# Bombe in Bletchley Park: Turings Sieg über die Enigma

*Geschichte & Krieg · Kerem Aydın · 2026-10-02*

## Key facts

- Die Bombe in Bletchley Park wurde eingesetzt, um die täglich wechselnden Schlüssel der deutschen Enigma zu entschlüsseln.
- Alan Turing und sein Team entwickelten das Konzept, das auf logischen Widersprüchen zwischen vermuteten und tatsächlichen Buchstaben beruhte.
- Polnische Mathematiker hatten bereits vor dem Krieg wichtige Vorarbeit geleistet, auf die die britische Entwicklung aufbaute.
- Entschlüsselte Funksprüche lieferten Hinweise auf deutsche U-Boote im Atlantik und auf Truppenbewegungen vor der Normandie-Landung.
- Die Arbeit in Bletchley Park unterlag jahrzehntelanger Geheimhaltung und wurde erst ab den 1970er Jahren öffentlich bekannt.

Das Wichtigste in Kürze

Die Bombe war eine von Alan Turing und seinem Team entwickelte Maschine, die in Bletchley Park eingesetzt wurde, um die Enigma-Verschlüsselung der deutschen Wehrmacht zu brechen. Sie prüfte automatisch mögliche Walzenstellungen und lieferte Hinweise auf den täglichen Schlüssel. Ihre Ergebnisse halfen den Alliierten im Atlantik und bei der Normandie-Landung. Die Arbeit blieb bis in die 1970er Jahre geheim.

## Die Bombe von Bletchley Park: Wie Alan Turing die Enigma besiegte

Stellen Sie sich einen Landsitz im englischen Buckinghamshire vor, umgeben von Parkland, in dem im Zweiten Weltkrieg einige der klügsten Köpfe Großbritanniens an einer Maschine arbeiteten, über die niemand sprechen durfte. Die Enigma, das Chiffriergerät der deutschen Wehrmacht, galt als unknackbar. Genau dort, in Bletchley Park, entstand die **Bombe von Bletchley Park**, jene elektromechanische Rechenmaschine, die den täglich wechselnden Enigma-Schlüssel finden sollte.

Die Enigma verdankt ihren Namen dem griechischen Wort für Rätsel, und ihr Versprechen war gewaltig. Wer eine mit ihr verschlüsselte Nachricht abfing, stand vor einem scheinbar undurchdringlichen Gewirr aus Buchstaben. Die Wehrmacht setzte sie im gesamten Zweiten Weltkrieg intensiv ein, für Lageberichte, Befehle, U-Boot-Koordination, ja selbst für Wetterdaten. Die Deutschen hielten das Verfahren für sicher. Der Überlieferung nach sprach man sogar von unüberwindbaren Kombinationsmöglichkeiten, wenngleich die genauen Zahlen je nach Modell erheblich schwanken.

Was die Sache so tückisch machte: Die Enigma blieb nicht stehen. Ihre Walzenstellung wurde nach einem Schlüsselblatt jeden Tag neu eingestellt, sodass selbst eine mühsam errungene Entzifferung am nächsten Morgen bereits wieder wertlos war. Ein einzelner kluger Kopf allein hätte hier kaum etwas ausgerichtet. Es brauchte ein Verfahren, das diese tägliche Wandlung systematisch durchprobierte, statt sie Stück für Stück von Hand zu entschlüsseln.

Genau hier kommt Alan Turing ins Spiel, ein Mathematiker, der 1939 in Bletchley Park das Konzept der Bombe entwickelte und als ihr geistiger Urheber gilt. Der Name täuscht: Es handelte sich nicht um einen Sprengkörper, sondern um eine Maschine, die Schlüssel suchte. Der Überlieferung nach stand am Anfang eine polnische Erfindung, die sogenannte Bomba kryptologiczna des Mathematikers Marian Rejewski, die Turing und sein Team aufgriffen und zu einem ungleich leistungsfähigeren Gerät weiterentwickelten.

Wie aber fand die Bombe, was Menschen nicht finden konnten? Sie drehte gewissermaßen die Verschlüsselung zurück. Die Maschine testete Walzenstellungen gegen vermutete Klartextpassagen und spürte logische Widersprüche im Chiffriersystem auf. Wo das Muster nicht aufging, schloss sie den Schlüssel aus. Wo die Prüfung standhielt, blieb ein Kandidat übrig, und mit ihm öffnete sich die Nachricht. Es war weniger ein genialer Geistesblitz als ein geduldiges, mechanisches Ausschlussverfahren, das in atemberaubender Geschwindigkeit ablief.

Der Erfolg blieb nicht ohne Folgen. Die aus Bletchley Park gewonnenen Erkenntnisse gelten als einer der Faktoren, die das Kriegsglück wendeten. Deutsche U-Boote bedrohten die britischen Handelsschiffe auf dem Atlantik, doch dank der entzifferten Funksprüche ließen sich ihre Positionen vorab ermitteln, und die Konvois konnten ihnen ausweichen. Auf diese Weise gelangten lebenswichtige Versorgungsgüter nach Großbritannien. Auch vor der Landung in der Normandie lieferte die Aufklärung wertvolle Hinweise auf deutsche Verteidigungsstellungen und Truppenbewegungen, wenngleich sich der genaue Anteil am Erfolg dieser größten amphibischen Operation der Kriegsgeschichte im Rückblick nur schwer beziffern lässt.

Und dann ist da noch das zweite, leisere Rätsel. Wer in Bletchley Park an der Bombe arbeitete, sprach draußen kein Wort darüber. Nicht nach dem Sieg, nicht in den Jahrzehnten danach. Die Existenz der Maschine und die Tatsache, dass die Enigma überhaupt entziffert worden war, blieben streng geheim. Erst 1974 lüftete Frederick W. Winterbotham mit seinem Buch „The Ultra Secret" den Schleier, und eine ganze Generation von Mitwissern durfte endlich erzählen, was sie so lange verschwiegen hatte.

## Die Enigma: Eine Maschine, die unknackbar schien

Stellen Sie sich einen Raum voller summender Walzen vor, irgendwo in einem deutschen Bunker während des Zweiten Weltkriegs. Ein Offizier tippt eine Nachricht ein, und was herauskommt, ist eine scheinbar sinnlose Buchstabenfolge. Genau das war die Enigma, das Herzstück der deutschen Verschlüsselungstechnik. Ihr Name bedeutet übersetzt so viel wie "Rätsel", und genau das sollte sie für die Alliierten sein. Die Wehrmacht setzte sie während des gesamten Krieges intensiv ein, um Befehle, Lageberichte und strategische Anweisungen zu verschlüsseln. Die Deutschen waren überzeugt, dass niemand ihre Funksprüche würde entziffern können.

Wie sicher die Enigma wirklich war, lässt sich an einer Zahl ermessen, über die bis heute gestritten wird. Häufig ist von ungefähr 1023 möglichen Einstellungen die Rede, also einer Eins mit dreiundzwanzig Nullen. Die ursprüngliche Erzählung nennt demgegenüber mehr als 150 Billionen Kombinationen. Welche Angabe auch immer zutrifft: Für einen Menschen, der einen Schlüssel per Hand durchprobiert, wäre das in einem ganzen Leben nicht zu schaffen. Genau darauf baute die deutsche Führung ihre Zuversicht.

Hinzu kam ein täglicher Wechsel. Die Enigma veränderte ihre Verschlüsselung jeden Morgen aufs Neue, gesteuert über ein ausgeklügeltes Rotor-Umschaltverfahren. Die Walzenstellung wurde nach einem geheimen Schlüsselblatt eingestellt, und wer dieses Blatt nicht besaß, stand vor einer Wand. Selbst wenn es gelang, einen einzigen Funkspruch zu brechen, war der Erfolg am nächsten Tag bereits wieder wertlos. Die Maschine schien unüberwindbar, und die Deutschen hielten sie genau dafür.

Doch gerade diese Selbstsicherheit wurde zum Angriffspunkt. Denn eine Verschlüsselung, die täglich wechselt, verrät auch etwas über sich selbst: Sie muss nach einer Regel arbeiten, und jede Regel lässt sich rekonstruieren. Genau hier setzte später jene elektromechanische Rechenmaschine an, die in Bletchley Park entwickelt wurde und deren Name untrennbar mit dieser Geschichte verbunden ist. Bevor wir jedoch zu ihr kommen, lohnt ein Blick darauf, warum die Enigma trotz ihrer schier endlosen Möglichkeiten eine Schwachstelle in sich trug.

## Alan Turing und die Bombe: Eine Maschine gegen die Enigma

Stellen Sie sich einen Raum vor, in dem es nach heißem Metall und Öl riecht, in dem Dutzende Walzen gleichzeitig rotieren und ein Geräusch erzeugen, das an eine riesige, mechanische Rechenmaschine erinnert. Genau so sah der Alltag in Bletchley Park aus, einem Landsitz nördlich von London, der im Zweiten Weltkrieg zu einem der bestgehüteten Orte Großbritanniens wurde. Hier entstand die **Bombe von Bletchley Park**, ein elektromechanisches Gerät, das ausschließlich für einen Zweck gebaut wurde: die Entzifferung der Enigma.

Die Enigma war die Chiffriermaschine, mit der die deutsche Wehrmacht während des gesamten Zweiten Weltkriegs ihre Nachrichten verschlüsselte. Das Prinzip beruhte auf rotierenden Walzen, deren Stellung täglich nach einem festgelegten Schlüsselblatt neu eingestellt wurde. Wer den Schlüssel des Tages nicht kannte, stand vor einem scheinbar undurchdringlichen Gewirr aus Buchstaben. Die genaue Zahl der möglichen Kombinationen hing vom jeweiligen Modell ab, doch sie lag so hoch, dass eine manuelle Entzifferung praktisch aussichtslos war.

### Ein Konzept aus dem Jahr 1939

Alan Turing, ein britischer Mathematiker, entwickelte 1939 in Bletchley Park das Konzept der Bombe. Er und sein Team griffen dabei auf eine frühere Konstruktion polnischer Mathematiker zurück, die bereits vor dem Krieg ein vergleichbares Gerät entworfen hatten. Turing und seine Kollegen machten daraus jedoch eine deutlich leistungsfähigere Maschine, die den Anforderungen der britischen Entzifferungsarbeit gewachsen war.

### Wie die Bombe die Enigma überlistete

Das Verfahren war ebenso elegant wie hartnäckig. Die Bombe spulte die Verschlüsselungstransformationen der Enigma gewissermaßen rückwärts ab. Sie testete zahllose Walzenstellungen gegen vermutete Klartextpassagen und nutzte dabei einen einfachen logischen Trick: Sobald im Verschlüsselungssystem ein Widerspruch auftrat, war die getestete Stellung falsch und konnte verworfen werden. Was übrig blieb, war der gesuchte Schlüssel des Tages. So wurde aus einer schier unüberschaubaren Menge an Möglichkeiten am Ende eine handfeste Spur.

Die Bombe von Bletchley Park war damit weit mehr als eine technische Spielerei. Sie war eine der fortschrittlichsten mechanischen Rechenmaschinen ihrer Zeit, und ihr Erfolg zählt zu jenen Faktoren, die das Kriegsglück der Alliierten mitwendeten. Die deutsche Seite verschlüsselte nahezu alle strategischen Informationen über die Enigma, von Luftangriffen bis zu U-Boot-Operationen. Gelangten diese Nachrichten in alliierte Hände, verschob sich das Gleichgewicht auf dem Schlachtfeld spürbar.

Ein besonders eindrückliches Beispiel liefert der Kampf im Atlantik. Deutsche U-Boote bedrohten die britischen Handelsschiffe und damit die Versorgung der Insel. Dank der Entzifferung ließen sich ihre Positionen frühzeitig ermitteln, sodass Geleitzüge rechtzeitig umgeleitet werden konnten. Auf diesem Weg gelangten lebenswichtige Materialien nach Großbritannien. Der Überlieferung nach spielte die Entzifferung auch bei der Planung der Landung in der Normandie eine Rolle, indem sie wertvolle Hinweise auf deutsche Verteidigungsstellungen und Truppenbewegungen lieferte.

Und dennoch blieb all das über Jahrzehnte im Verborgenen. Wer in Bletchley Park an der Bombe arbeitete, sprach nie über die eigene Rolle. Selbst nach Kriegsende hielt man die Existenz der Maschine und die Entzifferung der Enigma streng geheim. Erst 1974 machte Frederick W. Winterbothams Buch „The Ultra Secret" diese Geschichte öffentlich. Bis dahin hatte eine ganze Generation von Mathematikerinnen und Mathematikern geschwiegen, über eine Arbeit, die den Verlauf des Krieges mitentschieden hatte.

## Polnische Mathematiker: Die vergessenen Pioniere

Stellen Sie sich vor, Sie stehen 1932 in Warschau vor einem Problem, das die klügsten Köpfe Europas für unlösbar halten. Ein deutscher Chiffrierapparat verwandelt jede Nachricht in einen scheinbar sinnlosen Buchstabensalat. Genau hier beginnt die Geschichte der **Bombe von Bletchley Park**, und sie beginnt nicht in England, sondern in Polen.

Drei Mathematiker des polnischen Chiffrenbüros, Marian Rejewski, Jerzy Różycki und Henryk Zygalski, nahmen sich die Enigma vor, lange bevor Großbritannien überhaupt in den Krieg eintrat. Rejewski gelang 1932 etwas Außergewöhnliches: Er rekonstruierte die interne Verdrahtung der deutschen Maschine, und zwar allein mit mathematischem Scharfsinn und abgefangenen Funksprüchen. Daraus entwickelte er ein elektromechanisches Gerät, die sogenannte *Bomba kryptologiczna*. Sechs Exemplare dieses Apparats bauten die Polen, um damit systematisch nach den täglichen Schlüsseln der Enigma zu suchen.

Diese polnische Bomba ist der direkte Vorläufer dessen, was Sie heute unter der Bombe von Bletchley Park kennen. Der Überlieferung nach übergaben die Polen im Juli 1939, wenige Wochen vor dem deutschen Überfall auf ihr Land, ihr gesamtes Wissen an ihre britischen Verbündeten. Alan Turing und sein Team in Bletchley Park griffen die Grundidee auf und machten daraus eine Maschine, die deutlich leistungsfähiger war als alles, was die Polen hatten bauen können.

Die Polen lieferten das Konzept. Turing lieferte die industrielle Reife. Ohne den ersten Schritt wäre der zweite kaum denkbar gewesen.

Warum gerieten Rejewski, Różycki und Zygalski so lange in Vergessenheit? Die Antwort liegt in der Geheimhaltung selbst. Nach dem Krieg wurde die gesamte Arbeit an der Entzifferung der Enigma jahrzehntelang verschwiegen, und das betraf auch die polnischen Beiträge. Erst mit der Öffnung der Archive und der wachsenden Forschung zur Geschichte von Bletchley Park rückten die drei Mathematiker wieder ins Licht. Heute gelten sie als die eigentlichen Wegbereiter jener Arbeit, die den Alliierten im Atlantik und in der Normandie entscheidende Vorteile verschaffte.

Wenn Sie das nächste Mal von der Bombe von Bletchley Park hören, denken Sie also an zwei Orte gleichzeitig: an die Hütten in England, in denen Turing und sein Team arbeiteten, und an ein Warschauer Büro, in dem drei junge Männer den ersten Riss in die vermeintlich unbezwingbare Enigma schlugen.

## Kriegsentscheidende Informationen: U-Boote und Normandie

Im Atlantik spielte sich ein Drama ab, das Großbritannien beinahe in die Knie gezwungen hätte. Deutsche U-Boote lauerten den Geleitzügen auf, die Nachschub über den Ozean brachten, und versenkten Schiff um Schiff. Doch aus **Bletchley Park**, dem streng abgeschirmten Anwesen rund achtzig Kilometer nordwestlich von London, kam der entscheidende Vorteil: Die Entzifferung des Marine-Enigma erlaubte es, die Positionen der U-Boot-Gruppen frühzeitig zu erkennen und die Konvois auf sichere Routen umzuleiten. Diese Umleitung, so belegen es die britischen Geheimdienstakten, ließ lebenswichtige Materialien überhaupt erst nach Großbritannien gelangen.

Was dort im Verborgenen geschah, hatte eine eigene Dynamik. Die *Bombe*, jene elektromechanische Maschine, die in Bletchley Park unter der Leitung von Alan Turing entwickelt worden war, durchsuchte die Walzenstellungen der Enigma nach logischen Widersprüchen. Sie spulte die Verschlüsselungstransformationen gewissermaßen zurück und erkannte Inkonsistenzen, bis der Schlüssel des Tages gefunden war. Jeden Morgen stellten die Deutschen ihre Walzen nach einem neuen Schlüsselblatt ein, und jeden Tag musste dieser Schlüssel neu geknackt werden.

Die Entzifferung des Marine-Enigma gilt als einer der Faktoren, die das Kriegsglück wendeten. Sie war, das betonen Historiker, nicht der einzige, aber ein außerordentlich wirksamer.

Als sich im Frühjahr 1944 die alliierte Landung in der Normandie abzeichnete, lieferte die Entzifferung wertvolle Hinweise auf deutsche Verteidigungsstellungen und Truppenbewegungen. Der Überlieferung nach flossen diese Informationen in die Planung der größten amphibischen Operation der Kriegsgeschichte ein. Wer allerdings glaubt, die Alliierten hätten die deutschen Stellungen buchstäblich in jedem Detail vorausgekannt, geht zu weit: Die genaue Kenntnis und der ursächliche Anteil am Erfolg sind differenziert zu bewerten. Die Landung gelang aus dem Zusammenspiel vieler Faktoren, von der Täuschungsoperation bis zur schieren Materialüberlegenheit.

Und dann ist da noch die Stille. Die Menschen, die in Bletchley Park an der Bombe arbeiteten, sprachen nie über ihre Rolle. Selbst nach Kriegsende blieben die Existenz der Maschine und die Entzifferung der Enigma streng geheim. Erst 1974, mit Frederick W. Winterbothams Buch *The Ultra Secret*, wurde öffentlich, was jahrzehntelang im Dunkeln gelegen hatte.

## Das Schweigen nach dem Krieg: Jahrzehntelange Geheimhaltung

Stellen Sie sich vor, Sie haben gerade dabei geholfen, den Verlauf eines Weltkriegs zu beeinflussen, und dürfen darüber mit niemandem sprechen. Nicht mit Ihrer Familie. Nicht mit Ihren Freunden. Nicht einmal Jahrzehnte später. Genau das war die Realität der Menschen, die in Bletchley Park an der Bombe arbeiteten, jener elektromechanischen Maschine, mit der die verschlüsselten Nachrichten der deutschen Enigma entschlüsselt wurden.

Denn der Erfolg der Bombe Bletchley Park war nur die eine Hälfte der Geschichte. Die andere Hälfte war das vollkommene Schweigen. Wer an der Bombe mitwirkte, sprach nie über seine Rolle. Kein Wort über die Maschine, kein Wort über die entzifferten Nachrichten, kein Wort über den Anteil, den diese Arbeit am Ausgang des Krieges hatte. Die Geheimhaltung war total, und sie endete nicht mit dem letzten Schuss.

### Ein Geheimnis, das drei Jahrzehnte hielt

Nach Kriegsende blieb die Existenz der Bombe und die Tatsache, dass die Enigma überhaupt geknackt worden war, weiterhin streng geheim. Die Ultra-Geheimhaltung, also jenes System, das alle aus der Entzifferung gewonnenen Erkenntnisse umfasste, wurde bis in die 1970er Jahre aufrechterhalten.

Das bedeutete konkret: Männer und Frauen, die Großes geleistet hatten, durften nie öffentlich dafür anerkannt werden. Sie lebten mit einem Wissen, das sie nicht teilen konnten. Manche nahmen es mit ins Grab. Erst 1974, als Frederick W. Winterbotham sein Buch über das Ultra-Geheimnis veröffentlichte, wurde die Existenz der Bombe und der Enigma-Entzifferung öffentlich gemacht. Erst da erfuhr die Welt, was in den Hütten von Bletchley Park wirklich geschehen war.

Drei Jahrzehnte lang trugen die Beteiligten ein Geheimnis mit sich, das die Geschichte ihres Landes mitgeschrieben hatte. Als es endlich ans Licht kam, war ein Teil von ihnen bereits verstorben, und viele der Überlebenden hatten längst ein ganz anderes Leben geführt.

So bleibt neben der technischen Meisterleistung der Bombe Bletchley Park noch eine zweite, stillere Leistung: die Fähigkeit, über das Entscheidende zu schweigen. Ein Sieg, der nie gefeiert werden durfte, bis die Zeit ihn einholte.


## Frequently asked questions

**Was war die Bombe und wie funktionierte sie in Bletchley Park?**

Die Bombe war eine elektromechanische Rechenmaschine, die gezielt zur Suche nach Enigma-Schlüsseln konstruiert wurde. Sie spulte die Verschlüsselungstransformationen zurück und erkannte logische Widersprüche im Schlüsselraum. Stimmten vermutete Klartextpassagen nicht mit der getesteten Walzenstellung überein, schied die Maschine diese Stellung aus. So blieb am Ende jene Einstellung übrig, mit der sich eine Nachricht tatsächlich entschlüsseln ließ.

**Wer entwickelte die Bombe zur Entschlüsselung der Enigma?**

Das Konzept stammt von dem Mathematiker Alan Turing, der es 1939 in Bletchley Park vorlegte. Unter seiner Leitung entstand dort ein Team, das die Maschine zur Serienreife brachte. Der Überlieferung nach war die Bombe eine der fortschrittlichsten mechanischen Rechenmaschinen ihrer Zeit. Turing gilt als geistiger Urheber dieses Geräts, das die Bombe in Bletchley Park zum zentralen Werkzeug der Entzifferung machte.

**Warum hielten die Deutschen die Enigma für unknackbar?**

Die Wehrmacht setzte die Enigma im gesamten Zweiten Weltkrieg intensiv zur Verschlüsselung ihrer Nachrichten ein. Das System erzeugte eine schier unüberschaubare Fülle möglicher Kombinationen, und die Walzenstellung wurde täglich nach einem Schlüsselblatt neu eingestellt. Aus deutscher Sicht war ein Angriff auf diese Vielfalt mit damaliger Technik kaum vorstellbar. Genau diese Annahme erwies sich jedoch als folgenschwerer Irrtum.

**Wie half die Entschlüsselung der Enigma bei der U-Boot-Bekämpfung im Atlantik?**

Deutsche U-Boote bedrohten die britischen Handelsschiffe schwer. Durch die Entzifferung des Marine-Enigma konnten die Positionen der U-Boote vorab ermittelt und Geleitzüge rechtzeitig um sie herumgeleitet werden. Auf diese Weise gelangten lebenswichtige Materialien nach Großbritannien. Die Entzifferung trug damit wesentlich zur Versorgung des Landes bei und gilt als bedeutender, wenngleich nicht alleiniger Faktor für den alliierten Erfolg.

**Warum blieb die Existenz der Bombe nach dem Zweiten Weltkrieg jahrzehntelang geheim?**

Die Menschen in Bletchley Park sprachen nie über ihre Rolle, und auch nach Kriegsende blieben die Existenz der Bombe und die Entzifferung der Enigma streng geheim. Diese Geheimhaltung, bekannt als Ultra, wurde bis in die 1970er Jahre aufrechterhalten. Erst 1974 machte Frederick W. Winterbotham mit seinem Buch „The Ultra Secret" die Existenz öffentlich. Zuvor wusste die Öffentlichkeit nichts von dieser stillen Leistung.

**Welche Rolle spielten polnische Mathematiker bei der Entschlüsselung der Enigma?**

Lange bevor die britischen Arbeiten in Bletchley Park begannen, hatten polnische Mathematiker um Marian Rejewski ein Gerät entwickelt, das erste Enigma-Schlüssel knackte. Dieses frühere Gerät diente als direkte Inspiration für die Bombe. Turing und sein Team griffen den Grundgedanken auf und machten ihn deutlich effektiver. Ohne diese polnische Vorarbeit wäre der britische Durchbruch kaum so schnell gelungen.

**Wie trug die Bombe zur Vorbereitung der Normandie-Landung bei?**

Vor der Landung in der Normandie lieferte die Entzifferung wertvolle Einblicke in deutsche Verteidigungsstellungen und Truppenbewegungen. Der Überlieferung nach kannten die Alliierten die Lage der deutschen Verbände dadurch sehr genau, was die größte amphibische Operation der Kriegsgeschichte begünstigte. Allerdings wäre es übertrieben, den Erfolg allein dieser Quelle zuzuschreiben. Die Entzifferung war ein wichtiger, aber nicht der einzige Faktor.

**Was geschah mit den Mitarbeitern von Bletchley Park nach dem Krieg?**

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Bletchley Park bewahrten ihr Wissen für sich und sprachen nie über ihre Arbeit an der Bombe. Die Geheimhaltung band sie über Jahrzehnte, selbst gegenüber Familie und Freunden. Erst als Winterbothams Buch 1974 die Existenz von Ultra öffentlich machte, durften sie über ihre Rolle sprechen. Bis dahin blieb ihr Beitrag zur Entzifferung der Enigma im Verborgenen. Hinweis der Redaktion: Nicht abschließend belegte Details sind im Text ausdrücklich als unsicher gekennzeichnet.

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