# Alkoholmessgerät: Wie es Ihren Promillewert aus der Atemluft ermittelt

*Wissenschaft & Technik · Ayşe Demir-Müller · 2026-08-24*

## Key facts

- Der Atemalkoholtest nutzt das konstante Verhältnis zwischen der Alkoholkonzentration in der Atemluft und dem Blutalkoholgehalt.
- Das erste Atemalkoholmessgerät, das „Drunkometer“, wurde 1931 von Rolla N. Harger entwickelt.
- Moderne Polizeigeräte verwenden überwiegend Brennstoffzellen, die Alkoholmoleküle elektrochemisch in einen messbaren Strom umwandeln.
- Infrarotspektroskopie ergänzt die Messung, indem sie die charakteristische Absorption von Alkoholmolekülen im Lichtspektrum erfasst.
- Kalibrierung und regelmäßige Wartung sind gesetzlich vorgeschrieben, um die Genauigkeit der Messergebnisse sicherzustellen.

Das Wichtigste in Kürze

Ein Alkoholmessgerät analysiert Ihre Atemluft und errechnet daraus den Blutalkoholwert. Die Messung basiert auf dem Verhältnis von Alkohol in der Lungenluft zum Blut. Moderne Geräte arbeiten mit Brennstoffzellen oder Infrarotlicht, während ältere Modelle chemische Reaktionen nutzen. Das Verfahren ist standardisiert und liefert innerhalb von Sekunden ein verwertbares Ergebnis.

## Einleitung: Was Ihr Atem über Ihren Alkoholkonsum verrät

Sie kennen die Szene sicherlich: Blaulicht am Straßenrand, die freundliche, aber bestimmte Aufforderung der Polizei, in das kleine Gerät zu pusten. Minuten später steht das Ergebnis fest. Doch haben Sie sich jemals gefragt, wie diese Technik eigentlich funktioniert? Die Funktionsweise von Alkoholmessgeräten ist faszinierender, als Sie vielleicht vermuten.

Das Gerät analysiert Ihre Atemluft und ermittelt daraus den Promillewert. Es ist ein kleines chemisches Labor, das in Sekundenschnelle arbeitet. Die Geschichte dieser Technik reicht weiter zurück, als viele annehmen. Bereits im 19. Jahrhundert beschäftigten sich Wissenschaftler mit der Frage, wie Alkohol im Körper nachgewiesen werden kann.

Der englische Arzt Francis E. Anstie, ein angesehener Mediziner und Journalist seiner Zeit, forschte intensiv auf diesem Gebiet. Er definierte die sogenannte „Anstie-Grenze“, wonach ein Mensch täglich etwa 1,5 Unzen reinen Ethanols ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen konsumieren könne. Laut der ursprünglichen Erzählung soll er im Jahr 1874 entdeckt haben, dass Alkohol über die Atemluft ausgeschieden wird. Diese spezifische Zuordnung ist historisch jedoch nicht eindeutig belegt, denn die Ausscheidung von Alkohol über die Atemluft war damals bereits bekannt.

Entgegen der gängigen Version, die Robert Frank Borkenstein als Erfinder des ersten Atemalkoholmessgeräts nennt, legen die Aufzeichnungen nahe, dass der Amerikaner zwar 1954 den berühmten „Breathalyzer“ entwickelte, aber nicht das erste Gerät dieser Art. Die eigentliche Pionierarbeit leistete Rolla N. Harger bereits 1931 mit seinem „Drunkometer“. Diese Unterscheidung mag für den Alltag an der Verkehrskontrolle unbedeutend erscheinen, sie zeigt aber, wie sich Technik über Jahrzehnte entwickelt hat.

Was alle diese Geräte gemeinsam haben, ist ihr Prinzip: Sie messen die Alkoholkonzentration in der Atemluft und leiten daraus den Blutalkoholwert ab. Ihr Körper verstoffwechselt Alkohol mit einer durchschnittlichen Rate von etwa 0,015 Promille pro Stunde. Was in dieser Zeit nicht abgebaut wird, zirkuliert im Blut und gelangt auch in Ihre Lungen. Dort verdunstet ein Teil des Alkohols in die Atemluft, und genau diesen Anteil messen die Geräte.

Die moderne Verkehrskontrolle nutzt dabei unterschiedliche Sensortechniken, die wir Ihnen im Folgenden näher vorstellen möchten.

## Die historischen Wurzeln der Atemalkoholmessung

Die Idee, aus der Atemluft eines Menschen auf seinen Alkoholkonsum zu schließen, ist älter, als Sie vielleicht vermuten würden. Lange bevor die Funktionsweise von Alkoholmessgeräten zum Standard bei Verkehrskontrollen wurde, legten Ärzte und Forscher im 19. Jahrhundert den Grundstein für diese Methode. Ihre Entdeckungen und Irrtümer führten schließlich zu den Geräten, die heute weltweit im Einsatz sind.

Eine zentrale Figur dieser Frühgeschichte ist Francis E. Anstie, ein englischer Arzt, medizinischer Schriftsteller und Journalist. Anstie forschte intensiv zum Thema Alkohol und prägte in dieser Zeit die sogenannte „Anstie-Grenze“. Berichten zufolge legte er fest, dass ein Mensch täglich etwa 1,5 Unzen reinen Ethanols konsumieren könne, ohne negative gesundheitliche Auswirkungen zu erleiden. Diese Menge wird heute oft mit etwa zweieinhalb US-Standardgetränken gleichgesetzt, auch wenn diese Umrechnung eine moderne Interpretation ist. Es ist eine bemerkenswerte Zahl, die in der Medizingeschichte durchaus Beachtung fand.

Interessant wird es jedoch bei einer anderen Behauptung: Dass Anstie im Jahr 1874 entdeckt habe, dass Alkohol über die Atemluft ausgeschieden wird. Diese Darstellung ist historisch umstritten. Die Ausscheidung von Alkohol über die Lunge war in Fachkreisen bereits vorher bekannt, und Anstie verstarb ausgerechnet in jenem Jahr. Die Aufzeichnungen legen nahe, dass diese spezielle Entdeckung nicht ihm zugeschrieben werden kann. Es ist also eine Legendenbildung, die sich hartnäckig hält, aber der historischen Prüfung nicht standhält.

Auch bei der Erfindung des ersten Atemalkoholtestgeräts gibt es eine weitverbreitete Fehlzuschreibung. Oft wird Robert Frank Borkenstein genannt, ein amerikanischer Erfinder und Professor. Tatsächlich entwickelte Borkenstein jedoch erst 1954 den „Breathalyzer“, ein Gerät, das die Alkoholmessung revolutionierte und zum Vorbild vieler späterer Modelle wurde. Das erste Gerät dieser Art war aber ein anderes: das „Drunkometer“, das Rolla N. Harger bereits 1931 konstruierte. Borkenstein verfeinerte die Technik also, erfunden hat er sie nicht.

Diese historischen Details zeigen, wie sich Wissen und Technik über Jahrzehnte entwickeln. Was mit einer simplen Beobachtung über den Alkoholabbau im Körper begann, führte zu einer Technologie, die heute in Sekundenschnelle präzise Ergebnisse liefert. Die Grundlage dafür bildet ein einfacher biologischer Prozess, den Sie im nächsten Abschnitt kennenlernen werden.

## Der Weg des Alkohols durch Ihren Körper

Bevor wir uns der Technik im Inneren eines Alkoholmessgeräts widmen, lohnt sich ein Blick auf das, was mit dem Alkohol in Ihrem Körper passiert. Denn genau dieser Prozess ist die Grundlage für die gesamte Funktionsweise von Alkoholmessgeräten. Das Gerät misst nämlich nicht direkt Ihren Blutalkohol, sondern bedient sich eines cleveren Umwegs über Ihre Atemluft.

Wenn Sie ein Getränk mit Alkohol zu sich nehmen, wird dieser nicht erst aufwendig verdaut. Stattdessen beginnt die Aufnahme bereits in der Magenschleimhaut und setzt sich im Dünndarm fort. Von dort gelangt der Alkohol schnell in den Blutkreislauf und wird mit dem Blutstrom durch den gesamten Körper transportiert, bis hin zu Gehirn und anderen Organen. Dieser raschen Verteilung folgt der Abbau: Die Leber übernimmt diese Aufgabe mithilfe des Enzyms Alkoholdehydrogenase. Dieser Prozess braucht jedoch Zeit. Ihr Körper baut im Durchschnitt nur etwa 0,015 Promille pro Stunde ab. Der Rest des Alkohols bleibt vorerst im Blut und zirkuliert weiter.

Und genau hier kommt der entscheidende Punkt für die Messung ins Spiel. Ein Teil dieses noch nicht abgebauten Alkohols gelangt über das Blut in die Lunge. Dort verdampft er in den feinen Lungenbläschen und wird mit jedem Atemzug wieder ausgeatmet. Dieses Verhältnis zwischen dem Alkohol im Blut und dem Alkohol in der Atemluft ist bemerkenswert konstant. Ein Alkoholmessgerät nutzt genau diesen Umstand: Es analysiert die ausgeatmete Luft und kann daraus zuverlässig auf Ihre Blutalkoholkonzentration schließen. Das Pusten dient also nicht dazu, den Alkohol im Atem zu finden, sondern dem Gerät eine Probe der Atemluft zu liefern, die den Alkohol aus Ihrem Blut enthält.

## Drei Messtechniken im Detail

Stellen Sie sich vor, Sie blasen in ein Gerät, und Sekunden später zeigt es eine Zahl an, die über Ihre Fahrt entscheidet. Doch wie kommt diese Zahl zustande? Moderne Atemalkoholmessgeräte arbeiten mit drei unterschiedlichen physikalischen und chemischen Prinzipien, die jeweils auf ihre eigene Weise die Alkoholkonzentration in Ihrer Atemluft erfassen.

Die erste Methode nutzt eine Brennstoffzelle. Ihr Atem gelangt in eine Kammer mit platinbeschichteten Elektroden. Der Alkohol in Ihrer Atemluft wird an der Platinoberfläche oxidiert, also chemisch umgewandelt. Bei dieser Reaktion entstehen Elektronen, die einen elektrischen Strom erzeugen. Die Stärke dieses Stroms verhält sich direkt proportional zur Menge des Alkohols in Ihrer ausgeatmeten Luft. Je mehr Sie getrunken haben, desto kräftiger fällt der Strom aus. Dieses Verfahren gilt als besonders präzise und wird häufig bei polizeilichen Kontrollen eingesetzt.

Die zweite Technik beruht auf einem Halbleitersensor, der typischerweise aus Zinndioxid (SnO2) besteht. Dieses Material wird im Gerät erhitzt. Trifft nun alkoholhaltige Atemluft auf die Sensoroberfläche, verändert sich der elektrische Widerstand des Zinndioxids. Diese Widerstandsänderung wird elektronisch gemessen und in einen Alkoholwert umgerechnet. Halbleitersensoren sind kostengünstig herzustellen und finden sich daher in vielen handelsüblichen Geräten für den Privatgebrauch wieder.

Die dritte Methode nutzt Infrarotspektroskopie. Hierbei wird Ihre Atemluft durch einen Lichtstrahl im infraroten Wellenlängenbereich geführt. Alkoholmoleküle absorbieren bestimmte Infrarotwellenlängen auf charakteristische Weise. Das Gerät misst, wie viel Licht bei diesen spezifischen Wellenlängen absorbiert oder reflektiert wird, und leitet daraus die Alkoholkonzentration ab. Diese Technik kommt vor allem in stationären Geräten zum Einsatz, etwa auf Polizeiwachen, da sie sehr genaue Ergebnisse liefert.

Alle drei Verfahren haben eines gemeinsam: Sie messen nicht direkt den Blutalkohol, sondern den Alkoholgehalt in Ihrer Atemluft. Der menschliche Körper scheidet einen Teil des aufgenommenen Alkohols über die Lunge aus. Der Zusammenhang zwischen Atem- und Blutalkohol ist wissenschaftlich gut belegt und ermöglicht die Umrechnung in den gängigen Promillewert. Deshalb kann ein solches Gerät zuverlässig anzeigen, ob Sie noch fahrtüchtig sind, selbst wenn Sie versuchen, anders zu blasen. Die Physik lässt sich nicht austricksen.

## Warum Kalibrierung und Wartung entscheidend sind

Ein Alkoholmessgerät ist nur so gut wie sein letzter Abgleich. Ohne regelmäßige Kalibrierung liefert selbst das hochwertigste Gerät unzuverlässige Werte, und genau daran entscheiden sich im Ernstfall berufliche Konsequenzen und rechtliche Verfahren.

Stellen Sie sich vor, Sie werden nach einer Verkehrskontrolle mit einem Wert konfrontiert, der nicht stimmt. Die Messung basiert auf einer empfindlichen physikalischen Reaktion, etwa der Oxidation von Alkohol an platinbeschichteten Elektroden oder der Widerstandsänderung eines Zinndioxid-Sensors. Diese Komponenten altern, verschmutzen und verlieren mit der Zeit ihre Präzision. Ein Gerät, das nicht fachgerecht gewartet wird, kann einen Messfehler produzieren, der im schlimmsten Fall zu einer falschen Anschuldigung führt. Deshalb ist Sorgfalt hier nicht nur eine Empfehlung, sondern eine Pflicht, die über die Glaubwürdigkeit des gesamten Verfahrens entscheidet.

Die gute Nachricht: Sie können die Wissenschaft nicht austricksen. Ob Sie kräftig oder sanft in das Gerät blasen, die Sensoren reagieren auf die chemische Zusammensetzung Ihrer Atemluft, nicht auf Ihre Blastechnik. Ein defektes Gerät hingegen kann irren, und genau deshalb schreiben die Hersteller feste Wartungsintervalle und Kalibrierungsroutinen vor. Nur ein regelmäßig geprüftes Gerät darf als verlässliche Grundlage für eine Messung gelten.

Denken Sie auch an die rechtliche Seite: Alkohol am Steuer ist in Deutschland kein Kavaliersdelikt. Bereits ab 0,5 Promille drohen Bußgeld, Punkte in Flensburg und ein Fahrverbot. Bei einem Wert ab 1,1 Promille handelt es sich um eine Straftat, die den Führerschein kosten kann. Die Messung durch ein korrekt kalibriertes Gerät ist dabei das entscheidende Beweismittel, das vor Gericht Bestand haben muss. Ein ungenau justiertes Messgerät kann nicht nur die falsche Person belasten, sondern auch das Vertrauen in das gesamte Kontrollsystem untergraben. Deshalb gilt: Verlassen Sie sich auf die Technik, aber nur, wenn sie gepflegt wird.

Hinweis der Redaktion: Nicht bestätigte Angaben in diesem Beitrag sind als solche gekennzeichnet und beruhen auf dem aktuellen Stand der Technik.


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