# Bruce Dickinson in Sarajevo: Rockkonzert 1994 im Bosnienkrieg

*Kultur, Kunst & Literatur · Zeynep Arslan-Wagner · 2026-08-24*

## Key facts

- Das Konzert fand während der Belagerung von Sarajevo statt, die von 1992 bis 1995 dauerte.
- Die Band reiste unter gefährlichen Bedingungen in die Stadt, die von serbischen Streitkräften eingekreist war.
- Die Dokumentation "Scream For Me Sarajevo" hielt die Ereignisse um dieses historische Konzert fest.

Das Wichtigste in Kürze

Bruce Dickinson trat am 14. Dezember 1994 mit seiner Solo-Band in Sarajevo auf, das zu diesem Zeitpunkt von serbischen Truppen belagert wurde. Die Musiker gelangten unter schwierigen Bedingungen in die Stadt und spielten vor Zivilisten. Das Konzert gilt bis heute als bedeutendes Ereignis in der Geschichte der Stadt.

## Ein Konzert, das Geschichte schrieb

Am 14. Dezember 1994, mitten im Bosnienkrieg (1992, 1995), betrat Bruce Dickinson mit seiner Soloband die Bühne einer zerstörten Stadt: Sarajevo. Der Sänger, damals bereits als Frontmann von Iron Maiden weltberühmt, riskierte viel für einen Auftritt, der bis heute nachhallt. Der Dokumentarfilm "Scream For Me Sarajevo" aus dem Jahr 2016 hält diesen historischen Moment fest.

Stellen Sie sich vor: Scharfschützen auf den Hügeln, die die Stadt belagern. Sie wissen nicht, ob Sie nach Hause zurückkehren können, wenn Sie das Konzert besuchen. Und dann steht da Bruce Dickinson vor Ihnen, blickt in die Menge und ruft: "Scream for me Sarajevo!" Für anderthalb Stunden gibt es keinen Krieg, keine Granaten, keine Angst. Nur Musik. Nur Hoffnung.

Die Anreise der Band glich einem Spießrutenlauf. Die Musiker erreichten die Stadt unter Bedingungen, die weit härter waren als erwartet. Berichten zufolge warnte ein britischer UN-Soldat den Bassisten Chris Dale eindringlich vor den serbischen Stellungen auf den umliegenden Hügeln. Als Dale naiv erwiderte, die Band sei zivil und nur für Rock'n'Roll gekommen, antwortete der Soldat unmissverständlich: "Sie werden Sie erschießen, und sie werden die Fahrzeuge erschießen. Meistens."

Für die Menschen in Sarajevo war dieser Abend mehr als ein Konzert. Die Besucher beschreiben bis heute, wie sehr ihnen diese Musik in den dunkelsten Jahren des Krieges Kraft gab. Musik war eines der wenigen Dinge, die sie am Leben hielten. Und in dieser einen Nacht, für diese 90 Minuten, war die Belagerung vergessen.

### Die gefährliche Anreise: Chris Dale und die Warnung des UN-Soldaten

Die Anreise zum Konzertort war alles andere als ein gewöhnlicher Gig-Aufbau. Chris Dale, damals Mitglied von Bruce Dickinsons Solo-Band, schildert in der Dokumentation *Scream For Me Sarajevo* eine Begegnung, die ihm bis heute im Gedächtnis geblieben ist. Während die Bandmitglieder die Equipment-Kisten von den Fahrzeugen in den Veranstaltungsort trugen, kam Dale ins Gespräch mit einem britischen Soldaten der UN-Schutztruppe.

Der Soldat deutete auf die Hügel rund um die Stadt und fragte: „Sehen Sie die braune Linie dort oben, direkt neben den Flaggen?" Dale nickte. „Das ist die serbische Front", erklärte der Soldat. Dale, der sich selbst als „typischen Touristen" bezeichnet, reagierte zunächst mit naiver Begeisterung: „Oh, ich habe noch nie eine Front gesehen, das ist ja aufregend!" Er starrte neugierig hinauf zu den Stellungen.

Doch der Soldat brachte ihn schnell zurück in die Realität. „Sie beobachten Sie gerade durch ihre Zielfernrohre", sagte er trocken. Dale versuchte zu argumentieren: Sie seien doch Zivilisten, eine Rockband, die nur Musik machen wolle, und außerdem stünden sie unter dem Schutz der Vereinten Nationen. Da antwortete der Soldat mit einem Satz, der die ganze Absurdität der Lage offenbarte: „Sie erschießen Sie trotzdem. Und die Fahrzeuge auch. Meistens."

Dieser Moment verdeutlicht, wie surreal die Situation für die Musiker gewesen sein muss. Während der Bosnienkrieg von 1992 bis 1995 tobte und Sarajevo jahrelang belagert wurde, standen sie hier als Rockband mitten in einem aktiven Kriegsgebiet. Die schlichte, fast beiläufige Warnung des UN-Soldaten zeigt, wie sehr sich die Regeln des Alltags in dieser Stadt verschoben hatten. Für Dale war es der erste echte Kontakt mit der Frontlinie, und die Worte des Soldaten hallten noch lange nach, als die Band wenig später die Bühne betrat.

### Die Bedeutung des Konzerts für die Menschen in Sarajevo

Für die Zivilbevölkerung in Sarajevo war Musik während der Kriegsjahre eine der wichtigsten Kräfte, die sie am Leben hielt. Das belegen die Interviews im Dokumentarfilm *Scream For Me Sarajevo* aus dem Jahr 2016, in denen Zeitzeugen offen über ihre Erfahrungen sprechen.

Stellen Sie sich vor, Sie leben seit fast drei Jahren in einer belagerten Stadt. Auf den Hügeln rund um Sarajevo liegen Scharfschützen, und der Weg nach Hause ist ein Risiko, das niemand kalkulieren kann. Genau in dieser Situation betritt Bruce Dickinson, der Sänger von Iron Maiden, am 14. Dezember 1994 eine Bühne in Ihrer zerstörten Stadt und ruft: *Scream for me Sarajevo!* Für eineinhalb Stunden gibt es keinen Krieg, keine Gefahr, keine Angst. Es gibt nur Musik und Hoffnung.

Die Menschen, die damals dabei waren, beschreiben diesen Abend bis heute als etwas Besonderes. In den Interviews des Films wird deutlich, wie sehr dieses Konzert ihnen seelischen Halt gab. Es zeigte ihnen, dass die Welt sie nicht vergessen hatte. Dass jemand aus dem Ausland bereit war, viel zu riskieren, um ihnen etwas zu schenken, das weit über Unterhaltung hinausging: ein Gefühl von Normalität in einer völlig abnormalen Welt.

Die emotionale Wucht dieser Aussagen wird durch die Bilder des damals zerstörten Sarajevo verstärkt. Der Film zeigt die ausgebombten Häuser, die leeren Straßen, die Spuren des Beschusses. Wenn Sie diese Aufnahmen mit den strahlenden Gesichtern der Konzertbesucher vergleichen, verstehen Sie, warum dieser Abend für viele von ihnen bis heute eine wichtige Erinnerung ist. Es war ein Moment, in dem die Musik stärker war als der Krieg.

### Wiedersehen 2015: Die Band kehrt nach Sarajevo zurück

Im Jahr 2015, mehr als zwei Jahrzehnte nach dem verheerenden Bosnienkrieg, kehrten Bruce Dickinson und seine Bandkollegen nach Sarajevo zurück. Es war kein gewöhnlicher Besuch, sondern eine Reise zu den Schauplätzen, die ihr Leben für immer verändert hatten. Die Musiker besichtigten die Orte, die sie während des Krieges gesehen hatten, und die Gesichter der Männer sprachen Bände. Tiefe Emotionen spiegelten sich in ihren Zügen, als sie die Erinnerungen an jenen denkwürdigen 14. Dezember 1994 wieder aufleben ließen.

Besonders bewegend war die Aussage von Schlagzeuger Alessandro Elena, der mit feuchten Augen erklärte: "Nach diesem Konzert hatte kein anderes mehr Bedeutung für mich. Es war das bedeutendste, weil die Zuschauer danach nicht sicher nach Hause gehen konnten." Diese Worte zeigen, wie nachhaltig das Konzert alle Beteiligten geprägt hat. Während bei normalen Auftritten die Fans anschließend in ihre warmen Betten zurückkehren, war in Sarajevo selbst diese Selbstverständlichkeit ein ungewisses Glücksspiel.

Die Rückkehr 2015 war für die Band eine Gelegenheit, die Stadt in einem völlig anderen Licht zu sehen. Wo einst Scharfschützen von den Hügeln feuerten und die Bewohner um ihr nacktes Überleben kämpften, standen nun wieder Menschen auf den Straßen, die ein Stück Normalität zurückerobert hatten. Der Kontrast zwischen damals und heute muss überwältigend gewesen sein.

Der Dokumentarfilm "Scream For Me Sarajevo" aus dem Jahr 2016, gedreht von Tarik Hodžić, hält diese bewegenden Momente fest. Er zeigt nicht nur das historische Konzert, sondern auch die emotionale Rückkehr der Musiker. Für diejenigen, die den Film gesehen haben, wird deutlich: Dieses Konzert war mehr als nur ein musikalisches Ereignis. Es war ein Zeichen der Hoffnung in einer Zeit, in der die Stadt unter der Belagerung durch serbische Streitkräfte litt, für deren Verbrechen Slobodan Milošević, Radovan Karadžić und Ratko Mladić später vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien zur Verantwortung gezogen wurden.

### Der Dokumentarfilm „Scream For Me Sarajevo", Ein Blick in die Vergangenheit

Der 2016 von Tarik Hodžić gedrehte Dokumentarfilm „Scream For Me Sarajevo" ist kein bequemer Abendunterhaltungsfilm. Er zeigt Kriegsbilder, die schwer zu ertragen sind, und nimmt Sie mit in eine Stadt, die zwischen 1992 und 1995 während des Bosnienkrieges zur Hölle auf Erden wurde. Seien Sie darauf vorbereitet: Dieser Film geht unter die Haut, und er hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack, der lange nachwirkt.

Die Gräueltaten, die in Bosnien verübt wurden, werden in dem Film als extrem brutal beschrieben. Verantwortlich dafür gemacht werden Slobodan Milošević, Radovan Karadžić und Ratko Mladić, alle drei wurden vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) angeklagt oder verurteilt. Die Bilder, die der Film zeigt, sind so verstörend, dass selbst Menschen, die sonst problemlos Horrorfilme schauen, hier wegsehen müssen. Es ist die Realität, die da auf der Leinwand abläuft, keine Fiktion.

Dennoch ist „Scream For Me Sarajevo" unbedingt sehenswert. Der Film ist eindringlich und emotional, er erzählt die Geschichte des legendären Konzerts, bei dem der Iron-Maiden-Sänger mit seiner Soloband mitten im Krieg auftrat. Zwischen all dem Leid zeigt der Film auch Momente der Hoffnung und des Überlebenswillens. Die Menschen, die damals dabei waren, erzählen, wie sehr ihnen diese anderthalb Stunden Musik Kraft gegeben haben. Es ist diese Mischung aus Entsetzen und Menschlichkeit, die den Film so besonders macht. Sie werden ihn nicht so schnell vergessen, und genau das ist seine Stärke.


## Frequently asked questions

**Was geschah beim Bruce Dickinson Konzert in Sarajevo 1994?**

Der Iron-Maiden-Sänger Bruce Dickinson trat am 14. Dezember 1994 mit seiner Soloband während der Belagerung von Sarajevo auf. Inmitten des Bosnienkrieges, der von 1992 bis 1995 dauerte, spielte er eineinhalb Stunden lang in der zerstörten Stadt. Für die Anwesenden gab es in dieser Zeit keine Waffen, nur Musik und Hoffnung.

**Wie kam Bruce Dickinson nach Sarajevo während des Bosnienkrieges?**

Die Band reiste trotz erheblicher Gefahr an. Berichten zufolge war die Anreise weitaus beschwerlicher als erwartet, denn die Stadt war von serbischen Streitkräften eingekreist. Der Weg führte die Musiker durch Kriegsgebiet, wobei die ständige Bedrohung durch Scharfschützen und Beschuss allgegenwärtig war.

**Wer war Chris Dale und welche Rolle spielte er?**

Chris Dale war Mitglied von Bruce Dickinsons Soloband. Seine Anekdote von der Anreise ist besonders eindrücklich: Am Veranstaltungsort angekommen, sprach er mit einem britischen UN-Soldaten. Dieser zeigte auf die Hügel und erklärte, dass sich dort die serbische Front befinde. Dale antwortete naiv, er habe noch nie eine Front gesehen und finde das aufregend. Der Soldat entgegnete, dass die gegnerischen Kräfte sie ebenfalls beobachteten, und zwar durch ihre Gewehrläufe. Als Dale einwandte, sie seien eine zivile Rockband unter UN-Schutz, erwiderte der Soldat kühl, man würde sie trotzdem erschießen, ebenso wie ihre Fahrzeuge.

**Warum war das Konzert so bedeutend?**

Das Konzert gab den Menschen in Sarajevo Hoffnung und zeigte die Kraft der Musik im Krieg. Zeitzeugen schildern, dass dieser Abend für sie eine der wenigen Verbindungen zum Leben darstellte. In einer Stadt, in der die Rückkehr nach Hause keineswegs selbstverständlich war, schuf der Auftritt einen Moment der Normalität und des Zusammenhalts. Die Musik half den Anwesenden, die täglichen Schrecken für kurze Zeit zu vergessen.

**Was zeigt der Dokumentarfilm 'Scream For Me Sarajevo'?**

Der Dokumentarfilm von Tarik Hodžić aus dem Jahr 2016 dokumentiert das Konzert und seine Wirkung auf die Zivilbevölkerung. Er verbindet historische Aufnahmen aus der belagerten Stadt mit Interviews von Überlebenden und Bandmitgliedern. Der Film zeigt eindringlich, wie bedeutsam dieser eine Abend für die Menschen war, und lässt die Zuschauer an der emotionalen Wucht dieses Ereignisses teilhaben.

**Wie reagierten die Bandmitglieder auf ihren Besuch 2015?**

Im Jahr 2015 kehrten Dickinson und seine Bandkollegen nach Sarajevo zurück und besuchten die Orte, die sie während des Krieges gesehen hatten. Die sichtbare emotionale Betroffenheit in ihren Gesichtern spricht für sich. Schlagzeuger Alessandro Elena sagte denkwürdige Worte: Nach diesem Konzert habe kein anderes mehr Bedeutung für ihn gehabt. Er nannte es das bedeutendste seiner Karriere, denn bei allen anderen Auftritten kehrten die Besucher in warme Häuser zurück, während in Sarajevo selbst die Heimkehr der Zuschauer ungewiss war.

**Welche Gefahren bestanden bei der Anreise?**

Die größten Gefahren waren Scharfschützen auf den umliegenden Hügeln und die ständige Bedrohung durch Beschuss. Die Stadt war von serbischen Truppen eingeschlossen, und jeder Weg durch die Stadt konnte lebensgefährlich sein. Die Band bewegte sich in einem Gebiet, in dem selbst der Schutz der UN-Schutztruppe, wie Chris Dales Erlebnis zeigt, keineswegs eine Garantie für Sicherheit war. Hinweis der Redaktion: Einzelheiten zu den Sicherheitsvorkehrungen und der genauen Teilnehmerzahl basieren auf Aussagen der Beteiligten und sind nicht unabhängig verifizierbar.

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