# 9 Subay Olayı: Menderes'in Dinlemediği Uyarı ve 1960 Darbesi

*Geschichte & Krieg · Kerem Aydın · 2026-08-21*

## Key facts

- Die Verschwörung von 1957 gilt als erster organisierter Putschversuch gegen die Regierung Menderes.
- Der Major Samet Kuşçu meldete die Verschwörung über einen Journalisten und Abgeordneten an die Regierung.
- Die neun angeklagten Offiziere wurden 1958 vor einem Militärgericht verurteilt oder freigelassen.
- Präsident Celal Bayar und Ministerpräsident Menderes unterschätzten die Gefahr aus den eigenen Reihen.
- Die unzureichende Reaktion auf die Warnung gilt als Wegbereiter für den erfolgreichen Putsch von 1960.

Das Wichtigste in Kürze

Im Zeitraum 1957 bis 1958 wurde ein Putschplan von neun türkischen Offizieren aufgedeckt. Ein Major informierte die Regierung Menderes über die Verschwörung. Die Warnung blieb jedoch unbeachtet, und die Offiziere wurden nur milde bestraft. Drei Jahre später übernahm das Militär die Macht.

## Ein verhängnisvolles Detail: Die Geschichte hinter dem 9 Subay Olayı

Was wäre geschehen, wenn man die Warnungen ernster genommen hätte? Diese Frage schwebt bis heute über einem Ereignis, das die moderne Geschichte der Türkei prägte: dem **9 Subay Olayı**. Präsident Celal Bayar vertrat später die Überzeugung, dass dieser Vorfall die letzte Chance gewesen sei, den Staatsstreich vom 27. Mai 1960 zu verhindern. Doch die Geschichte nahm einen anderen Lauf.

Um zu verstehen, warum diese Episode so bedeutsam war, müssen Sie sich in die späten 1950er Jahre versetzen. Die Türkei wurde damals von Ministerpräsident Adnan Menderes regiert, dessen Politik zunehmend auf Widerstand stieß. Die Spannungen zwischen der Regierung und dem Militär wuchsen, und in diesem Klima der Unruhe formierte sich im Zeitraum 1957 bis 1958 eine Gruppe von neun Offizieren, die einen Putsch planten.

Der entscheidende Wendepunkt kam durch einen Mann, den man auf den ersten Blick nicht mit einer solchen Affäre in Verbindung bringen würde: Major Samet Kuşçu. Er war nicht nur ein Offizier, sondern auch als Kommandant des berühmten Sängers Zeki Müren bekannt. Kuşçu erhielt Kenntnis von den Putschplänen und stand nun vor einer schwierigen Entscheidung. Er suchte den Kontakt zu Mithat Perin, einem Journalisten und Abgeordneten der Demokratischen Partei, um die Informationen weiterzuleiten. Perin konnte zwar nicht direkt zu Menderes vordringen, doch er erreichte den damaligen Innenminister Namık Gedik und berichtete ihm von den Plänen. So gelangte die Nachricht schließlich doch an die Spitze der Regierung.

Menderes reagierte zunächst mit Besorgnis. Er wies Innenminister Gedik an, auch Verteidigungsminister Şemi Ergin nach Istanbul zu rufen, um in der Stadtverwaltung eine Lagebesprechung abzuhalten. Was die Beteiligten damals nicht wussten: Während Kuşçu die Regierung alarmierte, soll der Oberstleutnant Faruk Güventürk, den Kuşçu als Anführer der Verschwörer benannt hatte, Verteidigungsminister Ergin die Führung des Putsches angeboten haben. Diese Darstellung ist in der historischen Forschung allerdings umstritten und lässt sich nicht eindeutig belegen.

Doch Kuşçu stieß bei der Regierung auf Skepsis. Da er die Verantwortlichen nicht überzeugen konnte, wandte er sich Berichten zufolge an den CIA-Stationschef in Istanbul. Die genaue Rolle der amerikanischen Behörden bleibt hier allerdings unklar. Die Überlieferung besagt, dass die CIA ihn daraufhin der türkischen Polizei und dem damaligen Geheimdienst MAH übergab. Innenminister Gedik ließ die Aussagen Kuşçus auswerten und leitete die Ergebnisse an Präsident Bayar und Ministerpräsident Menderes weiter.

Drei Tage nach den ersten Enthüllungen wurden die neun Offiziere festgenommen. Die Gruppe umfasste Oberst İlhami Barut, Oberst Naci Aşkun, Oberstleutnant Faruk Güventürk, Major Ata Tan, Hauptmann Hasan Sabuncu, Major Ahmet Dalkılıç, Hauptmann Kazım Özgırat und den pensionierten Oberst Cemal Yıldırım. Am 16. Januar 1958 standen sie vor einem Militärgericht. Laut der ursprünglichen Erzählung führte Generalmajor Cemal Tural den Vorsitz, dem man selbst zuvor die Führung des Putsches angeboten haben soll. Diese Angabe ist in der Literatur jedoch nicht einheitlich überliefert. Im April 1958 wurden die Offiziere freigelassen, wobei die Quellen unterschiedlich berichten, ob nur Kuşçu oder mehrere Beteiligte verurteilt wurden.

Präsident Bayar hatte Menderes eindringlich vor der Ernsthaftigkeit der Lage gewarnt. Doch der Ministerpräsident und einige seiner Kabinettsmitglieder wischten die Bedenken mit den Worten beiseite, solche Offiziere gebe es in der türkischen Armee nicht. Diese Fehleinschätzung sollte sich als verhängnisvoll erweisen, denn nur zwei Jahre später übernahm das Militär die Macht. Die Warnungen waren real gewesen, und die Geschichte hat ihre eigene Antwort auf die Frage gegeben, was hätte verhindert werden können.

### Der verzweifelte Versuch eines Majors, die Regierung zu warnen

Major Samet Kuşçu, der später als Kommandant des berühmten Sängers Zeki Müren bekannt wurde, stand vor einem Dilemma. Er hatte von einem geplanten Putsch gegen die Regierung von Ministerpräsident Adnan Menderes erfahren und wollte die Verantwortlichen warnen. Doch der direkte Draht zum Regierungschef fehlte ihm. Also wählte er einen Umweg über den Journalisten und Abgeordneten der Demokratischen Partei, Mithat Perin.

Perin gelang es nicht, Menderes persönlich zu erreichen. Stattdessen wandte er sich an Innenminister Namık Gedik und schilderte ihm ausführlich, was Kuşçu ihm anvertraut hatte. Gedik erkannte die Dringlichkeit der Lage und leitete die Informationen umgehend an den Ministerpräsidenten weiter. Die Nachricht über die Verschwörung in den eigenen Reihen erreichte Menderes also auf einem Umweg, doch sie kam an.

Der Regierungschef reagierte schnell. Er beauftragte Innenminister Gedik, Verteidigungsminister Şemi Ergin nach Istanbul zu beordern. Im Gouverneursamt der Stadt wollte Menderes mit seinen Ministern die Lage beraten und über das weitere Vorgehen entscheiden. Was die Runde dabei nicht wusste: Zur selben Zeit hielt sich der Oberstleutnant Faruk Güventürk, den Kuşçu als Anführer der Verschwörer benannt hatte, in Ankara auf. Dort soll er Verteidigungsminister Ergin ein erstaunliches Angebot gemacht haben: Er habe dem Minister vorgeschlagen, selbst die Führung des Putsches zu übernehmen.

Der Minister lehnte ab und konsultierte seine Vertrauten. Die Ironie der Geschichte liegt darin, dass Menderes seine Minister einberief, um über eine Verschwörung zu beraten, deren angeblicher Anführer genau in diesem Moment versuchte, den Verteidigungsminister für seine Sache zu gewinnen. Die Lage war brisanter, als die Regierung ahnte.

### Ein umstrittener Zufall: Das Angebot an den Verteidigungsminister

Major Samet Kuşçu, der später als Informant der Regierung bekannt wurde, nannte in seinen Aussagen einen Namen als Kopf der Verschwörung: Oberstleutnant Faruk Güventürk. Doch während Kuşçu die Regierung in Ankara alarmierte, soll sich der beschuldigte Offizier zeitgleich in der Hauptstadt aufgehalten haben. Der Überlieferung nach machte Güventürk genau in diesen Stunden dem damaligen Verteidigungsminister Şemi Ergin ein verblüffendes Angebot: Er solle die Führung des Putsches übernehmen.

Die Glaubwürdigkeit dieser Episode ist in der historischen Forschung umstritten. Aufzeichnungen aus der Zeit legen nahe, dass die Darstellung in dieser Form nicht haltbar ist. Dennoch gehört sie zu den am häufigsten kolportierten Anekdoten rund um den **9 Subay Olayı**, wie das Ereignis in der türkischen Geschichtsschreibung genannt wird. Die zeitliche Koinzidenz, so wird in den überlieferten Erzählungen betont, sei bemerkenswert gewesen: Während der Informant die Regierung vor einer drohenden Meuterei warnte, habe der mutmaßliche Rädelsführer dem Minister persönlich die Spitze der Bewegung angetragen.

Festhalten lässt sich aus den Quellen, dass Verteidigungsminister Şemi Ergin zu dieser Zeit tatsächlich nach Istanbul gerufen wurde. Ministerpräsident Adnan Menderes ordnete an, dass Ergin gemeinsam mit Innenminister Namık Gedik und dem Gouverneur von Istanbul eine Lagebesprechung abhalten sollte. Die Gespräche über die vorgebrachten Verschwörungsvorwürfe fanden also statt, während sich die Ereignisse überschlugen. Die Frage, ob Güventürk tatsächlich ein solches Angebot unterbreitet hat, lässt sich anhand der verfügbaren Dokumente nicht abschließend beantworten. Die Überlieferung hält diese Geschichte jedoch bis heute wach, weil sie die Dramatik der damaligen Wochen unterstreicht. Ein Minister, der womöglich selbst umworben wurde, während seine Regierung um ihre Sicherheit bangte, das ist ein Stoff, der die Fantasie bis heute beschäftigt.

### Der Gang zur CIA: Eine riskante Entscheidung

Die Regierung in Ankara wollte von den Warnungen des Majors Samet Kuşçu nichts wissen. Also entschied sich der Offizier für einen ungewöhnlichen und riskanten Schritt: Er suchte Berichten zufolge den CIA-Stationschef in Istanbul auf und teilte dem amerikanischen Geheimdienst alles mit, was er über die geplanten Putschpläne wusste. Es war der Versuch eines Mannes, der zwischen Loyalität und Verzweiflung gefangen war, die Katastrophe doch noch abzuwenden.

Was danach geschah, ist der Überlieferung nach bemerkenswert: Die Amerikaner sollen Kuşçu nicht etwa als Informanten behalten, sondern umgehend die Istanbuler Polizei benachrichtigt haben. Berichten zufolge übergaben sie den Major an die türkischen Behörden und den damaligen Geheimdienst MAH, den Vorläufer des heutigen MIT. Ob die CIA tatsächlich so gehandelt hat oder ob hier andere Kanäle eine Rolle spielten, lässt sich aus den vorliegenden Aufzeichnungen nicht eindeutig belegen. Sicher ist jedoch, dass Kuşçu schließlich in den Händen der türkischen Ermittler landete.

Im MAH wurde der Major eingehend verhört. Innenminister Namık Gedik, der die Aussagen Kuşçus zunächst mit Skepsis betrachtete, tat am Ende das, was seine Pflicht war: Er leitete die vollständigen Verhörprotokolle an Präsident Celal Bayar und Ministerpräsident Adnan Menderes weiter. Damit lag die Entscheidung über den Umgang mit den Putschgerüchten nun bei den höchsten Verantwortlichen des Staates. Die 9 Subay Olayı hatte damit eine neue, gefährliche Dimension erreicht, denn nun wussten nicht nur Geheimdienste von den Plänen, sondern auch die oberste Führungsebene der Republik.

### Verhaftung, Prozess und ein bitteres Urteil

Nur drei Tage, nachdem die Anschuldigungen die Regierung erreicht hatten, schlug der Staat zu. Neun Offiziere wurden festgenommen, darunter Oberstleutnant Faruk Güventürk, der Mann, der angeblich die Führung des Putsches übernehmen sollte. Die Liste der Verhafteten liest sich wie ein Querschnitt durch die türkische Armee jener Jahre: Oberst Ilhami Barut, Generalstabsoberst Naci Aşkun, die Majore Ata Tan und Ahmet Dalkılıç, die Hauptleute Hasan Sabuncu und Kazım Özgırat sowie der pensionierte Generalstabsoberst Cemal Yıldırım. Ihnen allen wurde vorgeworfen, einen Umsturz gegen die Regierung von Ministerpräsident Adnan Menderes geplant zu haben.

Der Prozess begann Berichten zufolge am 16. Januar 1958 vor einem Militärgericht. Den Vorsitz soll Generalmajor Cemal Tural geführt haben. Es ist eine jener historischen Ironien, die man kaum erfinden kann: Derselbe General, dem laut der ursprünglichen Erzählung die Führung des Putsches angeboten worden sein soll, sollte nun über die Männer richten, die diesen Plan geschmiedet hatten. Ob dieses Angebot tatsächlich gemacht wurde, lässt sich aus den vorliegenden Aufzeichnungen nicht eindeutig belegen. Die Quellen sind hier widersprüchlich, und die genaue Rolle Turais bleibt in der Literatur umstritten.

Am 5. April 1958 wurden die Offiziere freigelassen. Die historischen Darstellungen legen nahe, dass mehrere Offiziere Strafen erhielten, nicht nur einer. Das bittere Detail dieser Geschichte: Ausgerechnet Major Samet Kuşçu, der Mann, der die Regierung gewarnt hatte, wurde wegen Anstiftung zur Meuterei verurteilt. Er hatte die Verschwörung gemeldet, um einen Putsch zu verhindern, und endete als derjenige, der die schwerste Last zu tragen hatte. Die anderen kamen mit milderen Urteilen davon, doch das Signal war eindeutig: Die Regierung von Adnan Menderes wollte die Sache schnell zu den Akten legen.

Die gesamte Affäre, die später als 9 Subay Olayı in die türkische Geschichte einging, hinterließ einen schalen Nachgeschmack. Präsident Celal Bayar hatte Menderes eindringlich vor der Ernsthaftigkeit der Putschpläne gewarnt. Doch der Ministerpräsident und mehrere seiner Minister sollen die Warnung mit den Worten zurückgewiesen haben, dass solche Offiziere in der türkischen Armee nicht existierten. Diese Haltung sollte sich als fataler Irrtum erweisen, denn nur zwei Jahre später, am 27. Mai 1960, wurde Menderes selbst durch einen Militärputsch gestürzt. Bayar soll später gesagt haben, dass die 9 Subay Olayı, wäre sie ernst genommen worden, den 27. Mai hätte verhindern können.

### Eine verpasste Chance: Was wäre gewesen, wenn man zugehört hätte?

Die Warnung war deutlich, die Fakten lagen auf dem Tisch, und doch geschah nichts. Präsident Celal Bayar hatte Adnan Menderes, den damaligen Ministerpräsidenten der Türkei, persönlich auf die Ernsthaftigkeit der Putschpläne hingewiesen und das Thema sogar im Ministerrat zur Sprache gebracht. Die Antwort der Regierung darauf war ebenso schlicht wie folgenschwer: „Aus der türkischen Armee kommt kein solcher Offizier." Mit diesen Worten wurde die vielleicht letzte Chance vertan, den blutigen Staatsstreich vom 27. Mai 1960 zu verhindern.

Dabei hätte die Regierung allen Grund gehabt, den Hinweisen nachzugehen. Die Informationen über den geplanten Umsturz waren nicht vage oder anonymer Natur, sondern kamen von einem Insider: dem Major Samet Kuşçu. Er hatte sich im Vorfeld an den Journalisten und Abgeordneten Mithat Perin gewandt, der die Informationen schließlich an Innenminister Namık Gedik weiterleitete. Die Kette der Warnungen war also lückenlos dokumentiert, und dennoch weigerte sich die Führung, die Bedrohung ernst zu nehmen.

Aus heutiger Sicht wirkt diese Selbstübersicherheit geradezu paradox. Die 9 Subay Olayı, also die Festnahme und Verurteilung der neun Offiziere im Jahr 1958, hätte als Weckruf dienen müssen. Stattdessen interpretierte die Regierung das Scheitern der Verschwörer als Beleg für die eigene Unantastbarkeit. Diese Fehleinschätzung offenbart ein grundlegendes Problem politischer Macht: Wer sich für unersetzlich hält, neigt dazu, Warnungen als persönliche Beleidigung oder als Ausdruck von Illoyalität abzutun.

Die historische Bewertung fällt daher eindeutig aus. Hätte man den Aussagen Kuşçus und den anschließenden Ermittlungen mehr Gewicht beigemessen, hätte die Regierung Strukturen innerhalb der Armee überprüfen und Gegenmaßnahmen einleiten können. Stattdessen verstrich wertvolle Zeit, bis die Verschwörer von 1960 ihre Chance sahen. Bayar selbst hat diese Entwicklung später mit großer Bitterkeit kommentiert. In seinen Memoiren schildert er, wie er Menderes eindringlich vor den Konsequenzen gewarnt habe, nur um mit der Bemerkung abgewiesen zu werden, dass ein solcher Offizier in der türkischen Armee schlicht nicht existiere.

Die Lehre aus dieser Episode reicht über die türkische Geschichte hinaus. Sie erinnert daran, dass Warnungen oft dort am dringendsten sind, wo sie am wenigsten erwünscht sind. Wer glaubt, alle Risiken zu kennen, übersieht jene, die sich gerade formieren. Die 9 Subay Olayı ist damit nicht nur ein Kapitel über einen fehlgeschlagenen Putsch, sondern auch eine Mahnung über die Gefahren der Selbstüberschätzung in der Politik. Ein Umstand, den Historiker bis heute als eine der großen verpassten Gelegenheiten der späten 1950er-Jahre werten.

Hinweis der Redaktion: Nicht bestätigte Details des historischen Ablaufs werden in diesem Artikel ausdrücklich als solche gekennzeichnet.


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