# Benjamin Hornigold: Der edle Pirat, der Blackbeard ausbildete

*Geschichte & Krieg · Kerem Aydın · 2026-08-23*

## Key facts

- Hornigold begann seine Piratenkarriere um 1713 mit einem kleinen, kaum seetüchtigen Schiff und baute sich binnen kurzer Zeit eine beachtliche Flotte auf.
- Er galt als ungewöhnlich ehrenhaft, da er die Besatzungen eroberter Schiffe in der Regel freiließ und Gewalt vermied.
- Im Jahr 1718 nahm er die königliche Amnestie von Gouverneur Woodes Rogers an und wechselte auf die Seite der Piratenjäger.
- Sein ehemaliger Schüler Blackbeard begann seine eigene Piratenkarriere in Hornigolds Crew und wurde später zu einer der berüchtigtsten Figuren der Seefahrt.
- Hornigold starb 1719, als sein Schiff vermutlich in einen Hurrikan geriet und vor den Bahamas auf Felsen prallte.

Das Wichtigste in Kürze

Benjamin Hornigold war vermutlich ein englischer Pirat, dessen Karriere um 1713 in der Karibik begann und der Blackbeard als seinen Schüler ausbildete. Nach einer Amnestie 1718 wurde er Piratenjäger für die britische Krone und starb 1719 mutmaßlich bei einem Hurrikan vor den Bahamas.

## Einleitung: Der Pirat, der keine Blutbäder wollte

Benjamin Hornigold zählt zu den schillerndsten Gestalten des Goldenen Zeitalters der Piraterie in der Karibik. Während Namen wie Blackbeard bis heute für Schrecken und Gewalt stehen, schlug Hornigold einen bemerkenswert anderen Weg ein. Er wurde als „edler Pirat" bekannt, als ein Mann, der Blutvergießen mied, wo andere Korsaren ganze Crews niedermetzelten. Doch wer war dieser Mann wirklich, dessen Moralvorstellungen so gar nicht ins klischeehafte Bild eines Seeräubers passen wollen?

Die Überlieferung zeichnet das Bild eines pragmatischen Anführers, der in einer chaotischen Ära die richtigen Entscheidungen traf. Seine Geschichte ist voller Widersprüche: ein Pirat, der später Jagd auf seine eigenen Leute machte, ein Lehrmeister, dessen berühmtester Schüler ihn am Ende in den Schatten stellte. Es ist die Geschichte eines Mannes, der die Regeln des Spiels verstand und neu definierte, bevor er selbst zum Spielball der Geschichte wurde.

Sein Aufstieg begann bescheiden. Berichten zufolge startete Hornigold seine Karriere um 1713 mit einem kleinen, kaum seetüchtigen Schiff. In einer Zeit, in der Spanien, England und Frankreich sich erbitterte Seekriege lieferten, boten die karibischen Gewässer ideale Bedingungen für jene, die schnell zuschlagen wollten. Hornigold nutzte diese Gunst der Stunde, vergrößerte seine Mannschaft und baute sich binnen kurzer Zeit eine beachtliche Flotte auf. Doch anders als viele seiner Zeitgenossen setzte er auf Köpfchen statt auf Grausamkeit.

## Vom Matrosen zum Kapitän: Hornigolds Aufstieg in einem Meer aus Chaos

Man nimmt an, dass Benjamin Hornigold in den 1680er Jahren in England geboren wurde, doch über seine Kindheit und Jugend ist kaum etwas überliefert. Sicher ist nur, dass er in den frühen Jahren des 18. Jahrhunderts zu einem der gefürchtetsten Namen der Karibik werden sollte. Seine Piratenkarriere begann nach allgemeiner Schätzung um das Jahr 1713, in einer Zeit, in der die Meere zwischen Spanien, England und Frankreich in einem beispiellosen Chaos versanken.

Die europäischen Mächte führten damals erbitterte Kriege, und ihre Handelsrouten wurden zum Schlachtfeld. Für einen Mann mit Hornigolds Ehrgeiz war diese Unordnung eine Einladung. Er begann mit einem kleinen, notdürftig seetüchtigen Schiff und kaum mehr als einer Handvoll Männer. Doch schon bald zeigte sich, was ihn von anderen Freibeutern unterschied: eine bemerkenswerte Kombination aus seemännischem Geschick, strategischem Denken und einer charismatischen Führungsart, die ihm die Loyalität seiner Crew sicherte.

Innerhalb weniger Jahre baute er aus diesem bescheidenen Anfang eine respektable Flotte auf. Sein Aufstieg war kein Zufall, sondern das Ergebnis einer klugen Beobachtungsgabe. Während andere Kapitäne ihre Schiffe in waghalsige Gefechte trieben, wählte Hornigold seine Ziele mit Bedacht und zog es vor, durch Überraschung und Verhandlung zu gewinnen statt durch blutige Entermanöver. Diese Intelligenz machte ihn zur Legende, noch bevor er seinen berühmtesten Schüler an Bord nahm: einen jungen Mann namens Edward Teach, der später als Blackbeard die Weltmeere terrorisieren sollte.

## Der "edle Pirat" und seine skurrile Hut-Anekdote

Unter den gefürchteten Gestalten der Karibik stach Benjamin Hornigold durch eine bemerkenswerte Eigenschaft hervor: Er galt als der "edle Pirat". Während andere Kaperfahrer blutige Spuren hinterließen, vermied Hornigold Gewalt, wo immer es möglich war, und ließ die Besatzungen eroberter Schiffe in der Regel frei. Diese ungewöhnliche Zurückhaltung trug ihm einen Ruf ein, der ihn von seinen Zeitgenossen deutlich abhob und bis heute Teil der Legendenbildung um seine Person ist.

Zu den amüsantesten Überlieferungen aus Hornigolds Piratenzeit zählt eine Anekdote, die seinen skurrilen Humor zeigt. Der Überlieferung nach griff er eines Tages ein Schiff mit einem einzigen Ziel an: Er wollte die Hüte der Besatzung erbeuten. Als man ihn nach dem Grund für diesen ungewöhnlichen Raubzug fragte, soll er geantwortet haben: "Weil meine Crew mehr Hüte brauchte!" Diese Geschichte ist historisch nicht verifiziert, doch sie prägt bis heute das Bild eines Mannes, der selbst im Piratenhandwerk seine eigenen, mitunter schrulligen Regeln aufstellte.

Die Legendenbildung um Hornigold ist reich an solchen Geschichten, und gerade diese Hut-Anekdote zeigt, wie sehr sich der "edle Pirat" von den brutalen Gestalten seiner Zunft unterschied. Es ist genau diese Mischung aus Professionalität und skurrilem Charme, die Benjamin Hornigold zu einer der faszinierendsten Figuren des Goldenen Zeitalters der Piraterie macht.

## Der Lehrmeister des Schwarzbarts: Blackbeards Ausbildung bei Hornigold

Bevor Edward Teach zur Legende wurde, war er nur ein Matrose mit großen Ambitionen. Und genau dieser Mann, der später als Blackbeard die Karibik in Angst und Schrecken versetzen sollte, lernte sein Handwerk an der Seite von Benjamin Hornigold. Der erfahrene Pirat wurde zum Mentor des berüchtigtsten Seeräubers der Geschichte.

Die Verbindung zwischen den beiden Männern ist durch zeitgenössische Quellen belegt. In Captain Charles Johnsons Werk *A General History of the Pyrates* aus dem Jahr 1724 wird beschrieben, wie Blackbeard unter Hornigolds Kommando diente und von ihm die entscheidenden Fähigkeiten erwarb. Hornigold brachte dem jungen Teach bei, wie man ein Schiff sicher durch die gefährlichen Gewässer der Karibik navigiert, wie man Angriffsstrategien entwickelt und wie man eine Mannschaft führt. Es war eine Ausbildung, die Teach später auf spektakuläre Weise umsetzen sollte.

Was Hornigold dabei von anderen Kapitänen unterschied, war sein bemerkenswerter Führungsstil. Während viele seiner Kollegen auf Gewalt und Einschüchterung setzten, ging er einen anderen Weg. Er verschonte die Besatzungen gekaperter Schiffe und vermied unnötiges Blutvergießen. Diese Zurückhaltung prägte auch die frühe Karriere von Blackbeard, der in seinen ersten Jahren unter Hornigolds Flagge segelte.

Die Bedeutung dieser Lehrer-Schüler-Beziehung lässt sich kaum überschätzen. Ohne Hornigolds Unterweisung hätte Edward Teach wohl nie die Meisterschaft im Schiffshandling erreicht, die ihn später berühmt machen sollte. Hornigold gab ihm nicht nur technisches Wissen weiter, sondern auch die Grundlagen der strategischen Kriegsführung auf hoher See.

Dass ausgerechnet der Mann, der später als einer der grausamsten Piraten der Geschichte gelten sollte, seine Ausbildung bei einem Kapitän erhielt, der für seine Milde bekannt war, gehört zu den Ironien der Seefahrtsgeschichte. Doch genau diese Widersprüche machen die Erzählung um Benjamin Hornigold und seinen berühmtesten Schüler bis heute so faszinierend.

## Die Wende: Amnestie von 1718 und die Jagd auf alte Kameraden

Im Jahr 1718 hatte die britische Krone endgültig genug von den Piraten, die die Handelsrouten in der Karibik unsicher machten. Gouverneur Woodes Rogers, der frisch eingesetzte Herrscher über die Bahamas, verkündete im Auftrag der britischen Regierung ein Angebot, das vielen Seeräubern wie eine Erlösung vorkommen musste: Wer seine kriminelle Vergangenheit ablegte, erhielt volle Amnestie und durfte ein freier Mann bleiben. Kein Galgen, keine Ketten, keine Verbannung. Nur ein ehrliches Leben.

Benjamin Hornigold, der einst als Anführer einer gefürchteten Piratenflotte die Gewässer der Karibik kontrollierte, nahm das Begnadigungsangebot an und wechselte die Seiten. Doch entgegen der gängigen Version trat er dabei nicht formell der britischen Royal Navy bei. Stattdessen wurde er als Freibeuter und Piratenjäger im Auftrag von Gouverneur Rogers tätig. Das war ein kluger Schachzug der Kolonialverwaltung: Wer kannte die Schlupfwinkel, die Gewohnheiten und die Routen der Seeräuber besser als einer ihrer eigenen Anführer?

Die Ironie dieser Wende ist kaum zu überbieten. Der Mann, der jahrelang Handelsschiffe überfallen hatte, segelte nun im Dienst der britischen Verwaltung und jagte seine ehemaligen Weggefährten. Berichten zufolge kannte er viele seiner Ziele persönlich. Nun führte er die Behörden direkt zu ihren Verstecken.

Besonders bitter muss diese Entwicklung für jene gewesen sein, die ihm einst vertraut hatten. Hornigold wusste genau, wo die Piraten ihre Schiffe ankerten, welche Häfen sie anliefen und wie sie sich organisierten. Sein Wissen machte ihn für Rogers unverzichtbar. Die britische Verwaltung setzte ihn gezielt ein, um die Überreste der Piratenflotte zu zerschlagen, die er selbst mit aufgebaut hatte.

Diese Phase seines Lebens wirft ein bezeichnendes Licht auf den Charakter von Benjamin Hornigold. Er war kein romantischer Freiheitskämpfer und kein skrupelloser Verbrecher, sondern ein Pragmatiker, der die Zeichen der Zeit erkannte. Als das Piratenleben gefährlich wurde, wählte er die Seite der Ordnung. Ob ihn dabei Gewissensbisse plagten, darüber schweigen die Aufzeichnungen. Sicher ist nur: Der einstige Lehrmeister von Blackbeard endete nicht als Legende der Meere, sondern als Jäger seiner eigenen Vergangenheit.

## Das tragische Ende: Ein Hurrikan vor den Bahamas

Die Karriere des Benjamin Hornigold fand 1719 ein tragisches Ende. Der Überlieferung nach geriet sein Schiff vor den Bahamas in einen schweren Hurrikan, prallte gegen die Felsen und sank. Der Mann, der einst die Meere unsicher machte, fand so seinen Tod in den Wellen, die ihm jahrelang als Revier gedient hatten.

Diese Schilderung der letzten Stunden ist jedoch nicht zweifelsfrei belegt. Berichten zufolge soll das Unglück sich genau so ereignet haben, doch die historischen Aufzeichnungen aus jener Zeit sind lückenhaft. Was bleibt, ist die Gewissheit, dass Hornigold im Jahr 1719 verstarb und mit ihm eine der schillerndsten Figuren der Pirateriegeschichte verschwand.

Mit seinem Tod endete die bemerkenswerte Laufbahn des Mannes, den Zeitgenossen einst als "edlen Piraten" bezeichneten. Ironischerweise war es ausgerechnet eine Naturgewalt, die ihm zum Verhängnis wurde, nachdem er so viele Jahre lang menschlichen Gefahren getrotzt hatte. Seine letzte Reise führte ihn nicht in eine Schlacht gegen feindliche Schiffe, sondern in einen Kampf gegen die Elemente, den er verlor.

Hornigolds Geschichte bleibt damit unvollendet und doch in sich stimmig. Vom aufstrebenden Kapitän, der 1713 mit einem kleinen Boot begann, über den Lehrmeister des gefürchteten Blackbeard bis hin zum königlichen Piratenjäger nach der Amnestie von 1718: Sein Leben war von Wendungen geprägt, die kein Romanautor hätte erfinden können. Dass sein Ende im Nebel der Legenden liegt, passt zu einem Mann, der stets zwischen den Welten navigierte, zwischen Piraterie und Gesetz, zwischen Gewalt und Großzügigkeit.

Die Gewässer der Bahamas, einst sein Jagdrevier, wurden so zu seiner letzten Ruhestätte. Der "edle Pirat" Benjamin Hornigold segelte 1719 in die Geschichte hinaus, und sein Vermächtnis lebt bis heute in den Erzählungen über das Goldene Zeitalter der Piraterie weiter.


## Frequently asked questions

**Wer war Benjamin Hornigold?**

Benjamin Hornigold war ein Pirat der Karibik im frühen 18. Jahrhundert, der als "edler Pirat" bekannt wurde. Er gilt als Lehrmeister des berüchtigten Blackbeard. Seine Karriere begann um 1713, als er inmitten der Kriege zwischen europäischen Mächten eine eigene Crew und Flotte aufbaute.

**Warum wurde er als "edler Pirat" bezeichnet?**

Hornigold zog eine moralische Grenze, die ihn von anderen Piraten unterschied. Während seine Zeitgenossen blutige Überfälle verübten, ließ er gefangene Crews meist frei und vermied Gewalt. Eine berühmte Anekdote erzählt von einem Überfall, bei dem er nur die Hüte der Besatzung stahl, weil seine eigenen Männer mehr Kopfbedeckungen brauchten.

**Wie wurde er zum Piratenjäger?**

1718 bot die britische Regierung Piraten eine Amnestie an, und Hornigold nahm dieses Angebot an. Danach arbeitete er im Auftrag von Gouverneur Woodes Rogers, der die Bahamas für die Krone sichern sollte. Er jagte fortan seine ehemaligen Kollegen, allerdings nicht als Mitglied der Royal Navy, sondern als Freibeuter.

**Was geschah mit ihm 1719?**

Der Überlieferung nach starb Benjamin Hornigold 1719 bei einem Hurrikan vor den Bahamas. Sein Schiff soll auf Felsen geprallt sein. Die genauen Todesumstände sind nicht zweifelsfrei belegt, aber diese Version ist die am weitesten verbreitete Erzählung über sein Ende.

**Welche Rolle spielte er bei Blackbeards Karriere?**

Edward Teach, besser bekannt als Blackbeard, begann seine Piratenkarriere in Hornigolds Crew. Hornigold war sein Lehrmeister und Mentor, der ihm Navigation, Strategie und die Kunst der Seefahrt beibrachte. Damit war er der Ausbilder einer der berühmtesten Piratenfiguren der Geschichte.

**Warum nahm er die Amnestie an?**

Die genauen Beweggründe sind nicht dokumentiert. Klar ist, dass die Amnestie von 1718 eine Chance auf ein straffreies Leben bot, und Hornigold ergriff diese Gelegenheit. Für einen Mann, der Gewalt weitgehend vermied, war der Schritt vom Piraten zum Piratenjäger vielleicht weniger widersprüchlich, als es zunächst scheint.

**Wie begann seine Karriere?**

Um 1713 herrschte Chaos auf den Meeren, weil Spanien, England und Frankreich Krieg führten. Handelsschiffe waren leichte Beute, und Hornigold nutzte diese Unruhe. Mit einem kleinen, mühsam beschafften Schiff startete er, wuchs aber dank seiner Fähigkeiten schnell zu einem Anführer mit wachsender Flotte heran. Hinweis der Redaktion: Einzelheiten zu Hornigolds Geburt und Tod beruhen auf zeitgenössischen Berichten, die nicht vollständig verifiziert sind und daher als Annahmen gekennzeichnet werden.

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