert, kein exakter Messbefund. Sie schwankt je nach Annahme über Größe, Geschwindigkeit und Dichte des Einschlagkörpers. Dennoch vermittelt sie eine Ahnung vom Ausmaß des Ereignisses.

### Ein Vergleich, der den Maßstab sprengt

Die Atombombe von Hiroshima hatte eine Sprengkraft von etwa 15 Kilotonnen TNT. Gegen die geschätzten 100 Millionen Megatonnen des Chicxulub-Einschlags wirkt sie wie ein Silvesterböller neben einem Gewitter. Rechnen Sie es ruhig nach: Eine Megatonne entspricht tausend Kilotonnen. Der Unterschied liegt also nicht bei ein paar Prozent, sondern in einer völlig anderen Größenordnung.

Solche Zahlen sollte man mit Respekt behandeln und mit Vorsicht. Die Wissenschaft arbeitet hier mit Modellen, die auf geologischen Spuren und physikalischen Gesetzen beruhen. Der Wert von 100 Millionen Megatonnen ist deshalb kein protokollierter Messwert, sondern eine begründete Schätzung. Und trotzdem bleibt die Kernaussage bestehen: Kein Ereignis der jüngeren Erdgeschichte hat in so kurzer Zeit so viel Energie freigesetzt.

Was von diesem unvorstellbaren Aufprall übrig blieb, ist erstaunlich unscheinbar. Die Materie verschwand nicht. Sie verteilte sich als feiner Staub über den gesamten Planeten. Davon erzählt der nächste Abschnitt.

## Nichts verschwindet: Wie die Materie des Chicxulub-Asteroiden den ganzen Planeten bedeckte

Ein Berg aus Gestein und Metall, etwa 10 bis 15 Kilometer im Durchmesser, verglüht nicht einfach. Nach dem Prinzip der Massenerhaltung kann Materie weder verschwinden noch aus dem Nichts entstehen. Was also wurde aus dem gewaltigen Körper, der vor rund 66 Millionen Jahren im heutigen Golf von Mexiko einschlug?

Die Antwort liegt buchstäblich unter Ihren Füßen. Der Überlieferung nach verteilte sich das zertrümmerte Material als feiner Staub über den gesamten Erdball. Eine dichte Wolke legte sich wie eine Decke um den Planeten, verdunkelte die Sonne und trug so zum Aussterben der Dinosaurier bei. Diesen Mechanismus betrachtet die Forschung als wesentlichen Faktor, auch wenn das Zusammenspiel von Kälte, Dunkelheit und zusammenbrechenden Nahrungsketten deutlich komplexer war als die einfache Formel "Staub verdunkelt Sonne".

Und genau dieser Staub ist bis heute erhalten. In Gesteinsschichten auf der ganzen Welt findet sich eine auffallend dünne, iridiumreiche Lage. Sie markiert die sogenannte K-Pg-Grenze, jene Schwelle zwischen Kreidezeit und Paläogen, an der in den geologischen Archiven die Welt der Dinosaurier endet. Bereits 1980 beschrieb ein Forscherteam um Luis und Walter Alvarez in der Fachzeitschrift *Science* diese Schicht und lieferte damit einen der stärksten Belege für einen kosmischen Einschlag als Auslöser des Massenaussterbens.

Sie müssen also nicht nach einem Krater oder einem Trümmerstück suchen. Der Chicxulub-Asteroid ist nicht fort. Er ist zu einer dünnen Schicht geworden, die sich über die ganze Erde zieht, und ein Teil davon liegt womöglich direkt unter dem Boden, auf dem Sie gerade stehen.

Es ist ein eigentümlicher Gedanke: Ein Körper, groß genug, um das Antlitz der Erde zu verändern, löst sich am Ende in eine Lage Staub auf, kaum dicker als ein paar Fingerbreit. Die Materie bleibt. Nur ihre Form hat sich geändert.

## Unter unseren Füßen und in unserer Luft

Sie müssen nicht in die Weiten des Alls blicken, um dem Chicxulub-Asteroiden zu begegnen. Möglicherweise liegt ein Teil seiner Materie bis heute unter Ihren Schuhen und schwebt als feiner Staub in der Luft, die Sie atmen. Denn verschwunden ist dieser gewaltige Brocken nicht. Seine Masse blieb der Erde erhalten und verteilte sich über den gesamten Planeten.

Der Schlüssel zu diesem Befund liegt in einer dünnen Schicht, die Geologen auf der ganzen Welt im Gestein finden: der sogenannten K-Pg-Grenze. Sie markiert den Übergang zwischen der Kreidezeit und dem Paläogen. Diese Schicht ist ungewöhnlich reich an Iridium, einem Metall, das auf der Erdoberfläche selten vorkommt, in manchen Asteroiden aber in hoher Konzentration steckt. Genau dieses Iridium verrät, wo die irdische Gesteinswelt endet und das außerirdische Erbe beginnt.

Was damals geschah, lässt sich in groben Zügen nachzeichnen. Der Asteroid traf mit unvorstellbarer Wucht auf die Erde. Die freigesetzte Energie wird in populären Darstellungen mit rund 100 Millionen Megatonnen TNT verglichen, ein Wert, der die tatsächlichen Verhältnisse allerdings nur grob umreißt. Ein Teil des aufgewirbelten Materials stieg in die Atmosphäre, legte sich wie eine Decke um den Planeten und verdunkelte die Sonne. Dieser Verdunkelung wird ein wesentlicher Anteil am Aussterben der Dinosaurier zugeschrieben, auch wenn das Zusammenspiel der Ursachen weit komplexer war, als es die kurze Formel vom Staub vor der Sonne nahelegt.

Am Ende sank das meiste wieder herab. Was übrig blieb, war eine hauchdünne Lage, kaum dicker als ein paar Fingerbreit, und doch ein Zeugnis von globalem Ausmaß. Wenn Sie heute über einen Acker, einen Strand oder einen Berghang gehen, kann es gut sein, dass unter Ihrer Sohle genau jene Schicht liegt. Der Staub, den der Wind an einem trockenen Nachmittag aufwirbelt, könnte Spuren jenes Materials enthalten, das einst einen ganzen Erdzeitalterwechsel einläutete.

So betrachtet, ist der Chicxulub-Asteroid kein fernes Ereignis der Vergangenheit. Er ist Teil des Bodens geworden, auf dem wir stehen, und ein stiller Bestandteil unserer Umgebung. Die Vorstellung, buchstäblich auf den Überresten eines Himmelskörpers zu wandeln, ist eine populärwissenschaftliche Zuspitzung, keine exakte Messung. Und doch steckt darin ein wahrer Kern: Ein Teil des fremden Gesteins ist bis heute in der Grenzschicht nachweisbar und könnte uns in jedem Schritt begleiten.


## Frequently asked questions

**Was passierte in dem Moment, als der Asteroid aufprallte?**

Der Chicxulub-Asteroid trat mit einer Geschwindigkeit von etwa 20 Kilometern pro Sekunde in die Erdatmosphäre ein, wobei die Literatur hier Werte zwischen 15 und 25 Kilometern pro Sekunde nennt. Bei einem Durchmesser von 10 bis 15 Kilometern brachte er die Masse eines ganzen Berges mit. In diesem Bruchteil einer Sekunde verwandelte sich seine Bewegungsenergie in Hitze. Der Überlieferung nach ging dabei ein großer Teil der festen Materie unmittelbar in den Plasmazustand über, ohne zuvor flüssig zu werden. Die freigesetzte Energie entsprach Schätzungen zufolge grob 100 Millionen Megatonnen TNT. Gegen diese Wucht wirkt jede Atombombe der Geschichte wie ein Silvesterböller.

**Wohin verschwand die Materie des Asteroiden?**

Sie löste sich nicht auf, denn nach dem Prinzip der Massenerhaltung kann Materie nicht einfach verschwinden. Stattdessen verteilte sie sich als Staub in der Atmosphäre, hüllte die Erde wie eine Decke ein und verdunkelte die Sonne. Dieser Verdunkelung wird eine wesentliche Rolle beim Aussterben der Dinosaurier zugeschrieben, auch wenn die genauen Zusammenhänge komplexer sind, als ein einzelner Mechanismus erklären kann. Am Ende sank der Staub als hauchdünne Schicht auf die Erdoberfläche herab.

**Wo kann man die Überreste des Asteroiden heute noch finden?**

In der K-Pg-Grenze, einer dünnen, iridiumreichen Schicht, die in geologischen Ablagerungen weltweit nachweisbar ist. Diesen Befund beschrieben die Forscher um Luis Alvarez bereits 1980 in der Fachzeitschrift Science. Sie müssen also nicht nach einem Gesteinsbrocken suchen. Möglicherweise gehen Sie gerade über den Überresten des Chicxulub-Asteroiden und atmen winzige Spuren seines Staubs ein.

**Was lehrt uns das Schicksal dieses Asteroiden?**

Ein Himmelskörper von der Größe eines Berges wurde zu Staub, der sich unter unseren Füßen verteilte. Diese Vorstellung erinnert daran, wie vergänglich selbst die gewaltigsten Erscheinungen des Universums sind. Was einst ganze Arten auslöschte, ist heute kaum mehr als eine feine Schicht im Gestein. Hinweis der Redaktion: Nicht abschließend gesicherte Details werden im Text ausdrücklich als Annahme oder Vermutung gekennzeichnet.

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