# Big Energy: Wie Big Tech zur neuen Energiebranche wird

*Wissenschaft & Technik · Ayşe Demir-Müller · 2026-09-17*

## Key facts

- Der Begriff Big Energy verbindet die Macht der großen Technologiekonzerne mit der Frage, wer die Energieversorgung der Zukunft steuert.
- Künstliche Intelligenz gilt als einer der stärksten Treiber für den wachsenden Strombedarf von Rechenzentren weltweit.
- Scott Galloway vergleicht den Aufstieg von Big Tech mit der früheren Dominanz von Big Oil und sieht vergleichbare gesellschaftliche Nebenwirkungen.
- Technologiekonzerne investieren zunehmend direkt in Energieerzeugung, Netze und langfristige Stromverträge.
- Kritiker warnen, dass die Konzentration von Rechenleistung und Energie in wenigen Händen neue Abhängigkeiten schafft.

Das Wichtigste in Kürze

Big Energy steht für die These, dass führende Technologiekonzerne durch den steigenden Strombedarf von KI-Rechenzentren zu zentralen Akteuren der Energiebranche werden. Scott Galloway prägte diesen Vergleich und stellte ihn neben die Ära von Big Oil. Die genauen Größenordnungen der Investitionen und des Verbrauchs werden in der öffentlichen Debatte unterschiedlich beziffert und bleiben teils umstritten.

## Big Energy: Wie Big Tech zur neuen Energiebranche wird

Stellen Sie sich vor, Sie blättern in einer Rangliste der wertvollsten Unternehmen der Welt. Im Jahr 1980 blicken Sie auf Namen, die nach Öl, Raffinerie und Bohrloch klingen. Springen Sie ins Jahr 2024, und dieselbe Liste trägt plötzlich Logos aus Silizium und Serverfarmen. Genau diesen Wandel hat der Wirtschaftsprofessor Scott Galloway in einem Essay mit dem Titel "Big Energy" beschrieben, der 2024 erschien. Seine Beobachtung: Big Oil hat die Zügel an Big Tech übergeben. Und mehr noch, die beiden Branchen wachsen zusammen.

Diese Verschiebung ist kein Zufall der Börsenkurse. Sie erzählt davon, dass Rechenleistung selbst zu einer Art Energieform geworden ist. Wer sie erzeugt, verteilt und verkauft, sitzt künftig am längsten Hebel der Weltwirtschaft. Werfen wir einen Blick darauf, wie es dazu kam.

1980

Die wertvollsten Unternehmen der Welt kommen überwiegend aus dem Energiesektor. Ölkonzerne bestimmen, was an den Märkten zählt.

2024

Nun führen Technologiekonzerne die Ranglisten an. Ihre Marktmacht speist sich aus Daten, Chips und Rechenzentren.

Galloway prägte für diesen Umbruch den Begriff **Big Energy**. Damit meint er nicht einfach eine neue Ölgesellschaft, sondern eine Verschmelzung zweier Welten. Die großen Technologiekonzerne werden selbst zur Energiebranche, weil sie ohne gewaltige Mengen Strom ihre Maschinen nicht mehr am Laufen halten können. Umgekehrt beginnt die Energiebranche, wie ein Softwaregeschäft zu denken.

> Unternehmen, die die Datenverarbeitung kontrollieren, werden die mächtigsten Konzerne der Geschichte sein.

Was Galloway in seinem Essay ausbreitet, ist eine Linse für einen größeren Zusammenhang. Es geht nicht nur darum, dass ein paar Konzerne reicher geworden sind als andere. Es geht darum, dass Rechenleistung in der Informationswirtschaft dieselbe Rolle spielt wie einst das Barrel Rohöl im Industriezeitalter. Beide sind knapp, beide sind begehrt, und beide verändern, wer auf der Welt das Sagen hat. In den folgenden Abschnitten schauen wir uns an, wie tief diese Verflechtung reicht und warum sie so viel über unsere Zukunft verrät.

### Von Big Oil zu Big Tech: Wer die Ranglisten anführt

Werfen Sie einen Blick auf die Börsenwelt des Jahres 1980. Die wertvollsten Unternehmen der Welt trugen fast alle Namen aus der Energiebranche. Vier Jahrzehnte später, im Jahr 2024, hat sich das Bild gedreht: Nun dominieren Technologiekonzerne die Ranglisten. Der Staffelstab ist sichtbar weitergereicht worden, von Big Oil an Big Tech.

Diese Verschiebung ist kein Zufall. Sie erzählt davon, wie sich die Quelle des Reichtums selbst verändert hat. Über Jahrtausende war Energie der einzige echte Wirtschaftszweig. Die Welt lief mit Wasser- und Muskelkraft, und die Energie kam aus der Nahrung. Erst als wir die Kraft in Holz, Kohle und Öl entdeckten, übernahmen Maschinen die Arbeit der Muskeln. Öl wurde zum unschlagbaren Treibstoff dieser Maschinen. Aus Wüstenregionen wurden wohlhabende Nationen.

Und doch bleibt Energie ein Umsatzriese. Beim Blick auf den Umsatz, nicht auf den Börsenwert, hält sich die Branche erstaunlich hartnäckig an der Spitze. Galloway zufolge sind sechs der zehn umsatzstärksten Unternehmen der Welt Energieunternehmen. Diese Zahl sollten Sie mit Vorsicht genießen. Prüft man die tatsächlichen Ranglisten wie den Fortune Global 500, finden sich dort eher zwei bis vier reine Energieunternehmen unter den ersten zehn. Die Grundaussage stimmt dennoch: Energie erwirtschaftet weiterhin gewaltige Erlöse, größere als fast jede andere Branche.

Der eigentliche Wandel liegt woanders. Technologie sieht dem Energiesektor von Jahr zu Jahr ähnlicher. Beide verlangen riesige Investitionen, beide beruhen auf Daten und auf dem Glauben an eine Zukunft, die noch niemand gesehen hat. Beide belohnen jene, die richtig wetten.

Wie groß diese Wetten sind, zeigt ein Blick auf die Zahlen. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur fließen im Jahr 2024 rund drei Billionen US-Dollar in sämtliche Energiequellen. Galloways Essay nennt 2,8 Billionen, eine Größenordnung, die nahe an den offiziellen Schätzungen liegt, ohne exakt bestätigt zu sein. Von diesen Investitionen entfällt etwa eine Billion auf fossile Brennstoffe. Die Ölkonzerne, die diese Summe stemmen, erzielen daraus einen Umsatz in der Größenordnung des Vierfachen. Diese konkrete Relation von eins zu vier lässt sich nicht in jedem Detail belegen, die Größenordnung aber ist plausibel.

Ein einzelnes Beispiel macht das Verhältnis greifbar. ExxonMobil investierte im Jahr 2023 rund 23 Milliarden US-Dollar und fuhr im selben Jahr einen Nettogewinn von etwa 36 Milliarden US-Dollar ein. Kapitaleinsatz und Ertrag stehen hier in einem Verhältnis, von dem viele Branchen nur träumen.

Solche Zahlen erklären, warum Energieunternehmen bereit sind, über Jahrzehnte zu planen. Der Bau des neuen Kernkraftwerks in Somerset, England, soll Schätzungen zufolge rund 57 Milliarden US-Dollar kosten. Je nach Preisbasis schwanken die Schätzungen für dieses Projekt zwischen etwa 30 und 46 Milliarden Pfund. Die genannte Dollargrenze ist möglich, aber nicht gesichert. Um solche Vorhaben zu stemmen, entwickelte Shell im 20. Jahrhundert eine Methode, die heute legendär ist: die Szenarioplanung. Sie bedeutet nicht, die Zukunft vorherzusagen. Sie bedeutet, zwischen mehreren möglichen Zukünften jene Entscheidung zu finden, die in den meisten Fällen das beste Ergebnis liefert.

Genau dieses Denken zieht nun in die Tech-Welt ein. Die vier großen Konzerne Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft werden in diesem Jahr mehr Kapital investieren als ExxonMobil, Chevron oder Saudi Aramco. Das ist belegt und markiert einen Wendepunkt. Einzelne Quartalszahlen untermalen ihn, wobei die genauen Werte mit Vorsicht zu behandeln sind. Berichten zufolge gab Alphabet allein im letzten Quartal rund zwölf Milliarden US-Dollar aus, ein Anstieg von etwa 90 Prozent im Jahresvergleich. Microsoft steigerte seine Ausgaben demnach um 79 Prozent auf 14 Milliarden, Amazon lag mit 14 Milliarden in ähnlicher Höhe. Auch die Vorstellung, dass die Tech-Giganten 2024 für Rechenzentren insgesamt so viel ausgeben wie Finnlands gesamte Wirtschaftsleistung von rund 300 Milliarden US-Dollar, ist plausibel, aber nicht exakt belegt.

Was am Ende bleibt, ist eine klare Bewegung. Energie mag beim Umsatz noch führen, doch Technologie holt bei Investitionen und Marktmacht rasant auf. Die beiden Welten wachsen zusammen, und wer die Ranglisten von morgen verstehen will, muss beide zugleich im Blick behalten.

### Wie Rechenleistung zur neuen Energieform wird

Stellen Sie sich vor, Sie könnten eine einzige Zahl wählen, die erklärt, warum die mächtigsten Konzerne der Welt plötzlich wie Energieunternehmen handeln. Scott Galloway, Marketingprofessor an der New York University und Autor des Begriffs **Big Energy**, liefert genau diese Zahl. Sein Argument: Rechenleistung verhält sich wie Energie. Sie verschlingt gigantische Investitionen, sie treibt Wachstum, und sie kennt keine Sättigung. Wer sie kontrolliert, kontrolliert die Wirtschaft.

Schauen wir auf das Fundament. Seit 1965 gilt das **Mooresche Gesetz**: Die Rechenleistung verdoppelt sich etwa alle zwei Jahre. Gordon Moore, Mitgründer von Intel, formulierte diese Beobachtung damals, und sie hielt über Jahrzehnte stand. Galloway erzählt dazu eine hübsche Anekdote: Intel baute damals Chips, für die es noch keine Anwendungen gab, und Fabriken, für die noch keine Nachfrage existierte. Erst als Apple die grafische Benutzeroberfläche zeigte, als Netscape das Web öffnete, als Google jede Frage beantwortete, wusste die Welt, wofür sie diese Leistung brauchte. Das Muster blieb: Zu viel Rechenleistung gibt es nicht.

Genau hier setzt die künstliche Intelligenz an, und sie beschleunigt alles. Galloway behauptet, der Rechenbedarf von KI verdopple sich alle 100 Tage. Diese Angabe ist umstritten, sie kursiert in der Branche, lässt sich aber nicht allgemein bestätigen. Ähnlich verhält es sich mit einem zweiten Vergleich: Eine einzelne ChatGPT-Anfrage soll zehnmal so viel Energie benötigen wie eine Google-Suche. Studien nennen hier Größenordnungen zwischen dem Drei- und Zehnfachen. Die exakte Zehnfach-Angabe bleibt umstritten.

Was gesichert ist, wiegt schwer genug. Die großen Technologiekonzerne investieren inzwischen Summen, die früher ganze Volkswirtschaften ausmachten. Galloways Essay zufolge sollen ihre Ausgaben für Rechenzentren im Jahr 2024 dem Bruttoinlandsprodukt Finnlands entsprechen, also rund 300 Milliarden US-Dollar. Ob diese Summe exakt erreicht wurde, lässt sich nicht sauber belegen. Klar ist dagegen: Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft tätigen inzwischen höhere Kapitalinvestitionen als ExxonMobil, Chevron oder Saudi Aramco. Das ist keine Randnotiz. Das ist ein Machtwechsel.

> Rechenleistung wird nicht nur wie Energie gehandelt. Sie wird zur neuen Energieform selbst.

Der entscheidende Punkt ist die Logik dahinter. Energieunternehmen investieren seit jeher riesige Beträge in Anlagen, deren Rendite Jahre später kommt, und wer richtig wettet, wird fürstlich belohnt. Genau dieses Muster übernehmen nun die Tech-Konzerne. Sie bauen Rechenzentren, sichern sich Stromlieferungen, kaufen Wind- und Solarparks. Amazon gilt als größter institutioneller Abnehmer erneuerbarer Energien und betreibt nach eigenen Angaben über 500 Projekte, die in Betrieb oder in Entwicklung sind. Rechenleistung, so die Kernthese, folgt denselben Gesetzen wie Öl und Strom: Je mehr wir produzieren, desto mehr verbrauchen wir.

Sam Altman, Chef von OpenAI, hat diese Idee auf den Punkt gebracht. Ihm zufolge ist Rechenleistung die Währung der Zukunft und das wertvollste Gut der Welt. Ob er exakt diese Worte wählte, ist nicht sicher belegt. Die Richtung aber stimmt: In der digitalen Ökonomie sind Rechenleistung und Energie längst gleichwertig geworden.

### Die Investitionen der Tech-Giganten im Überblick

Wer heute verstehen will, wohin das große Geld fließt, muss auf die Bilanzen der Technologiekonzerne schauen. Dort zeigt sich eine Verschiebung, die ihresgleichen sucht: Firmen, die einst nur Computer und Software verkauften, geben inzwischen Summen für Rechenzentren und Energieinfrastruktur aus, die ganze Volkswirtschaften übersteigen.

Ein Vergleich macht das Ausmaß greifbar. Die weltweiten Investitionen in sämtliche Energiequellen werden für 2024 auf rund 2,8 Billionen US-Dollar geschätzt. Die Internationale Energieagentur (IEA) nennt für dasselbe Jahr etwa 3 Billionen US-Dollar, die genaue Zahl ist also nicht exakt bestätigt, bewegt sich aber in dieser gewaltigen Größenordnung. Innerhalb dieses Rahmens entfällt ein erheblicher Teil auf die fossilen Unternehmen: Ihnen werden rund 1 Billion US-Dollar dieser Investitionen zugeschrieben, und sie erwirtschaften damit einen Umsatz von etwa 4 Billionen US-Dollar. Diese konkrete Relation lässt sich allerdings nicht sauber belegen.

Ein einzelnes Beispiel veranschaulicht die Verhältnisse. ExxonMobil investierte 2023 rund 23 Milliarden US-Dollar und erzielte im selben Jahr einen Nettogewinn von etwa 36 Milliarden US-Dollar. Solche Zahlen klingen beeindruckend, bis man sie neben die Ausgaben der Tech-Konzerne legt.

#### Was die vier großen Tech-Konzerne ausgeben

Hier wird die eigentliche Verschiebung sichtbar. Berichten zufolge gab Alphabet allein im letzten Quartal 12 Milliarden US-Dollar aus, ein Anstieg von 90 Prozent im Jahresvergleich. Microsoft steigerte seine Ausgaben den Angaben zufolge um 79 Prozent auf 14 Milliarden US-Dollar, und Amazon lag mit ebenfalls 14 Milliarden US-Dollar auf ähnlichem Niveau. Diese einzelnen Werte sind plausibel, aber nicht in jedem Detail gesichert.

Was dagegen klar bestätigt ist: Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft werden in diesem Jahr bei ihren Kapitalinvestitionen mehr ausgeben als ExxonMobil, Chevron oder Saudi Aramco. Die einstigen Schwergewichte der Energiebranche werden von den neuen Schwergewichten der Rechenleistung überholt.

Ein viel zitiertes Bild soll die Dimension verdeutlichen: Meta betreibt demnach 18 Rechenzentren, die zusammen eine Fläche einnehmen wie 19 Disneylands. Diese konkrete Zahl und der anschauliche Vergleich sind jedoch nicht verifizierbar. Gesichert ist allein, dass Meta zahlreiche Rechenzentren betreibt und beständig neue hinzufügt.

#### Gewinne auf historischem Niveau

Die Profite der Technologiekonzerne erreichen ebenfalls neue Höhen. Alphabet übertraf die Gewinnerwartungen um 25 Prozent und legte Berichten zufolge 200 Milliarden US-Dollar an Marktwert zu, bis auf rund 2 Billionen US-Dollar. Apple wiederum kündigte nach übertroffenen Gewinnen ein Aktienrückkaufprogramm von 110 Milliarden US-Dollar an und gewann ebenfalls rund 200 Milliarden US-Dollar an Marktwert hinzu. Beide Konzerne erzielten 2023 höhere Nettogewinne als ExxonMobil. Apple kam auf etwa 97 Milliarden, Alphabet auf rund 74 Milliarden US-Dollar, während ExxonMobil bei rund 36 Milliarden US-Dollar lag.

Auch die Größenordnung der Rechenzentrumsausgaben insgesamt lässt aufhorchen. Dem Essay zufolge geben die Technologiekonzerne 2024 für Rechenzentren so viel aus wie Finnland mit seinem Bruttoinlandsprodukt von rund 300 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet. Ob die aggregierten Ausgaben diese Summe tatsächlich erreichen, ist plausibel, aber nicht exakt belegt.

Ein weiteres Vorhaben zeigt, wie teuer Energieinfrastruktur geworden ist. Das neue Kernkraftwerk im englischen Somerset soll Schätzungen zufolge 57 Milliarden US-Dollar kosten. Solche Summen erfordern eine Planung, die weit über herkömmliche Prognosen hinausgeht. Shell entwickelte dafür im 20. Jahrhundert die sogenannte Szenarioplanung, eine Methode, die nicht die Zukunft vorhersagt, sondern durchspielt, welche Entscheidungen in verschiedenen möglichen Zukünften die besten Ergebnisse liefern.

So verschwimmen die Grenzen zwischen Big Energy und Big Tech zusehends. Wer heute in Rechenleistung investiert, investiert zugleich in Energie, und wer in Energie investiert, hat längst gelernt, in Daten und Zukunftsszenarien zu denken.

### Externalitäten: Die dunkle Seite der neuen Energiebranche

Lange Zeit fühlte sich der Wechsel von der Energie zur Technologie wie eine Befreiung an. Die Ölkonzerne hatten sich mit der dunklen Seite der Macht eingelassen: Kohlenstoff, Korruption, ein Dasein als Inbegriff des Kapitalismus. Die Tech-Konzerne dagegen wirkten sympathisch, fast zu sympathisch, um gefährlich zu sein. Mark, Sheryl, Larry, Sergej und Jeff versicherten uns sogar, sie würden uns nichts Böses tun. Dann begannen Kinder, sich selbst zu verletzen. Fehlinformationen breiteten sich aus. Und der Ton, in dem wir miteinander reden, wurde rau.

Scott Galloway, Marketingprofessor an der Stern School of Business der New York University, zieht daraus eine unbequeme Schlussfolgerung: Die Technologiefürsten sind nicht besser als die Ölbarone. Sie sind auch nicht schlechter. Sie sind dasselbe. Wo Big Oil einst Kohlenstoff und Korruption hinterließ, hinterlässt Big Tech Kinder, Fehlinformationen und Wut.

Der Mechanismus dahinter ist so einfach wie unbequem. Jede Verwertung, mit der sich aus einer Sache wirtschaftlicher Gewinn schlagen lässt, erzeugt Nebenwirkungen. Pflanzen werden zu Rindfleisch: Methan. Fossile Brennstoffe werden in Bewegung gesetzt: Kohlenstoff. Aufmerksamkeit wird zu Werbung: Empörung. Und nun wird Rechenleistung zur Ware. Wer glaubt, die großen Gewinnspannen in der Datenverarbeitung würden keine außergewöhnlichen Nebenwirkungen erzeugen, der glaubt auch, dass Zuckerberg, Sandberg, Brin und Bezos das Staatswohl über den eigenen Reichtum stellen.

Genau hier liegt die eigentliche Frage, und sie ist keine akademische. Könnten Sie hundert Jahre zurückgehen, an den Anfang des fossilen Zeitalters, oder zwanzig Jahre, an den Anfang des sozialen Zeitalters: Was würden Sie anders machen? Diese Frage stellt sich heute erneut, nur diesmal beim Aufbau der Big Energy.

Manche Beobachter halten den Zusammenbruch von Big Tech unter der eigenen Schwere für unausweichlich. Der Versuch, die Datenverarbeitung zu regulieren, gleicht einem 1,50 Meter großen Jockey, der auf einem Tyrannosaurus Rex reitet. Dass dieser Ritt gewaltig wird, wissen wir. Die wichtigere Frage lautet: Wie wild wird er?


## Frequently asked questions

**Woher stammt der Begriff Big Energy?**

Geprägt wurde er von Scott Galloway in seinem Essay „Big Energy". Darin beschreibt er, wie Unternehmen, die die Datenverarbeitung kontrollieren, zu den beherrschenden Konzernen der Wirtschaftsgeschichte werden. Der Aktienmarkt zeige bereits, dass Big Oil die Zügel an Big Tech abgegeben hat.

**Wie hat sich die Rangliste der wertvollsten Unternehmen verschoben?**

1980 und 2024 gehörten die meisten der wertvollsten Unternehmen den Sektoren Energie beziehungsweise Technologie an. 1980 dominierten die Ölkonzerne, 2024 die Technologiekonzerne. Allerdings liegen die Grenzen heute nicht mehr klar: Der Bau hunderter Rechenzentren und die Energie, die sie antreibt, verschmelzen beide Welten.

**Warum gilt Rechenleistung als neue Energieform?**

Rechenleistung verhält sich wie Energie: Sie erfordert enorme Investitionen, verlässliche Versorgung und erzeugt erhebliche Nebenwirkungen. Alphabet, Microsoft und Amazon investieren Milliardensummen in Rechenzentren. Galloways Essay zufolge geben die Technologiekonzerne 2024 für Rechenzentren so viel aus wie Finnlands Bruttoinlandsprodukt von rund 300 Milliarden US-Dollar.

**Welche Externalitäten bringt Big Energy mit sich?**

Zu den größten Nebenwirkungen zählen Kohlenstoff, Korruption, Fehlinformationen und gesellschaftliche Spaltung. Wer wirtschaftlichen Gewinn aus einer Verlagerung zieht, erzeugt Nebenwirkungen: Methan aus der Fleischproduktion, Kohlenstoff aus fossilen Brennstoffen, Wut aus der Aufmerksamkeitsökonomie. Den Technologieführern wird nachgesagt, den Ölkonzernen in nichts nachzustehen.

**Wie groß sind die Investitionen der Technologiekonzerne?**

Die Summen sind enorm und wachsen weiter. Berichten zufolge steigerte Alphabet seine Ausgaben im vergangenen Quartal um 90 Prozent auf 12 Milliarden US-Dollar, Microsoft um 79 Prozent auf 14 Milliarden und Amazon auf 14 Milliarden US-Dollar. Zusammen übertreffen Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft in ihren Investitionen ExxonMobil, Chevron und Saudi Aramco.

**Was bedeutet das für die Zukunft der Energie?**

Die Energie der Zukunft ist nicht nur erneuerbar, sie wird von Rechenleistung bestimmt. Der weltweite Energieverbrauch dürfte bis 2050 um etwa 44 Prozent steigen, so eine gängige Prognose. Amazon gilt als größter institutioneller Abnehmer erneuerbarer Energien und betreibt nach eigenen Angaben über 500 Wind- und Solarprojekte. Sam Altman sieht Rechenleistung als Währung der Zukunft. Hinweis der Redaktion: Nicht bestätigte Angaben, insbesondere zu Investitionssummen und Verbrauchszahlen, sind im Text ausdrücklich als unbestätigt oder umstritten gekennzeichnet.

Canonical: https://staunen.madeda.com/big-energy-wie-big-tech-zur-neuen-energiebranche-wird/
